Gastbeitrag: Erwiderung auf den Preußen-Israel Vergleich des Autors Uri Avnery
Montag, 28. Dezember 2009-8:45 -|- Eingestellt von: Julie |
Liebe Leser – hier wieder ein Artikel, der mir per Mail zugesandt wurde. Der vollständige Name des Autors ist mir bekannt und die Informationen im Artikel erscheinen mir korrekt. Ansonsten beruht der Artikel allein auf der persönlichen Einschätzung des Autors. Zur Information für die Leser meines Blogs, möchte ich den Artikel gerne veröffentlichen:
Von Gastautor Jörg
Auf der Site "Frieden für Israel und Palästina" erschien unlängst ein Artikel Avnerys in welchem Israel mit Preußen verglichen wurde:
Der nachfolgende Beitrag bezieht sich auf diesen:
Erwiderung auf den Preußen-Israel Vergleich Avnerys
Was für ein grausiges Stück Propaganda! Eine Anreihung an völlig haltlosen und gerade deshalb stets auch völlig unbelegten Behauptungen.
Keine einzige der Thesen Avnerys("1" bis "7") trifft auf das klassische Preußen zu.
Es gibt praktisch k e i n e e i n z i g e Vergleichbarkeit zwischen Brandenburg-Preußen und Israel. Erst nach der Reichsgründung 1871, als Preußen in Deutschland aufging (und als selbstständiger Staat zu existieren aufhörte) und der widerliche deutsche Nationalismus und Rassismus von Bismarck gefördert wurde und als unter diesem üblen Kaiser Wilhelm II. eine deutsch-rassische Überlegenheit zusammenfabuliert wurde, treten Ähnlichkeiten zum heutigen Israel zu Tage.
Zu den Ausführungen Avnerys im einzelnen:
"Der Staat, der 350 Jahre lang als Preußen respektiert und gefürchtet wurde, begann seine Existenz unter einem anderen Namen: Mark Brandenburg. … Dieses Gebiet im Nordosten Deutschlands wurde seinen slawischen Bewohnern entrissen und lag in seinen frühen Tagen außerhalb des deutschen Reiches.
Bis zum heutigen Tag tragen viele seiner Orte (einschließlich Berliner Stadtviertel wie Pankow) eindeutig slawische Namen. Man könnte sagen, dass Preußen auf den Ruinen eines anderen Volkes entstand (von denen einige Nachkommen noch immer dort leben)."
Nein: Das Gebiert wurde nicht "seinen slawischen Bewohnern entrissen". Vielmehr war es die dortige "slawische" Bevölkerung, welche die Population stellte. Diese abstoßende rassistische Denke Avnerys war dem Spätfeudalismus um ca. 1200 aber auch noch zu der Zeit der Aufklärung unter Friedlich dem Großen glücklicherweise fremd.
Auch Adlige trugen meist slawische Namen. Durch Zuzug aus dem geburtenüberschüssigen Westen kam es allerdings zu einer angenehmen Vermischung. Durch Zuzug slawische Namen tragender Leute aus dem Osten kam es allerdings auch im Westen (z. B. "wendisch Evern" bei Lüneburg) zu einer 'Vermischung' im Westen. Das war zu keinem Zeitpunkt ein Problem.
Schon Avnerys Wortwahl "slawisch" zeigt seine abstoßende Denke, weil er die RASSE in den Vordergrund legen will. Dieselbe Denke wie bei den Nazis, die auch immer von "slawisch" sprachen.
Historisch würde man aber nur äußerst selten von slawisch sprechen — vielmehr wurde man nach Möglichkeit den konkreten Stammes– oder Reichsnamen nennen (z. B. "Pruzzen", "Polani", "Sorben" "Polaben" usw.) Keiner würde bei Theoderich vom "Germanen Theoderich" sprechen, um sozusagen einen Rassebegriff zu manifestieren.
Vielmehr spricht man exakt von "Ostgoten Theoderich". Und die Ostgoten waren eben nicht die Westgoten. Und die Tschechen sind nicht die Litauer und 'die Wenden' sind nicht 'die Polen' und die sind nicht "die Russen" usw.
Brandenburg-Preußen ist gerade nicht "auf den Ruinen eines anderen Volkes entstand(en)".
