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Wie teuer ist billig? kik – die Hintergründe und die Folgen

Donnerstag, 01. Oktober 2009-12:13 -|- Eingestellt von: |

Von Peter Mar­witz | Konsumpf

Das Thema „teure Dis­counter“ hatte ich ja schon des öfteren in meinem Blog. Denn der Preis für die Bil­lig­ware und das Ver­ram­schen von Pro­dukten, koste es (die Men­schen & die Gesell­schaft) was es wolle, ist höher, als manch einer beim Griff ins Aldi-​KloRegal oft denkt.

Ich erin­nere da bei­spiels­weise an diesen, diesen oder diesen Artikel. Nun hat sich auch der Spiegel des Themas erfreu­li­cher Weise erneut ange­nommen und berichtet in „Wie teuer ist billig?“ über den Tex­til­dis­counter kik und die (nega­tiven) Folgen des Erfolges dieser Kette.

Die Aus­beu­tung, die kik (und ähnliche Läden, auch Lidl, Aldi etc.) mit seinem Angebot sowohl hier­zu­lande wie in den armen Pro­duk­ti­ons­län­dern anfacht, ist schwer zu ertragen und sollte von nie­mandem unter­stützt werden. Wer tat­säch­lich glaubt, zu sol­chen Ramsch­preisen gute Ware zu erwerben, die der ganzen Wert­schöp­fungs­kette zugute kommt (und nicht nur den Kon­zern­be­trei­bern), dem ist eh nicht zu helfen.

Hier ein paar Aus­züge des Spiegel-​Beitrags:

Die Tex­til­kette Kik boomt auch in der Krise — mit kon­kur­renzlos nied­rigen Preisen. Doch die Zeche zahlen junge Nähe­rinnen in Ban­gla­desch, unter­be­zahlte Beschäf­tigte und oft auch die Kunden. (…)

Doch der Erfolg beruht auf einer Täu­schung. Genau genommen sind Kiks Preise nicht billig — sie kommen Mit­ar­beiter, Zulie­ferer und oft auch Kunden teuer zu stehen. Den höchsten Preis für den hie­sigen Geiz zahlen die Nähe­rinnen in den Fabriken in Ban­gla­desch. Fast die Hälfte der Waren stammt von dort. (…)

(…) “Nur wenige Lie­fe­ranten erfüllen den ver­gleichs­weise laschen Kodex”, so Burck­hardt, die gerade drei Wochen in Ban­gla­desch war. Auf Nach­frage räumt Kik ein, dass nicht einmal 25 Pro­zent der Lie­fe­ranten die nötige Kodex-​Qualifizierung abge­schlossen haben. (…)

(…) Sicher, auch ver­meint­liche Edel­marken wie Joop und Pierre Cardin nutzen die Fron­dienste der Ban­gla­de­scher — obwohl die Lohn­kosten nur etwa ein Pro­zent des Preises aus­ma­chen. Ver­ant­wort­lich für das System der Preis­drü­ckerei seien jedoch Dis­counter wie Kik und Lidl, so Burck­hardt. Sie spielen die Pro­du­zenten mit ihren Mas­sen­auf­trägen gegen­ein­ander aus und machen die Nähe­rinnen zu Getrie­benen, gehetzt von immer schneller wech­selnden Modetrends. (…)

(…) Ehe­ma­lige Kik-​Azubis berichten von Anspra­chen Hei­nigs, die einen “Sekten-​Touch” hätten. Jeder sei aus­tauschbar, so seine Bot­schaft, mit der Druck auf­ge­baut werde. Aus­zu­bil­dende müssen bei Kik auch Toi­letten putzen und nach Laden­schluss staub­saugen, hält eine Studie der CCC fest. Um Fach­kräfte zu sparen, würden Lehr­linge mit­unter schon nach einem Jahr als Fili­al­leiter ein­ge­setzt — für 750 Euro im Monat. (…)

(…) Und über uner­träg­liche Arbeits­be­din­gungen: So ist Heinig stolz darauf, dass es in seinen Läden nicht mal Kli­ma­an­lagen gebe — alles viel zu teuer. An man­chen Tagen im Sommer habe sie kaum atmen können, wenn sie mor­gens in die Filiale gekommen sei, sagt etwa eine Tedi-​Teamleiterin aus dem Raum Aachen. Dann stehe die Luft und rieche leicht süß­lich. Sie wuchte dann zuerst die Ständer mit den Plastik-​Clogs vor die Tür. Wie gefähr­lich hoch die Weichmacher-​Konzentration in vielen sol­cher Pro­dukte ist, wies “Öko-​Test” bereits vor einem Jahr nach. Auch bei Kik gab es Massen davon. (…)

Inter­es­sant sind auch die Dis­kus­sionen zu diesem Artikel, die bei Spiegel Online der­zeit ablaufen (und schnell in reflex­ar­tige Kapi­ta­lismus <-> Kommunismus-​Debatten abrut­schen). Zitat eines Users:

Der fol­gen­schwerste Aspekt bei KIK ist die Wett­be­werbs­ver­zer­rung und Kul­tur­ver­lust. Solange die Men­schen noch satt und eini­ger­maßen gesund sind, nehmen sie das hin. Bis sie dege­ne­riert sind, wieder eine Phase oder ein Schub der Kol­lek­ti­vie­rung unver­meid­lich ansteht. Dann werden die hohen Herren von Kik keine sta­bile Basis für ihre Kinder geschaffen haben, die Evo­lu­tion trickst sie aus. Ihre Pläne. Ihre Per­spek­tiven. Ihren Glauben.

Quelle: Kon­sumpf

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Kategorie » Deutschland, Gesellschaft/Soziales, Verbraucher/Konsum « | Tags » , , , «

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