Viktoria Thumann | Greenpeace Blog
Da sind die einen, denen steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Dann sind da die anderen, die haben gar kein Wasser mehr. Und wieder andere, die sitzen da und streiten sich, wer denn nun an dieser Misere am meisten schuld ist. Alles Märchen? Leider nein.
Wir hier in den Industrienationen haben einen beachtlichen Teil dazu beigetragen, die aktuelle Klimakrise heraufzubeschwören. Eigentlich logisch, dass wir jetzt dafür geradestehen, das Schlimmste wieder abzuwenden. Schließlich hat der verschwenderische Umgang mit fossilen Energieträgern nicht nur zu einem explosiven Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre geführt, sondern unser luxuriöses Leben erst möglich gemacht.
Für die Staats- und Regierungschefs der EU hingegen ist das gar nicht so klar. Sie beraten heute in Brüssel unter anderem über die EU-Position bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen im Dezember. Streitpunkt Nummer 1 sind finanzielle Hilfen, die die Entwicklungsländer benötigen, um ihrerseits gegen den Klimawandel ankämpfen zu können.
Während die Minister noch debattieren, sind die Folgen des Klimawandels in vielen Regionen der Welt bereits Realität. Schon heute gibt es 20 Millionen Klimaflüchtlinge – ein Problem, das immer noch den wenigsten bewusst ist. Schon 2007 hat Greenpeace einen Report unter dem aussagekräftigen Titel „Klimaflüchtlinge – Die verleugnete Katastrophe“ publiziert. Auch mit dem Ziel, Klimaflüchtlinge politisch anzuerkennen.
Vergangenes Jahr haben dann die Inselstaaten Kiribati und Tuvalu als erste versucht, von so einer Option Gebrauch zu machen und offiziell in Neuseeland und Australien um Klima-Asyl gebeten. Die 22 Inselstaaten des Südpazifiks sind ein Symbol für die Flucht vor dem Klimawandel geworden. Von ihren sieben Millionen Einwohnern leben etwa 90 Prozent direkt an der Küste und sind damit durch den ansteigenden Meeresspiegel direkt gefährdet.
Auch die im Indischen Ozean liegenden Malediven – vielen von uns als Urlaubsparadies bekannt – sind bedroht. 80 Prozent ihrer Landfläche liegt nur einen Meter über dem Meer. Und ein Anstieg des Meeresspiegels um diesen einen Meter ist mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen. Aus diesem Grund haben sich bereits jetzt 60 Prozent der Einwohner freiwillig für eine Evakuierung gemeldet – obwohl sie keine Ahnung haben, was das für ihre Zukunft bedeutet. Wo werden sie wohnen können? Wer wird sie überhaupt aufnehmen wollen? Und wovon sollen sie dann an diesen Orten leben?
Und die Inselstaaten sind nicht die Einzigen, die mit dem Klimawandel zu kämpfen haben. In Afrika müssen Menschen schon seit Jahren ihre Heimat verlassen. Wassermangel und Dürre zwingen sie dazu. Gab es in Kenia 1975 noch 16.000 Dürreopfer, waren es zwischen 2004 und 2006 schon 3,5 Millionen. Wenn nicht schnell etwas passiert, wird innerhalb der nächsten 30 Jahre die Zahl der Klimaflüchtlinge weltweit auf mindestens 200 Millionen ansteigen.
Während also im weit entfernten Afrika schon heute um das immer knapper werdende Wasser gekämpft wird und die Bewohner der Inselstaaten Asyl beantragen, sitzen unsere Regierungschefs da und debattieren.
Allein Deutschland hat bis März 2009 zur Unterstützung der Hypo Real Estate 102 Milliarden Euro staatliche Beihilfen und Garantien bereitgestellt. Dagegen klingen die 35 Milliarden Euro, die die gesamte EU zur Unterstützung der Entwicklungsländer übernehmen müsste wie Peanuts.
Vielleicht sollten die verehrten Regierungschefs mal den Blick über den Tellerrand wagen. Ich lege ihnen auf jeden Fall den Greenpeace-Flüchtlingsreport ans Herz.
Quelle: Greenpeace Blog
Quelle Bild: von enhotec via Pixelio
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