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Warum die demographische Entwicklung für die Rentenfinanzierung eben doch ein Problem wird

Samstag, 02. Januar 2010-14:23 -|- Eingestellt von: |

Ein Gast­bei­trag von Jan Knittel | Oef­finger Frei­denker | — Nicht selten wird von den Geg­nern der pri­vaten Ren­ten­ver­si­che­rung ins Feld geführt, dass die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung für eine umfas­sende Reform des Ren­ten­sys­tems kein Argu­ment sei, da „zu Bis­marcks Zeit […] 12 Arbeiter auf einen Rentner“ kamen, wäh­rend es „unter Ludwig Erhard noch sieben“ waren, die Ver­fechter einer Ren­ten­re­form also die Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung außer Acht ließen.

Im Kern lautet die Bot­schaft also, dass Dank der Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung in Zukunft auch 3 Arbeiter in der Lage sein werden, das not­wen­dige Geld für die Ver­sor­gung der ver­dienten Mit­bürger zu erwirtschaften.

Dem muss in zwei­erlei Hin­sicht wider­spro­chen werden. Zunächst einmal, das weiß jeder der sich seine Gehalts­ab­rech­nungen genauer anschaut, zahlen die Beschäf­tigten regel­mäßig Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­träge, welche dem Grund­ge­danken des Umla­ge­sys­tems ent­spre­chend den aktu­ellen Rent­nern zukommen.

Ein Blick auf die Ein­nahmen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­deut­licht aller­dings, dass diese Bei­träge ledig­lich etwas über 70% des gesamten Finan­zie­rungs­vo­lu­mens stellen, das zur Aus­be­zah­lung aller Rentner anfällt. Der große Rest wird aus Steu­er­mit­teln finanziert.

Die Mit-​Finanzierung der Rente aus Steu­er­mit­teln, deren Anteil am Gesamt­vo­lumen der Ren­ten­ver­si­che­rung seit den 90ern stetig erhöht werden muss, ist eine logi­sche Kon­se­quenz, wenn das Gleich­ge­wicht zwi­schen Bei­trags­zah­lern und Leis­tungs­emp­fän­gern nicht mehr gegeben ist.

Inso­fern muss hier zumin­dest ein Finan­zie­rungs­pro­blem dia­gnos­ti­ziert werden. Offenbar möchte man die Ren­ten­bei­träge nicht erhöhen, was in einem Umla­ge­system doch zunächst die logi­sche Kon­se­quenz aus feh­lenden Ein­zah­lungen sein müsste. Folg­lich ist es also doch so, dass man den Bei­trags­zah­lern eine wei­tere Belas­tung durch die Erhö­hung des Bei­trags­satzes nicht zumuten will/​kann.

Ein sol­ches Umla­ge­ver­fahren, das nur über eine erheb­liche Bezu­schus­sung dau­er­haft funk­tio­niert, wider­spricht sich schon im Kern enorm und ist in dieser Form sicher auch nicht mehr als reines Umla­ge­ver­fahren zu bezeichnen.

Als zweiten Punkt möchte ich zur „stei­genden Pro­duk­ti­vität“ als Heil­mittel zur Ren­ten­fi­nan­zie­rung ein paar Worte sagen. Denn hier liegt nach meinem Erachten keine Kau­sa­lität vor, wes­halb es nicht als selbst­ver­ständ­lich gesehen werden kann, dass auch 3 Bei­trags­zahler einen Rentner aus­rei­chend ver­sorgen werden.

Unter der Pro­duk­ti­vität wird das Ver­hältnis von Output zu Input ver­standen. Wenn also eine Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung vor­liegt, bedeutet das durch weniger Input etwas mehr Output erzeugt werden kann, oder kon­kret: dass weniger Bei­trags­zahler ein paar mehr Rentner unter­halten können.

Schauen wir uns einmal an wie das mög­lich sein soll. Über die Bei­träge wird es nicht mög­lich sein, da hier bei weniger Bei­trags­zah­lern ent­weder der Bei­trags­satz oder die Brut­to­ge­hälter deut­lich steigen müssten, was aus ver­schie­denen Gründen getrost als nicht umsetzbar abgetan werden darf.

Somit bleibt die Erkenntnis: der Anteil der Bun­des­zu­schüsse an der Ren­ten­ver­si­che­rung muss über­pro­por­tional steigen (in diesem Fall kann man dann aber nicht mehr von einem Umla­ge­fi­nan­ziertem System sprechen).

Wenn Stefan nun von Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung spricht, meint er damit den Fakt, dass auch weniger Erwerbs­tä­tige in der Lage sein werden ein kon­stantes Wirt­schafts­wachstum zu errei­chen und dem­ent­spre­chend auch ein stei­gendes Steu­er­auf­kommen ent­steht. Das ist sicher richtig. Den­noch warne ich inständig davor, die Finan­zie­rung unseres Staates auf das stän­dige Wachstum unserer Volks­wirt­schaft auszulegen.

RentenversicherungDenn Wachstum im volks­wirt­schaft­li­chen Sinne bedeutet eine Mehr­pro­duk­tion an geld­werten Leis­tungen. Wenn diese Leis­tungen (wie einige Bran­chen kürz­lich schmerz­lich erfahren mussten) auf­grund von Über­ka­pa­zi­täten am Markt nicht mehr abge­setzt werden können, findet auch kein Wachstum mehr statt.

Und wie soll die Bevöl­ke­rung in Zeiten gleich­blei­bender oder sogar sin­kender Real­löhne Wachstum gene­rieren? Schon jetzt muss Deutsch­land auf die Karte Export setzen um über­haupt noch Wachstum gene­rieren zu können.

Ange­sichts auf­stre­bender Schwel­len­länder die danach trachten sich ihren Wohl­stand durch eigene Arbeits­plätze zu errei­chen und dem abseh­baren Ver­lust des Titels „Export­welt­meister“ an andere Nationen, sollte man sich darauf ein­stellen, dass selbst das ohnehin schon geringe Wachstum frü­herer Jahre mit­tel­fristig nicht mehr erreichbar sein wird.

Bei keinem oder zu geringem Wachstum wird die so hoch­ge­lobte Pro­duk­ti­vität dann sogar zum Pro­blem werden. Bei gleich­blei­bendem Output wird der Input weiter opti­miert, sprich ver­rin­gert. Kon­kret bedeutet das einen wei­teren Abbau von Arbeits­plätzen durch vor allem Ver­la­ge­rung von Geschäfts­ak­ti­vi­täten ins Aus­land. In diesem Fall würde einer­seits die Zahl der Bei­trags­zahler ver­rin­gert, ande­rer­seits wäre ein Rück­gang des Steu­er­ein­kom­mens zu verzeichnen.

Quelle: Oef­finger Freidenker

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Kategorie » Gesellschaft/Soziales, Politik/Wirtschaft, Renten/Riesterrente « | Tags » , , «

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