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Italien, Deutschland und Japan: Die ehemaligen Achsenmächte des Zweiten Weltkriegs bauen das Verbot von "Kriegsvorbereitungen" ab

Mittwoch, 26. August 2009-8:16 -|- Eingestellt von: |

Der US-​Journalist Rick Rozoff klagt an: Deutsch­land, Ita­lien und Japan, die Ach­sen­mächte des Zweiten Welt­kriegs, betei­ligen sich wieder an Angriffs­kriegen, obwohl ihre Ver­fas­sungen das verbieten.

Von Rick Rozoff, Stop NATO, GLOBAL RESE­ARCH
Über­setzt von Wolf­gang Jung

Nach einer Pres­se­mel­dung vom 10. August plant die ita­lie­ni­sche Regie­rung, die nach dem Zweiten Welt­krieg in der (ita­lie­ni­schen) Ver­fas­sung fest­ge­schrie­bene Begren­zung offen­siver Mili­tär­ope­ra­tionen zu modi­fi­zieren, wenn nicht sogar auf­zu­heben; damit würde ein seit 61 Jahren beste­hendes Verbot besei­tigt, das die Betei­li­gung an (Angriffs-)Kriegen untersagt.

Diese Nach­richt erin­nerte die Leser daran, dass "nach dem Zweiten Welt­krieg in der ita­lie­ni­schen Ver­fas­sung einem (erneuten) mili­tä­ri­schen Enga­ge­ment des Landes enge Grenzen gesetzt wurden". Diese Begren­zungen will die ita­lie­ni­sche Regie­rung mit einem neuen Mili­tär­ge­setz "spe­ziell für Aus­lands­ein­sätze" unter­laufen; mit zwei­deu­tigen For­mu­lie­rungen und Taschen­spie­ler­tricks erklärt sie Aus­lands­ein­sätze zu Ope­ra­tionen, "die zwar nicht mehr als Frie­dens­mis­sionen, aber noch nicht als Kriegs­hand­lungen anzu­sehen sind". [1]

Am 10. und 11. August wurden nach­ein­ander der ita­lie­ni­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nister Ignazio La Russa und der ita­lie­ni­sche Außen­mi­nister Franco Frat­tini von der Tages­zei­tung COR­RIERE DELLA SERA inter­viewt, und wie Tan­dem­fahrer bedau­erten beide "die über­trie­benen Beschrän­kungen, die den ita­lie­ni­schen Streit­kräften auf­er­legt seien und sie bei den Kämpfen in dem NATO-​Krieg in Afgha­nistan behinderten".

Ein Kom­mentar in einer anderen Zei­tung fasste die Äuße­rungen La Russas und Frat­tinis wie folgt zusammen:

"Ita­liens 2.800 Sol­daten ope­rieren nach den Regeln eines frie­dens­er­hal­tenden Ein­satzes, die sie weit­ge­hend daran hin­dern, zurück zu schießen, auch dann, wenn sie selbst ange­griffen werden. Nach einer Ände­rung der Ein­satz­re­geln könnten die Truppen besser aus­ge­rüstet werden, damit sie auch zum Angriff über­gehen könnten."

Frat­tini wird mit der Aus­sage zitiert: "Wir brau­chen für solche Mis­sionen zur Frie­dens­si­che­rung, die nicht nur den Umgang mit Zivi­listen, son­dern auch wirk­liche Mili­tär­ak­tionen erfor­dern, andere Regeln." [2]

Dieser wenig schlüs­sige sprach­liche Eier­tanz ist ein Ver­such, nicht nur den Text, son­dern auch den Geist des Arti­kels 11 der Ver­fas­sung Ita­liens von 1948 zu umgehen. Er lautet:

Art. 11: Ita­lien lehnt den Krieg als Mittel des Angriffes auf die Frei­heit anderer Völker und als Mittel zur Lösung inter­na­tio­naler Strei­tig­keiten ab; unter der Bedin­gung der Gleich­stel­lung mit den übrigen Staaten stimmt es den Beschrän­kungen der staat­li­chen Ober­ho­heit zu, sofern sie für eine Rechts­ord­nung nötig sind, die den Frieden und die Gerech­tig­keit unter den Völ­kern gewähr­leistet; es för­dert und begüns­tigt die auf diesen Zweck gerich­teten über­staat­li­chen Zusam­men­schlüsse.
(Der Wort­laut des kom­pletten Artiklels11 wurde über­nommen aus
http://​www​.ver​fas​sungen​.eu/​i​t​/​i​t​a​l​4​8​.​htm .)

In diesem Artikel wird mit der Formel, Ita­lien "stimmt den Beschrän­kungen der staat­li­chen Ober­ho­heit zu", auch bereits der ein Jahr später erfol­gende Ein­tritt des Landes in die North Atlantic Treaty Orga­niza­tion /​NATO vorweggenommen.

Der Artikel 11 (der Ver­fas­sung Ita­liens) gleicht Arti­keln ähnli­chen Inhalts, die nach dem Zweiten Welt­krieg in die Ver­fas­sungen der­je­nigen Mächte über­nommen oder ein­ge­fügt wurden, die den ver­lust­reichsten Krieg in der Geschichte Europas und Asiens aus­ge­löst haben: Es han­delt sich dabei um die Mit­glieder der Achse Berlin-​Rom-​Tokio, also um die Staaten des (am 27.09.1940 auf Initia­tive Adolf Hit­lers geschlos­senen) Dreimächtepaktes.

Das Grund­ge­setz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus dem Jahr 1949, dessen Gel­tungs­be­reich 1990 auf das ganze wie­der­ver­ei­nigte Deutsch­land aus­ge­dehnt wurde, ent­hält in Artikel 26 ein Verbot der Vor­be­rei­tung eines Angriffs­krieges fol­genden Inhalts:

GG Art 26, Abs. (1): "Hand­lungen, die geeignet sind und in der Absicht vor­ge­nommen werden, das fried­liche Zusam­men­leben der Völker zu stören, ins­be­son­dere die Füh­rung eines Angriffs­krieges vor­zu­be­reiten, sind ver­fas­sungs­widrig. Sie sind unter Strafe zu stellen. (Der Wort­laut des Absatzes (1) wurde über­nommen aus http://​dejure​.org/​g​e​s​e​t​z​e​/​G​G​/​2​6​.​h​tml .)