Brandenburg-Preußen hatte auch nie ein rassisch definiertes "Volk" oder sah irgendein rassisch "anderes Volk". Im Feudalismus gab's den Adel und den Rest. Das Etzel im Nibelungenlied nicht germanisch war, war noch im 12. Jahrhundert (als das Nibelungenlied in seiner bekannten Fassung abgeschlossen wurde) völlig s c h n u p p e ! Er, Etzel, wird sogar als die sympathischte Figur geschildert. Das Othello schwarze Hautfarbe hatte wird gerade mal erwähnt, schmälert aber sein Ansehen in keiner Weise.
Die spätbürgerlich-rassistische Denke Avnerys (und der Nazis und Gobineaus) gehört hier nicht her. Auch zu Friedrichs (bürgerlichen, nachfeudalistischen) Zeiten ist Preußen stets "ein Rational-Staat" und nie ein National-Staat" (http://www.youtube.com/watch?v=eSHbF9l27SY , http://www.youtube.com/watch?v=vsUeCK8BEyg&feature=related , http://www.youtube.com/watch?v=K3DLFvBLurk&feature=related ) .
"Das Geschehen, das die Geschichte Preußens weitgehend bis zum 2. Weltkrieg prägte, war ein Völkermord: der 30-Jährige Krieg. "
Quatsch! Das was aus heutiger Sicht das typische Preußen prägte, ist nicht das Preußen des großen Kurfürsten sondern das Preußen Friedrich-Wilhelms I. und seines Sohnes Friedrich II.
Im 30-jährigen Krieg kam Brandenburg-Preußen sogar relativ glimpflich davon, was insbesondere am p o l i t i s c h –taktischen Geschick des großen Kurfürsten lag, der auch mal schnelle die Seite wechseln konnte, notfalls mehrfach.
"Norddeutschland ist eine große, weite Ebene."
Preußen ist nicht "Norddeutschland". Erst der deutschtümelnde Bismarck machte militaristische Eroberungen bei den Dänen und Hannoveranern. Damals ging auch der Staatsgedanke Preußens unter.
"Seine Grenzen werden nicht durch einen Ozean, eine Gebirgskette oder eine Wüste geschützt. Die preußische Antwort auf die Verheerung durch den Völkermord war eine eiserne Mauer: eine mächtige reguläre Armee, die Meer und Gebirge ersetzen sollte, und bereit sein würde, den Staat gegen alle möglichen Verbindungen potentieller Feinde zu verteidigen. "
Das ist Müll aus dem Kopf Avnerys. "Eiserne Mauer"! Nie hat auch nur ein einziger "Preuße" jemals so einen Müll von sich gegeben! Offenbar soll hier die Todesmauer der Israelis propagandistisch durchgesetzt werden!
"Meer ersetzen": Da war doch die Ostsee! Kann Avnery nicht wenigstens mal in seinen Atlas gucken! Die Bayern, die Sachsen (Dresdner, nicht die alten), die Schweitzer, die Ö s t e r r e i c h e r hatten kein Meer (Preußen hatte eines!). Aber auch die Bayern, Österreicher usw. hatten nie "eiserne Mauer" haben wollen. Avnery gibt hier mehr über das abartige zionistische Denken preis, als ihm lieb sein könnte
"Zu Anfang war die Armee ein wesentliches Instrument zur Verteidigung der bloßen Existenz des Staates. Im Laufe der Zeit wurde sie zum Mittelpunkt des nationalen Lebens. Was als "preußische Verteidigungskräfte" begann, wurde zu einer aggressiven Eroberungsarmee, die von allen seinen Nachbarn gefürchtet wurde."
Hans-Joachim Schoeps hat in seinem lesenwerten Werk "Preußen" mal nachgezählt. Preußen kam in seiner Geschichte (bis1871) auf n e u n Kriege (glaube ich mich zu erinnern; ohne den üblen Bismarck wären es noch weniger) und Frankreich und England auf ungefähr jeweils 30(!) Kriege.
Kaum ein europäisches Land von der Größe Brandenburg – Preußens hat so wenige Kriege geführt! Auch die bösen österreichischen Habsburger und die Dänen und die Schweden dürften mehr Kriege geführt haben als Preußen. Auch Spanien und Portugal haben mehr Kriege geführt!
