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Guttenberg als Maulwurfsjäger

Sonntag, 27. Dezember 2009-9:33 -|- Eingestellt von: |

Von Jochen Hoff | Duckhome

Er kann einem wirk­lich leid tun der Karl-​Theodor Maria Niko­laus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Syl­vester Frei­herr von und zu Gut­ten­berg. Er star­tete her­vor­ra­gend gestützt durch Atlan­tiker und CIA als Über­flieger in die deut­sche Politik. Ein Super­start. Klar an Angela Merkel vorbei, prak­tisch in die obersten Reihen poli­ti­scher Beliebtheit.

Natür­lich wurde er von den Sys­tem­me­dien hoch­ge­schrieben. Die wussten dass sie ihn zu stützen hatten, wenn sie weiter Wer­bung wollten. Egal wel­chen Quatsch auch immer er redete, er wurde als Wirt­schafts­mi­nister der nichts tat, in den höchsten Tönen gelobt. Aber dann kam Mutti. Angela Merkel die wirk­lich ein­same Spitze im aus­sor­tieren von Kon­kur­renten ist, wid­mete ihm ein Lächeln und ver­passte ihm den Posten des Kriegs­mi­nis­ters als Schleudersitz.

Deut­scher Kriegs­mi­nister zu sein, ist nie ein dank­barer Posten gewesen und etliche von diesen Vögeln haben sich daran ihren poli­ti­schen Hals gebro­chen oder mussten doch zumin­dest zurück­treten. Und das in einem Land in dem Poli­tiker nicht zurück­treten son­dern umge­bettet werden. Gut­ten­berg hatte keine Wahl, er musste Kriegs­mi­nister werden und hielt sich dank seiner klaren Befehls­wege aus den USA auch für gut gerüstet.

Was Gut­ten­berg nicht ahnte, war die Tat­sache, dass sein Par­tei­freund — Par­tei­freund ist die stärkste Stei­ge­rung von Feind, die die deut­sche Sprache kennt — ihm bereits ein veri­ta­blen Skandal hin­ter­lassen hatte. Auch seine ame­ri­ka­ni­schen Brüder haben ihn nicht gewarnt. Wahr­schein­lich waren die Befehls– und Infor­ma­ti­ons­ketten noch nicht auf Gut­ten­berg umgestellt.

Das Kriegs­ver­bre­chen des Oberst Klein an den Zivi­listen rund um die beiden Tank­laster in der Nähe von Kundus hat Gut­ten­berg völlig falsch bewertet. Das könnte ihm im Nor­mal­fall nie­mand vor­werfen, wenn er nicht in den ersten Amts­tagen mal eben schnell und laut dieses Kriegs­ver­bre­chen als ange­messen bezeichnet hätte. Das war sein kapi­taler Fehler. Denn anders als sein Dumm­schwatz bei Wirt­schafts­dingen, rea­giert hier die Bevöl­ke­rung all­er­gisch und auch die Sol­daten die in Afgha­nistan aber auch die in Ver­wal­tungs­posten in der Heimat sitzen, wollen der­ar­tige Ver­bre­chen nicht.

Natür­lich konnten Merkel, Stein­meier, Thomas de Mai­zière und Jung das Ver­bre­chen bis zur Bun­des­tags­wahl im wesent­li­chen unter der Decke halten, aber überall in besser infor­mierten Kreisen außer­halb der Sys­tem­me­dien war der Gestank schon zu rie­chen. Gut­ten­berg roch ihn nicht. Ein typi­scher Blender eben.

Als die Sol­daten merkten, dass die Geschichte unter den Tep­pich gekehrt wurden, infor­mierten sie nicht nur wie üblich Blogger und andere Ein­ge­weihte, son­dern drehten an den großen Knöpfen. Es wurde an Infor­ma­tionen geleakt, was eben mög­lich war. Damit kam der wesent­liche Teil der Geschichte hoch. Merkel, Stein­meier, Thomas de Mai­zière und Jung hatten schon im Früh­sommer die Devise aus­ge­geben, dass die Bun­des­wehr von einer Schutz­macht in eine Angriffs­armee umge­baut werden sollte.