Auch die Ver­fas­sung Japans, die dem Land 1947 von der Vereinigten-​Staaten ver­ordnet wurde, ent­hält in Artikel 9 ähnliche Vor­schriften. Er lautet:

Art. 9, Abs. 1: In auf­rich­tigem Streben nach einem auf Gerech­tig­keit und Ord­nung gegrün­deten inter­na­tio­nalen Frieden ver­zichtet das japa­ni­sche Volk für alle Zeiten auf den Krieg als ein sou­ve­ränes Recht der Nation und auf die Andro­hung oder Aus­übung von Gewalt als Mittel zur Bei­le­gung inter­na­tio­naler Streitigkeiten.

Abs. 2: Um das Ziel des vor­her­ge­henden Absatzes zu errei­chen, werden keine Land-​, See-​und Luft­streit­kräfte oder sons­tige Kriegs­mittel unter­halten. Ein Recht des Staates zur Kriegs­füh­rung wird nicht aner­kannt. (Der Wort­laut des Arti­kels 9 wurde über­nommen aus http://​www​.uni​-kassel​.de/​f​b​5​/​f​r​i​e​d​e​n​/​r​e​g​i​o​n​e​n​/​J​a​p​a​n​/​a​r​t​i​k​e​l​9​.​h​tml .)

Die US-​Streitkräfte und beson­ders die US-​Air Force haben ihre Basen in Deutsch­land, Ita­lien und Japan seit dem Korea-​Krieg bis zum aktu­ellen Krieg in Afgha­nistan in allen vom Pen­tagon ange­zet­telten Kon­flikten zur Sta­tio­nie­rung ihrer Bomber und zum Transit von Truppen, Waffen und sons­tigem Nach­schub genutzt.

Obwohl ihre Ver­fas­sungen die Unter­stüt­zung von Kriegs­vor­be­rei­tungen ver­bieten, haben sich die drei ehe­ma­ligen Ach­sen­mächte seit mehr als 60 Jahren in einer ganzen Reihe bewaff­neter Kon­flikte zu Kom­plizen machen lassen.

Aber für den größten Teil dieser Periode – fast ein halbes Jahr­hun­dert lang – wurde trotz dieser Kom­pli­zen­schaft wenigs­tens die in den jewei­ligen Ver­fas­sungen ent­hal­tene Vor­schrift ein­ge­halten, sich nicht mit eigenen Truppen an Angriffs­kriegen zu betei­ligen. Ita­lien war zwar 1949 an der Grün­dung der NATO betei­ligt, hat aber keine Sol­daten für den Korea-​Krieg gestellt, obwohl Groß­bri­tan­nien, Kanada, Frank­reich, die Nie­der­lande, Bel­gien und Luxem­burg die Ver­ei­nigten Staaten mit Truppen unterstützten.

Grie­chen­land und die Türkei stellten Trup­pen­kon­tin­gente, weil das eine Vor­be­din­gung für ihre NATO-​Mitgliedschaft war, die ihnen 1952 zuge­standen wurde; aber die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die 1955 (in die NATO) ein­trat, stellte keine Sol­daten (für den Korea-​Krieg).

Obwohl Aus­tra­lien, Neu­see­land, die Phil­ip­pinen und Thai­land Truppen (für Korea) stellten, tat Japan das nicht.

Die Vor­schrift, sich nicht an Kampf­ein­sätzen zu betei­ligen (die nicht zur Ver­tei­di­gung des eigenen Landes dienen), wurde von zwei der drei Nationen – von Deutsch­land und Ita­lien – erst im Krieg der NATO gegen Jugo­sla­wien Anfang 1999 ver­letzt. Beide Länder stellten Kampf­jets für den 78-​tägigen Luft­krieg, und der US-​und NATO-​Luftwaffenstützpunkt Aviano (in Ita­lien) diente als Haupt­basis für die täg­li­chen Bom­ben­an­griffe auf mili­tä­ri­sche Ziele und auf die zivile Infra­struktur und die Bürger (im Kosovo und in Ser­bien). Auch Kampf­flug­zeuge der USA, Groß­bri­tan­niens, Kanadas, Spa­niens, Por­tu­gals und anderer Länder ope­rierten von diesem Flug­platz aus.

Die Wort­klau­berei des gegen­wär­tigen ita­lie­ni­schen Außen­mi­nis­ters Frat­tini, mit der er zu bestreiten ver­sucht, dass ein Krieg ein Krieg ist, wurde bereits erwähnt, und ver­gleich­bare Ver­dre­hungen und fal­sche Behaup­tungen deut­scher und ita­lie­ni­scher Minister und Par­la­men­ta­rier gab es auch 1999. Deutsch­land und Ita­lien hatten sich zum ersten Mal nach der Herr­schaft Hit­lers und Mus­so­linis wieder mit eigenen Truppen an einem Krieg gegen ein Land betei­ligt, das sie nicht ange­griffen hatte, aber von den beiden faschis­ti­schen Füh­rern 59 Jahre vorher schon einmal ange­griffen worden war.

(Der "Blitz­krieg" der deut­schen Wehr­macht gegen Jugo­sla­wien begann am 06.04.1941, der NATO-​Luftkrieg gegen die Serben am 24.03.1999. Beide Kriege liegen also 58 Jahre aus­ein­ander. Der am 28.10.1940 gestar­tete Angriff Ita­liens auf Grie­chen­land war geschei­tert.)

Die nach dem Zweiten Welt­krieg im Nürn­berger Urteil aus­ge­spro­chene Ächtung des Angriffs­krieges wurde von den besiegten Ach­sen­mächten miss­achtet, und im letzten Jahr­zehnt haben sich Deutsch­land, Ita­lien und Japan wieder zuneh­mend auf regio­naler und inter­na­tio­naler Ebene als Mili­tär­mächte eta­bliert – bis zu der in unter­schied­li­chem Ausmaß erfol­genden Teil­nahme aller drei Staaten an dem gegen­wär­tigen Krieg der USA und der NATO in Afghanistan.

(Das Nürn­berger Urteil von 1946 sagt zum Ver­bre­chen des Angriffs­krieges: "Der Krieg ist seinem Wesen nach ein Übel. Seine Aus­wir­kungen sind nicht allein auf die krieg­füh­renden Staaten beschränkt, son­dern treffen die ganze Welt. Die Ent­fes­se­lung eines Angriffs­krieges ist daher nicht bloß ein inter­na­tio­nales Ver­bre­chen; es ist das schwerste inter­na­tio­nale Ver­bre­chen, das sich von anderen Kriegs­ver­bre­chen nur dadurch unter­scheidet, daß es in sich alle Schre­cken der anderen Ver­bre­chen ein­schließt und anhäuft." Das Zitat wurde ent­nommen aus "Der Nürn­berger Pro­zess",
s.
http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F .)

