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Schließt endlich die Stasi-Akten!

brandenb_torVon Chris | F!XMBR

Vor 20 Jahren ist die Mauer gefallen – Genscher in der Prager Botschaft, ein feierndes Land, unvergessene Bilder. Ich war damals 16 Jahre alt, verfolgte vor dem Bildschirm die tanzenden Menschen auf der Mauer, in Berlin und sah diese unbändige Freude in den Gesichtern derjenigen, die mit ihrem Trabbi über die Grenze kamen und wie sich Berlin in den Armen lag.

Ich spürte, hier passierte etwas Großes – doch in meinem damaligen Alter erfasste man nicht wirklich, dass Geschichte geschrieben wurde und man Zeuge eines historischen Ereignisses wurde. Man hatte auch andere Sachen im Kopf.

Der Feier folgte jedoch bald Ernüchterung – in vielen Köpfen, gerade im Westen, steht die Mauer noch heute, viele Ostdeutsche wünschen sie sich gar zurück. Dazu trägt insbesondere die Birthler-Behörde bei, welche die Stasi-Unterlagen beherbergt. Immer wieder liest man Schlagzeilen, wer wann und wo angeblich Stasi-Mitarbeiter gewesen sein soll.

Das Bild des Westens über den Osten wird auch heute noch durch die Stasi, Honecker und Mielke gezeichnet, nicht aber durch die Menschen selbst. Wir sind kein gemeinsames Volk, wir sind ein Volk mit dunkler Vergangenheit im Osten. Damit muss endlich Schluss sein – die Stasi-Akten sollten endlich geschlossen werden.

Wann immer ich über neue Stasi-Enthüllungen lese, muss ich an meinen ehemaligen Chef denken. Er kam aus Ost-Berlin und arbeitete im Außenhandelsministerium. Dementsprechend genoss er das Privileg, ins Ausland reisen zu dürfen.

Doch nach jeder Reise musste er der Stasi einen Bericht vorlegen, meist wurde er sogar persönlich besucht und eine Aussage von ihm aufgenommen. Mein Chef sagte immer: Wir sagten denen, was sie hören wollten und gingen nach Hause.

Es wird mit Sicherheit eine Stasi-Akte über ihn geben, er wird ebenso als IM geführt werden. Aus westlicher Sicht könnte man ihn heute dafür verurteilen – doch wenn man die Umstände sieht, ist er dann auch wirklich schuldig? Ich glaube nicht. Ich denke, dass es viele solche Fälle gab, bei denen sich die Menschen aus welchen Grünen auch immer mit den Gegebenheiten arrangiert haben. Wenn mein ehemaliger Chef heute angeklagt werden würde, fände ich das doch ziemlich absurd, nicht angemessen und auch den Begebenheiten entsprechend völlig überzogen.

Selbstverständlich gab es großes Unrecht in der damaligen DDR – jedoch wird es mit der Hetzjagd, die seit dem Mauerfall auf alles, was irgendwie nach Stasi riecht, auch nicht besser. Es wird nicht gesühnt, schon gar nicht erfahren Opfer Gerechtigkeit. Durch die Hatz auf alles, was irgendwie Stasi-ähnlich ist, verhindert der Westen den Blick darauf, dass auch der goldene Westen ein Mythos war – die Finanzkrise hat es gerade erst bewiesen. Wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, muss man sich selbst nicht hinterfragen.

Heribert Prantl schreibt heute in der SZ: Aus der Öffnung der Akten kamen, wie aus der Büchse der Pandora, Segen und Fluch, Erkenntnis und Misstrauen, Entlarvung und Entsolidarisierung – die Entsolidarisierung der Menschen, die sich zuvor bei den Montagsdemonstrationen noch so solidarisch gefühlt hatten. 20 Jahre nach dem Mauerfall wird es so langsam Zeit, dass Deutschland wirklich wiedervereinigt wird – dazu gehört auch die Schließung der Stasi-Akten.

Um Heribert Prantl noch einmal zu zitieren: Es geht um einen inneren Frieden; innerer Friede führt zu innerer Einheit. 20 Jahre lang ist angeklagt und verurteilt worden, 20 Jahre lang wurde verdächtigt, bezichtigt, geargwöhnt – und aufgeklärt. Jetzt, da es nichts mehr oder nicht mehr viel zu vertuschen gibt, kann es Gnade, Nachsicht und Vergebung geben. Man muss ja nicht vergessen, um sich zu vertragen. Die deutsche Einheit braucht ein Klima der neuen politischen Verträglichkeit.

Quelle: F!XMBR

Quelle Bild: von lukelukeluke via Flickr | CC-Lizenz

Dieser Artikel ist unter einer CC-Lizenz lizenziert.

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1 Kommentar auf “Schließt endlich die Stasi-Akten!”

  1. [...] Chris [F!XMBR] via Mein Politikblog … Schließt endlich die Stasi-Akten! [...]

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