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Der Wert der Arbeit oder besser deren Wertlosigkeit

Sonntag, 01. November 2009-13:47 -|- Eingestellt von: |

FinanzkriseJochen Hoff | Duckhome

Vor­ges­tern geis­tere wie­dermal so eine tolle Mel­dung durch den deut­schen Blät­ter­wald. Die Spar­quote der Deut­schen sei gestiegen und im ersten Halb­jahr habe jeder Deut­sche im Schnitt 180 Euro gespart und die Spar­quote liege bei 11.2 Pro­zent. Alles Friede, Freude, Eier­ku­chen. Nein alles Unfug.

Die Spar­quote berechnet sich aus der Summe der Spar­ein­lagen im Ver­hältnis zum ver­füg­baren Ein­kommen. Bei 793 Mrd. Euro ver­füg­barem Ein­kommen wurden 89 Mil­li­arden gespart. Aller­dings nicht von allen Bür­gern, wie uns die Milch­rech­nung deut­lich machen will. Gespart haben nur sehr wenige Gut­ver­diener und die Rei­chen, die über die Hilfe an die Banken, noch weiter sub­ven­tio­niert wurden.

Nicht gespart haben die Bau­ar­beiter, die Leute an den Fließ­bän­dern, die Gebäu­de­rei­niger und auch nicht die Zim­mer­mäd­chen. Selbst­ver­ständ­lich konnten auch die Arbeits­losen nicht sparen und egal was sich die Hartz IV Emp­fänger auch vom Munde abs­paren, es reicht nicht einmal, um die anderen Löcher zu stopfen.

Gleich­zeitig stehen die Gewerk­schaften fröh­lich mit ihren Kum­peln von der Arbeit­ge­ber­seite zusammen und ver­ein­baren Lohn­ver­zicht. Lohn­ver­zicht um das Unter­nehmen zu retten. Meist endet das dann so wie beim Akzo Nobel Werk in Wunstorf. Dort haben die Arbeiter seit 2005 2,5 Stunden länger ohne Lohn­aus­gleich gear­beitet und eine Stand­ort­si­che­rung bis 2011 erreicht. Jetzt schließt das Werk zum Jah­res­ende trotzdem. Die Abzo­cker von Akzo Nobel melden gleich­zeitig einen um 4 Pro­zent gestie­genen Gewinn. Einen Gewinn um den sie die Arbeit­nehmer mit Hilfe der Gewerk­schaften betrogen haben.

Akzo Nobel macht übri­gens die Lacke für Sik­kens, Herbol und Dulux. Man darf diesen Dreck im Regal stehen lassen und man darf den gemeinen Ober­ab­zo­cker Hans Wijers auch beim Namen nennen und ihm viel­leicht mal mit einer Email mit­teilen, was man von ihm und sei­nes­glei­chen hält. Aber er ist nicht alleine. Das gleiche pas­siert tag­täg­lich überall. Die Gewerk­schaft hilft den Arbeit­neh­mern indem sie die Löhne kürzt. Dass heißt, eigent­lich helfen sich die Gewerk­schafts­ver­treter selbst. Ihre Posten bleiben erhalten.

Lohn­ver­zicht sichert kein Unter­nehmen. Lohn­ver­zicht sichert nur die Gewinne der Abzo­cker. Es gibt kein ein­ziges Bei­spiel bei dem Lohn­ver­zicht lang­fristig zum Erhalt des Werkes geführt hat. Meist wurde nur der Tod auf Kosten der Arbeit­nehmer ver­län­gert. Dies wird sich nicht ändern. Die schwarz/​gelbe Hor­nis­sen­ko­al­tion hat sich fest vor­ge­nommen die Ver­la­ge­rung von Betrieben ins Aus­land wieder steu­er­lich zu för­dern und gleich­zeitig auch fik­tive Aus­lands­schulden wieder von deut­schen Gewinnen abzugs­fähig zu machen.

Die gleiche Hor­nis­sen­ko­al­tion steht gegen Min­dest­löhne. Thorsten Stegmann beschreibt auf Tele­polis, dass in Zukunft sogar Löhne von 2,05 Euro nicht sit­ten­widrig sind. Peter Müller, der dank den grünen Ver­rä­tern auch wei­terhin das Saar­land regiert, geht näm­lich von einem Min­dest­lohn von 4,50 Euro aus.

