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Weltwirtschaftskrise — Dubai, Griechenland und die Banken

Montag, 07. Dezember 2009-15:46 -|- Eingestellt von: |

Von Jochen Hoff | Duckhome

Dubai ist Geschichte. Die Börse hat nur kurz gezuckt und dann beschlossen sich nicht zu fürchten son­dern wei­teren Höhen ent­gegen zu streben. Schließ­lich ist ja auch jede Menge Liqui­dität im Markt.

Selbst die Tat­sache, das in Grie­chen­land das Staats­de­fizit in diesem Jahr nicht sechs, son­dern 12,7 Pro­zent betragen wird, dürfte kaum zu spüren sein. Dabei ent­steht nun eine inter­es­sante Frage.

Wie wird der Euro­raum rea­gieren. An den Börsen wird bereits kräftig gegen grie­chi­sche Anleihen spe­ku­liert und die Länder des Euro­raumes haben nur zwei Mög­lich­keiten. Ent­weder stützen sie Grie­chen­land und müssen dann auch eine Menge anderer Länder stützen, oder sie lassen eine Staats­pleite in Grie­chen­land zu.

Thomas Meyer, der neue Chef­volks­wirt der Deut­schen Bank sieht keine Gefahr für Staats­pleiten und emp­fiehlt Gold und Aktien sowie Anleihen aus den Schwel­len­län­dern. Ver­mut­lich weil die Deut­sche Bank davon hau­fen­weise Müll in ihrem Depot liegen hat oder billig daran kommen kann. In weiter Ferne sieht er auch eine 5 Pro­zent Infla­tion, aber ansonsten ist alles rosig. Die Drogen müssen gut sein.

Die USA müssen in den nächsten zwei Jahren 40 Pro­zent ihrer Schulden umschulden. Das könnte schwer bis unmög­lich werden. Gleich­zeitig hat sich der Gold­preis gegen­über dem Dollar seit 2000 ver­vier­facht und eine wei­tere Ver­dopp­lung wird nicht aus­ge­schlossen. Das führt zu dem kleinen aber feinen Effekt, dass sich die US-​Schulden in Gold gerechnet seit dem Jahr 2000 fast hal­biert haben.

Ein so schwa­cher Dollar ist prak­tisch ein Staats­bank­rott. Das haben auch die Chi­nesen gemerkt und geben Dollar aus, als wenn sie Angst hätten das Zeug könnte in ihren Tre­soren zer­fallen. Mil­li­arden für Roh­stoffe und Know How. Gerade bekommt der Auto­bauer Auto­mo­tive Indus­trie Hol­ding Corp (BAIC) 1,9 Mil­li­arden Euro Kredit um Saab auf­kaufen und nach China ver­legen lassen zu können.

Alleine die Ver­schul­dung der G20 Länder wird bis Ende 2010 von 78% auf 108% Pro­zent des BIP gestiegen sein. Mit den dadurch ent­ste­henden Schulden von 9 Bil­lionen Dollar hätte man 72 Pro­zent aller ame­ri­ka­ni­schen Unter­nehmen kaufen können. Bein­dru­ckende Zahlen. Da ist es nur logisch, das die Ban­ken­pleite in den USA wei­ter­geht. Am Freitag starb die 130. Bank seit Jah­res­be­ginn. Diesmal waren es sechs auf einen Streich.

In Deutsch­land sind die Banken gut vom Staat gerettet worden. Die lassen dafür aber die Firmen rei­hen­weise in die Pleite gehen. 16 Pro­zent mehr Fir­men­pleiten und ein um 67,6 Pro­zent höherer Schaden für die Volks­wirt­schaft, der nun­mehr 48,6 Mil­li­arden Euro beträgt, sind die Folge. Selbst­ver­ständ­lich zieht jede Pleite auch wei­tere Pleiten nach sich, dazu kommen noch rund 521.000 ver­lo­rene oder gefähr­dete Arbeitsplätze.

Der Chef des Ifo-​Instituts, Hans-​Werner Sinn, glaubt das die deut­schen Banken erst 40 Pro­zent ihrer Alt­lasten abge­schrieben haben und fürchtet, dass die Banken noch 175 Mil­li­arden abschreiben müssten. Das dürfte auch nur ein Teil der Wahr­heit sein, weil die Plei­te­welle bei Gewer­be­im­mo­bi­lien auf der ganzen Welt gerade erst los­geht und immer wei­tere Firmen in die Insol­venz müssen, weil sie keine Kre­dite von den Banken erhalten.

