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Sanktionen wegbloggen – ein kollegialer Aufruf an die Blogosphäre

Samstag, 03. Oktober 2009-14:50 -|- Eingestellt von: |

Da aktuell eine Online-​Petition auf­liegt, die die Abschaf­fung dieser Sank­tionen for­dert, möchten wir sie – gemeinsam mit Euch – unter­stützen und rufen Euch auf, uns dabei zu helfen. — Viele von Euch haben sich schon mal mit dem Thema Hartz IV auseinander-​gesetzt, einige machen das sogar regel­mäßig. Mit das Per­fi­deste an dieser unso­zialen Sozi­al­ge­setz­ge­bung sind die soge­nannten Sank­tionen nach §31 SGB II.

Diese „Disziplinar-​maßnahmen“ erlauben den Job­Cen­tern, den Leis­tungs­emp­fän­gern (warum nicht gleich: „Almosen-​empfänger“?) bei ver­meint­li­chen oder tat­säch­li­chen Ver­stössen gegen die Auf­lagen und For­de­rungen „des Amtes“ die soge­nannte „Leis­tung“ zu kürzen – im Extrem­fall (der leider bei­leibe kein Ein­zel­fall ist – in 2008 trat er allein bei den unter 25-​Jährigen rund 97.000 Mal ein) um 100%.

Allein 2008 waren 789.000 Bürger von Sank­ti­ons­maß­nahmen im Rahmen von „Hartz IV“ betroffen, sprich: es wurde ihnen die soge­nannte „Leis­tung“ gekürzt. Diese Leis­tung ent­spricht aber eh schon nur dem Exis­tenz­mi­nimum – alles, was dar­unter liegt, lie­fert die Betrof­fenen Hunger und Exis­tenznot aus.

Dies bedeutet nichts anderes, als daß hil­fe­be­dürf­tigen Bür­gern die am Exis­tenz­mi­nimum(!) ori­en­tierte Leis­tung für drei Monate um 10, 30 oder eben gar um 100% gekürzt wird! Wenn schon die Leis­tung, der soge­nannte „Regel­satz“, gleich­be­deu­tend mit dem staat­lich fest­ge­legten Exis­tenz­mi­nimum ist – wo ist man dann, wenn man die Leis­tung gekürzt oder gar völlig gestri­chen bekommt? Eben. Unter­halb des Exis­tenz­mi­ni­mums, sprich: zum Ver­hun­gern ver­ur­teilt, wenn nicht Freunde, Ver­wandte, Volks– und Volx­kü­chen und die nicht ganz unpro­ble­ma­ti­schen Tafeln ein­springen. Bei der hun­dert­pro­zen­tigen Leis­tungs­kür­zung gehen dar­über hinaus auch die wei­teren Leis­tungen, wie Bei­träge zur Kranken– und Ren­ten­ver­si­che­rung, sowie die Kosten der Unter­kunft ver­loren; man steht also in diesem Falle ohne Kran­ken­ver­si­che­rung und Obdach da, wenn sich keine andere „Finan­zie­rungs­mög­lich­keit“ findet. Soweit die (men­schen­un­wür­dige) Lage.

Genug!

Nun regt sich ver­mehrt Wider­stand gegen diese Sanktio-​nierungspraxis, es haben sich Ein­zel­per­sonen und auch Initia­tiven gefunden, die für eine Aus­set­zung oder Abschaf­fung der Sank­tionen plä­dieren. Aktuell liegt beim Bun­destag eine Online-​Petition zur Abschaf­fung des Sank­ti­ons­re­gel­werkes auf, die noch bis zum 28.10.2009 mit­ge­zeichnet werden kann. Der Haupt­pe­tent, Ralph Boes, stellt darin fest, daß der § 31 SGB II „die Men­schen­würde“ und „die Frei­heit zur Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit“ ver­letzte und dass „Abzüge vom abso­luten Lebens­mi­nimum“ nur durch Hun­gern kom­pen­siert werden könne. Bei 100% nützt auch das nichts mehr. Leider hat diese Peti­tion seit 20.8.2009 erst etwa 3.200 Mit­zeichner gefunden – eine Schande ohne­glei­chen, wenn man bedenkt, daß es 2008 allein rund 789.000 direkt Betrof­fene gab!

Das Gewissen der Blogger

Was können nun die Blogger dazu bei­tragen, um diese Peti­tion zu unter­stützen und der men­schen­ver­ach­tenden Sank­ti­ons­praxis Ein­halt zu gebieten? Ein paar von uns haben sich für diesen Zweck zusam­men­ge­schlossen, um gebün­delt auf die gesamte Pro­ble­matik auf­merksam zu machen und unsere Kol­le­ginnen und Kol­legen auf­zu­rufen, sich an unsere Seite zu stellen, damit wir besser gehört werden. Wir bitten unsere Freunde aus der Blo­go­sphäre, sich mit einem der kleinen Banner oder auch einem the­ma­ti­sie­renden Artikel daran zu betei­ligen, gerade auch die Men­schen in ihrem real life-​Umfeld anzu­spre­chen, und sich vor allem als Unter­stützer auf der Akti­ons­liste ein­tragen zu lassen.