Deutsch­land hat jetzt die Höchst­zahl der der­zeit vom Bun­destag geneh­migten Sol­daten nach Afgha­nistan ent­sandt: 4.500 Mann und 300 zusätz­liche Sol­daten in den AWACS-​Maschinen der NATO, die zur Eska­la­tion des Krieges bei­tragen. Es stellt das viert­größte Trup­pen­kon­tin­gent in Afgha­nistan – nach den Ver­ei­nigten Staaten, Groß­bri­tan­nien und Kanada.

Ita­lien stellt mit 3.250 Sol­daten den sechst­größten Trup­pen­an­teil und kom­man­diert den NATO-​Einsatz in West-​Afghanistan in der Nähe der ira­ni­schen Grenze. Der Krieg gegen Jugo­sla­wien im Jahr 1999 war für Deutsch­land und Ita­lien der erste Luft­krieg nach den Zweiten Welt­krieg, der Krieg in Afgha­nistan ist der erste Bodenkrieg.

Deutsch­land hat bisher schon 38 Sol­daten ver­loren, Ita­lien erst 15.

Eine Ende Juli im Auf­trag einer großen ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung durch­ge­führte Umfrage hat ergeben, dass 56 Pro­zent der Ita­liener einen Abzug der ita­lie­ni­schen Truppen vom afgha­ni­schen Kriegs­schau­platz for­dern, aber Pre­mier­mi­nister Silvio Ber­lus­coni, Außen­mi­nister Frat­tini und Ver­tei­di­gungs­mi­nister La Russa bestehen darauf, die Truppen in Afgha­nistan zu belassen; sie haben kürz­lich sogar noch 500 zusätz­liche Sol­daten ent­sandt und sich ver­pflichtet, mehr Predator-​Drohnen, Tornado-​Kampfflugzeuge und Kampf­hub­schrauber einzusetzen.

Ende letzten Monats hatte Ver­tei­di­gungs­mi­nister La Russa erklärt: "Es ist mög­lich, dass wir auch die Anzahl der Hub­schrauber erhöhen werden, um unsere Truppen besser aus der Luft unter­stützen zu können; wir werden auch unsere Tor­nados offen­siver ein­setzen." [3]

Zur glei­chen Zeit stieß Außen­mi­nister Frat­tini ins gleiche Horn: "Wir werden die Anzahl derun­be­mannten Über­wa­chungs­drohnen vom Typ Pre­dator erhöhen und unsere Tornado-​Kampfjets nicht nur zur Auf­klä­rung, son­dern auch zur Unter­stüt­zung unserer Boden­truppen einsetzen."

Eine ita­lie­ni­sche Zei­tung ergänzte: "Er teilte auch mit, dass Ita­lien die Pan­ze­rung seiner Lince-​Truppentransporter ver­stärken und eine neue Gene­ra­tion gepan­zerter Fahr­zeuge ent­senden werde." [4]

In fünf vor­aus­ge­henden Arti­keln dieser Reihe wurde Deutsch­lands erneuter Auf­stieg zur mili­tä­ri­schen Groß­macht nach dem Zweiten Welt­krieg doku­men­tiert [5, 6, 7, 8, 9]; dabei wurden auch die fort­schrei­tende Trans­for­ma­tion der Bun­des­wehr in eine "inter­na­tional ope­rie­rende Inter­ven­ti­ons­armee" [10] und die Hal­tung der Merkel-​Regierung unter­sucht, "Deutsch­land müsse seine aus der Zeit nach dem Zweiten Welt­krieg stam­menden Hem­mungen, robuste Sicher­heits­maß­nahmen – ein­schließ­lich mili­tä­ri­scher Gewalt im In– und Aus­land – ein­zu­setzen, end­lich ablegen. [11]

In einem 2006 vom deut­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium vor­ge­legten Weiß­buch wird gefor­dert, die Bun­des­wehr müsse "von Grund auf in eine Inter­ven­ti­ons­armee umstruk­tu­riert werden" [12], und einer der Autoren stellte fest: "Es wird Zeit, dass Deutsch­land seine Nach­kriegs­hem­mungen, auch wieder Gewalt anzu­wenden, end­lich über­windet." [13]

Am 8. August, wenige Wochen nachdem "deut­sche Truppen in Kundus ihre größte mili­tä­ri­sche Offen­sive seit dem Zweiten Welt­krieg ein­ge­leitet hatten", wurde berichtet, "der deut­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nister Franz Josef Jung habe in einem Zei­tungs­in­ter­view gesagt, …, deut­sche Streit­kräfte müssten noch bis zu zehn wei­tere Jahre in Afgha­nistan bleiben". [14]

Die deut­sche Regie­rung ver­tritt offen den Ein­satz der Bun­des­wehr sowohl im Innern der Bun­des­re­pu­blik als auch im Aus­land und hat im April anläss­lich des Gip­fels zum 60. Geburtstag der NATO in Kehl Sol­daten gegen Demons­tranten auf­mar­schieren lassen; das ist ein gefähr­li­cher Weg, den zuerst die Berlusconi-​Regierung beschritten hat, als sie vor einem Jahr in Rom, Mai­land, Neapel und Turin 3.000. Sol­daten gegen Ein­wan­derer, Roma-​Lager und angeb­lich auch gegen kri­mi­nelle Ver­ei­ni­gungen ein­ge­setzt hat.

Solche Mili­tär­ein­sätze im Innern des eigenen Landes erin­nern fatal an Prak­tiken, die es seit Mus­so­lini und Hitler in Ita­lien und Deutsch­land nicht mehr gegeben hat.

