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Die SPD ist auf dem Weg

Donnerstag, 01. Oktober 2009-8:10 -|- Eingestellt von: |

Von Redak­tion | Mein Par­tei­buch Blog

Da saßen sie heute nun zusammen in den wich­tigen Gre­mien der alten Tante SPD und über­legten, grü­belten und zer­mar­terten sich den Kopf.

Par­tei­chef Franz Münte­fe­ring ver­kün­dete ges­tern, es habe “40 Mord­mel­dungen” gegeben. Wie konnte das nur pas­sieren? Wie konnten wir unser Wahl­ziel bloß so ver­fehlen? Was können wir bloß tun?

Und dann hatten sie Ideen, wie sie die SPD besser auf den Weg bringen.

Schon nach zwei Stunden wagte sich der erste SPD-​Parteifunktionär aus der Deckung: Also, an Frank-​Walter Stein­meier hat es nicht gelegen. Der hat, obwohl unser Ziel knapp ver­fehlt wurde, sein bestes gegeben. Und 11,2% minus, das ist ja in Anbe­tracht dessen, dass die CDU ihren Wahl­kampf mit Titten geführt hat, gar nicht so schlecht.

Sofort herrschte all­ge­meine Zustim­mung. Alles klar: Mister 23% wird SPD-​Fraktionsführer. So kommen seine Lob­lieder auf Angela Merkel und sein Werben um eine Ampel-​Koalition mit der FDP in den Medien richtig gut zur Gel­tung. Da geht noch was.

Schon meldet sich der nächste Genosse zu Mord: Tja, der Franz Münte­fe­ring, der hat mit Sprü­chen wie “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” zwar eine unver­gleich­liche Per­for­mance hin­ge­legt, ist aber nun wirk­lich etwas aus­ge­brannt. Oh, sagt Münte, ich bestehe nicht drauf, wei­ter­zu­ma­chen. Ich geh sowieso lieber mit Michelle spielen.

Ha, klasse Idee, Münte, sagte eine Genossin auch gleich, als gelebtes Vor­bild kannst Du die Fami­li­en­po­litik als Kern­kom­pe­tenz der SPD dabei allen Wäh­le­rinnen in der Yellow-​Press prima vor Augen führen. Das bringt für die SPD bestimmt noch mehr, als dass Wolf­gang Cle­ment mit seiner genialen Medi­en­prä­senz schafft. So machen wir das. Darauf spra­chen alle Genossen im Chor: So machen wir das, Genossen.

Nach einer ganzen Weile, in der sich die Genossen begeis­tert in die feuchten Augen schauten, wagte sich dann ein anderer Genosse mit einer Stö­rung der Fei­er­lich­keiten hervor: Hört mal Genossen, der Plan ist ja gut, aber wen machen wir denn da zum Par­tei­vor­sit­zenden, wenn der Münte in die Rolle als Yellow-​Press-​Darsteller schlüpft? Wir könnten den Posten unbe­setzt lassen, meinte ein anderer Genosse. Das wär doch mal was neues, hat es so noch nicht gegeben.

Nee, da lass uns das Amt des Vor­sit­zenden lieber mit dem genialen Mister 23% Frank-​Walter besetzen, das ist besser als die mit dem Amt ver­bun­dene Auf­merk­sam­keit zu ver­schenken. Nee, nehmen wir da mal lieber jemand anders, der Frank-​Walter hat mit dem Frak­ti­ons­vor­sitz genug zu tun, meinte da der Genosse Johannes Kahrs.

Komm, Johannes, mach du es, sagte der nächste. Als Spenden der Rüs­tungs­in­dus­trie sam­melnder Offi­zier der Reserve bist du genau der rich­tige Kan­didat für den Job. Da brauchst Du nicht mal über­haupt was sagen, allein einen Par­tei­vor­sit­zenden mit der fül­ligen Bio­grafie von Johannes Kahrs zu haben, sorgt dafür, dass wir den Zielen der SPD ein großes Stück näher kommen.

Da, ich hab’s, rief da eine Genossin auf­ge­regt, wo du gerade füllig sagst, da kommt mir eine geniale Idee. Schau, der Johannes Kahrs, der ist doch sowieso ständig in der Sprin­ger­presse prä­sent, weil die sich total freut, wie der die SPD kaputt macht, den brau­chen wir nicht noch extra auf den Posten des Par­tei­chefs zu heben, aber mit dem Sigmar Gabriel, da würden wir einen echten Fach­mann an den Job ran­lassen. Nie­mand, wirk­lich nie­mand auf der ganzen Welt, ist besser für den Job des SPD-​Chefs geeignet als der abge­wählte Minis­ter­prä­si­dent von Niedersachsen.

Super Idee, das ist mal eine echte Person der Zeit­ge­schichte. Worte des Pop-​Beauftragten Energiesparlampen-​Fachmanns Sigmar Gabriel sind so glaub­würdig wie seine eides­statt­li­chen Ver­si­che­rungen. In fami­li­en­po­li­ti­schen Ange­le­gen­heiten kann der jetz­tige Zahnärztin-​Freund mit­reden wie kaum ein Zweiter.

Auch in Wirt­schafts­po­litik und Medi­en­po­litik ist der Siggi ein wahrer Meister. Und dann, wir müssen ja jetzt schon den Blick nach vorn richten auf die Wahl in NRW im nächsten Mai, seine Inter­net­kom­pe­tenz, was für ein Vor­bild für unsere NRW-​Spitzenkandidatin Han­ne­lore Kraft. Die Netz­ge­meinde wird sich begeis­tert für unsere Ziele einsetzen.

