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Staatlicher Jobabbau

Von Karl Neumann | Junge Welt

Arbeitsplatzvernichtung bei Opel

Wir werden gegen die Schließung kämpfen.« So hatte Klaus Franz noch am Montag in bezug auf die geplante Stillegung der Opel-Fabrik im belgischen Antwerpen getönt.

Doch wer dachte, der Gesamtbetriebsratschef des Autobauers sei vom Co-Manager zum Klassenkämpfer mutiert, sah sich bereits am Folgetag eines besseren belehrt. Die vom neuen Opel-Eigentümer Magna geplante Vernichtung von rund 10500 Arbeitsplätzen sei alternativlos, ließ Franz am Mittwoch im Deutschlandfunk wissen.

Wenn Opel nicht wettbewerbsfähig sei und 30 Prozent Überkapazitäten habe, sei niemandem geholfen. Und schließlich gingen im Zuge der Magna-Übernahme weniger Stellen verloren als bei einer Insolvenz. »Dann haben wir nachher noch 21000 direkte Jobs bei Opel in Deutschland, und ansonsten hätten wir null direkte Jobs.«

Der Logik »Arbeitsplätze vernichten, um Arbeitsplätze zu erhalten« folgt Opel nun allerdings schon seit geraumer Zeit. 1991 standen hierzulande noch 56800 Menschen bei dem Konzern in Lohn und Brot. Jetzt sind es mit rund 26000 weit weniger als die Hälfte – noch. Und immer wurde der Abbau damit begründet, daß so die verbleibenden Arbeitsplätze sicherer würden.

Im Wahlkampf lassen sich Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kandidat Frank-Walter Steinmeier als Opel-Retter feiern. Doch Fakt ist: Mit den 4,5 Milliarden Euro, die der deutsche Staat in das Unternehmen steckt, werden Arbeitsplätze vernichtet, nicht erhalten.

Die Konzernspitze will das Geld für die »Restrukturierung« des Unternehmens verwenden – sprich: für Abfindungen, Transfergesellschaften und sonstige Abbaukosten. Der Schicksalsschlag für den einzelnen Arbeiter wird damit vielleicht ein wenig abgemildert. Für die Region und die Jugend bleiben die dringend benötigten Arbeitsplätze aber für immer verloren.

Gibt es dazu wirklich keine Alternative? Vielleicht sollte sich der IG-Metaller Franz mal wieder an die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung erinnern, die der baden-württembergische ver.di-Funktionär Werner Sauerborn im aktuellen Express zu Recht als eigentliche »Königsdisziplin gewerkschaftlicher Politik« bezeichnet.

Wenn verkürzte Arbeitszeiten in Form von Kurzarbeit dazu geeignet sind, in der Krise Jobs zu erhalten, warum soll das dann nicht auch dauerhaft gelten? Denn ohne Arbeitszeitverkürzung wird der Stellenabbau weitergehen – auch nach der Krise. Mit jedem Modellwechsel steigt die Produktivität. Werden nicht entsprechend viele Fahrzeuge zusätzlich abgesetzt, wird Beschäftigung abgebaut.

Arbeitszeitverkürzung bleibt das effektivste Mittel, das die Gewerkschaften gegen diese kapitalistische Logik ins Feld führen können. Und wenn schon Steuermilliarden in ein privatwirtschaftliches Unternehmen wie Opel gebuttert werden, dann sollten sie zumindest dafür verwendet werden, eine drastische Verkürzung der Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich zu finanzieren, um so Arbeitsplätze tatsächlich zu erhalten.

Quelle: Junge Welt

Die Veröffentlichung wurde von “Junge Welt” genehmigt. Dankeschön !

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