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Gastbeitrag: Erwiderung auf den Preußen-​Israel Vergleich des Autors Uri Avnery

Montag, 28. Dezember 2009-8:45 -|- Eingestellt von: |

Liebe Leser – hier wieder ein Artikel, der mir per Mail zuge­sandt wurde. Der voll­stän­dige Name des Autors ist mir bekannt und die Infor­ma­tionen im Artikel erscheinen mir kor­rekt. Ansonsten beruht der Artikel allein auf der per­sön­li­chen Ein­schät­zung des Autors. Zur Infor­ma­tion für die Leser meines Blogs, möchte ich den Artikel gerne veröffentlichen:

Von Gast­autor Jörg

Auf der Site "Frieden für Israel und Paläs­tina" erschien unlängst ein Artikel Avnerys in wel­chem Israel mit Preußen ver­gli­chen wurde:

Der nach­fol­gende Bei­trag bezieht sich auf diesen:

Erwi­de­rung auf den Preußen-​Israel Ver­gleich Avnerys

Was für ein grau­siges Stück Pro­pa­ganda! Eine Anrei­hung an völlig halt­losen und gerade des­halb stets auch völlig unbe­legten Behauptungen.

Keine ein­zige der Thesen Avnerys("1" bis "7") trifft auf das klas­si­sche Preußen zu.

Es gibt prak­tisch k e i n e e i n z i g e Ver­gleich­bar­keit zwi­schen Brandenburg-​Preußen und Israel. Erst nach der Reichs­grün­dung 1871, als Preußen in Deutsch­land auf­ging (und als selbst­stän­diger Staat zu exis­tieren auf­hörte) und der wider­liche deut­sche Natio­na­lismus und Ras­sismus von Bis­marck geför­dert wurde und als unter diesem üblen Kaiser Wil­helm II. eine deutsch-​rassische Über­le­gen­heit zusam­men­fa­bu­liert wurde, treten Ähnlich­keiten zum heu­tigen Israel zu Tage.

Zu den Aus­füh­rungen Avnerys im einzelnen:

"Der Staat, der 350 Jahre lang als Preußen respek­tiert und gefürchtet wurde, begann seine Exis­tenz unter einem anderen Namen: Mark Bran­den­burg. … Dieses Gebiet im Nord­osten Deutsch­lands wurde seinen sla­wi­schen Bewoh­nern ent­rissen und lag in seinen frühen Tagen außer­halb des deut­schen Reiches.

Bis zum heu­tigen Tag tragen viele seiner Orte (ein­schließ­lich Ber­liner Stadt­viertel wie Pankow) ein­deutig sla­wi­sche Namen. Man könnte sagen, dass Preußen auf den Ruinen eines anderen Volkes ent­stand (von denen einige Nach­kommen noch immer dort leben)."

Nein: Das Gebiert wurde nicht "seinen sla­wi­schen Bewoh­nern ent­rissen". Viel­mehr war es die dor­tige "sla­wi­sche" Bevöl­ke­rung, welche die Popu­la­tion stellte. Diese absto­ßende ras­sis­ti­sche Denke Avnerys war dem Spät­feu­da­lismus um ca. 1200 aber auch noch zu der Zeit der Auf­klä­rung unter Fried­lich dem Großen glück­li­cher­weise fremd.

Auch Adlige trugen meist sla­wi­sche Namen. Durch Zuzug aus dem gebur­ten­über­schüs­sigen Westen kam es aller­dings zu einer ange­nehmen Ver­mi­schung. Durch Zuzug sla­wi­sche Namen tra­gender Leute aus dem Osten kam es aller­dings auch im Westen (z. B. "wen­disch Evern" bei Lüne­burg) zu einer 'Ver­mi­schung' im Westen. Das war zu keinem Zeit­punkt ein Problem.

Schon Avnerys Wort­wahl "sla­wisch" zeigt seine absto­ßende Denke, weil er die RASSE in den Vor­der­grund legen will. Die­selbe Denke wie bei den Nazis, die auch immer von "sla­wisch" sprachen.

His­to­risch würde man aber nur äußerst selten von sla­wisch spre­chen — viel­mehr wurde man nach Mög­lich­keit den kon­kreten Stammes– oder Reichs­namen nennen (z. B. "Pruzzen", "Polani", "Sorben" "Polaben" usw.) Keiner würde bei Theo­de­rich vom "Ger­manen Theo­de­rich" spre­chen, um sozu­sagen einen Ras­se­be­griff zu manifestieren.