Müller ist dabei nur die Spitze einer Kam­pagne, die echte Arbeit in Deutsch­land immer weiter ver­bil­ligen und immer höher belasten will, um dem Groß­ka­pital immer mehr Gewinne zuzu­schus­tern. Dabei sind die Hor­nissen nicht alleine. Auch die alte SPD unter Münte­fe­ring, Scholz und Struck hat diese Linie kon­se­quent gefahren und würde sie weiter fahren, wenn sie denn noch an der Macht wäre. Den Grünen sind Arbeit­nehmer grund­sätz­lich egal. Sie wollen die neue FDP werden und sie ver­raten auf diesem Weg jeden und alles.

Die Gewerk­schaften haben sich längst ein­binden lassen. Sie sehen sich nicht mehr als Gegen­spieler der Arbeit­geber, son­dern stehen längst in deren Lager. Man kann eben nicht gemeinsam im Auf­sichtsrat sitzen und die Freuden der Auf­sichts­räte genießen und gleich­zeitig auf der Seite der Arbeit­nehmer sein. Außerdem ist es viel bequemer in gut ein­ge­übtem Tarif­tänz­chen nur einen Kampf zu sym­bo­li­sieren, als wirk­lich zu kämpfen.

Tat­säch­lich ist Hartz IV der Min­dest­lohn in Deutsch­land. Im Jahre 2007 waren 1,3 Mil­lionen, also 23 Pro­zent aller Hartz IV Emp­fänger soge­nannte Auf­sto­cker. Also Men­schen die zwar arbei­teten, aber weniger ver­dienten, als ihnen als Hartz IV Emp­fänger zuge­standen hätte. Im Augst 2008 waren es bereits 1,35 Mil­lionen Men­schen von denen 20 Pro­zent, also 270.000 in Voll­zeit arbei­teten. Das war vor der Wirtschaftskrise.

Die aktu­elle Lage lässt sich kaum belegen, da auf­grund der Bun­des­tags­wahl einige Zahlen ein­fach nicht ver­öf­fent­licht wurden. Die Zahl der Auf­sto­cker steigt aber wei­terhin. Egal ob man von Auf­sto­ckern oder Kom­bi­lohn spricht, gemeint ist immer, dass die All­ge­mein­heit den Lohn subventioniert.

Die All­ge­mein­heit sind die Steu­er­zahler. Die Steu­er­zahler sind aber die kleinen und mitt­leren Ein­kommen, die über die Lohn– und Mehr­wert­steuer schon den größten Teil der Steu­er­last tragen, wäh­rend das Groß­ka­pital immer weniger Anteil an den Steuern hat.

Die Armen bezahlen also für die Ärmsten. Natür­lich ohne gefragt zu werden. Aber in Wirk­lich­keit bezahlen sie nicht für die Ärmsten, son­dern für das Kapital. Sie stützen die Arbeit­geber, die sich lieber selbst berei­chern anstatt ihre Arbeit­nehmer anständig zu ent­lohnen. Die Armen müssen die aso­zialen Unter­nehmer sub­ven­tio­nieren, damit die mit dem Geld der Armen an den Kapi­tal­märkten spe­ku­lieren und ver­lieren können.

Das ist nicht nur unfair son­dern Dieb­stahl. Auf­sto­cker und Kom­bi­löhne nutzen nur den Abzo­ckern. Sie schaden aber allen, da selbst mit Auf­sto­ckung und Kom­bi­lohn noch keine echte Teil­habe am Leben mög­lich ist und der Konsum stark ein­ge­schränkt bleibt, egal wie viel jemand arbeitet.

Würde man statt­dessen einen Min­dest­lohn von 10,50 Euro fest­legen, der sich durchaus im euro­päi­schen Umfeld als sinn­voll bezeichnen lässt, würden sich die Lohn­kosten der Abzo­cker­un­ter­nehmer zwar erhöhen und deren Gewinne schmelzen, aber sonst würde nichts passieren.

