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Der Glanz des Goldes

Freitag, 13. November 2009-10:36 -|- Eingestellt von: |

Pot of Gold von tao_zhynJochen Hoff | Duckhome

Immer wieder hat der Inter­na­tio­nale Wäh­rungs­fonds (IWF) in den ver­gan­genen Jahren damit gedroht 403 Tonnen Gold zu verkaufen.

Es hat nichts genutzt, der Gold­preis stieg und stieg. Jetzt braucht der IWF drin­gend Geld und hat mal eben auf die schnelle 200 Tonnen an Indien verkauft.

Das ganze Geschäft hat den Markt prak­tisch unver­än­dert gelassen.
Die Erklä­rung dafür ist ein­fach. Dieses Gold ist für den Markt bedeu­tungslos, weil es ein­fach inner­halb der indi­schen Wäh­rungs­re­serven ver­schwindet. Auch die ver­blie­benen 203 Tonnen können ohne jede Wir­kung auf den Gold­preis an China ver­kauft werden, weil China eben­falls nur das Gold in seinen Wäh­rungs­re­serven bunkert.

Dabei ist es fast egal, ob Indien und China dafür nun reale Dollar, Euro, Yen oder nur Schuld­ver­schrei­bungen in diesen Wäh­rungen gegeben haben oder geben werden. Der IWF wird wei­tere Dol­lar­mil­li­arden aus­schütten und ver­su­chen damit seine Form der Welt­wirt­schaft und seine eigene Macht weiter zu erhalten, bis er end­gültig aus­ge­blutet ist.

Für die reale Wirt­schaft ist das alles bedeu­tungslos. Ange­sichts der Geld­mengen die bereits zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung geschaffen wurden und täg­lich neu geschaffen werden, wird das ganze nur die Bör­sen­kurse noch weiter stützen. Es füt­tert die nächste Blase. Nicht mehr, nicht weniger.

Der Gold­preis hat andere Ursa­chen. Gold hat kaum einen Gebrauchs­wert und wird nur in mini­malen Mengen indus­triell ver­braucht. Prak­tisch gesehen, ist alles Gold, das auf diesem Pla­neten jemals geför­dert wurde, immer noch im Umlauf. Aber eigent­lich ist es ja gar nicht im Umlauf, weil es gebun­kert wird. Es wird in Form von Schmuck, Münzen oder Barren ein­fach gehortet um zu schmü­cken und in mög­li­chen schlechten Zeiten als Ersatz­wäh­rung gebraucht zu werden.

Deutsch­land hat zwei Welt­kriege ange­fangen und ver­loren. Jedes mal war danach die Wäh­rung kaputt und die Men­schen, die Gold hatten, haben ver­sucht dieses gegen Nah­rungs­mittel zu tau­schen. Dies ist ihnen zumeist gelungen, aber zu Kursen die ein­fach lächer­lich waren. Das Gegen­ar­gu­ment, dass für Papier­geld gar nichts zu bekommen war, zählt nicht, weil ein Tausch gegen andere Waren wie Schuhe, Klei­dung oder Werk­zeug ein viel bes­seres Umtausch­ver­hältnis gebracht hätte.

Aller­dings ist schwierig eine Dreh­bank gegen Butter, Brot und Eier zu tau­schen, was bei Gold oder anderen Edel­me­tallen durchaus leichter geht. Aus Gründen der Hand­hab­bar­keit und Bequem­lich­keit, hat Gold also einen Vor­teil beim Tausch­handel, der aber mit hohen Umtausch­ver­lusten bezahlt werden muss. Gold ist vor allem ein Mythos.

Dieser Mythos beruht im wesent­li­chen darauf, dass man immer etwas anderes gegen Gold ein­tau­schen kann und Gold keine Lager­ver­luste kennt. Das gleiche gilt aller­dings auch für Nah­rungs­mittel, die man immer gegen etwas anderes tau­schen kann, nur dass diese unter Lager­ver­lusten leiden. Der Lager­auf­wand ist aller­dings bei beiden fast gleich, zumin­dest in Krisenzeiten.

Für die Men­schen in den unter­schied­li­chen Kul­turen gibt es auch unter­schied­liche Affi­ni­täten zum Gold. Im asia­ti­schen und ara­bi­schen Raum sind Gold und andere Edel­me­talle von grö­ßerer Bedeu­tung, als in Europa. Dies hängt auch damit zusammen, dass man seinen "Reichtum" nicht durch Zins­er­war­tung son­dern phy­si­ka­li­schen Besitz definiert.

Aller­dings wirkt Gold auf alle Men­schen. Nur eben in unter­schied­li­chen Dimen­sionen. Der aktu­elle Gold­preis­an­stieg seit 2007 ist zum einen der Tat­sache geschuldet, dass in den asia­ti­schen Län­dern brei­tere Massen zu Geld kamen und dieses schnell in Gold umtauschten. Alleine diese ständig anstei­gende Anzahl an neuen Gold­be­sit­zern führte zu Preis­stei­ge­rungen auch wenn die Mengen im Ein­zel­fall winzig waren.