Viel­mehr spricht man exakt von "Ost­goten Theo­de­rich". Und die Ost­goten waren eben nicht die West­goten. Und die Tsche­chen sind nicht die Litauer und 'die Wenden' sind nicht 'die Polen' und die sind nicht "die Russen" usw.

Brandenburg-​Preußen ist gerade nicht "auf den Ruinen eines anderen Volkes entstand(en)".

Brandenburg-​Preußen hatte auch nie ein ras­sisch defi­niertes "Volk" oder sah irgendein ras­sisch "anderes Volk". Im Feu­da­lismus gab's den Adel und den Rest. Das Etzel im Nibe­lun­gen­lied nicht ger­ma­nisch war, war noch im 12. Jahr­hun­dert (als das Nibe­lun­gen­lied in seiner bekannten Fas­sung abge­schlossen wurde) völlig s c h n u p p e ! Er, Etzel, wird sogar als die sym­pa­thischte Figur geschil­dert. Das Othello schwarze Haut­farbe hatte wird gerade mal erwähnt, schmä­lert aber sein Ansehen in keiner Weise.

Die spätbürgerlich-​rassistische Denke Avnerys (und der Nazis und Gobi­neaus) gehört hier nicht her. Auch zu Fried­richs (bür­ger­li­chen, nach­feu­da­lis­ti­schen) Zeiten ist Preußen stets "ein Rational-​Staat" und nie ein National-​Staat" (http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​e​S​H​b​F​9​l​2​7SY , http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​v​s​U​e​C​K​8​B​E​y​g​&​a​m​p​;​f​e​a​t​u​r​e​=​r​e​l​a​ted , http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​K​3​D​L​F​v​B​L​u​r​k​&​a​m​p​;​f​e​a​t​u​r​e​=​r​e​l​a​ted ) .

"Das Geschehen, das die Geschichte Preu­ßens weit­ge­hend bis zum 2. Welt­krieg prägte, war ein Völ­ker­mord: der 30-​Jährige Krieg. "

Quatsch! Das was aus heu­tiger Sicht das typi­sche Preußen prägte, ist nicht das Preußen des großen Kur­fürsten son­dern das Preußen Friedrich-​Wilhelms I. und seines Sohnes Fried­rich II.

Im 30-​jährigen Krieg kam Brandenburg-​Preußen sogar relativ glimpf­lich davon, was ins­be­son­dere am p o l i t i s c h –tak­ti­schen Geschick des großen Kur­fürsten lag, der auch mal schnelle die Seite wech­seln konnte, not­falls mehrfach.

"Nord­deutsch­land ist eine große, weite Ebene."

Preußen ist nicht "Nord­deutsch­land". Erst der deutsch­tü­melnde Bis­marck machte mili­ta­ris­ti­sche Erobe­rungen bei den Dänen und Han­no­ve­ra­nern. Damals ging auch der Staats­ge­danke Preu­ßens unter.

"Seine Grenzen werden nicht durch einen Ozean, eine Gebirgs­kette oder eine Wüste geschützt. Die preu­ßi­sche Ant­wort auf die Ver­hee­rung durch den Völ­ker­mord war eine eiserne Mauer: eine mäch­tige regu­läre Armee, die Meer und Gebirge ersetzen sollte, und bereit sein würde, den Staat gegen alle mög­li­chen Ver­bin­dungen poten­ti­eller Feinde zu verteidigen. "

Das ist Müll aus dem Kopf Avnerys. "Eiserne Mauer"! Nie hat auch nur ein ein­ziger "Preuße" jemals so einen Müll von sich gegeben! Offenbar soll hier die Todes­mauer der Israelis pro­pa­gan­dis­tisch durch­ge­setzt werden!

"Meer ersetzen": Da war doch die Ostsee! Kann Avnery nicht wenigs­tens mal in seinen Atlas gucken! Die Bayern, die Sachsen (Dresdner, nicht die alten), die Schweitzer, die Ö s t e r r e i c h e r hatten kein Meer (Preußen hatte eines!). Aber auch die Bayern, Öster­rei­cher usw. hatten nie "eiserne Mauer" haben wollen. Avnery gibt hier mehr über das abar­tige zio­nis­ti­sche Denken preis, als ihm lieb sein könnte

"Zu Anfang war die Armee ein wesent­li­ches Instru­ment zur Ver­tei­di­gung der bloßen Exis­tenz des Staates. Im Laufe der Zeit wurde sie zum Mit­tel­punkt des natio­nalen Lebens. Was als "preu­ßi­sche Ver­tei­di­gungs­kräfte" begann, wurde zu einer aggres­siven Erobe­rungs­armee, die von allen seinen Nach­barn gefürchtet wurde."