Zwei Monate danach wurde in einem Artikel mit der Über­schrift "Die NATO füllt die Kassen der Mafia mit Miet­zah­lungen" berichtet, dass in Neapel, wo seit 2004 ein Allied Joint Force Com­mand der NATO (ein Ver­ei­nigtes Ober­kom­mando der NATO-​Streitkräfte) resi­diert, "Regie­rungs­gelder, die für die NATO bestimmt waren, in die Taschen der gewalt­tä­tigsten kri­mi­nellen Orga­ni­sa­tion Ita­liens geflossen sind". [15]

In einem wei­teren Bericht, der im November letzten Jahres erschienen ist, heißt es:

"Franco Roberti, der Chef der Antimafia-​Sonderkommission der Stadt Neapel, beschul­digte in einem von der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung COR­RIERE DELLA SERA ver­öf­fent­lichten Artikel Offi­zi­elle der US-​und NATO-​Streitkräfte, wis­sent­lich Häuser von Per­sonen ange­mietet zu haben, die ver­däch­tigt werden, Gangster-​Bosse zu sein. Die Groß­ver­mieter kas­sierten für US-​und NATO-​Bedienstete Monats­mieten von 1.500 bis 3.000 Euro, die zwei bis dreimal höher als die orts­üb­li­chen Mieten waren." [16]

Obwohl ita­lie­ni­sche Truppen wieder in den Straßen der Städte auf­tau­chen, blieb die (abkas­sie­rende) Camorra Casa­lese unbe­hel­ligt und konnte sich auch noch bereichern.

Im letzten Jahr bestä­tigte Ber­lus­coni auch, dass die bereits wäh­rend seiner vor­he­rigen Amts­zeit als Pre­mier­mi­nister ent­wi­ckelten Pläne, das US-​Camp in der Caserma Ederle in Vicenza mit dem benach­barten Flug­hafen Dal Molin zur "größten US-​Militärbasis außer­halb der Ver­ei­nigten Staaten" [17] aus­zu­bauen, jetzt umge­hend rea­li­siert würden.

Camp Ederle beher­bergt bereits 6.000 US-​Soldaten und wird bald alle sechs Batail­lone des 173rd Air­borne Bri­gade Combat Teams (des Kampf­teams der 173. Fallschirmjäger-​Brigade) auf­nehmen – auch die (vier, die der­zeit noch in Bam­berg und Schwein­furt) in Deutsch­land sta­tio­niert sind. Das 173rd Air­borne Bri­gade Combat Team wurde in den letzten Jahren im Irak und in Afgha­nistan ein­ge­setzt. (Infos dazu unter http://​www​.luft​post​-kl​.de/​l​u​f​t​p​o​s​t​-​a​r​c​h​i​v​/​L​P​_​0​7​/​L​P​0​2​9​0​7​_​0​4​0​2​0​7​.​pdf )

Im Juli letzten Jahres waren US-​Soldaten der in Vicenza sta­tio­nierten Sou­thern Euro­pean Task Force /​Air­borne (der Süd­eu­ro­päi­schen Ein­greif­truppe /​Fall­schirm­jäger) unter den 1.000 Mann, die an dem NATO-​Manöver Imme­diate Response 2008 (Sofor­tige Ant­wort 2008) in Geor­gien teil­nahmen. Das war die größte Anzahl von US-​Soldaten, die jemals gleich­zeitig im Kau­kasus ein­ge­setzt waren; sie hatten die Streit­kräfte der Gastgeber-​Nation (Geor­gien) für einen Krieg mit Russ­land trai­niert, der wenige Tage danach folgte.

"US-​Ausbilder, die für das Trai­ning des geor­gi­schen Mili­tärs ver­ant­wort­lich waren, blieben in dem gefähr­deten Land, als am Freitag, dem 8. August, wegen der Abspal­tung der Pro­vinz Süd­os­se­tien die Kämpfe zwi­schen Russ­land und Geor­gien aus­bra­chen. (s. dazu http://​www​.luft​post​-kl​.de/​l​u​f​t​p​o​s​t​-​a​r​c​h​i​v​/​L​P​_​0​8​/​L​P​1​2​9​0​8​_​1​0​0​8​0​8​.​pdf )

Das U.S. Euro­pean Com­mand (EUCOM in Stutt­gart) teilte am Montag mit, dass es zur Zeit nicht plane, die US-​Ausbilder aus dem Land zurück­zu­ziehen." [18]

Im Januar 2008 gab die ita­lie­ni­sche Regie­rung bekannt, dass sie eine Auto­bahn bauen wolle, um Vicenza mit dem Luft­waf­fen­stütz­punkt Aviano zu ver­binden. "Die Fall­schirm­jäger, die in der Caserma Ederle in Vicenza sta­tio­niert sind, benutzen Aviano für ihr (Absprung-)Training und fliegen von dort aus zu ihren Ein­sätzen: Bei ihren letzten drei Kampf­ein­sätzen ist die 173rd Air­borne Bri­gade immer von Aviano aus gestartet." [19]

Jahr­zehn­te­lang war man sich dar­über einig, dass es Japan durch den eine Remi­li­ta­ri­sie­rung ver­bie­tenden Artikel 9 seiner Ver­fas­sung unter­sagt ist, wieder auf­zu­rüsten und sich an Mili­tär­ak­tionen außer­halb seiner Grenzen – die beschö­ni­gend als kol­lek­tive Selbst­ver­tei­di­gung bezeichnet werden – zu betei­ligen. Ers­tens ist es Japan ganz ein­deutig ver­boten, Truppen, Kriegs­schiffe und Kampf­flug­zeuge außer­halb des japa­ni­schen Ter­ri­to­riums und seines See­ge­bietes in bewaff­neten Aus­ein­an­der­set­zungen einzusetzen.

Zwei­tens ist es dem Land ver­boten, bila­te­rale oder mul­ti­la­te­rale Ver­träge abzu­schließen oder Mili­tär­bünd­nisse ein­zu­gehen, die Japan ver­pflichten, anderen Nationen im Krieg bei­zu­stehen oder sich an Pro­grammen wie dem welt­weiten US-​Raketenabwehrschild zu beteiligen.

Im Laufe der letzten acht Jahre hat die japa­ni­sche Regie­rung beide Kom­po­nenten des in der Ver­fas­sung ver­an­kerten Ver­bots ver­letzt: Sie hat Truppen in Kon­flikt­zonen ent­sandt und sich an gemein­samen Ver­tei­di­gungs­maß­nahmen betei­ligt, die in Wahr­heit kaum defensiv zu nennen sind.

Tokio ver­stieß zum ersten Mal 2002 gegen das Verbot, Truppen außer­halb seiner Grenzen ein­zu­setzen, als es 600 Sol­daten nach Ost­timor ent­sandte, die sich den Truppen aus Aus­tra­lien, Argen­ti­nien, Ban­gla­desch, Bra­si­lien, Groß­bri­tan­nien, Kanada, China, von den Fid­schi­in­seln, aus Finn­land, Frank­reich, Ita­lien, Japan, Malaysia, Neu­see­land, Nor­wegen, Pakistan, von den Phil­ip­pinen, aus Por­tugal, Sin­gapur, Süd­korea, Schweden, Thai­land und aus den Ver­ei­nigten Staaten anschlossen.

