Von Chris | F!XMBR
Andrea Ypsilanti hat einen der erfolgreichsten SPD-Wahlkämpfe des letzten Jahrzehnts geführt. Sie ist aber auch – wie kaum ein anderer SPD-Spitzenkandidat vor ihr – verdammt tief gefallen.
Sie trat 2008 gegen den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch an – und obwohl dieser wie so oft mit rassistischen Ressentiments spielte, erreichte die SPD fast ein Patt. Doch der Fehler war bereits gemacht: Rot-Rot-Grün bekam zwar eine knappe Mehrheit gegenüber Schwarz-Gelb, jedoch hatte Andrea Ypsilanti vor der Wahl immer wieder gesagt, es gäbe keine Zusammenarbeit mit der Linken, wie auch immer diese ausschauen möge.
Da die CDU gut 3.500 Stimmen Vorsprung gegenüber der SPD hatte, konnte Andrea Ypsilanti auch nicht auf eine Große Koalition unter ihrer Führung hoffen. An diesem Punkt nahm das Verhängnis der Hessen-SPD ihren Lauf. Der Rest gehört mittlerweile zur politischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – und sollte es auch endlich bleiben. Die Sozialdemokratie in Deutschland braucht Andrea Ypsilanti, ihre Erfahrung und ihre Stärke, den Menschen einen Weg in die Zukunft zu weisen.
Andrea Ypsilanti strebte nach der Landtagswahl 2008 – entgegen allen Zusagen – eine Rot-Grüne Landesregierung unter einer Tolerierung der Linkspartei an. Als Treppenwitz wird dabei die Rolle der SPD-Rechten, Dagmar Metzger, Jürgen Walter, Silke Tesch und Carmen Everts, in die Geschichte eingehen. Volker Zastrow hat dies in seinem Buch Die Vier sehr gut dargelegt.
Zuerst sagte man Andrea Ypsilanti die Unterstützung zu, befeuerte sie sogar in ihren Plänen, sich von der Linkspartei tolerieren zu lassen, um sie dann in einer schändlichen Pressekonferenz eiskalt fallen zu lassen. Nichtsdestotrotz musste selbstverständlich Ypsilanti die Verantwortung unternehmen, dies tat sie, es gab Neuwahlen, die SPD wurde vernichtend geschlagen, die Spitzenkandidatur und den SPD-Landesvorsitz übernahm dabei Thorsten Schäfer-Gümbel.
Wann immer ich über das Thema Hessen-SPD schreibe, weise ich darauf hin: Es war kein Fehler, nach der Wahl eine Rot-Rot-Grüne Zusammenarbeit zu suchen. Das war richtig und wird mittlerweile sogar im Bund von der SPD nicht mehr ausgeschlossen. Der Fehler wurde vor der Wahl gemacht. Vor der Wahl zu sagen, man arbeite nicht mit der Linkspartei zusammen, hat der SPD jegliche Bündnisoption genommen.
Das Ziel, die Linkspartei aus dem Landtag herauszuhalten, wurde weit verfehlt. Diese Ausschließeritis ist aber nicht nur auf Andrea Ypsilanti zurückzuführen, sondern insbesondere auf den Affentanz der SPD im Bund, damals unter der Führung Kurt Becks, der unter Dauerfeuer vom Seeheimer Kreis und den konservativen Medien stand.
Die SPD muss endlich mit dem Desaster der Hessen-SPD abschließen und ihren Frieden mit Andrea Ypsilanti schließen. Eine starke Sozialdemokratie braucht Andrea Ypsilanti. Ihre Erfahrung, einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen, ist für die SPD in der aktuellen Verfassung, unbezahlbar. Ich glaube auch, dass Andrea Ypsilanti sehr viel gelernt haben wird.
Sie wird diesen einen Fehler nie wiederholen. Bekommt sie eine zweite Chance, wird sie politisch und charakterlich umso stärker aus dieser persönlichen und politischen Krise hervorgehen. Wenn man sieht, wer in der Politik schon eine zweite und dritte Chance bekommen hat, dann hat auch eine Andrea Ypsilanti diese Chance verdient. Sie hat damals schon das Richtige getan – nur war sie in den Zwängen der SPD gefangen. Und – der Fehler wurde vor der Wahl gemacht, nicht nach der Wahl.
Die SPD darf dem rechten Pöbel nicht länge die Meinungsführerschaft über die eigene Partei überlassen. Dieser Pöbel tut sich besonders in den Kommentaren der Springer-Erzeugnissen hervor. Ein Thilo Sarrazin wird gefeiert, sobald aber nur in einem Nebensatz Andrea Ypsilanti erwähnt wird, ist das Geschrei groß. Lügilanti ist einer der noch schmeichelhafteren Begriffe, die dann fallen.
Politisch verpackt wird das Ganze dann vom Seeheimer Kreis. Die SPD täte gut daran, Andrea Ypsilanti zur stellvertretenden Parteivorsitzenden zu wählen – anstelle des Hartz-IV-Technokraten Olaf Scholz, der in Hamburg schon wieder Basta!-Interviews gibt. Die SPD hat nur noch eine Chance, diese wird gerade wieder leichtfertig verspielt. Die Erfahrung einer Andrea Ypsilanti, der Aufstieg, wie auch der tiefe Fall, wäre für die SPD unbezahlbar.
Die SPD sollte diese Lanze brechen, wen interessieren schon die Schlagzeilen der Springer-Postillen? Es ist mehr als erforderlich, dass die Sozialdemokratie wieder ihre Kräfte bündelt – mit Andrea Ypsilanti in verantwortlicher Position.
Liebe SDP, beweise Mut und Zukunftsdenken…
Quelle: F!XMBR
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als unabhängiger linker kann ich das unterschreiben. ich denke genauso, dass frau
ypsilanti von der spd eine 2. chance bekommen sollte, aber da werden die rechten um den seeheimer kreis wieder die bekannten hindernisse aufbauen. ich denke nicht, dass die spd aus dem
steinmeier sumpf sich löst. welche rolle die medien
als die huren der neoliberalen spielen, wissen wir.
deshalb gilt es jetzt, wie ich schon mehrfach forderte, der öffentlichkeit diese schmutzigen methoden und ihre auftraggeber zu enttarnen.
ihnen entschieden entgegenzutreten und sie zu
personifizieren. mit hannes WADER:
ES IST AN DER ZEIT… und mit den kabarettisten von den mitternachtsspitzen müssen wir den wider-
stand formieren, ihn auf die strasse bringen.
der glockenstadtbote
alfred lanfer