Hans-​Joachim Schoeps hat in seinem lesen­werten Werk "Preußen" mal nach­ge­zählt. Preußen kam in seiner Geschichte (bis1871) auf n e u n Kriege (glaube ich mich zu erin­nern; ohne den üblen Bis­marck wären es noch weniger) und Frank­reich und Eng­land auf unge­fähr jeweils 30(!) Kriege.

Kaum ein euro­päi­sches Land von der Größe Bran­den­burg – Preu­ßens hat so wenige Kriege geführt! Auch die bösen öster­rei­chi­schen Habs­burger und die Dänen und die Schweden dürften mehr Kriege geführt haben als Preußen. Auch Spa­nien und Por­tugal haben mehr Kriege geführt!

Die Armee wurde auch nicht zum "Mit­tel­punkt des natio­nalen Lebens". Ein "natio­nales" Leben war Brandenburg-​Preußen auch stets fremd. Auch die Offi­ziere — z. B. "Trenck" — traten ohne wei­teres auch mal in fran­zö­si­sche oder öster­rei­chi­sche oder rus­si­sche Dienste über– nur um ggf. später wieder in preu­ßi­sche Dienste zu treten. Das war damals kein Pro­blem. Avnerys Natio­na­lismus und Ras­sismus gab es damals nicht . Das kam erst im 19. Jahrhundert.

"Einigen preu­ßi­schen Königen galt das Haupt­in­ter­esse ihres Lebens der Armee. Eine Zeit lang stellten die Sol­daten und ihre Fami­lien mehr als ein Viertel der Ber­liner Bevöl­ke­rung dar. Eine alte preu­ßi­sche Redensart lautet: „Der Sol­date ist der beste Mann im Staate“. Die Anbe­tung der Armee wurde zum Kult, ja, fast zur Religion."

Der Satz "Sol­daten sind Mörder" kommt von Fried­rich dem Großen per­sön­lich! Nix von "Anbe­tung der Armee"!. Was ist das für eine abar­tige Hetze. In Israel gibt es diese üble Anbe­tung — aber in Preußen war sie nie bekannt!

Richtig ist, dass es zu Zeiten Fried­richs (sämt­liche Groß­mächte wollten einen Auf­stieg des vor­mals unbe­deu­tenden Preu­ßens ver­hin­dern und hatten sich gegen dieses ver­bündet) und zur Zeit der napo­leo­ni­schen Kriege umstän­de­halber zu einer Über­pro­por­tio­nie­rung der Lan­des­ver­tei­di­gung kam.

Das war aber auch nur ein kurzer geschicht­li­cher Abschnitt. Außerdem hatte Preußen keien nen­nens­werte Marine, so daß es nur die Armee gab. Es wäre inter­es­sant einmal nach­zu­rechnen vie­viel Militär das dama­lige Eng­land (oder Frank­reich) hatte — ein­schließ­lich seiner g e w a l t i g e n i m p e r i a l e n Flotte!

Daß der deut­sche Bis­marck (es war seine 'Denke', die mich Bis­marck einen 'Deut­schen' nennen läßt, denn auch "preu­ßisch" ist nur eine 'Denke' bzw. 'Hal­tung'; eben: n i c h t –eth­nisch) daraus einen mili­ta­ris­ti­schen Staat machte hat nur mit der letzten End­phase Preu­ßens und mit seinem U n t e r gang zu tun.

Erst jetzt treten diese über­heb­li­chen und eitel-​selbstgefälligen "Reichs"-Offiziere auf, diese Mili­tär­är­sche mit ihrem schnar­renden Pots­dam­jargon. Erst jetzt kommen auch ber­liner 'Kapi­ta­listen' (Bis­marck hatte den preu­ßi­schen Mer­kan­ti­lismus längst durch den Kapi­ta­lismus ersetzt) nach Mün­chen und erst jetzt ent­steht das Wort "Saupreuß".