Aktuell führt die Welt­wirt­schafts­krise zu einer welt­weiten Flucht von pri­vaten und insti­tu­tio­nellen Anle­gern ins Gold. Dabei muss aller­dings klar unter­schieden werden, zwi­schen Anle­gern die sich in phy­si­schem Gold enga­gieren oder den Spe­ku­lanten die mit Exchange-​traded Funds (ETF) operieren.

Selbst wenn dieses ETFs angeb­lich nur phy­si­ka­li­sches Gold abbilden und dieses in han­dels­üb­li­cher Form ein­ge­la­gert sein sollen, dürfte es schwierig sein, nach dem nächsten Zusam­men­bruch, an dieses Gold in phy­si­ka­li­scher Form zu kommen. Es dürfte lustig werden, wenn die geprellten Anleger bei der HSBC Bank in den USA anklopfen und ihr dort angeb­lich lagerndes Gold haben wollen. Die Umsätze mit ETFs für phy­si­sches Gold sind gerade zu explo­diert und dies bei stei­genden Preisen. Da dürfte wohl vie­ler­orts eine deut­liche Unter­de­ckung bestehen.

Alle anderen Papiere aufs Gold, Gold­minen und Gold­de­ri­vate haben nur scheinbar etwas mit Gold zu tun und sind bes­ten­falls Miss­ver­ständ­nisse oder Betrug, für die Leute, die von der angeb­li­chen Sicher­heit des Goldes pro­fi­tieren wollen. Für alle anderen sind sie Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt und Glücksspiel.

Bleibt die Frage ob man in Gold oder Edel­me­tallen inves­tiert sein muss. Für Frauen und Ehe­männer ist die Frage ein­fach zu beant­worten. Sie haben keine Wahl. Echter Schmuck aus mas­siven Edel­me­tallen ist allem anderen Tand weit über­legen. Wenn man zudem darauf achtet, dass der Schmuck­wert den Wert an edlem Metall nicht zu weit über­schreitet, ist sowohl der Sicher­heits­as­pekt als auch der häus­liche Frieden gerettet.

Bei Münzen sind es die Präge– und Ver­teil­kosten die zu berück­sich­tigen sind. Wer aber Freude an wert­hal­tigem in Münzen hat, muss auch hier nur den Preis berück­sich­tigen. Das gleiche gilt für Barren in jeder Größe. Wer aller­dings einen Kilo­barren Gold kauft, sollte bedenken, dass es 32.151 Unzen ent­hält die ges­tern mal eben 35.869,26 Euro kos­teten. Es dürfte schwierig werden diesen Bro­cken in Eier und Brot zu tauschen.

All­ge­mein wird immer wieder kol­por­tiert, dass man mit 10 — 30 Pro­zent seines Ver­mö­gens in Gold inves­tiert sein muss. Das ist natür­lich grober Unfug. In Gold darf man nur das Geld ein­tau­schen, dass man sicher kurz– und mit­tel­fristig nicht braucht und wel­ches auch lang­fristig wahr­schein­lich nicht wieder zurück­ge­tauscht werden muss.

Tat­säch­lich sollten Menge und Stü­cke­lung so bemessen sein, dass man sich für einen Zeit­raum von viel­leicht 6 bis 12 Monaten zusätz­liche Nah­rungs­mittel und Brenn­stoff ein­tau­schen kann. Dauert die Krise länger, ist es kaum vor­stellbar das Gold noch hilft. Dann wäre z.B. Land auf dem man selbst Nah­rungs­mittel anbaut richtig, oder beson­dere Fähig­keiten erfor­der­lich, die es einem erlauben diese gegen Nah­rung zu tauschen.

Wer nicht in den Kate­go­rien einer Tausch­wirt­schaft denkt, son­dern durch den Tausch in Gold, sein Ver­mögen schützen möchte, liegt sowohl bei einer kurzen Krise, wie auch bei einer langen Krise falsch. Bei einer kurzen Krise wären Anteile an Firmen bil­liger und brächten schneller wieder Ren­dite als das Gold, bei einer län­geren Krise wie nach den beiden Welt­kriegen, liegen die Prio­ri­täten der meisten Men­schen nicht auf dem Gold, son­dern auf Essen, Klei­dung, Wohnen, Einrichtung.

Viele Leute träumen davon, dass es wieder zu einer gold­ge­deckten oder wenigsten teil­weise gold­ge­deckten Wäh­rung kommen könnte und sie dann jeder­zeit ihr Gold in wert­hal­tiges Geld tau­schen und zurück­tau­schen könnten. Dies wird nicht pas­sieren. Zum einen wird es nie wieder eine gold­ge­deckte Wäh­rung geben, weil sie ein­fach, viele Aus­beu­tungs­el­mente mit der die herr­schende Klasse heute die Umver­tei­lung von unten nach oben betreibt, nicht ermög­li­chen würde, zum anderen aber auch weil sie kei­nes­wegs pas­send für eine kapi­ta­lis­ti­sche Wirt­schaft mit groß­in­dus­tri­eller, glo­ba­li­sierter Prä­gung ist.