Die Armee wurde auch nicht zum "Mittelpunkt des nationalen Lebens". Ein "nationales" Leben war Brandenburg-Preußen auch stets fremd. Auch die Offiziere — z. B. "Trenck" — traten ohne weiteres auch mal in französische oder österreichische oder russische Dienste über– nur um ggf. später wieder in preußische Dienste zu treten. Das war damals kein Problem. Avnerys Nationalismus und Rassismus gab es damals nicht . Das kam erst im 19. Jahrhundert.
"Einigen preußischen Königen galt das Hauptinteresse ihres Lebens der Armee. Eine Zeit lang stellten die Soldaten und ihre Familien mehr als ein Viertel der Berliner Bevölkerung dar. Eine alte preußische Redensart lautet: „Der Soldate ist der beste Mann im Staate“. Die Anbetung der Armee wurde zum Kult, ja, fast zur Religion."
Der Satz "Soldaten sind Mörder" kommt von Friedrich dem Großen persönlich! Nix von "Anbetung der Armee"!. Was ist das für eine abartige Hetze. In Israel gibt es diese üble Anbetung — aber in Preußen war sie nie bekannt!
Richtig ist, dass es zu Zeiten Friedrichs (sämtliche Großmächte wollten einen Aufstieg des vormals unbedeutenden Preußens verhindern und hatten sich gegen dieses verbündet) und zur Zeit der napoleonischen Kriege umständehalber zu einer Überproportionierung der Landesverteidigung kam.
Das war aber auch nur ein kurzer geschichtlicher Abschnitt. Außerdem hatte Preußen keien nennenswerte Marine, so daß es nur die Armee gab. Es wäre interessant einmal nachzurechnen vieviel Militär das damalige England (oder Frankreich) hatte — einschließlich seiner g e w a l t i g e n i m p e r i a l e n Flotte!
Daß der deutsche Bismarck (es war seine 'Denke', die mich Bismarck einen 'Deutschen' nennen läßt, denn auch "preußisch" ist nur eine 'Denke' bzw. 'Haltung'; eben: n i c h t –ethnisch) daraus einen militaristischen Staat machte hat nur mit der letzten Endphase Preußens und mit seinem U n t e r gang zu tun.
Erst jetzt treten diese überheblichen und eitel-selbstgefälligen "Reichs"-Offiziere auf, diese Militärärsche mit ihrem schnarrenden Potsdamjargon. Erst jetzt kommen auch berliner 'Kapitalisten' (Bismarck hatte den preußischen Merkantilismus längst durch den Kapitalismus ersetzt) nach München und erst jetzt entsteht das Wort "Saupreuß".
Zuvor konnten die Verbindungen Preußens zu Bayern nicht enger sein — ebenso wie die Verbindungen zu Polen. Letztere waren stets gut und eng. Lediglich wegen der Protestantenverfolgungen in Polen und der Parteinahme des katholischen Polens für Habsburg-Österreich im siebenjährigen Krieg kam es erstmals zu einer Abkühlung des diplomatischen Klimas.
Es war eben auch der schlesische Zweig der p o l n i s c h e n Piasten gewesen, der mit Brandenburgs Joachim 1537 den "Erbverbrüderungsvertrag" schloß (nach welchem bei Aussterben der jeweiligen männlichen Linie Schlesien zu Brandburg kam oder aber Brandenburg zu den schlesischen Piasten gekommen wäre). Die H a b s b u r g e r waren die gemeinsamen Feinde Preußens und Polens. Und die Habsburger wollten dann Schlesien einfach nicht rausrücken — bis Friedrich einmal nachhakte.
Richtig ist, daß Friedrich-Wilhelm I., der sog. "Soldatenkönig" die sog. "langen Kerls" sammelte und auch selbst Militäruniform trug. Der Grund wird deutlich, wenn sich mal ansieht, wie seine Söhne (bis auf Friedrich — der sich bedeckt bzw. die Klappe hielt) aufmaulten, als sie ihren Militärdienst verrichten sollten, wie "das einfache Volk". Sie waren empört! Vermutlich waren alle Adligen in ganz Europa schockiert. Denn bis dahin wurden nur die Bauern– und Bürgersöhne im Krieg verheizt, während sich die verwöhnten Rotzlöffel aus der Adelskaste zahllosen Vergnügungen und Gelagen hingaben.