Zuvor konnten die Ver­bin­dungen Preu­ßens zu Bayern nicht enger sein — ebenso wie die Ver­bin­dungen zu Polen. Letz­tere waren stets gut und eng. Ledig­lich wegen der Pro­tes­tan­ten­ver­fol­gungen in Polen und der Par­tei­nahme des katho­li­schen Polens für Habsburg-​Österreich im sie­ben­jäh­rigen Krieg kam es erst­mals zu einer Abküh­lung des diplo­ma­ti­schen Klimas.

Es war eben auch der schle­si­sche Zweig der p o l n i s c h e n Pia­sten gewesen, der mit Bran­den­burgs Joa­chim 1537 den "Erb­ver­brü­de­rungs­ver­trag" schloß (nach wel­chem bei Aus­sterben der jewei­ligen männ­li­chen Linie Schle­sien zu Brand­burg kam oder aber Bran­den­burg zu den schle­si­schen Pia­sten gekommen wäre). Die H a b s b u r g e r waren die gemein­samen Feinde Preu­ßens und Polens. Und die Habs­burger wollten dann Schle­sien ein­fach nicht raus­rü­cken — bis Fried­rich einmal nachhakte.

Richtig ist, daß Friedrich-​Wilhelm I., der sog. "Sol­da­ten­könig" die sog. "langen Kerls" sam­melte und auch selbst Mili­tär­uni­form trug. Der Grund wird deut­lich, wenn sich mal ansieht, wie seine Söhne (bis auf Fried­rich — der sich bedeckt bzw. die Klappe hielt) auf­maulten, als sie ihren Mili­tär­dienst ver­richten sollten, wie "das ein­fache Volk". Sie waren empört! Ver­mut­lich waren alle Adligen in ganz Europa scho­ckiert. Denn bis dahin wurden nur die Bauern– und Bür­ger­söhne im Krieg ver­heizt, wäh­rend sich die ver­wöhnten Rotz­löffel aus der Adels­kaste zahl­losen Ver­gnü­gungen und Gelagen hingaben.

Der "Sol­da­ten­könig" war aber der Ansicht, daß das Gemein­wesen und seine Ver­tei­di­gung das Anliegen a l l e r Bürger zu sein habe. Hin­zukam, daß Friedrich-​Wilhelm I. ein ganz ähnli­ches Pro­blem hatte wie Ludwig der XIV.: Der Adel lebte para­sitär (Wege­la­gerei, falsch Lichter an der Ost­see­küste setzen um die stran­denden Schiffe aus­zu­rauben) und unter­mi­nierte ständig die von Friedrich-​Wilhelm I. reprä­sen­tierte Zen­tral­macht in Berlin. Mit der Wehr­pflicht für a l l e kriegte er end­lich auch die lokalen Adligen unter Kontrolle!

Der "Sol­da­ten­könig" führte auch nur e i n e n ein­zigen Krieg (er nahm den Schweden ihren Land­ge­winn aus dem 30-​jährigen Krieg wieder ab). Er sorgte auch dafür, daß auf den preu­ßi­schen Kanonen der Spruch "ultima ratio regis" ein­ge­gossen wurde. Sollte heißen: Krieg darf nur in einem extremen Not­fall geführt — oder gar: begonnen — werden. Auf seinem Ster­be­bett ver­pflichte er den Kron­prinzen Fried­rich II. noch einmal aus­drück­lich darauf, daß Krieg nur dann zu führen sei, wenn es wirk­lich unum­gäng­lich sei.

Einen grö­ßeren Gegen­satz zu Israel als dieses Brandenburg-​Preußen gibt es eben nicht !

Es war auch nicht erst Fried­rich, son­dern bereits dieser Fried­rich Wil­helm I., der die Aus­gaben des Hofes auf ein Minimum zusam­men­strich, weil das Ver­mögen ande­ren­falls den Bür­gern 'gestohlen' werde.

"Preussen war nie ein „nor­maler“ Staat mit einer homo­genen Bevöl­ke­rung, die Jahr­hun­derte lang zusammen lebte. Durch eine raf­fi­nierte Kom­bi­na­tion mili­tä­ri­scher Erobe­rung, Diplo­matie und stra­te­gi­scher Hei­raten gelang es ihren Herren, dem Kern­land mehr und mehr Gebiete anzu­schließen. Diese waren nicht einmal unter ein­ander ver­bunden und einige waren sogar ziem­lich weit von ein­ander entfernt."