Gold­ge­deckte Wäh­rungen oder auf anderen Edel­me­tallen basie­rende Wäh­rungen sind ledig­lich für feu­da­lis­ti­sche Struk­turen von Inter­esse, weil dort der Herr­scher sich durch schlechtes Geld am leich­testen selbst berei­chern kann. Kommt es zu sol­chen feu­da­lis­ti­schen Sys­temen ist der Besitz von Gold ver­mut­lich ver­boten und es wird dem Staats­schatz prak­tisch ohne Ent­schä­di­gung zugeführt.

Für neue, erstre­bens­werte Gesell­schafts­formen, wie die demo­kra­ti­sche, weit­ge­hend auto­nome und voll­ständig selbst­ver­wal­tete Kom­mune ist Geld eigent­lich gar nicht erfor­der­lich. Da rei­chen Ver­rech­nungs­ein­heiten, die aber keine preis­be­stim­mende Wir­kung haben, weil die Gemein­schaft fest­legt, welche Leis­tung zu wel­chen Ver­rech­nungs­ein­heiten abge­rechnet wird. Gold wäre auf­grund seiner offen­sicht­li­chen Nutz­lo­sig­keit, nur wenig wert.

Egal an wel­ches Sze­nario man denkt. Gold ist mehr Mythos, als tat­säch­li­cher Wert. Man kann, aber man muss es nicht besitzen. Es ähnelt ein wenig der Hasen­pfote und anderen angeb­li­chen Glücks­brin­gern, die, wenn man nur fest genug an sie glaubt, zumin­dest beru­hi­gend wirken.

Ob der Preis für Gold berech­tigt ist? Natür­lich nicht. Es hat kaum einen Nutz­wert. Gold hat gegen­über dem Euro seit 2001 unge­fähr 170 Pro­zent zuge­legt, gegen­über dem Dollar ca. 320 Pro­zent. Das erlaubt zunächst eine Aus­sage. Die 150 Pro­zent, die das Gold gegen­über dem Dollar mehr zuge­legt hat, sagen nichts über das Gold, son­dern nur etwas über die Schwäche des Dollar aus. Er hat gegen­über dem Gold und Euro abgewertet.

Wenn wir gleich­zeitig wissen, dass in Asien neue Käu­fer­schichten für Gold in den Markt gekommen sind, unter den ame­ri­ka­ni­schen Häus­le­bauern und den welt­weiten Arbeits­losen, aber nur sehr wenige aus dem Gold­markt her­aus­ge­gangen sind, dann musste es zu Prei­stei­ge­rungen kommen. Preis­stei­ge­rungen die durch eine Erhö­hung der Nach­frage, bei ziem­lich gleich­blei­bender Pro­duk­tion ent­standen sind.

Diese Nach­fra­ge­er­hö­hung könnte lang­fristig Bestand haben, auch wenn sie kurz– und mit­tel­fristig durch die Welt­wirt­schafts­krise gefährdet ist. Es gibt also einen gewissen Pro­zent­satz an Preis­er­hö­hung der durch Markt­be­we­gung kommt. Der grö­ßere Teil dürfte aber eine Schwä­chung des Euro sein. Denn natür­lich hat auch der Euro gegen­über dem Gold abgewertet.

Des­halb ist es prak­tisch uner­heb­lich zu wel­chem Preis man das Gold kauft. Sein Preis spie­gelt eigent­lich nur sein ziem­lich behar­rendes Ver­halten zu den Wäh­rungen wieder. Nie­mand könnte also sagen, ob das Gold nicht 2001 in Wirk­lich­keit viel teurer war, als es dies heute ist. Es fehlt ein­fach der Bezugspunkt.

Natür­lich kann der Gold­preis schon morgen wieder ins Boden­lose ein­bre­chen. Wenn die Wäh­rungen plötz­lich erstarken, oder die Men­schen in Asien merken, dass man für Gold nicht das ein­tau­schen kann, was sie benö­tigen. Beides ist unwahr­schein­lich. Aber letzt­end­lich gibt es in diesem Spiel nichts was unmög­lich ist.

Die eigent­liche Bot­schaft lautet also dass es sich nur um ein Spiel han­delt, indem man die Ein­sätze knapp und damit das Risiko gering halten sollte. Man kann mit Gold nichts errei­chen. Wer etwas errei­chen will und echte Sicher­heit sucht, der kauft sich drei Ziegen und einen Bock. Im Gegen­teil zum Gold, wissen die näm­lich was zu tun ist und bei guter Gesund­heit und guter Weide, ist ein ver­nünf­tiger Anfang zur Selbst­ver­sor­gung gemacht, der wirk­lich Sicher­heit bietet.

Gold ist eben mehr Schein als Sein.

Quelle: Netz­werk­partner Duck­home

Quelle Bild: von tao_​zhyn via Flickr CC Lizenz

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gelesen: 138 · heute: 3 · zuletzt: 6. Mai 2012

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