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FDP überwacht nun mit

Mittwoch, 28. Oktober 2009-17:40 -|- Eingestellt von: |

Big Brother is watching you...Ulla Jelpke | Junge Welt

Die Zeit der Bür­ger­rechts­demos war ges­tern. In der Regie­rung stehen die Libe­ralen für Ausbau des Überwachungsstaats.

Der Koali­ti­ons­ver­trag der künf­tigen schwarz-​gelben Bun­des­re­gie­rung trifft eine klare Aus­sage: Die FDP hat sich beim Thema Bür­ger­rechte den Kon­ser­va­tiven gebeugt.

Die end­gül­tige Fas­sung des Ver­trages, die am Montag abend von Kanz­lerin Angela Merkel (CDU), Minis­ter­prä­si­dent Horst See­hofer (CSU) und FDP-​Chef Guido Wes­ter­welle unter­zeichnet wurde, knüpft nahtlos an das »Sicher­heits­denken« der Innen­mi­nister Otto Schily (SPD) und Wolf­gang Schäuble (CDU) an: Die BRD soll ein Über­wa­chungs­staat werden. Sämt­liche Schnüf­fel­ge­setze der großen Koali­tion bleiben unangestastet.

Es bleibt auch bei der Zen­tra­li­sie­rung der Sicher­heits­be­hörden und der ein­ge­lei­teten Auf­he­bung der Tren­nung von Geheim­diensten und Polizei. Das Gemein­same Internet– und Ter­ror­ab­wehr­zen­trum sowie die »Bun­des­ab­hör­zen­trale« in Köln, wo die Schnüf­fel­maß­nahmen von Polizei und Geheim­diensten koor­di­niert werden, stehen eben­falls nicht zur Disposition.

Die FDP hatte all diese grund­rechts­feind­li­chen Ent­wick­lungen im Wahl­kampf ange­pran­gert. Im Sep­tember hatte die Partei sogar die bun­des­weite Bür­ger­rechts­demo »Frei­heit statt Angst« unter­stützt. Nun gibt sie sich mit dem Ver­spre­chen einer Eva­lu­ie­rung zufrieden. Durch­ge­führt werden soll diese offen­sicht­lich von der Bun­des­re­gie­rung selbst; von einer externen Über­prü­fung ist nicht die Rede.

Die FDP ver­sucht, ihr Ein­kni­cken dadurch zu über­tün­chen, daß sie Rege­lungen zum Arbeit­neh­mer­da­ten­schutz durch­ge­setzt hat. Es soll aber nicht, wie nach den Über­wa­chungs­skan­dalen bei Bahn, Lidl und Schle­cker von Fach­leuten gefor­dert, ein eigenes Gesetz dafür geben, son­dern ledig­lich einen neuen Abschnitt im Bundesdatenschutzgesetz.

Die all­ge­mein gehal­tenen For­mu­lie­rungen im Koali­ti­ons­ver­trag lassen keine Wende zu einem wir­kungs­vollen Daten­schutz erkennen. Dagegen ist zu befürchten, daß die neue Koali­tion den angeb­lich dro­henden »Cyber-​Krieg« als Vor­wand für wei­tere Ein­griffe ver­wenden wird, wenn es heißt: »Wir werden ein beson­deres Augen­merk auf die Abwehr von IT-​Angriffen richten und hierfür Kom­pe­tenzen in der Bun­des­ver­wal­tung bündeln.«

Auch bei den Themen Migra­tion, Inte­gra­tion und Asyl hat sich die FDP in keinem Punkt gegen die Hard­liner der Uni­ons­par­teien durch­ge­setzt. Es gibt keine effek­tiven Ver­ein­ba­rungen zur Ver­bes­se­rung der ökono­mi­schen und sozialen Lage von Migranten und keine Ein­bür­ge­rungs­er­leich­te­rungen. Es wird auch künftig Ket­ten­dul­dungen geben, das heißt, Zehn­tau­sende Flücht­linge erhalten jah­re­lang stets aufs neue ledig­lich befris­tete Duldungen.

Der obli­ga­to­ri­sche Deutsch­test im Her­kunfts­land beim Ehe­gat­ten­nachzug wird aus­drück­lich als »sinn­voll« bezeichnet. Die Dis­kri­mi­nie­rungen bei Ver­sor­gung und Unter­brin­gung von Asyl­su­chenden werden eben­falls ledig­lich eva­lu­iert. Damit ist absehbar, daß sich bei­spiels­weise beim Sach­leis­tungs­prinzip, das Flücht­lingen Bar­geld ver­wei­gert und sie mit Gut­scheinen abspeist, nichts ändern wird.

Ein kom­mu­nales Wahl­recht für Staats­an­ge­hö­rige aus Nicht-​EU-​Ländern wurde von der CDU/​CSU ver­hin­dert. Auch beim Staats­bür­ger­schafts­recht soll die Opti­ons­pflicht, die 18jährige zur Auf­gabe einer ihrer beiden Staats­an­ge­hö­rig­keiten zwingt, ledig­lich »über­prüft« werden.

Beim Zugang zum Arbeits­markt bleibt es bei der von Wirt­schafts­in­ter­essen gesteu­erten Ein­wan­de­rungs­po­litik nach dem Nütz­lich­keits­prinzip. Die FDP gibt ihre For­de­rungen nach einem Punk­te­system sowie nach einem sofor­tigen Arbeits­markt­zu­gang für alle Flücht­linge auf. Zur ent­schei­denden Rolle Deutsch­lands bei der mör­de­ri­schen EU-​Asylpolitik findet sich im Koali­ti­ons­ver­trag kein Wort.

Quelle: Junge Welt

Quelle Bild: von pro​mi​fotos​.de via Pixelio

Die Ver­öf­fent­li­chung wurde von “Junge Welt” geneh­migt. Vielen Dank !

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Kategorie » Bundesregierung, Parteien u. Politiker « | Tags » , , «

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