Eine homo­ge­nere Bevöl­ke­rung als die­je­nige des geschicht­li­chen Brandenburg-​Preußens, kenne ich nicht. Eth­ni­sche Kon­flikte waren völlig u n b e k a n n t .

Es gab ledig­lich reli­giöse Rei­be­reien (Nach­wehen der Reli­gi­ons­kriege des 16. Jahrh.) zwi­schen Katho­liken und Pro­tes­tanten und zwi­schen Pro­tes­tanten und Refor­mierten, welche von Friedrich-​Wilhelm I und von Fried­rich II. mit Geschick (manchmal auch per "ordre") ent­schärft wurden.

Die T o l e r a n z Preu­ßens (Fried­rich: "Jeder kann nach seiner Facon selig werden") ist bis heute sprich­wört­lich — wie völlig anders ist es da um Israel bestellt!. Die wider­wär­tige anti­is­la­mi­sche Hetze und der eckel­er­re­gende zio­nis­ti­sche Haß, den wir in Israel beob­achten, ist der direkte Gegen­satz dazu.

Auch und gerade die ras­si­sche Tole­ranz in Preußen ist erwäh­nens­wert: Siehe "Sabac el Cher" bei wiki. und http://www.amazon.de/Preußisches-Liebesglück-deutsche-Familie-Afrika/dp/3549073372 .

"Eines davon war das Gebiet, das dem Staat seinen Namen gab: Preußen. Das ursprüng­liche Preußen lag an der Küste der Ostsee, und gehört jetzt zu Polen und Russ­land. Zunächst waren sie vom Deutschrit­ter­orden, einem deut­schen religiös-​militärischen Orden, erobert worden, der wäh­rend der Kreuz­züge in Akko gegründet wurde (die Ruinen seiner Haupt­burg Mont­fort – Star­ken­berg – stehen noch heute in Galiläa).

Statt die Ungläu­bigen in einem fernen Land zu bekämpfen, ent­schieden sich die deut­schen Kreuz­fahrer, dass es mehr Sinn mache, die benach­barten Heiden zu bekämpfen und ihnen das Land zu rauben. Im Laufe der Zeit gelang es den Fürsten von Bran­den­burg, dieses Land zu erobern, und seinen Namen für das ganze Herr­schafts­ge­biet zu über­nehmen. Es gelang ihnen auch, im Rang auf­zu­steigen: aus Mark­grafen wurden Kur­fürsten und schließ­lich Könige."

Kaum etwas davon ist wahr: Z. B. in Bezug auf Ostpreußen:

Das christ­liche ("Deutsch Rit­ter­orden") Mas­saker an den Pruzzen (1282) hat mit dem Staat Preußen nicht das geringste zu tun. "Preußen" ist damals aus­schließ­lich das Kur­fürs­tentum Bran­den­burg — nicht das spä­tere zunächst Preußen und dann später "Ost­preußen" genannte Ter­ri­to­rium. In Ost­preußen wurden in der Tat die Pruzzen (und wohl auch andere klei­nere sla­wi­sche Volks­stämme) von den Christen massakriert.

Die Siedler die dann aus dem Gebiet des heu­tigen West­deutsch­land, Nie­der­lande, Bel­gien, im 12. und 13. Jahrh. dort sie­delten wurden von dem kor­rupten Deutsch Rit­ter­orden derart schi­ka­niert und aus­ge­beutet, daß sie sich unter den Schutz des pol­ni­schen Königs begaben und nun die Wohl­taten des damals sehr fort­schritt­li­chen pol­ni­schen Rei­ches erfuhren.

1618 fiel Ost­preußen durch E r b s c h a f t den Bran­den­bur­gern zu. Nix von "Im Laufe der Zeit gelang es den Fürsten von Bran­den­burg, dieses Land zu erobern"!!

Zu diesem Zeit­punkt (1618) dachten weder die Bran­den­burger noch die Bevöl­ke­rung Ost­preu­ßens an das Mas­saker von 400 Jahre vorher an den Pruzzen. Warum auch? Weder die 'Neu­siedler' (ab 1282) noch die gene­ti­schen Nach­fahren über­le­bender Pruzzen defi­nierten sich ras­sisch — wie dies das ras­sis­ti­sche Israel tut. Viel­mehr ver­mischte man sich munter — unter den wohl­wol­lenden Augen der Obrigkeit.