Der "Soldatenkönig" war aber der Ansicht, daß das Gemeinwesen und seine Verteidigung das Anliegen a l l e r Bürger zu sein habe. Hinzukam, daß Friedrich-Wilhelm I. ein ganz ähnliches Problem hatte wie Ludwig der XIV.: Der Adel lebte parasitär (Wegelagerei, falsch Lichter an der Ostseeküste setzen um die strandenden Schiffe auszurauben) und unterminierte ständig die von Friedrich-Wilhelm I. repräsentierte Zentralmacht in Berlin. Mit der Wehrpflicht für a l l e kriegte er endlich auch die lokalen Adligen unter Kontrolle!
Der "Soldatenkönig" führte auch nur e i n e n einzigen Krieg (er nahm den Schweden ihren Landgewinn aus dem 30-jährigen Krieg wieder ab). Er sorgte auch dafür, daß auf den preußischen Kanonen der Spruch "ultima ratio regis" eingegossen wurde. Sollte heißen: Krieg darf nur in einem extremen Notfall geführt — oder gar: begonnen — werden. Auf seinem Sterbebett verpflichte er den Kronprinzen Friedrich II. noch einmal ausdrücklich darauf, daß Krieg nur dann zu führen sei, wenn es wirklich unumgänglich sei.
Einen größeren Gegensatz zu Israel als dieses Brandenburg-Preußen gibt es eben nicht !
Es war auch nicht erst Friedrich, sondern bereits dieser Friedrich Wilhelm I., der die Ausgaben des Hofes auf ein Minimum zusammenstrich, weil das Vermögen anderenfalls den Bürgern 'gestohlen' werde.
"Preussen war nie ein „normaler“ Staat mit einer homogenen Bevölkerung, die Jahrhunderte lang zusammen lebte. Durch eine raffinierte Kombination militärischer Eroberung, Diplomatie und strategischer Heiraten gelang es ihren Herren, dem Kernland mehr und mehr Gebiete anzuschließen. Diese waren nicht einmal unter einander verbunden und einige waren sogar ziemlich weit von einander entfernt."
Eine homogenere Bevölkerung als diejenige des geschichtlichen Brandenburg-Preußens, kenne ich nicht. Ethnische Konflikte waren völlig u n b e k a n n t .
Es gab lediglich religiöse Reibereien (Nachwehen der Religionskriege des 16. Jahrh.) zwischen Katholiken und Protestanten und zwischen Protestanten und Reformierten, welche von Friedrich-Wilhelm I und von Friedrich II. mit Geschick (manchmal auch per "ordre") entschärft wurden.
Die T o l e r a n z Preußens (Friedrich: "Jeder kann nach seiner Facon selig werden") ist bis heute sprichwörtlich — wie völlig anders ist es da um Israel bestellt!. Die widerwärtige antiislamische Hetze und der eckelerregende zionistische Haß, den wir in Israel beobachten, ist der direkte Gegensatz dazu.
Auch und gerade die rassische Toleranz in Preußen ist erwähnenswert: Siehe "Sabac el Cher" bei wiki. und http://www.amazon.de/Preußisches-Liebesglück-deutsche-Familie-Afrika/dp/3549073372 .
"Eines davon war das Gebiet, das dem Staat seinen Namen gab: Preußen. Das ursprüngliche Preußen lag an der Küste der Ostsee, und gehört jetzt zu Polen und Russland. Zunächst waren sie vom Deutschritterorden, einem deutschen religiös-militärischen Orden, erobert worden, der während der Kreuzzüge in Akko gegründet wurde (die Ruinen seiner Hauptburg Montfort – Starkenberg – stehen noch heute in Galiläa).
Statt die Ungläubigen in einem fernen Land zu bekämpfen, entschieden sich die deutschen Kreuzfahrer, dass es mehr Sinn mache, die benachbarten Heiden zu bekämpfen und ihnen das Land zu rauben. Im Laufe der Zeit gelang es den Fürsten von Brandenburg, dieses Land zu erobern, und seinen Namen für das ganze Herrschaftsgebiet zu übernehmen. Es gelang ihnen auch, im Rang aufzusteigen: aus Markgrafen wurden Kurfürsten und schließlich Könige."