Im Dezember des darauf fol­genden Jahres schickte die Regie­rung des Pre­mier­mi­nis­ters Juni­chiro Koizumi 600 Sol­daten und Hun­derte Zivi­listen zur Unter­stüt­zung in den Irak – neun Monate nach der Inva­sion des Landes durch die Ver­ei­nigten Staaten und Großbritannien.

Bei dem Irak-​Einsatz wurden japa­ni­sche Truppen zum ersten Mal seit dem Zweiten Welt­krieg wieder auf einen Kriegs­schau­platz entsandt.

Dem Bei­spiel ita­lie­ni­scher und deut­scher Regie­rungs­mit­glieder fol­gend, die das Wort "Krieg" par­tout nicht in den Mund nehmen wollen, obwohl sie ihre Sol­daten in Kriege schi­cken, bezeich­nete Tokio seine Truppe als "Japa­ni­sche Aufbau-​und Unter­stüt­zungs­gruppe für den Irak". Unab­hängig von dem gewählten Namen hat Japan Truppen zur Unter­stüt­zung Ver­bün­deter ent­sandt, die den Irak unter Ver­let­zung des Völ­ker­rechts und ohne UN-​Mandat über­fallen haben und damals noch in hef­tige Kämpfe ver­wi­ckelt waren. Die japa­ni­schen Sol­daten blieben bis 2006 im Irak, bis sich die USA und ihre NATO-​Verbündeten wieder stärker auf Afgha­nistan konzentrierten.

Seinen Trup­pen­abzug im Jahr 2006 kom­pen­sierte Japan, indem es Luft­trans­porte für die Irak-​Besatzer durch­führte; erst im Dezember 2008, als die west­li­chen Alli­ierten dem Afghanistan-​Krieg wieder abso­lute Prio­rität ein­räumten, been­dete Japan sein mili­tä­ri­sches Enga­ge­ment im Irak.

Den Afghanistan-​Krieg hat Japan von Beginn an unter­stützt, und "trotz seiner pazi­fis­ti­schen Ver­fas­sung hat Japan seit 2001 an Marine-​Operationen im Indi­schen Ozean teil­ge­nommen und der US-​geführten Koali­tion, die in Afgha­nistan kämpft, Treib­stoff und andere logis­ti­sche Unter­stüt­zung zur Ver­fü­gung gestellt". [20] Es ver­sorgte die meisten der US und NATO-​Kriegsschiffe im Indi­schen Ozean mit Treib­stoff, ein­schließ­lich der­je­nigen, die Tomahawk-​Marschflugkörper auf Afgha­nistan abfeu­erten. Japan zog seine See­streit­kräfte Ende 2007 kurz­zeitig ab, ent­sandte sie aber ein Jahr später wieder, und sie betei­ligen sich bis heute am der­zeit größten Krieg der Welt.

Das immer noch als pazi­fis­tisch ein­ge­schätzte Japan hat also die letzten beiden Kriege des Wes­tens aktiv unterstützt.

Keiichiro Asao, ein Par­la­ments­ab­ge­ord­neter der Demo­kra­ti­schen Partei Japans, der Ver­tei­di­gungs­mi­nister seines Landes werden soll, wenn seine in Umfragen füh­rende Partei die nächsten Wahlen gewinnt, bemerkte im ver­gan­genen Monat in einem Inter­view mit der US-​Militärzeitung STARS AND STRIPES zum Afghanistan-​Krieg: "Wenn Frie­dens­ge­spräche in einem Teil Afgha­nis­tans erfolg­reich ver­laufen, könnten wir Boden­truppen in diese Gebiete ent­senden, um beim Aufbau einer Zivil­ge­sell­schaft zu helfen, selbst dann, wenn in anderen Gebieten noch gekämpft wird." [21]

Japa­ni­sche Boden­truppen auf dem am hef­tigsten umkämpften Kriegs­schau­platz der Welt würden auch die letzten Spuren der Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung Japans nach dem Zweiten Welt­krieg tilgen, und damit würde sich nach Deutsch­land und Ita­lien auch dieses Land wieder unter die Staaten ein­reihen, die Kriege führen.

Und darauf hat man wohl seit Jahren hin­ge­ar­beitet, weil im Januar 2007 die Ver­tei­di­gungs­agentur Japans wieder in ein Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium umge­wan­delt wurde, das es seit der Nie­der­lage des Landes im Zweiten Welt­krieg nicht mehr gegeben hat.

Im glei­chen Monat wurde berichtet, dass Pre­mier­mi­nister Shinzo Abe und Ver­tei­di­gungs­mi­nister Fumio Kyuma daran denken, "Japans Truppen zu Prä­ven­tiv­schlägen wäh­rend inter­na­tio­naler Frie­dens­mis­sionen zu ermäch­tigen" und nach Wegen suchen, "wie die von der japa­ni­schen Ver­fas­sung ver­bo­tene Gewalt­an­wen­dung bei Akten der kol­lek­tiven Selbst­ver­tei­di­gung, die gemeinsam mit Ver­bün­deten erfolgt, gelo­ckert werden kann".

"Die Regie­rung will dieses Ziel errei­chen, indem sie die Ver­fas­sung neu inter­pre­tiert," berichtet die Tages­zei­tung YOMIURI. [22]

Drei Monate später wurde in einem Artikel mit der Über­schrift "Japan muss dar­über nach­denken, wie es für ange­grif­fene Ver­bün­dete kämpfen kann" berichtet: "Pre­mier­mi­nister Shinzo Abe neigt dazu, Japan in vier Fällen das Recht auf kol­lek­tive Selbst­ver­tei­di­gung zu gewähren", etwa "beim Ein­satz des japa­ni­schen Rake­ten­ab­wehr­sys­tems gegen einen Angriff mit bal­lis­ti­schen Raketen auf ein ver­bün­detes Land wie die Ver­ei­nigten Staaten". Das mel­dete die Kyodo News Agency. [23]

In drei wei­teren Fällen wäre Tokio eben­falls bereit, die von der Ver­fas­sung ver­bo­tene Teil­nahme an so genannten kol­lek­tiven Ver­tei­di­gungs­maß­nahmen zu umgehen: "wenn ein japa­ni­sches Kriegs­schiff, das ein japa­ni­sches Han­dels­schiff begleitet, unter Beschuss gerät, wenn eine japa­ni­sche Mili­tär­ein­heit in einer mul­ti­na­tio­nalen Streit­macht ange­griffen wird und wenn sich japa­ni­sche Truppen im Rahmen einer UN-​Friedensmission zur Wehr setzen müssen." [24]

Es ist wichtig, sich daran zu erin­nern, dass Pre­mier­mi­nister Abe die Tra­di­tion seines Vor­gän­gers Koizumi fort­ge­setzt und jähr­lich den Yasu­kuni Schrein besucht hat, in dem japa­ni­sche Kriegs­tote – dar­unter 14 ver­ur­teilte Kriegs­ver­bre­cher aus dem Zweiten Welt­krieg – bestattet sind.