Darauf brüllten alle: Hurra, hurra, hurra! Apropos Han­ne­lore Kraft, ist die auf einem guten Weg? Ich habe gelesen, die Han­ne­lore Kraft sei poli­tisch unzu­ver­lässig geworden und hätte rot-​rot-​grün das Wort geredet. Wie kann sie nur? Ach wo, alles nur Taktik, das werden wir schon wieder zer­reden, sie ist auf einem guten Weg.

Die SPD hat in NRW zwar bei der Bun­des­tags­wahl gerade 28% der Zweit­stimmen geholt, und damit gerade mal 9% weniger als 2005, aber das bekommen wir schon noch hin. Mit der Abmahn-​Werbung für den SPD-​Zukunftswettbewerb hat sie der SPD in Nordrhein-​Westfalen jeden­falls schon ein Image ver­schafft, worauf man im Wahl­kampf auf­bauen kann.

So, können wir jetzt gehen und feiern? Nee, warte, einen Punkt habe ich da noch. Unser Gene­ral­se­kretär, der Hubertus Heil, der war in letzter Zeit ganz schön ruhig, seit der lus­tigen Geschichte, wo er mit Andrea den Rück­tritt von Münte orga­ni­siert hat, war von dem prak­tisch über­haupt nichts mehr zu hören.

Na, aber als Ehe­mann der Mehrwertdienst-​Lobbyistin Sol­veig Orlowski, da ist unser Pinoc­chio doch eine Bank. Und was will man mehr von einem Gene­ral­se­kretär als dass der nicht auf­fällt. Oder hat jemand eine Idee, wen wir auf den Posten setzen können, um unsere Ziele noch besser zu verwirklichen?

Wo du gerade Andrea Nahles anspro­chen hast, wie wäre es denn mit der? Gar nicht schlecht. Mit einer Bio­grafie, dass sie 10 Jare lang das Lieb­chen vom Peter-​Hartz-​Nachfolger bei VW, Horst Neu­mann, war, kommt sie aus richtig sozi­al­de­mo­kra­ti­schem Mil­lieu. Und eine fami­lien– und sozi­al­po­li­ti­sche Mes­sage hat sie für arbeits­lose Frauen auch: sucht euch einen VW-​Gewerkschaftsbonzen, der Euch unter­stützt, dann braucht Ihr auch nach den von uns beschlos­senen Reformen nicht ver­hun­gern.

Und wenn die CDU mal ein paar böse Worte zu ihr sagt und sie dann genauso flennt wie damals 2005 bei der Geschichte mit dem Münte, dann haben wir die Lacher auf unserer Seite. Super, Genossen, so muss eine Gene­ral­se­kre­tärin der SPD sein. Alle sagen: die Andrea Nahles nehmen wir, die ist die richtige.

Also, Genossen und Genos­sinen, jetzt können wir end­lich nach Hause gehen und der Münte kann spielen gehen. Zum Abschied nochmal alle gemeinsam unse­rern Schwur.

Alle Mit­glieder der wich­tigen Gre­mien sagen in fei­er­li­cher Ernst­haf­tig­keit den Schwur der SPD-​Führung auf:

“Unser Ziel sind 18%, wenn nicht heute, dann morgen, wir schaffen das. Verrat, Kor­rup­tion und Unfä­hig­keit sind unsere Ideale. Und haben wir die 18% erst einmal geschafft, dann hält uns nichts mehr dabei auf, mit der SPD auch unter der 5%-Hürde durch­zu­tau­chen. Und nun ein drei­fa­ches Hurra: Hurra! Hurra! Hurra!”

Die SPD ist weiter auf gutem Weg zum Pro­jekt 18. Das Trio Infer­nale Stein­meier, Gabriel und Nahles wird sie hinrichten.

Quelle: Mein Par­tei­buch Blog

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    SanitätsInfo.de » Mit dem Gehstock besser durch den Alltag 01.10.2009 um 18:25 Uhr

    […] in der Oppo­si­ti­ons­po­litik durchaus pro­fi­lieren kann. Es bleibt abzu­warten, ob die Chancen, die sich jetzt auftun, auch genutzt […]

1 Kommentare

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    jugen 01.10.2009 um 09:41 Uhr

    Die Damen und Herren werden nicht lange jam­mern und rät­seln woran diese Nie­der­lage fest­zu­ma­chen ist. Sie haben viel zu wenig Zeit, denn sie müssen Kraft sam­meln für die Ver­hand­lungen ihrer Ver­träge mit der Finanz­in­dus­trie (Steinbück/​Hypovereinsbank), den Ver­si­che­rungs­kon­zernen (Münte), und der Waffen-​Lobby (Struck).
    Tolle Ange­bote gibt es auch aus der Phar­ma­in­dus­trie, der Ener­gie­wirt­schaft und ver­gessen wir nicht die Auto­mo­bil­in­dustire die ver­an­stalten doch diese wun­der­schönen Party´s mit den vielen hüb­schen jungen Frauen.
    Das Motto lautet also jetzt. Tränen abwi­schen und kon­zen­trieren denn für irgendwas muss dieser stres­sige Job in der Politik doch gut gewesen sein.