Das die Banken keine Kre­dite geben ist sach­lich sogar begründet. Der Auf­trags­ein­gang im Maschi­nenbau ist im Oktober um real 29 Pro­zent ein­ge­bro­chen. Da tröstet auch nicht, dass der Ein­bruch nicht mehr so stark ist wie in den Vor­mo­naten. Langsam kommen wir in die Ver­gleichs­be­reich des Vor­jahres in dem die Auf­trags­ein­gänge bereits weg­bra­chen. Wir beginnen also schlechte Monate mit noch schlechten Monaten zu vergleichen.

Selbst die Bun­des­bank die ja schon aus tak­ti­schen Gründen zum Dau­er­jubel ver­ur­teilt ist, spricht von einer nicht beson­ders sicheren Kon­junk­tur­er­ho­lung. Natür­lich wird sich die Kon­junktur gegen­über 2009 in 2010 erholen, aber kei­nes­falls die Ver­luste zu 2008 oder 2007 aus­glei­chen. Die deut­schen Indus­trie­un­ter­nehmen haben in 2008 soviel wie seit 20 Jahren, also seit der Wende invest­stiert. Das ist erfreu­lich. Aber bereits im vierten Quartal sanken die Inves­ti­tionen und bra­chen in 2009 sehr weit­ge­hend ein.

Noch fließen welt­weit viel­fach Mittel aus Kon­junk­tur­pro­grammen oder werden erst jetzt wirksam. Trotzdem steigt die Arbeits­lo­sig­keit überall. Mehr Arbeits­lose bedeuten weniger Konsum und damit wei­tere Arbeits­lose. Experten des Bank­hauses Metzler erklären den Gold­preis­an­stieg vor allem mit der "Angst vor dem finalen Kol­laps des Wäh­rungs­system". Einer wohl sehr begrün­deten Angst.

Der BDA Chef Hundt ist böse mit den Bankstern, weil die zu wenig Kre­dite ver­geben. Des­halb soll der Steu­er­zahler ein­springen und den Banken noch mehr Lasten abnehmen. Eine selt­same Logik aber typisch für diesen Mann. Die Banken ihrer­seits legen einen Fond für Kre­dite an den Mit­tel­stand auf. Den deckt natür­lich der Steu­er­zahler und Acker­mann ver­dient. Es ist schon seltsam. Acker­mann hat 2 Mil­li­arden an der Ret­tung der Hypo Real Estate ver­dient und keiner merkt, dass dieser Mann Deutsch­land wie eine Weih­nachts­gans ausnimmt.

Auf­schwung gibt es aber auf der anderen Seite. Da ist die Sta­tistik zwar aus 2007, aber das Bun­desamt für Pro­pa­ganda und Lügen kam nicht umhin ein­zu­ge­stehen, dass mitten im Boom jeder zehnte Deut­sche auf die sozialen Min­dest­si­che­rungs­system ange­wiesen war. Wieso uns Ende 2009 nicht die Ergeb­nisse von 2008 ver­kündet werden, dürfte wohl daran liegen, dass diese Wahr­heit nicht den Zwe­cken der Regie­rung dient.

Es gilt sich auf den kom­menden langen wirt­schaft­li­chen Winter vorzubereiten.

Quelle: Netz­werk­partner Duck­home

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Kategorie » Finanzkrise, Wirtschaftskrise « | Tags » , «

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Ein Kommentar

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    David Reisner 07.12.2009 um 23:52 Uhr

    Nachdem die Krise gefühlt weniger mediales Echo erhalten hat (in der letzten Zeit), und z.B. über die 130te Ban­ken­pleite natür­lich auch nie­mand mehr liest, finde ich es span­nend, dass die Zahlen hier zusammen getragen werden.

    Die Höhe der Ver­schul­dung bzw. die Mög­lich­keiten, die mit diesen Summen eröffnet würden sind natür­lich gigan­tisch .. gibt es auch Sta­tis­tiken in eine posi­tive Richtung??