"’Es steht der japa­ni­sche Regie­rung nicht zu, die Taten so genannter Kriegs­ver­bre­cher nach­träg­lich zu beur­teilen," sagte Abe am 3. Oktober 2006 vor dem japa­ni­schen Par­la­ment. [25]

Die von 2001 bis 2006 durch­ge­führten Schrein-​Besuche japa­ni­scher Pre­mier­mi­nister empörten China, Nord– und Süd­korea, Thai­land, die Phil­ip­pinen und andere Nationen, welche die Kriegs­ver­bre­chen, die Japaner an ihren Län­dern und Völ­kern begangen haben, immer noch ver­ur­teilen und in der Reha­bi­li­tie­rung der Schul­digen eine Wie­der­be­le­bung des japa­ni­schen Mili­ta­rismus sehen.

Der gefähr­lichste Part der japa­ni­schen Pläne für die Zulas­sung prä­ven­tiver Angriffe im Rahmen kol­lek­tiver Ver­tei­di­gungs­maß­nahmen ist das von der Regie­rung im Jahr 2007 zuerst ange­führte Bei­spiel: die Inte­gra­tion Japans in den so genannten Rake­ten­ab­wehr­schild, den die USA aus boden-​, luft und see­ge­stützten Kom­po­nenten unter Ein­be­zie­hungim Welt­raum sta­tio­nierter Über­wa­chungs­sa­tel­liten und Raketen welt­weit auf­bauen wollen.

Am 11. August warnte der Kom­man­deur der rus­si­schen Luft­waffe, Gene­ral­oberst Alex­ander Zelin: "Ab 2030 … werden andere Länder und beson­ders die Ver­ei­nigten Staaten in der Lage sein, mit koor­di­nierten Prä­zi­si­ons­an­griffen aus der Luft und aus dem Welt­raum jedes Ziel auf dem gesamten rus­si­schem Ter­ri­to­rium zu errei­chen." [26]

Am nächsten Tag wandte sich der chi­ne­si­sche Außen­mi­nister Yang Jiechi an die Abrüstungs-​Konferenz in Genf, an der 65 Länder betei­ligt sind, und warnte vor einem "Wett­rüsten im Welt­raum"; er stellte fest, "im Welt­raum drohe jetzt die Gefahr einer neuen Auf­rüs­tung" und for­derte: "Die Staaten der Welt sollten weder Rake­ten­ab­wehr­sys­teme ent­wi­ckeln, welche die glo­bale stra­te­gi­sche Sta­bi­lität unter­graben, noch Waffen im Welt­raum sta­tio­nieren." [27]

Im Jahr 2005 haben die Ver­ei­nigten Staaten und Japan ver­ein­bart, auf dem US-​Luftwaffenstützpunkt Yokota west­lich von Tokio eine Rake­ten­ab­wehr­sta­tion zu errichten. Kyodo News, eine lokale Tages­zei­tung, schrieb damals über des Pro­jekt: "Japans Erfolg wird auch das ato­mare Poten­zial Chinas und Russ­lands in Ost­asien beein­flussen. Zwei­fellos werden die beiden Staaten ihre Anstren­gungen stei­gern, Raketen mit höherer Leis­tung zu ent­wi­ckeln." [28]

Im Mai 2007 drängte Pentagon-​Chef Robert Gates: "Japan sollte sein Recht zur Betei­li­gung an kol­lek­tiven Ver­tei­di­gungs­maß­nahmen erklären, damit es sein Rake­ten­ver­tei­di­gungs­system dazu ver­wenden kann, nord­ko­rea­ni­sche bal­lis­ti­sche Raketen abzu­wehren, die auf die Ver­ei­nigten Staaten zielen." [29]

Die Ver­ei­nigten Staaten ver­wenden Nord­ko­reas Raketen als Vor­wand, um ihren glo­balen Rake­ten­ab­wehr­schild, mit dessen Hilfe sie Russ­land und China mit einem ange­drohten ato­maren Erst­schlag erpressen könnten, nach Osten aus­zu­dehnen. Damals war über die Gates-​Initiative zu lesen: "Das Drängen der USA auf eine Betei­li­gung (Japans) an einem kol­lek­tiven Ver­tei­di­gungs­system ent­springt seiner Absicht, die Abschre­ckung gegen­über China zu ver­stärken, und zeigt Washing­tons Hoff­nung, Pre­mier­mi­nister Shinzo Abe werde das durch eine Ver­fas­sungs­än­de­rung ermög­li­chen." [30]

Im glei­chen Monat, im Mai 2007, wurde auch bekannt, dass "Japans Verteidigungs-​ministerium die US-​Streitkräfte seit Ende April mit Geheimdienst-​Erkenntnissen ver­sorgte, die über das Frühwarn-​Radarnetz der Luft-​Selbstverteidigungs-​streitkräfte /​ADSF gewonnen wurden; das Minis­te­rium hatte durch eine Ver­net­zung der ADSF mit dem Haupt­quar­tier der 5th Air Force auf dem US-​Luftwaffenstützpunkt Yokota bei Tokio bereits damit begonnen, diese Erkennt­nisse lau­fend zu über­mit­teln, bevor die beiden Staaten auf einem streng geheimen Treffen, das am 1. Mai in in Washington statt­fand, den Daten­aus­tausch zur Rake­ten­ab­wehr ver­ein­bart hatten". [31]

Schon vor zwei Jahren schmie­dete die regie­rende Libe­rale Partei Pläne, nach dem Kalten Krieg end­lich den Zustand zu ändern, "dass Japans pazi­fis­ti­sche Ver­fas­sung die Betei­li­gung an Kriegen und Mili­tär­ak­tionen im Aus­land ver­bietet. Die japa­ni­sche Regie­rung inter­pre­tiert die Ver­fas­sung gegen­wärtig dahin­ge­hend, dass sie Japan das Recht nimmt, einen ange­grif­fenen Ver­bün­deten zu ver­tei­digen". [32] Man will also den Artikel 9 seines (pazi­fis­ti­schen) Inhalts berauben oder ihn ganz streichen.