Kaum etwas davon ist wahr: Z. B. in Bezug auf Ostpreußen:
Das christliche ("Deutsch Ritterorden") Massaker an den Pruzzen (1282) hat mit dem Staat Preußen nicht das geringste zu tun. "Preußen" ist damals ausschließlich das Kurfürstentum Brandenburg — nicht das spätere zunächst Preußen und dann später "Ostpreußen" genannte Territorium. In Ostpreußen wurden in der Tat die Pruzzen (und wohl auch andere kleinere slawische Volksstämme) von den Christen massakriert.
Die Siedler die dann aus dem Gebiet des heutigen Westdeutschland, Niederlande, Belgien, im 12. und 13. Jahrh. dort siedelten wurden von dem korrupten Deutsch Ritterorden derart schikaniert und ausgebeutet, daß sie sich unter den Schutz des polnischen Königs begaben und nun die Wohltaten des damals sehr fortschrittlichen polnischen Reiches erfuhren.
1618 fiel Ostpreußen durch E r b s c h a f t den Brandenburgern zu. Nix von "Im Laufe der Zeit gelang es den Fürsten von Brandenburg, dieses Land zu erobern"!!
Zu diesem Zeitpunkt (1618) dachten weder die Brandenburger noch die Bevölkerung Ostpreußens an das Massaker von 400 Jahre vorher an den Pruzzen. Warum auch? Weder die 'Neusiedler' (ab 1282) noch die genetischen Nachfahren überlebender Pruzzen definierten sich rassisch — wie dies das rassistische Israel tut. Vielmehr vermischte man sich munter — unter den wohlwollenden Augen der Obrigkeit.
"Der Mangel an Homogenität der preußischen Lande – zusammengesetzt aus verschiedenen und nicht zusammenhängenden Gebieten – ließ die wichtigste preußische Schöpfung entstehen: den Staat."
Was hat Avnery immer mit den "nicht zusammenhängenden Gebieten". Dies beweist doch die Friedfertigkeit Brandenburg-Preußen! Ja, die Israelis würden sofort bei "nicht zusammenhängenden Gebieten" einen Kriegsgrund erfinden! So wie die Nazis, die es nicht ertragen konnten, daß Ostpreußen nach 1918 eine 'Insel' war und deswegen Polen überfielen!
"Als Polen 1771 zwischen Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt wurde, bekam der preußische Staat ein nationales Minderheitenproblem . In dem neuen Gebiet lebte eine große polnische Bevölkerung, die fest an ihrer Nationalität und Sprache festhielt, wie die Sorben heute noch. Die preußische Antwort war eine massive Siedlungskampagne, die sehr gut organisiert und bis ins kleinste Detail geplant war.
Die Siedler bekamen ein Stück Land und viele Vergünstigungen. Die polnische Minderheit dagegen wurde auf jede mögliche Weise unterdrückt und diskriminiert. Die preußischen Könige wollten ihr neu erworbenes Land „germanisieren“, so wie die israelische Regierung die besetzten Gebieten „judaisieren“ will.
Diese preußische Bemühung hatte direkten Einfluss auf die jüdische Kolonisierung Palästinas. Sie diente als Vorbild für den Vater des zionistischen Siedlungsunternehmens, Arthur Ruppin, und es kann nicht als Zufall gelten, dass Ruppin ebenda, in den polnischen Gebieten Preußens, geboren wurde und aufwuchs."
Diesen Unfug äußert Avnery aus propagandistischen Gründen. Sein Resümee legt das klar zu Tage:
"Es ist unmöglich, den Einfluss des preußischen Modells auf die zionistische Bewegung in fast allen Lebensgebieten zu übertreiben."
Tatsächlich ist nichts von Vorstehenden wahr! Richtig ist daß der deutsche Bismarck (ich glaube auch erst nach 1871) Deutsch als Landessprache im Korridor erzwang.
Als Polen auf habsburger und auf zaristisches Betreiben hin geteilt wurde, wollte Friedrich II. um jeden Preis verhindern, daß Preußen eine gemeinsame Grenze mit Rußland habe. So hat er sich jedenfalls geäußert. Friedrich war nämlich der Ansicht, daß Rußland in Europa völlig unterschätzt werde (dies war ja noch vor den napoleonischen Kriegen).
