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Die SPD ist auf dem Weg

Von Redaktion | Mein Parteibuch Blog

Da saßen sie heute nun zusammen in den wichtigen Gremien der alten Tante SPD und überlegten, grübelten und zermarterten sich den Kopf.

Parteichef Franz Müntefering verkündete gestern, es habe “40 Mordmeldungen” gegeben. Wie konnte das nur passieren? Wie konnten wir unser Wahlziel bloß so verfehlen? Was können wir bloß tun?

Und dann hatten sie Ideen, wie sie die SPD besser auf den Weg bringen.

Schon nach zwei Stunden wagte sich der erste SPD-Parteifunktionär aus der Deckung: Also, an Frank-Walter Steinmeier hat es nicht gelegen. Der hat, obwohl unser Ziel knapp verfehlt wurde, sein bestes gegeben. Und 11,2% minus, das ist ja in Anbetracht dessen, dass die CDU ihren Wahlkampf mit Titten geführt hat, gar nicht so schlecht.

Sofort herrschte allgemeine Zustimmung. Alles klar: Mister 23% wird SPD-Fraktionsführer. So kommen seine Loblieder auf Angela Merkel und sein Werben um eine Ampel-Koalition mit der FDP in den Medien richtig gut zur Geltung. Da geht noch was.

Schon meldet sich der nächste Genosse zu Mord: Tja, der Franz Müntefering, der hat mit Sprüchen wie “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” zwar eine unvergleichliche Performance hingelegt, ist aber nun wirklich etwas ausgebrannt. Oh, sagt Münte, ich bestehe nicht drauf, weiterzumachen. Ich geh sowieso lieber mit Michelle spielen.

Ha, klasse Idee, Münte, sagte eine Genossin auch gleich, als gelebtes Vorbild kannst Du die Familienpolitik als Kernkompetenz der SPD dabei allen Wählerinnen in der Yellow-Press prima vor Augen führen. Das bringt für die SPD bestimmt noch mehr, als dass Wolfgang Clement mit seiner genialen Medienpräsenz schafft. So machen wir das. Darauf sprachen alle Genossen im Chor: So machen wir das, Genossen.

Nach einer ganzen Weile, in der sich die Genossen begeistert in die feuchten Augen schauten, wagte sich dann ein anderer Genosse mit einer Störung der Feierlichkeiten hervor: Hört mal Genossen, der Plan ist ja gut, aber wen machen wir denn da zum Parteivorsitzenden, wenn der Münte in die Rolle als Yellow-Press-Darsteller schlüpft? Wir könnten den Posten unbesetzt lassen, meinte ein anderer Genosse. Das wär doch mal was neues, hat es so noch nicht gegeben.

Nee, da lass uns das Amt des Vorsitzenden lieber mit dem genialen Mister 23% Frank-Walter besetzen, das ist besser als die mit dem Amt verbundene Aufmerksamkeit zu verschenken. Nee, nehmen wir da mal lieber jemand anders, der Frank-Walter hat mit dem Fraktionsvorsitz genug zu tun, meinte da der Genosse Johannes Kahrs.

Komm, Johannes, mach du es, sagte der nächste. Als Spenden der Rüstungsindustrie sammelnder Offizier der Reserve bist du genau der richtige Kandidat für den Job. Da brauchst Du nicht mal überhaupt was sagen, allein einen Parteivorsitzenden mit der fülligen Biografie von Johannes Kahrs zu haben, sorgt dafür, dass wir den Zielen der SPD ein großes Stück näher kommen.

Da, ich hab’s, rief da eine Genossin aufgeregt, wo du gerade füllig sagst, da kommt mir eine geniale Idee. Schau, der Johannes Kahrs, der ist doch sowieso ständig in der Springerpresse präsent, weil die sich total freut, wie der die SPD kaputt macht, den brauchen wir nicht noch extra auf den Posten des Parteichefs zu heben, aber mit dem Sigmar Gabriel, da würden wir einen echten Fachmann an den Job ranlassen. Niemand, wirklich niemand auf der ganzen Welt, ist besser für den Job des SPD-Chefs geeignet als der abgewählte Ministerpräsident von Niedersachsen.

Super Idee, das ist mal eine echte Person der Zeitgeschichte. Worte des Pop-Beauftragten Energiesparlampen-Fachmanns Sigmar Gabriel sind so glaubwürdig wie seine eidesstattlichen Versicherungen. In familienpolitischen Angelegenheiten kann der jetztige Zahnärztin-Freund mitreden wie kaum ein Zweiter.

Auch in Wirtschaftspolitik und Medienpolitik ist der Siggi ein wahrer Meister. Und dann, wir müssen ja jetzt schon den Blick nach vorn richten auf die Wahl in NRW im nächsten Mai, seine Internetkompetenz, was für ein Vorbild für unsere NRW-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft. Die Netzgemeinde wird sich begeistert für unsere Ziele einsetzen.