"Der Mangel an Homo­ge­nität der preu­ßi­schen Lande – zusam­men­ge­setzt aus ver­schie­denen und nicht zusam­men­hän­genden Gebieten – ließ die wich­tigste preu­ßi­sche Schöp­fung ent­stehen: den Staat."

Was hat Avnery immer mit den "nicht zusam­men­hän­genden Gebieten". Dies beweist doch die Fried­fer­tig­keit Brandenburg-​Preußen! Ja, die Israelis würden sofort bei "nicht zusam­men­hän­genden Gebieten" einen Kriegs­grund erfinden! So wie die Nazis, die es nicht ertragen konnten, daß Ost­preußen nach 1918 eine 'Insel' war und des­wegen Polen überfielen!

"Als Polen 1771 zwi­schen Russ­land, Öster­reich und Preußen auf­ge­teilt wurde, bekam der preu­ßi­sche Staat ein natio­nales Min­der­hei­ten­pro­blem . In dem neuen Gebiet lebte eine große pol­ni­sche Bevöl­ke­rung, die fest an ihrer Natio­na­lität und Sprache fest­hielt, wie die Sorben heute noch. Die preu­ßi­sche Ant­wort war eine mas­sive Sied­lungs­kam­pagne, die sehr gut orga­ni­siert und bis ins kleinste Detail geplant war.

Die Siedler bekamen ein Stück Land und viele Ver­güns­ti­gungen. Die pol­ni­sche Min­der­heit dagegen wurde auf jede mög­liche Weise unter­drückt und dis­kri­mi­niert. Die preu­ßi­schen Könige wollten ihr neu erwor­benes Land „ger­ma­ni­sieren“, so wie die israe­li­sche Regie­rung die besetzten Gebieten „juda­i­sieren“ will.

Diese preu­ßi­sche Bemü­hung hatte direkten Ein­fluss auf die jüdi­sche Kolo­ni­sie­rung Paläs­tinas. Sie diente als Vor­bild für den Vater des zio­nis­ti­schen Sied­lungs­un­ter­neh­mens, Arthur Ruppin, und es kann nicht als Zufall gelten, dass Ruppin ebenda, in den pol­ni­schen Gebieten Preu­ßens, geboren wurde und aufwuchs."

Diesen Unfug äußert Avnery aus pro­pa­gan­dis­ti­schen Gründen. Sein Resümee legt das klar zu Tage:

"Es ist unmög­lich, den Ein­fluss des preu­ßi­schen Modells auf die zio­nis­ti­sche Bewe­gung in fast allen Lebens­ge­bieten zu übertreiben."

Tat­säch­lich ist nichts von Vor­ste­henden wahr! Richtig ist daß der deut­sche Bis­marck (ich glaube auch erst nach 1871) Deutsch als Lan­des­sprache im Kor­ridor erzwang.

Als Polen auf habs­burger und auf zaris­ti­sches Betreiben hin geteilt wurde, wollte Fried­rich II. um jeden Preis ver­hin­dern, daß Preußen eine gemein­same Grenze mit Ruß­land habe. So hat er sich jeden­falls geäu­ßert. Fried­rich war näm­lich der Ansicht, daß Ruß­land in Europa völlig unter­schätzt werde (dies war ja noch vor den napo­leo­ni­schen Kriegen).

Als die pol­ni­schen Adligen Fried­richs Bruder zum König wählten, verbat Fried­rich II. seinem Bruder die Krone anzu­nehmen: Grund: Preußen hätte Polen ver­tei­digen müssen und Fried­rich sah Preußen ein­fach nicht in der Lage (auch zusammen mit Polen) eine Land­nahme Ruß­lands in Polen (womög­lich mit Öster­reich als Ruß­lands Ver­bün­deten) erfolg­reich zu verhindern.

Übri­gens: als der "Kor­ridor" zu Preußen kam, wurden dort Schulen gebaut (Fried­rich der II. hatte als erster in Europa die all­ge­meine Schul­pflicht lan­des­weit ein­ge­führt, und in diesen Genuß kamen selbst­ver­ständ­lich auch die Neu­bürger im Korridor/​Westpreußen) Im Kor­ridor war Schul– Amts und Gerichts­sprache p o l n i s c h ! Nix von eth­ni­scher Säu­be­rung. nix von "Unter­drü­ckung". Pol­ni­sche Offi­ziere waren fortan in den preu­ßi­schen Corps keine Seltenheit.