Als die polnischen Adligen Friedrichs Bruder zum König wählten, verbat Friedrich II. seinem Bruder die Krone anzunehmen: Grund: Preußen hätte Polen verteidigen müssen und Friedrich sah Preußen einfach nicht in der Lage (auch zusammen mit Polen) eine Landnahme Rußlands in Polen (womöglich mit Österreich als Rußlands Verbündeten) erfolgreich zu verhindern.
Übrigens: als der "Korridor" zu Preußen kam, wurden dort Schulen gebaut (Friedrich der II. hatte als erster in Europa die allgemeine Schulpflicht landesweit eingeführt, und in diesen Genuß kamen selbstverständlich auch die Neubürger im Korridor/Westpreußen) Im Korridor war Schul– Amts und Gerichtssprache p o l n i s c h ! Nix von ethnischer Säuberung. nix von "Unterdrückung". Polnische Offiziere waren fortan in den preußischen Corps keine Seltenheit.
Nix von "germanisieren". Weder die Vorläufer und die Nachfahren Friedrichs noch er selbst hielten irgendwelche Stücke auf die primitiven "Germanen". Friedrich war eine G r i e c h e n –Fan. Auch die Römer mochte er (Mark Aurel). Wenn ihm irgend jemand die primitiven Germanen verherrlicht hätte, hätte er sich t o t g e l a c h t und sein Gegenüber mit beißendem Spott überhäuft!!!
Erst der üble Wilhelm II. fing an die polnische Bevölkerung als "minderwertig" zu bezeichnen und zu "germanisieren". Da gibt's Preußen als souveränes Land aber schon seit 30 Jahren nicht mehr.
Hingegen ist die Ähnlichkeit der heutigen Israelis mit den Nazis und mit deren Vorläufen von Gagern und Wilhelm II. frappierend. Man beachte mal, wie die Israelis ein "Volk Israel" zu kreieren Versuchen. Angeblich sind die Bewohner Israels und das alte Volk Israel identisch!
Das ist genau derselbe Müll, den die Nazis und schon Wilhelm II. und v. Gagern absonderten mit ihrem Gefasel von den "Goten" und den "Deutschen". 1942(?) erschien Himmler vor den Nazi-Truppen am Don (Ukraine) und erklärte "Der Don ist eine deutscher Fluß!"
Grund: Dort hatten die Goten (ich glaube: Ostgoten) für längere Zeit gesiedelt. Will Avnery das Don-Gebiet nun für das Territorium der Bundesrepublik Deutschland einfordern??? Denn mal los!!! Wer "A" sagt, muß auch "B" sagen!!!
So ich mach's jetzt kurz. Nur dies noch:
"Das Wichtigste, das wir vielleicht Preußen zu verdanken haben, ist die geheiligte Idee des „Staates“ (Medina auf Hebräisch) – eine Idee, die unser ganzes Leben beherrscht"
Genau vor dieser Falle einer "geheiligte(n) Idee des „Staates" hat sich Friedrich und auch der Soldatenkönig und auch die davor und die danach stets gehütet! Keine Idealisierung des "Staates"! N i e m a l s! Das ist auch wieder Nazi-Denke!
Friedrich hat sich, wenn er z. B. in Berlin durch die Menge ritt, stets nach rechts und links vor den Bürgern verbeugt. Weil die B ü r g e r — individuelle Wesen eben — die einzige erlaubte Verkörperung des Staates sein dürfen. Das war eben das genaue Gegenteil von der fanatischen I d e o l o g i e eines Avnery!
Avnery muß sich fragen lassen, ob für ihn denn konsequenter Weise nun auch der p a l ä s t i n e n s i s c h e Staat "heilig" ist ("die geheiligte Idee des „Staates").
Dann endlich mal bitte auf die K n i e ("heilig, heilig sprach der Herr")!! Auch vor den palästinensischen Opfern! Sofort!
Jörg
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Kategorie » Deutschland, Geschichte, Gesellschaft/Soziales, International, Politik/Wirtschaft « | Tags » Avnery, Israel, Preußen «
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Christian Klotz 28.12.2009 um 11:06 Uhr
Sehr gut die Herausarbeitung der Staatsideologie des Artikels.
Bei der Kontrastfolie "Preussen" ist mir nicht ganz so wohl. Es wäre auch ohne die umgekehrte Denke gegangen.
