Von Peter Marwitz | Konsumpf
Übermorgen, am 28. November (bzw. am 27. November in den USA) ist es mal wieder soweit – es ist Buy Nothing Day (Kaufnixtag). Seit nunmehr bereits 20 Jahren wird dieser bereits, initiiert von Adbusters, weltweit begangen.
Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach und einleuchtend: Wenn Ende November/Anfang Dezember die kränkeste Konsumphase des Jahres eingeleitet wird, weil es auf das Fest des Kaufens und Schenkens („Weihnachten“) zu geht, sollen die Menschen wenigstens für einen Tag innehalten und 24 Stunden lang nichts kaufen. Statt den Konsum anzuheizen geht es also darum, sich mit anderen Dingen im Leben zu beschäftigen.
So sehr man den BND auch als Aktion mit beschränktem konkreten Nutzen kritisieren kann (vermutlich werden die meisten Leute, die daran teilnehmen, ihre Kaufentscheidungen nur vertagen), so sehr ist doch der symbolische Gehalt des Tages herauszustreichen sowie der grundlegende Gedanke, dass Leute tatsächlich mal über ihr Kaufverhalten, das bei den allermeisten inzwischen vermutlich ein automatisiertes Eigenleben führt, nachdenken.
Dieses Jahr will Adbusters den Buy Nothing Day auf eine neue Stufe heben und ruft gleichzeitig den „Wildcat General Strike“ (wilden Generalstreik) aus – auf der Webseite zu dieser Kampagne hat Adbusters diverse schöne Aktionen und Infos aus der ganzen Welt zusammengetragen, die zeigen, wie kreativ man der Konsummaschine den Mittelfinger zeigen kann. Darunter sind auch einige deutsche Initiativen, wie in Heilbronn (>> „den Konsumwahn boykottieren“ incl. Flashmob, Straßentheater uvm.) oder Leipzig (>> „Kauf Nix Tag 2009“).
Ich erlaube mir mal eben die Übersetzung des Adbusters-Textes:
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Es gibt nur einen Weg, den Kollaps dieses menschlichen Experiments auf unserer Erde zu stoppen: wir müssen weniger konsumieren.
Aus diesem Grunde rufen wir an diesem 27. November (28. November in Europa und in Übersee) einen wilden Generalstreik aus. Wir rufen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt auf, die kapitalistische Konsummaschine anzuhalten – wenn auch nur für einen Moment.
Wir wollen, dass Ihr nicht nur für 24 Stunden aufhört, zu kaufen, sondern auch das Licht, den Fernseher und andere unwichtige Geräte abschaltet.
Wir möchten, dass Ihr Euer Auto stehen lasst, Eure Telefone und Eure Computer für diesen Tag ausschaltet. Wir rufen zu einem Ramadan-ähnlichen Fasten auf. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang werden wir uns in Massen ausklinken, nicht nur aus dem Feiertagsshopping, sondern von allen anderen Verlockungen unseres „5-Planeten-Lebensstils“. (Anm. PM: hier wird sich darauf bezogen, dass wir, wenn die gesamte enschheit den exzessiven Lebensstil der USA oder Europäer betreiben würde, 5 Planeten bräuchten, um uns mit den nötigen Rohstoffen für unseren Konsumstandard zu versorgen.)
Wage den Schritt:
Du weißt, wie man sagt: jede lange Reise beginnt mit einem einfachen ersten Schritt. Du hast das Gefühl, dass alles auseinanderfällt – die Temperaturen steigen, die Ozeane sind aufgewühlt, die weltweite Wirtschaft ächzt – wieso nicht etwas tun? Mache einen kleinen Schritt nach vorne in eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft. Gehe einen Pakt mit Dir selbst ein: begib dich auf eine Konsum-Diät.
Schließ’ deine Kreditkarten und dein Bargeld weg und schalte dich aus dem kapitalistischen Spektakel aus. Du wirst vielleicht merken, dass das schwieriger ist, als du denkst, dass der Impuls, etwas zu kaufen, stärker in dir verankert ist als dir jemals bewusst war. Aber du wirst widerstehen und du wirst bewusster werden – vielleicht erreichst du die „Erleuchtung“, die die Welt verändern kann.
Wilder Generalstreik
Drehe den Buy Nothing Day dieses Jahr eine Stufe höher, indem Du Dich an dem wilden Generalstreik beteligst! Am 27./28. November rufen wir dich dazu auf, dem Kapitalismus deine Krallen zu zeigen und deine Zähne tiefer in die Konzernmaschinerie zu bohren.
Buy Nothing Day war ein radikales Konzept, als wir ihn vor 20 Jahren zum ersten Mal begingen. Er führte einen scharfen Schlag gegen das Innerste der Konsumkultur. In den ersten zehn Jahren hatte er einen tatsächliche und wichtige Wirkung, er warf ein Schlaglicht auf die dunkle Seite des Konsumismus in einer Zeit, als die Welt weitgehend ignorant für die vielen negativen Nebeneffekte war.
Jahr für Jahr inspirierte er weltweit zu Sympathie und Solidarität, Widerstand und Sich-lustig-Machen über den Konsum. Ich erinnere mich daran, dass Leute beim Anblick meines BND-Buttons lachen mussten. Aber dennoch, als die Jahre voran schritten (und trotz der Tatsache, dass der Buy Nothing Day letztes Jahr in 65 Ländern in der ganzen Welt begangen wurde), scheint der Tag seine Schärfe zu verlieren.
Gerade jetzt, wo die Menschheit die Krisen der Ökologie, Psychologie und des Glaubens durchleidet, ist die Zeit gekommen, diesen Tag zu überdenken, ihn mit neuer Intensität, Absicht und Größe zu reanimieren. Wir wollen, dass Ihr nicht nur für 24 Stunden aufhört, zu kaufen, sondern auch das Licht, Fernsehen und andere nicht wichtige Geräte abschaltet.
Wir möchten, dass Ihr Euer Auto abstellt, Eure Telefone und Eure Computer für diesen Tag ausschaltet. Wir rufen zu einem Ramadan-ähnlichen Fasten auf. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang werden wir uns in Massen ausklinken, nicht nur aus dem Feiertagsshopping, sondern von allen anderen Verlockungen unseres „5-Planeten-Lebensstils“.
Statt dessen werden wir unseren Geist befreien mit einem Festtag subversiver Aktivitäten: Streiche, Schwindeleien, Kreditkarten-Zerschneideaktionen, Fahrradhorden, Kaufhausinvasionen und allen Arten von Culture Jamming und kreativen Détournements (Bedeutungsverschiebungen, Umdeutungen von eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern; Anm. PM) – und einige von uns werden die Sache noch weiter treiben mit Sit-Ins, Demonstrationen, passivem Widerstand und Akten gewaltloser Missachtung, Anarchie und zivilem Ungehorsam.
Wenn wir am 27./28. November einen ausreichend großen Krawall hinbekommen , werden wir in der Lage sein, dass zu verstärken, was die Situationisten vor einem halben Jahrhundert in Bewegung zu setzen versuchten: eine Kettenreaktion des Widerstands gegen den Konsumkapitalismus… einen plötzlichen, unerwarteten Moment der Wahrheit… die erste globale Revolution.
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Tatsächlich ist der BND auch dem neuen Greenpeace Magazin (Titelthema „Widerstand – Kreativer Protest weltweit“) einen Artikel wert: „Verschnaufen statt kaufen“.
Quelle: Konsumpf
Dieser Artikel ist unter einer CC-Lizenz lizenziert.













