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AKW: Nach der Wahl ist vor dem Bau

KKW Isar Ohu bei LandshutBenjamin Borgerding | Greenpeace

Wie die Financial Times Deutschland (FTD) heute berichtet, lagert ein ziemlich brisantes Papier in der Schublade von Bundesforschungsministerin Anette Schavan (CDU).

Es handelt sich um eine Studie, in dem 100 Wissenschaftler den Bau neuer Atomkraftwerke empfehlen und zu einer neuen Endlagersuche in Tongestein raten. Keinesfalls ist dieses Papier ad acta gelegt: Die FTD führt aus, das Bundesforschungsministerium habe sich mit den bei der Studie federführenden Akademien darauf verständigt, das

Konzept erst nach der Bundestagswahl der Öffentlichkeit vorzustellen, da sonst die Gefahr bestände, dass es im Wahlkampf untergeht oder zerredet wird.

Was „zerredet wird“ in diesem Fall bedeutet, ist klar: Das Eisen „Neubau“ ist der CDU zu heiß, um es so kurz vor der Wahl noch einmal anzupacken. Wenn die Studie jetzt veröffentlicht würde, sähe Kanzlerin Merkel sich gezwungen das Forschungsministerium zurückzupfeifen.

Schließlich gibt bei Fragen nach ihrer Meinung zur Atomkraft seit Wochen gebetsmühlenartig die Losung aus, Atomkraftwerke seien nur „Brückentechnologie“. Nach der Wahl könnte das Eisen jedoch merklich abgekühlt sein. Dann könnte man über die Empfehlung nochmal nachdenken.

Mit der Geheimhaltung ist es jetzt jedoch vorbei: Das Blog Journalismus & Recherche hat die Studie dankenswerterweise ins Netz gestellt.

Die CDU liebäugelt also insgeheim auch mit dem Neubau von AKW. Das zeigt nicht nur das Schavan-Papier. Greenpeace hat unlängst Statements zusammengestellt, in denen CDU-Politiker mehr oder weniger unverhohlen Werbung für den Neubau von AKW machen. Unter den Atomkraft-Fürsprechern auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger:

Es müssen die Rahmenbedingungen für den Neubau von Kraftwerken verbessert werden, damit Kraftwerke in Deutschland gebaut werden: Egal ob für Wind oder Wasser, für Biomasse oder Sonne, für Kohle mit CCS oder für Kernenergie der neuen Generation. (Oettinger in seiner Rede beim CDU-Wirtschaftsrat in Berlin 16.06.2009)

Oettinger indessen dürfte nicht alles in der unter Verschluss gehaltenen Studie gleichermaßen ansprechen. Schließlich findet sich Tongestein, das von den Wissenschaftlern als Alternative zu Salzstöcken bei der Endlagererkundung empfohlen wird, vor allem in seinem Bundesland. Dass selbst die größten Befürworter der Atomkraft den Atommüll ungern vor der eigenen Haustür deponiert sähen, dürfte nicht bloß für den bajuwarischen Nachbarn zutreffend sein.

Quelle: Greenpeace

Quelle Bild: von Peter von Bechen via Pixelio

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