Nix von "ger­ma­ni­sieren". Weder die Vor­läufer und die Nach­fahren Fried­richs noch er selbst hielten irgend­welche Stücke auf die pri­mi­tiven "Ger­manen". Fried­rich war eine G r i e c h e n –Fan. Auch die Römer mochte er (Mark Aurel). Wenn ihm irgend jemand die pri­mi­tiven Ger­manen ver­herr­licht hätte, hätte er sich t o t g e l a c h t und sein Gegen­über mit bei­ßendem Spott überhäuft!!!

Erst der üble Wil­helm II. fing an die pol­ni­sche Bevöl­ke­rung als "min­der­wertig" zu bezeichnen und zu "ger­ma­ni­sieren". Da gibt's Preußen als sou­ve­ränes Land aber schon seit 30 Jahren nicht mehr.

Hin­gegen ist die Ähnlich­keit der heu­tigen Israelis mit den Nazis und mit deren Vor­läufen von Gagern und Wil­helm II. frap­pie­rend. Man beachte mal, wie die Israelis ein "Volk Israel" zu kre­ieren Ver­su­chen. Angeb­lich sind die Bewohner Israels und das alte Volk Israel identisch!

Das ist genau der­selbe Müll, den die Nazis und schon Wil­helm II. und v. Gagern abson­derten mit ihrem Gefasel von den "Goten" und den "Deut­schen". 1942(?) erschien Himmler vor den Nazi-​Truppen am Don (Ukraine) und erklärte "Der Don ist eine deut­scher Fluß!"

Grund: Dort hatten die Goten (ich glaube: Ost­goten) für län­gere Zeit gesie­delt. Will Avnery das Don-​Gebiet nun für das Ter­ri­to­rium der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­for­dern??? Denn mal los!!! Wer "A" sagt, muß auch "B" sagen!!!

So ich mach's jetzt kurz. Nur dies noch:

"Das Wich­tigste, das wir viel­leicht Preußen zu ver­danken haben, ist die gehei­ligte Idee des „Staates“ (Medina auf Hebräisch) – eine Idee, die unser ganzes Leben beherrscht"

Genau vor dieser Falle einer "geheiligte(n) Idee des „Staates" hat sich Fried­rich und auch der Sol­da­ten­könig und auch die davor und die danach stets gehütet! Keine Idea­li­sie­rung des "Staates"! N i e m a l s! Das ist auch wieder Nazi-​Denke!

Fried­rich hat sich, wenn er z. B. in Berlin durch die Menge ritt, stets nach rechts und links vor den Bür­gern ver­beugt. Weil die B ü r g e r — indi­vi­du­elle Wesen eben — die ein­zige erlaubte Ver­kör­pe­rung des Staates sein dürfen. Das war eben das genaue Gegen­teil von der fana­ti­schen I d e o l o g i e eines Avnery!

Avnery muß sich fragen lassen, ob für ihn denn kon­se­quenter Weise nun auch der p a l ä s t i n e n s i s c h e Staat "heilig" ist ("die gehei­ligte Idee des „Staates").

Dann end­lich mal bitte auf die K n i e ("heilig, heilig sprach der Herr")!! Auch vor den paläs­ti­nen­si­schen Opfern! Sofort!

Jörg

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3 Kommentare

  1. 1

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    Christian Klotz 28.12.2009 um 11:06 Uhr

    Sehr gut die Her­aus­ar­bei­tung der Staats­ideo­logie des Arti­kels.
    Bei der Kon­trast­folie "Preussen" ist mir nicht ganz so wohl. Es wäre auch ohne die umge­kehrte Denke gegangen.

  2. 2

    Kommentar ohne Gravatar

    Rachel 28.12.2009 um 18:02 Uhr

    Danke — jetzt muß ich nix zu dem Thema schreiben :-)! Ich bin Halb-​Sorbe, wohne in Pankow und hab mich durch Avnerys Artikel reich­lich ver­arscht gefühlt. Selbst meine Groß­el­tern, die fies unter der anti-​slawischen Politik der Nazis zu leiden hatten, hatten nie irgend­welche Pro­bleme mit "Preussen".