Dafür fehlte zwar das Mate­rial und die Bewaff­nung aber egal. Man wollte nicht mehr ängst­lich in den Lagern sitzen son­dern kräftig mit­morden. Diesen Befehl hat Oberst Klein umge­setzt und dabei bewusst die ame­ri­ka­ni­schen Ver­bün­deten getäuscht und gegen alle Regeln des Krieges in Afgha­nistan verstoßen.

Das ist pein­lich und Jung musste zurück­treten, was kein Ver­lust ist. Dum­mer­weise hatte Gut­ten­berg aber da seine Klappe schon auf­ge­rissen und das Kriegs­ver­bre­chen als ange­messen bezeichnet. Als er merkte, dass dies unhaltbar war, opferte er einen Staats­se­kretär und den Gene­ral­in­spek­teur der Bun­des­wehr Wolf­gang Schnei­derhan, die angeb­lich nicht richtig über das infor­miert hatten, was schon seit Wochen in vielen Blogs und aus­län­di­schen Publi­ka­tionen zu lesen war.

Mit diesem Bau­ern­opfer waren aber weder die Sol­daten noch die Gene­ra­lität der Bun­des­wehr zufrieden und auch die poli­ti­sche Oppo­si­tion emp­fand das Ganze als das Ablen­kungs­ma­növer, das es auch war. Hätte er sich ein­fach ent­schul­digt, die Sache wäre längst ver­gessen. Man darf näm­lich auch als Minister Fehler machen, wenn man die Größe hat, zu diesen Feh­lern zu stehen.

Aber ein Frei­herr von und zu Gut­ten­berg macht keine Fehler und ist in schönster neo­li­be­raler Tra­di­tion schon so sehr Elite, dass er nicht einmal mehr über Ver­ant­wor­tung nach­denken muss. Er ist nie ver­ant­wort­lich. Um dem Unter­su­chungs­aus­schuß und seiner dro­henden Totalb­la­mage dort, wenigsten etwas ent­ge­gen­setzen zu können, sucht er nun nach dem Maul­wurf der seine Unfä­hig­keit und die wahren Gescheh­nisse ver­raten hat.

Er möchte eine Ver­räter vor­stellen und den Zorn des Volkes auf diesen leiten um von sich selbst abzu­lenken. Das hat Nixon schon in Water­gate ver­sucht und ist damit kläg­lich geschei­tert. Über­haupt sind Maul­wurfs­jäger ein eher lächer­li­ches Volk.

Video: Maul­wurf­fallen stellen für Anfänger – MyVideo

Aber es ist schon beacht­lich wie der Frei­herr in so kurzer Zeit seine ganze Herr­lich­keit ein­ge­büßt hat und selbst die Medien die ihn einst im neo­li­be­ralen und us-​amerikanischen Auf­trag hoch­ge­ju­belt haben, kommen heute nicht mehr umhin fest­zu­stellen, dass der Kaiser nicht nur keine Kleider, son­dern dazu noch eine jäm­mer­liche Figur hat und ihm die Moral scheinbar völlig fehlt.

Er ver­sucht mit tollen Kapriolen wieder Boden unter die Füße zu bekommen. So will er plötz­lich gar keine Demo­kratie mehr in Afgha­nistan und möchte gemä­ßigte Taliban an der Regie­rung betei­ligen. Dabei sagt er nicht, was gemä­ßigte Taliban sind und er sagt auch nicht laut, dass er im Grunde genommen die alten Stam­mes­ge­sell­schaften so wie immer wei­ter­ma­chen lassen will. Das ist im Prinzip sogar ver­nünftig, aber kaum durch­führbar, weil Obama dann seine Nie­der­lage ein­ge­stehen müsste und damit poli­tisch erle­digt wäre.

Gut­ten­berg steht auf Treib­sand und Mutti lächelt. Angela Merkel bestimmt jetzt den Zeit­punkt zu dem sie Gut­ten­burg stürzt. Er ist ein Minister und Poli­tiker auf Zeit. Selbst nach Bayern kann er sich nicht mehr retten. Dort sitzt ein breit grin­sender Söder und weiß schon jetzt wie der nächste bay­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent heißt, nachdem See­hofer end­lich seine Sachen gepackt hat.

Gut­ten­berg ist für län­gere Zeit erle­digt, oder er führt ein Dasein als Mer­kels Schoß­hünd­chen. Beides kommt aber auf das Gleiche heraus.

Quelle: Netz­werk­partner Duck­home

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