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Wetterleuchten über Seehofer

Mittwoch, 30. September 2009-11:33 -|- Eingestellt von: |

Vollbild anzeigenVon Jochen Hoff | Duckhome

Der letzte Sonntag war kein guter Tag für Horst See­hofer. Das schlech­teste Wahl­er­gebnis bei einer Bun­des­tags­wahl in Bayern über­haupt und noch mal 6,6 Pro­zent der Stimmen ver­loren. Dabei hatte See­hofer doch ver­sucht alles richtig zu machen.

Er log bei Quelle, ver­sprach den Milch­bauern, das Blau vom bay­ri­schen Himmel, griff die FDP an und dis­tan­zierte sich von der Ber­liner Merkel, mit der er nicht einmal in Ade­nauers Zug fahren wollte.

Er hat den Franz-​Josef ver­sucht und muss nun fest­stellen, dass er der Voll­horst ist. Er trieb der FDP die neo­li­be­ralen Wähler zu, die hoffen von der Aus­beu­tung der Massen zu pro­fi­tieren und scheuchte die Bauern zu den Grünen, den Nicht­wäh­lern und ein paar wohl auch zur Linken. Sein Dobrindt ver­kündet zwar stolz, dass die CSU alle Wahl­k­eise in Bayern gewonnen habe, ver­gisst dabei aber zu erwähnen, dass die freien Wähler nicht antraten.

Egal wie man es dreht und wendet. Die CSU rutscht gefähr­lich nahe an die Fünf-​Prozent-​Hürde im Bund und könnte in Zukunft gar nicht mehr im Bund ver­treten sein, wenn jetzt die Grau­sam­keiten der Neo­li­be­ralen gegen die ein­fa­chen Men­schen erst richtig los­gehen. Egal ob Bauern, Quelle Mit­ar­beiter oder die Reste der bay­ri­schen Indus­trie. Die FDP wird alles lachend opfern um das inter­na­tio­nale Groß­ka­pital zu befriedigen.

Vor allem die Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung auf 25 Pro­zent wird die bay­ri­schen Ver­brau­cher hart treffen. Poli­zisten in Mün­chen, aber auch Kran­ken­schwes­tern in Nürn­berg oder Hof werden genau wie Arbeits­losen in Fürth in die Armut gedrückt. Dass dafür die Damen und Herren am Tegernsee besser gestellt werden, wird die Ver­luste an Wäh­lern nicht ausgleichen.

See­hofer hat mit seinen Angriffen auf Angela Merkel auch eine andere Chance ver­spielt. Er darf von ihr keine Unter­stüt­zung mehr erwarten und Bayern wird die volle Härte ihrer Wut zu spüren bekommen. Die Dame rächt sich näm­lich gerne. Das haben auch die anderen Granden der CSU begriffen. Selbst der Huber, der wegen des von ihm und Beck­stein zu ver­ant­wor­tenden schlechten Abschnei­dens zurück­treten musste, ist wieder obenauf und spricht davon, dass See­hofer kein Team­spieler sei und nicht die klas­si­schen CSU-​Positionen vertritt.

Ja, der unge­liebte See­hofer. Von einigen wird er ja bereits als Fluch der CSU bezeichnet. In Bayern ist Göt­ter­däm­me­rung. Bis zu einem Show­down im Wildbad Kreuth ist ein­fach noch zu lange hin. Auch der nächste Par­teitag liegt zu weit weg. See­hofer könnte ver­su­chen die Situa­tion aus­zu­sitzen. Aller­dings nimmt der Druck fast stünd­lich zu.

Die CSU müsste einen Schluss­strich unter die gesamte Ära Stoiber, Huber, Beck­stein und See­hofer ziehen und die Jungen an die Macht lassen. Söder oder Gut­ten­berg. Wieder einmal wird über eine Dop­pel­spitze geredet. Söder als Minis­ter­prä­si­dent in Bayern und Gut­ten­berg als Par­tei­chef und wich­tiger Minister in Berlin. Aller­dings zögert Gut­ten­berg. Noch ist nicht klar mit wel­chen For­de­rungen die FDP in den Koali­ti­ons­ver­hand­lungen durchkommt.

Weder der Posten eines Wirt­schafts­mi­nis­ters noch der eines Finanz­mi­nis­ters dürfte in den kom­menden Jahren beson­dere Aner­ken­nung vom Publikum erfahren und der Außen­mi­nister heißt sicher Wes­ter­welle. Gut­ten­berg könnte sehr gut beraten sein, die Ber­liner Bühne zu ver­lassen und als Bay­ri­scher Minis­ter­prä­si­dent und CSU-​Parteichef glei­cher­maßen in Sicher­heit, aber mit Ein­fluss zu sein.

Söder wäre dann wieder mal ein ganz Blöder, müsste aber gute Mine zum Spiel machen und könnte neben einem Minis­teramt auch Peter Ram­sauers Posi­tion ergat­tern. Die nächsten Tage und Wochen könnten schon span­nend werden in Bayern. Es wird eine Per­so­nal­dis­kus­sion geben müssen. Wie hart sie aus­fällt und wie die Ergeb­nisse sein werden, hängt weit­gehen an Guttenberg.

See­hofer ist auf jeden Fall poli­tisch erle­digt. Ein Untoter der nur noch auf seine Bestat­tung wartet.

Quelle: Netz­werk­partner Duck­home

Quelle Bild: Wiki­media This file is licensed under the Crea­tive Com­mons Attri­bu­tion 3.0 Unported License

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