2
Rachel 28.12.2009 um 18:02 Uhr
Danke — jetzt muß ich nix zu dem Thema schreiben :-)! Ich bin Halb-Sorbe, wohne in Pankow und hab mich durch Avnerys Artikel reichlich verarscht gefühlt. Selbst meine Großeltern, die fies unter der anti-slawischen Politik der Nazis zu leiden hatten, hatten nie irgendwelche Probleme mit "Preussen".
Ich spare mir mal eine ausführliche Analyse… nur soviel: Was das "germanisieren" angeht — gerade das tut Israel nicht! In Israel wird niemand "judaisiert"; dort sind Ehen zwischen Juden und Nicht-juden illegal… ebenso wie im Dritten Reich nach den Nürnberger Gesetzen oder in der Zeit der Rassentrennung in den USA.
Unter den Preussen bzw. Sachsen konnte jeder Sorbe einfach "deutsche" Kleidung tragen, deutsch sprechen, und deutsche Gebräuche annehmen, um als Deutscher zu leben. Einem nicht-jüdischen Einwohner Israels würde eine derartige Anpassung gar nichts bringen — er wäre immer noch ein Bürger Dritter Klasse.
Auch gab es niemals ein preussisches Äquivalent des Law of Return, welches praktisch Juden in aller Welt dafür belohnt, nach Israel zu kommen, und den Palestinensern ihr Land zu rauben. Keiner der nach Australien oder Amerika ausgewanderten Preussen wurden mit dem Versprechen auf sorbisches Land nach Preussen zurückgelockt, noch haben sich die Preussen als besonders "von Gott auserwählt" betrachtet, oder jede noch so berechtigte Kritik sofort als "anti-preussische Vorurteile" zurückgewiesen.
Israel, das Judentum, und Zionismus sind einzigartig in der Weltgeschichte, und um Israel zu verstehen, hilft es nicht, einfach Parallelen zu irgendwelchen anderen unterdrückten Völkern zu ziehen. Die Probleme, mit denen Juden zu kämpfen haben, lassen sich vielleicht besser verstehen und lösen, wenn wir uns mal die religösen Dogmen des Judentums und deren Auswirkungen auf den Charakter des einzelnen Individuums ansehen.
3
Jörg 28.12.2009 um 09:11 Uhr
@ Rachel
…sehr interessant. Daß die Sorben von en Nazis verfolgt oder zumindest schikaniert wurden, wußte ich bisher nicht.
Hier mal was von Friedrich, da wir ja gerade Weinachten hatten:
"Ein pommerscher Landpfarrer nährt sich und seine Familie mit mäßigem Salär so recht und schlecht. Seine Bauern, deren Seelenheil ihm anvertraut ist, sind auch nicht gerade von christlicher Freigebigkeit. Aus ihren Fleischtöpfen wandert gar wenig in die Küche des Pfarrhauses, was den Seelenhirt sehr verdrießlich stimmt.
Eines Heiligen Abends hat der Prediger die frohe Botschaft verkündet und macht noch einen Rundgang durchs Dorf, wo ihm aus den Häusern der würzige Duft der Weihnachtsbraten entgegenströmt. Im Pfarrhaus indessen bleibt auch an diesem Abend Schmalhans Küchenmeister.
Verärgert entschließt sich der Gottesmann noch zu einem Besuch auf dem Kirchhof, wo ihm ein Feldhase über den Weg läuft, der unter der Schneedecke sein karges Futter sucht. Da umklammert der Pastor mit beiden Händen seine dicke Bibel mit Metallbeschlägen und schleudert sie mit voller Wucht in Richtung Hase. Der bleibt mit gebrochenem Kreuz liegen. Flugs nimmt ihn der Pfarrer, trägt ihn nach Hause und läßt aus der unverhofften Beute seinen Weihnachtsbraten zubereiten.
Bald spricht sich dieses profane Weihnachtswunder herum und Neider hinterbringen es dem Gutsbesitzer, der das Jagdrecht besitzt. Der pocht auf sein Privileg und zeigt den Pfarrer wegen Wilddieberei an. Doch der Prediger gibt sich nicht so rasch geschlagen und läßt es bis zur letzten Instanz kommen, zum König von Preußen. Der schreibt unter die Akte das salomonische Urteil:
"Alle Hasen, die ein Pfarrer am Heiligen Abend mit der Bibel erlegt, gehören ihm, und nur ihm allein."
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