Darauf brüllten alle: Hurra, hurra, hurra! Apropos Hannelore Kraft, ist die auf einem guten Weg? Ich habe gelesen, die Hannelore Kraft sei politisch unzuverlässig geworden und hätte rot-rot-grün das Wort geredet. Wie kann sie nur? Ach wo, alles nur Taktik, das werden wir schon wieder zerreden, sie ist auf einem guten Weg.

Die SPD hat in NRW zwar bei der Bundestagswahl gerade 28% der Zweitstimmen geholt, und damit gerade mal 9% weniger als 2005, aber das bekommen wir schon noch hin. Mit der Abmahn-Werbung für den SPD-Zukunftswettbewerb hat sie der SPD in Nordrhein-Westfalen jedenfalls schon ein Image verschafft, worauf man im Wahlkampf aufbauen kann.

So, können wir jetzt gehen und feiern? Nee, warte, einen Punkt habe ich da noch. Unser Generalsekretär, der Hubertus Heil, der war in letzter Zeit ganz schön ruhig, seit der lustigen Geschichte, wo er mit Andrea den Rücktritt von Münte organisiert hat, war von dem praktisch überhaupt nichts mehr zu hören.

Na, aber als Ehemann der Mehrwertdienst-Lobbyistin Solveig Orlowski, da ist unser Pinocchio doch eine Bank. Und was will man mehr von einem Generalsekretär als dass der nicht auffällt. Oder hat jemand eine Idee, wen wir auf den Posten setzen können, um unsere Ziele noch besser zu verwirklichen?

Wo du gerade Andrea Nahles ansprochen hast, wie wäre es denn mit der? Gar nicht schlecht. Mit einer Biografie, dass sie 10 Jare lang das Liebchen vom Peter-Hartz-Nachfolger bei VW, Horst Neumann, war, kommt sie aus richtig sozialdemokratischem Millieu. Und eine familien- und sozialpolitische Message hat sie für arbeitslose Frauen auch: sucht euch einen VW-Gewerkschaftsbonzen, der Euch unterstützt, dann braucht Ihr auch nach den von uns beschlossenen Reformen nicht verhungern.

Und wenn die CDU mal ein paar böse Worte zu ihr sagt und sie dann genauso flennt wie damals 2005 bei der Geschichte mit dem Münte, dann haben wir die Lacher auf unserer Seite. Super, Genossen, so muss eine Generalsekretärin der SPD sein. Alle sagen: die Andrea Nahles nehmen wir, die ist die richtige.

Also, Genossen und Genossinen, jetzt können wir endlich nach Hause gehen und der Münte kann spielen gehen. Zum Abschied nochmal alle gemeinsam unserern Schwur.

Alle Mitglieder der wichtigen Gremien sagen in feierlicher Ernsthaftigkeit den Schwur der SPD-Führung auf:

“Unser Ziel sind 18%, wenn nicht heute, dann morgen, wir schaffen das. Verrat, Korruption und Unfähigkeit sind unsere Ideale. Und haben wir die 18% erst einmal geschafft, dann hält uns nichts mehr dabei auf, mit der SPD auch unter der 5%-Hürde durchzutauchen. Und nun ein dreifaches Hurra: Hurra! Hurra! Hurra!”

Die SPD ist weiter auf gutem Weg zum Projekt 18. Das Trio Infernale Steinmeier, Gabriel und Nahles wird sie hinrichten.

Quelle: Mein Parteibuch Blog

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gelesen: 92 · heute: 2 · zuletzt: 29/07/2010

2 Kommentare auf “Die SPD ist auf dem Weg”

  1. jugen sagt:

    Die Damen und Herren werden nicht lange jammern und rätseln woran diese Niederlage festzumachen ist. Sie haben viel zu wenig Zeit, denn sie müssen Kraft sammeln für die Verhandlungen ihrer Verträge mit der Finanzindustrie (Steinbück/Hypovereinsbank), den Versicherungskonzernen (Münte), und der Waffen-Lobby (Struck).
    Tolle Angebote gibt es auch aus der Pharmaindustrie, der Energiewirtschaft und vergessen wir nicht die Automobilindustire die veranstalten doch diese wunderschönen Party´s mit den vielen hübschen jungen Frauen.
    Das Motto lautet also jetzt. Tränen abwischen und konzentrieren denn für irgendwas muss dieser stressige Job in der Politik doch gut gewesen sein.

  2. [...] in der Oppositionspolitik durchaus profilieren kann. Es bleibt abzuwarten, ob die Chancen, die sich jetzt auftun, auch genutzt [...]

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