Feed auf
Postings
Kommentare

Tageskommentar von Michael Winkler 27.11.09

Von Michael Winkler | Michael Winkler.de

Die Bundeswehr läßt Anfang September zwei von Taliban entführte Tanklaster bombardieren und versenkt dabei Ende November ihren Generalinspekteur und den Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Der Bundestag nutzt die Gelegenheit, um auf den damaligen Verteidigungsminister einzuhacken, der wiederum in seinen Unterlagen nachschauen muß, ab wann er offiziell und nicht mehr abzuleugnen gewußt hatte, daß bei diesem Luftschlag auch Zivilisten ums Leben gekommen sind. Ab wann ich es gewußt habe? Unmittelbar nachdem darüber in den Nachrichten berichtet worden war. Jeder, der für fünf Pfennig nachdenken kann, kommt sofort darauf, daß bei einer Menschenansammlung im Taliban-Gebiet unweigerlich Zivilisten dabei sein müssen.

Jetzt kommt es darauf an, wie man Franz Josef Jung einschätzt. Wenn er die Wahrheit sagt, ist er ein absoluter Vollidiot und für ein Ministeramt vollkommen ungeeignet. Wenn er lügt, dann ist er ein ganz normaler Politiker und tat das, was ganz normale Politiker eben so tun, nämlich das Volk für dumm verkaufen.

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Seine Untergebenen, Generalinspekteur Schneiderhahn und Staatssekretär Wichert, haben ihren Chef ganz bewußt getäuscht. Das hieße, der Mann hatte sein altes Ressort nicht im Griff und ist als Arbeitsminister erst recht eine Fehlbesetzung. Um einen alten Satz zu zitieren: Erstklassige Chefs haben erstklassige Mitarbeiter, zweitklassige Chefs haben drittklassige Mitarbeiter und Angela Merkel hat Leute wie Franz Josef Jung.

Zu den üblichen Reflexen gehört, daß sich Jung natürlich keiner Schuld bewußt ist und nur das zugibt, was er beim besten Willen nicht mehr abstreiten kann. Dieses Verhalten nennt man "die Verantwortung tragen" und rechtfertigt angeblich die Höhe von Ministergehältern und -pensionen.

Einfache Arbeiter hingegen werden fristlos entlassen, wenn sie sechs Maultaschen vor dem Abfalleimer bewahren und mit nach Hause nehmen. Das nennt man "Gleichheit", vor allem vor dem Gesetz, denn es finden sich immer Richter, die eine solche Behandlung der kleinen Leute rechtfertigen und solche Minister bereitwillig freisprechen.

Als richtiges Verhalten des Ministers hätte ich übrigens eine Erklärung in dieser Art empfunden: "Wir haben bombardieren lassen, weil es militärisch notwendig war. Uns war bewußt, daß wir Zivilisten treffen würden, aber dabei sind wir in guter Gesellschaft, das passiert bei unseren israelischen und amerikanischen Freunden mit schönster Selbstverständlichkeit. Ich übernehme für die Anordnung des Kommandeurs vor Ort, Oberst Klein, die volle und uneingeschränkte Verantwortung." Haben wir jemals einen derartigen Minister gehabt? Mit Sicherheit nicht in demokratischen Zeiten.

Franz Beckenbauer hört auf. Der alte Mann meint, mit 64 brauche er sich den Job als Grüßaugust bei Bayern München (Titel: Präsident) nicht mehr anzutun. Jetzt wird er Ehrengrüßaugust ("Ehrenpräsident") und Uli Hoeneß folgt als Grüßaugust nach. Als solcher sitzt er auf der Tribüne und braucht nicht bei jeder Gelegenheit zu erklären, warum seine Millionario-Truppe auf dem Spielfeld keine Lust hat, sich allzusehr anzustrengen. Beckenbauer steht natürlich weiterhin für Werbeaufnahmen, Golfturniere, Bälle, Preisverleihungen, Ehrungen und Skandale zur Verfügung.

Dubai soll pleite sein. Ein Land, in dem bislang Wüstensand zu Goldstaub wurde… Nein, das Bild ist schief. Das war das Land, das aus blauem Meer mittels grüner Krätze eine Palmbaum-Insel wachsen ließ. Es gab zeitweise nichts, was in Dubai nicht möglich war, je ausgefallener und pompöser, desto bereitwilliger wurde es gebaut. Das war nicht das Wunderland von Tausend und einer Nacht, sondern das Land der Wunder für jede Art der Bausünden.

Jetzt ist das Wunderland abgebrannt und die vormals millionenschweren Scheichs können bald wieder als Dattelklauber anfangen. Ach ja – es geht um 80 Milliarden Dollar. Für die USA und natürlich die BRD-Regierung sind das Kleinbeträge, wenn es darum geht, unfähigen Bankstern zu ihren Bonuszahlungen zu verhelfen.

Und Merkel? Die hat heute ihrem ehemaligen Verteidigungsminister gelangweilt bei dessen Selbstverteidigung zugehört und sich dabei auch mal angeregt mit ihrem Vizekanzler unterhalten. Das übliche Spiel: sie ist einfach zu beschäftigt, um zu arbeiten.

Quelle: Michael Winkler

Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann sage es bitte weiter... Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • Reddit
  • Facebook
  • Furl
  • Technorati
  • TwitThis
  • Wikio
  • Google Bookmarks
Trackback-URL für dieses Posting
gelesen: 41 · heute: 3 · zuletzt: 14/03/2010

Kommentar abgeben

Hinweis: Kommentare werden moderiert. Es kann also unter Umständen etwas dauern, bis Dein Kommentar erscheint.