Japan möchte die nach dem Zweiten Welt­krieg an Russ­land gerich­tete revan­chis­ti­sche For­de­rung nach Rück­gabe seiner Kurilen-​Inseln wieder inten­si­vieren und hat sich des­halb dem Bestreben seinen ehe­ma­ligen Ver­bün­deten in Berlin und Rom ange­schlossen, die nach dem Zweiten Welt­krieg ein­ge­führten Beschränken für Mili­tär­ein­sätze im Aus­land, die auch prä­ven­tive Angriffe aus­schließen, zu beseitigen.

Nachdem vor einer Gene­ra­tion der sozia­lis­ti­sche Block in Ost­eu­ropa zusammen-​gebrochen ist und die NATO jetzt ver­sucht, sich das Ter­ri­to­rium der Staaten des ehe­ma­ligen War­schauer Ver­trags ein­zu­glie­dern, sind viele Dämonen, die Jahr­zehnte geschlum­mert haben, wieder auf­ge­wacht: der uner­sätt­liche Mili­ta­rismus, die For­de­rung nach einer Ver­än­de­rung beste­hender Grenzen, der Revi­sio­nismus, der die Ergeb­nisse des Zweiten Welt­kriegs rück­gängig machen will, der Revan­chismus und natür­lich der Faschismus.

Im Februar 2007 ent­schied das Buka­rester Beru­fungs­ge­richt des Staates Rumä­nien, der sich im Zweiten Welt­krieg den Ach­sen­mächten Deutsch­land, Ita­lien und Japan ange­schlossen hatte, dass die Teil­nahme der 800.000 rumä­ni­schen Sol­daten an Hit­lers Über­fall auf die Sowjet­union im Jahr 1941 ein "Krieg zur Befreiung Bes­sa­ra­biens (das heute größ­ten­teils zu Mol­da­wien gehört) und der Buko­wina" (die heute zwi­schen Rumä­nien und der Ukraine auf­ge­teilt ist) war. [33]

Ende Juli dieses Jahres trug Radu Mazare, der Bür­ger­meister der rumä­ni­schen Stadt Con­stanta, bei einer Moden­schau eine Uni­form der Nazi-​Wehrmacht und begrün­dete das damit, dass er sich "wie ein General der Wehr­macht kleiden wollte, weil er diese Uni­form und die strenge Orga­ni­sa­tion der deut­schen Armee schon immer bewun­dert habe." [34]

Zwei Jahre vorher hatte Rein Lang, der Jus­tiz­mi­nister Est­lands, das der NATO und der Euro­päi­schen Union ange­hört, in einer Bar seinen fünf­zigsten Geburtstag gefeiert – mit einer "Hitler-​Nacht", bei der ein Schau­spieler in einem Einpersonen-​Stück mit dem Titel "Adolf" vor einem Haken­kreuz im Hin­ter­grund einen (fik­tiven) "Monolog Hit­lers vor seinem Selbst­mord" rezi­tierte. In diesem Monolog for­derte der Führer seine Ver­bün­deten auf "weiter für die Ideen des Dritten Rei­ches zu kämpfen". [35]

Am 26. Juli dieses Jahres fei­erten Vete­ranen der 20. est­ni­schen SS-​Division eine 1944 gegen die sowje­ti­schen Armee geschla­gene Schlacht, und das war nur die jüngste einer ganzen Reihe von Gedenk­ver­an­stal­tungen, mit denen jedes Jahr an die Nazi-​Vergangenheit erin­nert wird. An einem Marsch, der aus diesem Anlass statt­fand, nahmen "Anhänger des Faschismus aus allen Bal­ten­staaten, aus Hol­land, Nor­wegen, Däne­mark und sogar aus Geor­gien teil." [36]

Ein rus­si­scher Jour­na­list kom­men­tierte die Ten­denzen in diesem Land mit den Worten: "Est­land wird von Leuten regiert, die ihre Begeis­te­rung für den Faschismus und die Nazi-​Ideologie noch nicht einmal zu ver­bergen ver­su­chen." [37]

Drei Monate vorher mar­schierten 300 Letten bei der jähr­li­chen Parade zum Legionärs-​Tag mit, die zu Ehren der Vete­ranen der let­ti­schen Waffen-​SS ver­an­staltet wird, "die an Straf­ex­pe­di­tionen und Mas­sen­tö­tungen von Juden, Weiß­russen und Letten betei­ligt waren". [38] Auch Lett­land ist Mit­glied der NATO und der EU. Die jähr­li­chen Mär­sche werden in der Haupt­stadt Riga insze­niert, und obwohl sie von der Regie­rung offi­ziell nicht gebil­ligt werden, gewährt sie den Nazi-​Sympathisanten Poli­zei­schutz und hat in der Ver­gan­gen­heit auch schon anti­fa­schis­ti­sche Demons­tranten fest­nehmen lassen.

Das Vor­bild für dieses Wie­der­auf­leben des Faschismus war Kroa­tien, das bereits 1991 die mit den Nazis ver­bün­dete Usta­scha reha­bi­li­tiert und glo­ri­fi­ziert hat (s. auch http://​de​.wiki​pedia​.org/​w​i​k​i​/​U​s​t​a​s​cha ).

Die neue braune Pest hat sich auch in die Ukraine aus­ge­breitet, wo im letzten Jahr Prä­si­dent Wiktor Juscht­schenko, ein Pro­dukt der "oran­ge­far­benen Revo­lu­tion" von 2004 und ein Anhänger der Ver­ei­nigten Staaten, dessen Zustim­mungs­rate kürz­lich auf weniger als ein Pro­zent abge­sunken ist, "Roman Shuk­he­vich, einem der Anführer der ukrai­ni­schen Auf­stän­di­schen Armee, die an der Seite des Dritten Rei­ches gekämpft hat, postum den Titel eines Helden der Ukraine ver­liehen hat; er unter­zeich­nete auch eine Ver­ord­nung, mit der er den Grün­dungstag der Auf­stän­di­schen Armee zum Fei­ertag erklärte". [39] (s. auch http://​en​.wiki​pedia​.org/​w​i​k​i​/​R​o​m​a​n​_​S​h​u​k​h​e​v​ych )

In den ver­blei­benden Tagen seiner Amts­zeit ver­stärkt Juscht­schenko seine Anstren­gungen, die Ukraine in NATO zu führen, obwohl eine über­wäl­ti­gende Mehr­heit der Bevöl­ke­rung das ablehnt; außerdem lässt er Denk­mäler zu Ehren Ste­phan Ban­deras errichten, der eben­falls ein Führer der ukrai­ni­schen Auf­stän­di­schen Armee war.