Prak­ti­sche Möglichkeiten

Unsere Aktion läuft bis zum Zeich­nungs­schluß – es bleiben uns also über drei Wochen, unsere Kon­takte und Freund­schaften zu nutzen, Blogs aus der vir­tu­ellen Nach­bar­schaft darauf anzu­spre­chen und eine Menge Men­schen ein wenig nach­denk­lich zu stimmen. Wenn sich letzte Woche gezeigt hat, daß die Piraten über 1.000 Blogger für ihren Wahl­kampf mobi­li­sieren konnten, und wir – als Nicht-​Partei, ohne Geld, fast ohne Leute – aus dem Stand heraus über 100 Blogger unter­schied­lichster Aus­rich­tung zur Unter­stüt­zung Der Linken finden konnten, dann wird klar, wel­ches Poten­tial im Netz steckt. Leute – wir haben über drei Wochen diesmal! *g*

Nicht uner­wähnt bleiben darf, daß es seit August auch das Bündnis für ein Sank­ti­ons­mo­ra­to­rium gibt, wel­ches sehr pro­mi­nente Unter­stützer hat und für eine Aus­set­zung der Sank­tionen ein­tritt, und daß inzwi­schen auch eine Peti­tion Der Linken (aller­dings keine Online-​Petition, son­dern „gute alte Straße“) ihren Weg in das Par­la­ment sucht. Bei letz­terer Peti­tion ist die Zeich­nungs­frist deut­lich länger, was ihre Chancen erhöhen sollte. Zeichnen kann man aber bei allen drei Aktionen.

Schluß­wort

Liebe Freunde, Kol­legen und Unbe­kannte – nehmt Euch bitte dieses Themas an und unter­stützt die Ver­suche, eine klare Fehlent-​wicklung unserer Gesell­schaft wieder zu kor­ri­gieren. Falls Ihr es nicht aus Empa­thie und Soli­da­rität machen könnt – macht es aus „Eigen­nutz“, denn auch Euch kann es morgen schon treffen!

Frank Bene­dikt [Autor]
Mar­gitta Lamers
Frank Kop­per­schläger

Die Liste der soli­da­ri­schen Blogs

Beitragsdetails

Kommentar-Autor

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gelesen: 108 · heute: 2 · zuletzt: 15. Mai 2012

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3 Trackbacks

  1. Trackback

    Gegen verordnetes Elend. Hartz IV-Sanktionen Wegbloggen. at Ölbergisch 03.10.2009 um 19:15 Uhr

    […] zu zer­stören. Men­schen gelangen dadurch in Ver­zweif­lung und Elend. Fol­gender Text stammt von Mein Polit­blog und dem schließe ich mich […]

  2. Trackback

    König von Haunstetten » Petition gegen die Hartz-IV-Sanktionen 03.10.2009 um 20:01 Uhr

    […] Kinder-​Alarm bin ich auf einen Blog-​Artikel bei “Mein Poli­tik­blog” auf­merksam geworden. Aktuell läuft eine ePe­ti­tion, die zum Ziel […]

  3. Trackback

    Tweets die Mein Politikblog » Blog Archiv » Sanktionen wegbloggen – ein kollegialer Aufruf an die Blogosphäre erwähnt -- Topsy.com 03.10.2009 um 15:56 Uhr

    […] Dieser Ein­trag wurde auf Twitter von Chris­tian Bahls erwähnt. Chris­tian Bahls sagte: Ich bin ja ehr­lich auch ent­setzt über die geringe Reich­weite der Peti­tion, http://​bit​.ly/​1​0​D​FZs #HartzIV #sanktionen […]

1 Kommentare

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    Beobachter 03.10.2009 um 21:29 Uhr

    Hallo Arme Harz IV ler.
    Das es keine Arbeit gibt ist doch die Schuld der Banken und der Börsen. Sowie die der Poli­ti­schen Par­teien.
    Statt Pro­duk­tions Maschinen und Com­puter zu besteuern, was natür­lich die Ren­diten an der Börse drü­cken würde, wird erzählt das kein Geld da ist, um den Sozi­al­staat noch weiter am Leben zu erhalten. Und lasst euch nicht erzählen, das die Aus­länder die Arbeit weg­n­e­hemen; das sagen die nur um Fronten zu schaffen und von sich Selbst abzu­lenken! Es wird noch richtig übel werden, wenn wir uns nicht langsam zum Pro­test auf die Strassen begeben und zwar geschlossen und fried­lich.
    Kür­zungen der Sozi­al­hilfe sind im Übrigem Rechts­widrig.
    Lest dazu diesen Link :
    http://​www​.ber​li​ner​um​schau​.com/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​s​e​t​_​l​a​n​g​u​a​g​e​=​d​e​&​a​m​p​;​c​c​c​p​a​g​e​=​2​0​0​7​2​0​0​9​A​r​t​i​k​e​l​P​o​l​i​t​i​k​D​u​r​e​m​o​nt1

    In Artikel 2 des ILO-​Übereinkommens über Zwangs– und Pflicht­ar­beiten wird prä­zise defi­niert, dass "jede Art von Arbeit oder Dienst­leis­tung, die von einer Person unter Andro­hung irgend­einer Strafe ver­langt wird und für die sie sich nicht frei­willig zur Ver­fü­gung gestellt hat" aus­drück­lich ver­boten sind, und zwar sowohl nach Artikel 8 III des inter­na­tio­nalen Paktes über bür­ger­liche und poli­ti­sche Rechte (in Deutsch­land in Kraft getreten am 23. März 1976) als auch nach den ILO-​Übereinkommen Nummer 29 und Nummer 105 über die Abschaf­fung von Zwangs­ar­beit vom 5. Juni 1957. Aus­ge­nommen sind danach aus­drück­lich nur Arbeits­pflichten im Rahmen des Mili­tär­dienstes, im Kata­stro­phen­fall oder Arbeits­pflichten, die auf einem Straf­ur­teil basieren.

    In dem Sinne, nehmt euch einen Anwalt und weist ihn auf diese Gesetze hin !