Die meisten Tarif­löhne der Export­in­dus­trie liegen über diesem Min­dest­lohn. Die Export­fä­hig­keit Deutsch­lands würde also kaum beein­träch­tigt, auch wenn einige Dienst­leis­tungen teurer würden. Einige Fri­seur­sa­lons würden sterben, sicher auch ein paar Laden­ge­schäfte. Aber grund­sätz­lich wäre alles was kommt nur eine Kor­rektur eines über­sät­tigten Marktes.

Natür­lich käme es kurz­fristig zu einer Ent­las­sungs­welle. Dumme Unter­nehmer die nicht begreifen, dass es nicht der Lohn ist, der ihnen schadet, son­dern das Preis­ge­drücke der Groß­ab­nehmer, würden ent­lassen. Aber solche Firmen sind grund­sätz­lich nicht solide geführt. Der Rest würde schnell merken, dass ein Min­dest­lohn von 10,50 Euro ein gigan­ti­sches Kon­junk­tur­pro­gramm ist.

Die Leute die es betrifft, geben den größten Teil ihres Ein­kom­mens für den Konsum aus. Die meisten haben jah­re­lang nicht mehr inves­tieren können und schon des­halb einen extremen Nach­hol­be­darf an Gebrauchs­gü­tern. Das mehr an Geld würde also schnell wieder in den Bin­nen­konsum fließen und damit Geschäft bringen, das Deutsch­land heute fehlt. Dieses Geschäft wäre Monat für Monat sicher und wenn bei einer ehr­li­chen Berech­nung der Infla­tion, der Min­dest­lohn immer wieder ent­spre­chend ange­passt würde, bekäme man eine sichere Bin­nen­kon­junktur und Men­schen die eine Zukunft haben.

Das Modell der schwarz/​gelben Hor­nis­sen­ko­ali­tion sieht aller­dings anders aus. Arbeit soll immer pre­kärer werden. Nied­rig­lohn und Auf­sto­cker sollen mög­lichst viele Men­schen in der Unfrei­heit von Hartz IV halten. Egal ob beim Betreu­ungs­geld oder beim Kin­der­geld wollen Frau Merkel und Herr Wes­ter­welle die Men­schen ent­rechten. Das Stigma Hartz IV soll mög­lichst öffent­lich werden. Schulen, Kin­der­gärten und die Nach­bar­schaft sollen wissen, dass dort Aus­sät­zige leben.

Aus­sät­zige kann man leicht aus­beuten und die Nach­barn haben etwas, über das sie sich kurz­fristig erheben können. Lang­fristig wird es aber natür­lich auch die Nach­barn treffen. Mit einem neuen Gesetz werden die Hor­nissen beschließen, dass neue Gast­ar­beiter ab 30.000 Euro Jah­res­ge­halt eine Arbeits­er­laubnis erhalten. Der ukrai­ni­sche Arzt, der pol­ni­sche Inge­nieur und viele andere werden sich anbieten. Damit rutscht das Lohn­ni­veau von Hoch­schul­ab­gän­gern an die 30.000 Euro Grenze.

All die hüb­schen ange­kün­digten Steu­er­er­leich­te­rungen werden selbst diese gut qua­li­fi­zierten Arbeit­nehmer nicht errei­chen. In dem Maße indem die Löhne dieser Leute gedrückt werden, gehen auch die Löhne aller anderen her­unter. Ein paar der oberen Bankster werden noch gut ver­dienen, aber der Rest, der nicht vom Betrug lebt, wird ver­lieren. Damit geht auch die Bin­nen­kon­junktur immer weiter abwärts, was Ent­las­sungen und Fir­men­in­sol­venzen zur Folge hat.

Die Hor­nissen fressen solange die wirk­li­chen Leis­tungs­träger, näm­lich die Arbeit­nehmer, bis nichts mehr übrig bleibt. Sie agieren nur auf der Basis einer unend­li­chen Gier und ohne jede Verantwortung.

Quelle: Netz­werk­partner Duck­home

Quelle Bild: von pau­line via Pixelio

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Kategorie » Arbeit/Gewerkschaft, Deutschland, Gesellschaft/Soziales, Politik/Wirtschaft « | Tags » , , , , , , «

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