Die Rück­kehr Deutsch­lands, Ita­liens und Japans in die Reihen der Kriege füh­renden Nationen und das Wie­der­auf­leben faschis­ti­schen Gedan­ken­guts in Europa könnte einen zukünf­tigen Stu­denten zu den Annahmen ver­leiten, die Ach­sen­mächte seien die Sieger und nicht die Ver­lierer des Zweiten Welt­kriegs gewesen und die Nürn­berger Pro­zesse habe es nie gegeben.

Anmer­kungen

1) Deut­sche Presse-​Agentur, 10. August 2009
2) The Asso­ciated Press, 11. August 2009
3) Defense News, 22. Juli 2009
4) Reu­ters, 6. Juli 2009
5) Die neue NATO: Deutsch­land kehrt auf die mili­tä­ri­sche Welt­bühne zurück, s. http://​www​.luft​post​-kl​.de/​l​u​f​t​p​o​s​t​-​a​r​c​h​i​v​/​L​P​_​0​9​/​L​P​1​5​4​0​9​_​1​7​0​7​0​9​.​pdf
6) Vom Zweiten zum Dritten Welt­krieg: Die glo­bale NATO und das remi­li­ta­ri­sierte Deutsch­land, s. http://​www​.luft​post​-kl​.de/​l​u​f​t​p​o​s​t​-​a​r​c​h​i​v​/​L​P​_​0​9​/​L​P​1​5​6​0​9​_​2​0​0​7​0​9​.​pdf
7) Deutsch­land: Die erste nach dem Kalten Krieg ent­stan­dene neue mili­tä­ri­sche Groß­macht, s. http://​www​.luft​post​-kl​.de/​l​u​f​t​p​o​s​t​-​a​r​c​h​i​v​/​L​P​_​0​9​/​L​P​1​6​2​0​9​_​2​7​0​7​0​9​.​pdf
8 ) Die ato­mare Ver­knüp­fung Deutsch­lands mit der NATO, s. http://​www​.luft​postkl​.de/​l​u​f​t​p​o​s​t​-​a​r​c​h​i​v​/​L​P​_​0​9​/​L​P​1​6​7​0​9​_​0​1​0​8​0​9​.​pdf
9) Deutsch­land: Der Waf­fen­lie­fe­rant der Welt im ersten Boden­kampf nach dem Zweiten Welt­krieg, s. http://​www​.luft​post​-kl​.de/​l​u​f​t​p​o​s​t​-​a​r​c​h​i​v​/​L​P​_​0​9​/​L​P​1​6​9​0​9​_​0​4​0​8​0​9​.​pdf
10) Der Spiegel,10. August 2009
11) Wall Street Journal,11. Juni 2008
12) News­week, 13. November 2006
13) ebd.
14) Deut­sche Presse-​Agentur, 8. August 2009
15) Sydney Morning Herald, 6. November 2008
16) Stars and Stripes, 27. November 2008
17) ANSA (Ita­lien), 22. Sep­tember 2006
18) Stars and Stripes, 12. August 2008
19) Stars and Stripes, 2. Januar 2008
20) Agence France-​Presse, 10. August 2009
21) Stars and Stripes, 21. Juli 2009
22) The Asso­ciated Press, 14. Januar 2007
23) Agence France-​Presse, 7. April 2007
24) ebd.
25) Japan Times, 28. Dezember 2006
26) Rus­sian Infor­ma­tion Agency Novosti, 11. August 2009
27) The Asso­ciated Press, 12. August 2009
28) Kyodo News, 21. Dezember 2007
29) Kyodo News, 17. Mai 2007
30) ebd.
31) Xinhua News Agency, 13. Mai 2007
32) Xinhua News Agency, 30. Juni 2007
33) InfoTag (Mol­da­wien), 21. Februar 2007
34) Sofia News Agency, 20. Juli 2009
35) Voice of Russia, 6. Juli 2007
36) Voice of Russia, 27. Juli 2009
37) Voice of Russia, 6. Juli 2007
38) Voice of Russia, 13. März 2009
39) Voice of Russia, 25. Oktober 2008


(Wir haben auch diesen wich­tigen Artikel des US-​Journalisten Rick Rozoff kom­plett über­setzt und mit eigenen Anmer­kungen in kur­siver Schrift und in runden Klam­mern ver­sehen. Seine War­nungen vor einem Wie­der­auf­leben des Mili­ta­rismus und des Faschismus in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sollten für alle Leser Anlass genug sein, end­lich den Ram­steiner Appell zu unter­schreiben (s. http://​www​.ram​steiner​-appell​.de/ ) und min­des­tens 10 wei­tere Unter­schriften auf einer Liste zu sam­meln, die unter http://​www​.ram​steiner​-appell​.de/​d​l​/​r​a​m​s​t​e​i​n​e​r​-​a​p​p​e​l​l​-​f​o​r​m​u​l​a​r​.​pdf aus­zu­dru­cken ist. Die aus­ge­füllte Liste bitte mög­lichst bald an die ange­ge­bene Adresse zurück­zu­senden!)


Der Ori­gi­nal­ar­tikel erschien unter dem Titel: Italy, Ger­many and Japan: Former World War II Axis Nations Repu­diate Bans against "Pre­pa­ring for War" bei Global Rese­arch.

Über­setzt von: Wolf­gang Jung – Luft­post, Frie­dens­po­li­ti­sche Mit­tei­lungen aus der US-​Militärregion Kaiserslautern/​Ramstein. http://​www​.luft​post​-kl​.de. Kom­mentar in kursiv und Anmer­kungen in klam­mern wurden vom Über­setzer eingefügt.

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    Die ehemaligen Achsenmächte des Zweiten Weltkriegs bauen das Verbot von "Kriegsvorbereitungen" ab 26.08.2009 um 13:14 Uhr

    […] ab Von Global Rese­arch, über­setzt durch Wolf­gang Jung, eben­falls publi­ziert auf Mein Poli​tik​blog​.de und WOM​blog​.de Von Rick Rozoff, Stop NATO, GLOBAL RESE­ARCH Nach einer Pres­se­mel­dung vom 10. […]