Die bürgerliche Republik
Montag, 30. November 2009-10:21 -|- Eingestellt von: Julie |
Von Luise | Duckhome
Die Bürgerlichen dieser Republik haben übernommen! Von der Regierung bis hinunter in die niederen Ebenen verbreiten sie nun ihre Politik, Macht, Ethik, Moral und Ressourcenverteilung, bzw. das, was sie sich darunter vorstellen. Mit Methoden, die ihrer Lebenswelt entsprechen.
Der offene Diskurs wird weitgehend eingestellt. An seine Stelle treten schweigende "Fassaden" wie der neue Bahnchef (wie heißt der nochmal?), der im Unterschied zum Poltergeist Mehdorn einen ruhigen und kultivierten Eindruck macht, aber natürlich dennoch die gleiche Privatisierungsscheiße vorantreibt wie sein Vorgänger. Oder Leute vom Typus Merkel, die so lang als möglich nichts sagen, — gar nichts! — und ihre Politik hintenherum entfalten.
In ihrem Macht– und Wichtigkeitsdünkel finden sie den öffentlichen Diskurs nur als störend. Nerviges Volk! An seine Stelle setzt man die "moderierten Gespräche" in Talk-Shows. Vom Mob hält man sich am besten ganz fern. Die Techniken hierfür werden auch in den mittleren bürgerlichen Schichten trainiert. Ziel ist Elitezugehörigkeit und deshalb schickt man gleich zu Beginn die kleinen Kinder in separate Kindergärten (aber erst, nachdem der Kurs Chinesisch für Neugeborene abgeschlossen ist).
Für erste Erfahrungen mit modernen Medikamenten zur Unterstützung einer designten Persönlichkeit ist jetzt auch der passende Zeitpunkt. (Von Einstieg in "Sucht" sprechen wir hier selbstverständlich nicht.) Es folgt die Privatschule, inklusive etwas feinerer Sportarten, edler Markenkleidung, obligatorischem Auslandsjahr und vieler nützlicher Anweisungen, wie man sich die passenden Freunde sucht. Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen wird, wenn es nicht anders geht, rotzfrech und in Grobmanier übernommen. Fertig. Ja, die Öffentlichkeit muckt dann ein wenig auf, vor allem, weil es noch ein paar Journalisten gibt, oder mal einen SPD-Politiker, die das offen kritisieren. Aber das geht vorbei. Und man muß die Zeit der Macht schließlich nutzen!
Der Ethikrat hält auch nicht hinter dem Berg. (Manche müssen den smarten Stil erst noch richtig einüben) Eine Tussi vom Ethikrat jedenfalls kann vor der Fernsehkamera ihre Aggression nicht bremsen und sagt, die Babyklappe müsse weg, denn man müsse Frauen daran hindern, sich auf einfache Art "ein Problem vom Hals" zu schaffen. Kein Wort darüber, in welch schrecklicher Situation sich eine Frau befinden mag, die ein Kind nach der Geburt abgibt, oder über ihre Gründe. Nein, kein Erbarmen, kein Mitleid. Der Ethikrat sollte Zynikrat heißen.
Das waren noch Zeiten wo eine Ulrike Meinhof auf ihre kühle und gleichzeitig sehr empathische Art das Schicksal von Kindern beschrieb, die nicht ins "bürgerliche Glück" hineingeboren wurden, sondern am unteren Rand. Kinder, die vielleicht nicht gewollt wurden, viele, die nicht geliebt wurden. Kinder, die laut besagter Dame vom Ethikrat als "Problem am Hals" aufwachsen. "Doof — weil Arm" heißt eine ihrer Kolumnen von 1969 über "Hilfsschulkinder". Nicht zu vergessen "Bambule", ihr Film über Heimkinder, den sie 1968 begann. — Dies, dem angesagten 68er-bashing mit Freude zum Trotz!!!
Währenddessen machen Wirtschaft und Banken unvermindert weiter mit uns was sie wollen. Zwangsläufig fragt man sich, wem gehört eigentlich Deutschland, wem Europa, — wem die ganze Welt? Wenn wir inzwischen mit Haut und Haar den Großkonzernen gehören, dann verlieren sowohl Politik, als auch "Ethik", ebenso Geschichtsschreibung und gesellschaftliche Entwicklung täglich an Wert und Einfluß, und zwar auch im gut-bürgerlichen Segment, wo "bürgerlich" eben nicht "widerlich" ist. Ich sage das jetzt einmal ausdrücklich dazu. Und ich denke, das spüren wir. Es geht gegen die Vernunft, wo wir auch hinsehen.
Und das bedeutet, dass die wichtigtuerischen Bürgerlichen gar nicht so wichtig sind, wie sie sich einbilden. Weil sie letztendlich auch nur die doofen Handlanger der Konzernbosse sind. Aber weiter denken können sie offensichtlich nicht. Die Begeisterung darüber, dass sie in Fernseh-Shows eingeladen werden, hat ihnen ihren Verstand aus der Gehirnschale gepresst, wie es scheint.
Brot und Spiele, "panem et circenses" hieß das bei den Römern. Während sich die einen um ihr tägliches pane sorgen müssen (zum Beispiel Mütter, die sich nicht zutrauen, ein Kind großzuziehen) brauchen die anderen, die Satten, ein wenig circenses.
Das können die begehrten medialen Show-Auftritte sein, oder der öffentliche Besuch der jährlichen Wagner-Oper, wie es der Kanzlerin plus Gatten würdig und genehm ist. Die Talk-Show-Fuzzis kommen dann auch dazu. Wir, das Volk, dürfen immerhin im Fernsehen dabei zugucken. Und zahlen noch GEZ dafür. Man muß zugeben: gerissen sind sie schon, die Bürgerlichen.
Währenddessen macht sich ganz Lateinamerika auf den Weg und kreiert eine Gesellschaft, die "das gute Leben" zum Mittelpunkt macht. Man besinnt sich auf Werte, die durch die Kolonialisierung durch die Weißen nahezu ausgelöscht wurden. Auch Europa könnte sich wieder auf seine besseren Werte besinnen. Wir hatten mal einen Johann Sebastian Bach. Wir hatten mal eine Aufklärung. Wir hatten einen Karl Marx. — Also, wem gehört Deutschland, wem gehört Europa?
Quelle: Netzwerkpartner Duckhome
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Kategorie » Deutschland, EU/Brüssel, Gesellschaft/Soziales, Parteien u. Politiker « | Tags » bürgertum, Elite, Europa, schwarz-gelb, Werte «
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