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Immer mehr illegaler Genmais

Samstag, 15. August 2009-14:51 -|- Eingestellt von: |

MaisdschungelVon Jörn Boewe

EU-​weit dreimal soviel ver­un­rei­nigte Saat­gut­proben nach­ge­wiesen wie vor einem Jahr. Mehr als drei Pro­zent der in diesem Jahr in der Euro­päi­schen Union unter­suchten Mais-​Saatgutproben waren mit gen­tech­nisch ver­än­derten Sorten verunreinigt.

Bei den bis 30. Juli durch­ge­führten 367 Tests seien in zwölf Fällen gen­tech­nisch ver­än­derte und nicht zuge­las­sene Orga­nismen nach­ge­wiesen worden, heißt es in der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine kleine Anfrage der Grünen-​Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken, die jW vor­liegt. Damit wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres dreimal so viele Ver­un­rei­ni­gungen nach­ge­wiesen wie jeweils in den beiden gesamten Vorjahren.

Der Mais ent­hielt dem­nach Spuren von Sorten, die in der Euro­päi­schen Union nicht als Saatgut zuge­lassen sind. Über­wie­gend han­delt es sich um Pro­dukte des US-​Konzerns Mons­anto, was nicht ver­wun­der­lich ist, weil Mons­anto nahezu ein Viertel des Welt­marktes für gen­tech­nisch ver­än­dertes Saatgut kon­trol­liert und damit weit vor der Kon­kur­renz liegt.

Ob und in wel­chem Maße solche Saaten 2009 illegal auf Acker­flä­chen gelangten, geht aus der Ant­wort nicht hervor. Für 2008 gibt die Regie­rung an, daß ver­un­rei­nigter Mais »auf ins­ge­samt ca. 160 Hektar in meh­reren Län­dern« aus­ge­bracht wurde. 2007 kam kon­ta­mi­nierter Raps auf rund 1500 Hektar zur Aus­saat. Die betrof­fenen Flä­chen seien »nach abge­stimmter Anord­nung der zustän­digen Länder umge­bro­chen« worden.

Ver­un­rei­ni­gungen durch gen­tech­nisch ver­än­derte Orga­nismen (GVO) konnten laut Bun­des­re­gie­rung auch in Lebens– und Fut­ter­mit­teln nach­ge­wiesen werden. Bis Ende Juli wurden EU-​weit 14 soge­nannte Schnell­war­nungen zu Lebens­mit­teln und zehn zu Fut­ter­mit­teln regis­triert. Dies ent­spricht etwa dem Niveau der beiden Vor­jahre. Bei den GVO-​kontaminierten Lebens­mit­teln han­delt es sich vor­wie­gend um Reis aus den USA und Reis­nu­deln aus China.

Eine regel­rechte Gentech-​Welle scheint 2006 nach Europa geschwappt zu sein: 127 Schnell­war­nungen gab es in jenem Jahr allein zu Reis und Reis­pro­dukten. Relativ häufig (elfmal) wurden in den ver­gan­genen fünf Jahren auch gen­tech­nisch ver­än­derte Papayas aus den USA beanstandet.

42mal flogen von 2004 bis 2009 Ver­suche auf, nicht zuge­las­sene gen­tech­nisch ver­än­derte bzw. GVO-​kontaminierte Fut­ter­mittel in Ver­kehr zu bringen. Die bean­stan­deten Mengen lagen den Angaben zufolge »zwi­schen 650 Kilo­gramm und ca. 34 400 Tonnen«.

Bei etwa einem Drittel der Schnell­war­nungen zu Lebens– und Fut­ter­mit­teln in diesem und im ver­gan­genen Jahr habe es sich um »Rück­wei­sungen an Grenz­kon­troll­stellen« gehan­delt, betont die Regie­rung, »d. h., die bean­stan­dete Sen­dung gelangte nicht auf den euro­päi­schen Markt«. In zwei Drit­teln der Fälle hatten dies die ver­un­rei­nigten Pro­dukte offenbar geschafft.

Die Bun­des­re­gie­rung macht keine Angaben, für wie zuver­lässig sie das Kon­troll­system in der EU bzw. im Inland hält. »Die Durch­füh­rung der Über­wa­chung (…) liegt in der Zustän­di­gig­keit der Länder«, heißt es nur lapidar. Daß die per­so­nelle und tech­ni­sche Aus­stat­tung bei deren zustän­digen Ämtern von Bun­des­land zu Bun­des­land sehr unter­schied­lich, im all­ge­meinen aber unzu­rei­chend ist, haben diverse Lebens­mit­tel­skan­dale der ver­gan­genen Jahre deut­lich gemacht.

Vor diesem Hin­ter­grund ist es wenig ver­wun­der­lich, daß der Bun­des­re­gie­rung »über die Ursprünge der Ver­un­rei­ni­gungen und die durch die Ver­un­rei­ni­gungen ent­stan­denen Kosten für die öffent­liche Hand (…) keine belast­baren Infor­ma­tionen« vorliegen.

Quelle: Junge Welt

Die Ver­öf­fent­li­chung wurde von “Junge Welt” geneh­migt. Vielen Dank !

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Kategorie » Deutschland, Umwelt/Klima « | Tags » , , , , «

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