Von Finkeldey | Kritik und Kunst
Dieser SpON-Artikel ist einfach nur ein Ärgernis, gerade weil er ansatzweise auf "kritisch" macht. So gut wie nichts an ihm stimmt. "Die Gier", wenn man es denn auf Gier reduzieren will (wogegen einiges spricht) ist nicht etwa "zurück" – sie war nie weg.
Die Bemühungen der Politik, die Gier in der Branche zu zügeln, wirken angesichts solcher Zahlen reichlich verzweifelt.
Das ist entweder glatt gelogen oder von keinerlei Kenntnis getrübt. Diese Bemühungen existieren nicht. Das wundert auch nicht, da den Bänkern das Heft des Handelns nie aus der Hand genommen wurde. Wer Leuten wie Ackermann oder Asmussen im Rahemn von Soffin und Bankenregulierung derart zentrale Rollen zuspielt, kann genauso gut einen Ausbrecherkönig zum Gefängnisaufseher ernennen.
In den anderen westlichen Nationen ist die Situation übrigens um keinen Deut anders: Selbstverständlich wurden auch dort die Böcke zum Leiter des Gartenbauamts bestellt.
Die Geldinstitute, die das Desaster weitgehend unbeschadet überlebt haben, machen sogar ziemlich gute Gewinne mit der Krise. Sie profitieren vom Geschäft mit Staats- und Unternehmensanleihen und von dem Niedrigzinsgeld, mit dem die Notenbanken die Märkte überschwemmen.
Das ist zunächst sogar richtig (ich verweise nochmal mit Dank an Erlkönig auf Dirk Müller), führt bei Anne Seith aber leider nicht zu den Schlußfolgerungen, die eigentlich nahe liegen sollten. Lucas Zeise, ftd, ist da ein bißchen weiter.
15 Billionen Dollar hat die Finanzkrise die Welt an Wohlstand Schätzungen zufolge gekostet. Ganze Staaten standen kurz vor der Pleite. Regierungen haben Hunderte Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, um das Schlimmste zu verhindern. Die Finanzströme in die Entwicklungsländer sind so gut wie versiegt, die Industrienationen kämpfen gegen Insolvenzwellen und Massenarbeitslosigkeit.
Richtig. Und? Was könnte das in diesem Zusammenhang bedeuten?
Nebenbei:
Auch in den Bankfilialen ist man schnell zu alten Sitten zurückgekehrt. In Deutschland etwa klagen Berater und Verbraucherschützer über den nach wie vor hohen Verkaufsdruck, unter dem die Kundenbetreuer stehen. Schon werden ahnungslosen Anlegern wieder eifrig Zertifikate angedreht, also Wetten auf alle möglichen Preis- und Marktentwicklungen, die selbst Fachleute oft nur mit Mühe verstehen.
Das sehe ich ein bißchen anders: Wer sich jetzt noch Zertifikate andrehen läßt, ist nun wirklich selbst Schuld.
Dann, immerhin, landet sie einen Volltreffer:
Der "zentrale Orientierungspunkt" einer Bank sei der Gewinn, sagt Josef Ackermann. Aus seiner Sicht ist das verständlich, denn Ackermann ist Geschäftsmann. Die Politik hat es verpasst, ihm und seinen Kollegen genügend Grenzen zu setzen.
Zyniker sagen: Dafür war die Finanzkrise einfach noch nicht schlimm genug.
Es sieht ganz so aus. Der Krug wird zum Brunnen gehen bis er bricht. Ich will hier nicht in Apokalypse machen, aber die nächste Blase wird mit Sicherheit platzen. Und beim nächsten Mal wird man nichts mehr zuzusetzen haben.
Anne Seith will das alles nicht sehen. Ihre Empörung ist moralisch ohnmächtig, weil sie, obwohl sie alle analytischen Fäden in Händen hält, sich einfach borniert weigert, wahrzunehmen, was so offenkundig ist: Dass dieses "Weiter so!" schlicht politisch gewollt ist. Nie tritt eine herrschende Klasse freiwillig ab. Sie hat es sich bis jetzt immer noch bis zum Abwinken zeigen lassen.
Genau das werden auch wir wieder erleben. Mo hat hier einige hochinteressante Gedanken geäussert. Wir können uns warm anziehen: Es hat gerade erst begonnen.













