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Zwischen den Zeilen

Sonntag, 20. Dezember 2009-13:53 -|- Eingestellt von: |

Bill GatesVon Roberto J. De Lapu­ente | Ad Sinistram

Der reichste Mann der Welt, sei der Mei­nung, er habe zu viel Geld, berichtet Deutsch­lands renom­mier­testes Revol­ver­blatt dieser Tage.

Mehr Steuern wolle er bezahlen, Mil­li­ar­den­summen spenden und gerade mal zwanzig Pro­mille seines der­zei­tigen Ver­mö­gens an seine Erben über­weisen. Gates noch?, fragt das Blatt dar­aufhin den rei­chen Bill spöttisch.

Eigent­lich ist dieser Bericht, wenn er denn über­haupt als Bericht bezeichnet werden kann, kaum der Rede wert. Doch spie­gelt sich darin die Dog­matik jener hier unge­nannten Zei­tung wider, wird die rhe­to­ri­sche Dok­trin des Hauses blank­ge­legt. An den Worten kann man sie messen!

Natür­lich ist es unver­kennbar, dass die Dok­trin einen spöt­ti­schen Ton immer dann vor­schreibt, wenn jemand sich für eine nach­hal­tige Erb­schafts­steuer aus­spricht, auch dann, wenn dieser Jemand seine "Besteue­rung" selbst in die Hand nimmt, um die Erben nicht im gren­zen­losen Reichtum zu ersticken.

Aber darauf sollten diese Zeilen nicht hin­aus­laufen, denn dass jemand, der sein Ver­mögen von seinem Konto her­un­ter­schippt, für jene Gazette nicht mehr ganz bei Trost ist, ver­steht sich von selbst.

Nein, die Ein­lei­tung machts, sie weist schier nebenbei, ganz unscheinbar, auf die Dia­lektik des Hauses hin, legt bloß, was man beim schnellen Über­lesen — und der gemeine Leser jener Zei­tung will es schnell, ein­fach, ohne Umschweife — nicht wahr­nimmt. "Der reichste Mann der Welt, ist der Mei­nung, dass er zu viel Geld hat." Er ist der Mei­nung! Das täg­liche Zen­tral­organ der Seich­tig­keit wahr­schein­lich nicht.

Der Ver­mö­gende ist selbst der Mei­nung, die Zei­tung jedoch bleibt ohne eigene Ansicht. Fünfzig Mil­li­arden Dollar sind nur nach Mei­nung des Gates zu viel, für die Schreiber– und Wind­linge aber nicht. Plötz­lich gibt man sich jour­na­lis­tisch neu­tral, objektiv, läßt die eigenen Ansichten schlum­mern. Urplötz­lich besinnt man sich auf die Tra­di­tion des jour­na­lis­ti­schen Hand­werks und steht mit eigenen Vor­stel­lungen und Stel­lung­nahmen zurück.

Ein Grund zur aus­ge­las­senen Freude ist das jedoch nicht. Dahinter ver­birgt sich des Blattes Devotheit und Ver­nei­gung vor Macht und Reichtum, die ver­fech­tete Theorie, dass Leis­tungs­träger gar nicht genug ver­dienen und besitzen können. Wenn jemand wie Gates nun glaubt, er habe zu viel Geld gehortet, dann steht er jener Theorie im Wege, macht sie zwei­fel­haft, verrät die eigene Leis­tungs­trä­ger­schaft, beschmutzt sein eigenes Nest.

So einen unbe­kehr­baren Gecken oder zwi­schen­zeit­lich vom Wege Abge­kom­menen, begegnet man spöt­tisch, ein wenig so, als sei der Betref­fende von allen guten Geis­tern ver­lassen. Von jenen guten Geis­tern, die einem zur Mit­ter­nacht säu­seln, dass Leis­tung sich lohnen, sich lohnen, sich ins Unend­liche lohnen sollte — zumin­dest dann, wenn die Leis­tung ein bestimmtes Jah­res­salär übersteigt.

Nur Gates ist der Mei­nung, er habe zu viel Geld, das Räu­ber­blatt nicht, denn es glaubt ernst­haft, zu viel Geld in Händen einer Person, die nach ihren — der Zei­tung — Maß­stäben geleistet hat, gibt es gar nicht.

Jour­na­lis­ti­sches Hand­werk, Objek­ti­vität, Neu­tra­lität — nichts davon exis­tiert, wenn im ver­hart­zten Gestrüpp geschnüf­felt wird. Wenn jene Zei­tung von den Betrü­gern am Ende der Gesell­schafts­leiter "berichtet", dann wird ver­mutet, spe­ku­liert, gelogen natür­lich sowieso; dann gibt es kein Zurück­stehen mehr, dann wird nicht neu­tral geschil­dert, son­dern des Blattes Mei­nung zur All­ge­mein­mei­nung getrimmt.

Wenn der Arbeits­lose zu Pro­to­koll gibt, er sei der Mei­nung, dass er zu wenig Geld habe, dann schweigen die Seiten der Tages­zei­tung nicht, dann greifen sie jene Par­ti­ku­lar­mei­nung auf, tun so, als würden sie sie prüfen und ent­blät­tern letzt­end­lich, dass das Zuwenig zum Leben reicht, mög­li­cher­weise sogar noch ein wenig zu viel Zuwenig sei. Denn man darf nicht ver­gessen, hier wird nicht von Leis­tungs­trä­gern erzählt, son­dern von Kos­ten­fak­toren, Men­schen ohne Mehr­wert, fau­len­zenden Beutelschneidern.

Selbst in kleinsten Texten läßt sich die Welt­sicht jenes Revol­ver­blattes her­aus­de­stil­lieren. Wenn Gates eine Mei­nung vom Zuviel hat, ver­neigt sich der Jour­na­list spöt­tisch und hält den Mund, hält die Hand still. Aber wehe dem Erwerbs­losen, der seiner Mei­nung nach zu wenig erhält — dann setzt man ein Rudel Blut­hunde an, beißt, reißt und erklärt ver­nünf­telnd, dass das Zuwenig ein Zuviel der All­ge­mein­heit sei.

Gates hat Leis­tung erbracht, dem Erwerbs­lose wird sie nur zuge­teilt, er wird zum Leis­tungs­emp­fänger gemacht, zur Kreatur der Leis­tenden. Und wenn letz­tere besitzen, gren­zenlos besitzen, dann dient das nur dem Emp­fänger — was für Gates gilt, gilt hier­zu­lande für andere. Andere, die aber nicht so däm­lich sind, ihren Besitz zu verprassen…

Quelle: Ad Sinis­tram

Quelle Bild: Wikipedia

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Kategorie » Gesellschaft/Soziales « | Tags » , , «

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