    Ich spare mir mal eine aus­führ­liche Ana­lyse… nur soviel: Was das "ger­ma­ni­sieren" angeht — gerade das tut Israel nicht! In Israel wird nie­mand "juda­i­siert"; dort sind Ehen zwi­schen Juden und Nicht-​juden illegal… ebenso wie im Dritten Reich nach den Nürn­berger Gesetzen oder in der Zeit der Ras­sen­tren­nung in den USA.

    Unter den Preussen bzw. Sachsen konnte jeder Sorbe ein­fach "deut­sche" Klei­dung tragen, deutsch spre­chen, und deut­sche Gebräuche annehmen, um als Deut­scher zu leben. Einem nicht-​jüdischen Ein­wohner Israels würde eine der­ar­tige Anpas­sung gar nichts bringen — er wäre immer noch ein Bürger Dritter Klasse.

    Auch gab es nie­mals ein preus­si­sches Äqui­va­lent des Law of Return, wel­ches prak­tisch Juden in aller Welt dafür belohnt, nach Israel zu kommen, und den Palesti­nen­sern ihr Land zu rauben. Keiner der nach Aus­tra­lien oder Ame­rika aus­ge­wan­derten Preussen wurden mit dem Ver­spre­chen auf sor­bi­sches Land nach Preussen zurück­ge­lockt, noch haben sich die Preussen als beson­ders "von Gott aus­er­wählt" betrachtet, oder jede noch so berech­tigte Kritik sofort als "anti-​preussische Vor­ur­teile" zurückgewiesen.

    Israel, das Judentum, und Zio­nismus sind ein­zig­artig in der Welt­ge­schichte, und um Israel zu ver­stehen, hilft es nicht, ein­fach Par­al­lelen zu irgend­wel­chen anderen unter­drückten Völ­kern zu ziehen. Die Pro­bleme, mit denen Juden zu kämpfen haben, lassen sich viel­leicht besser ver­stehen und lösen, wenn wir uns mal die reli­gösen Dogmen des Juden­tums und deren Aus­wir­kungen auf den Cha­rakter des ein­zelnen Indi­vi­duums ansehen.

  3. 3

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    Jörg 28.12.2009 um 09:11 Uhr

    @ Rachel
    …sehr inter­es­sant. Daß die Sorben von en Nazis ver­folgt oder zumin­dest schi­ka­niert wurden, wußte ich bisher nicht.

    Hier mal was von Fried­rich, da wir ja gerade Wein­achten hatten:

    "Ein pom­mer­scher Land­pfarrer nährt sich und seine Familie mit mäßigem Salär so recht und schlecht. Seine Bauern, deren See­len­heil ihm anver­traut ist, sind auch nicht gerade von christ­li­cher Frei­ge­big­keit. Aus ihren Fleisch­töpfen wan­dert gar wenig in die Küche des Pfarr­hauses, was den See­len­hirt sehr ver­drieß­lich stimmt.
    Eines Hei­ligen Abends hat der Pre­diger die frohe Bot­schaft ver­kündet und macht noch einen Rund­gang durchs Dorf, wo ihm aus den Häu­sern der wür­zige Duft der Weih­nachts­braten ent­ge­gen­strömt. Im Pfarr­haus indessen bleibt auch an diesem Abend Schmal­hans Küchen­meister.
    Ver­är­gert ent­schließt sich der Got­tes­mann noch zu einem Besuch auf dem Kirchhof, wo ihm ein Feld­hase über den Weg läuft, der unter der Schnee­decke sein karges Futter sucht. Da umklam­mert der Pastor mit beiden Händen seine dicke Bibel mit Metall­be­schlägen und schleu­dert sie mit voller Wucht in Rich­tung Hase. Der bleibt mit gebro­chenem Kreuz liegen. Flugs nimmt ihn der Pfarrer, trägt ihn nach Hause und läßt aus der unver­hofften Beute seinen Weih­nachts­braten zube­reiten.
    Bald spricht sich dieses pro­fane Weih­nachts­wunder herum und Neider hin­ter­bringen es dem Guts­be­sitzer, der das Jagd­recht besitzt. Der pocht auf sein Pri­vileg und zeigt den Pfarrer wegen Wild­die­berei an. Doch der Pre­diger gibt sich nicht so rasch geschlagen und läßt es bis zur letzten Instanz kommen, zum König von Preußen. Der schreibt unter die Akte das salo­mo­ni­sche Urteil:
    "Alle Hasen, die ein Pfarrer am Hei­ligen Abend mit der Bibel erlegt, gehören ihm, und nur ihm allein."
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