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Zwangsarbeiter beim Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals Von Chris | F!XMBR | – Als Zwangsarbeit wird Arbeit bezeichnet, zu der ein Mensch unter Androhung einer Strafe, gegen seinen Willen, gezwungen wirdso die Wikipedia. Ich hatte es bereits öfter geschrieben – schon die sogenannten Ein-Euro-Jobs erfüllen meiner Meinung nach zum großen Teil die Bezeichnung Zwangsarbeit.

Einem Arbeitslosen, der sich weigert, eine ihm angebotene Ein-Euro-Stelle anzunehmen, droht die Kürzung seiner Hartz IV-Bezüge, im wiederholten Falle sogar auf 0,- Euro. Die Folge: Verlust der Wohnung, Hunger, Tod. Diese Fälle hat es in den letzten Jahren in einem der reichsten Industrieländer, Deutschland, ja, das ist unser Land, mehrfach gegeben.

Doch damit nicht genug. Gerade erst hat sich wiederholt gezeigt, dass Ein-Euro-Jobs reguläre Arbeitsplätze vernichten. Nicht, dass dieser Sachverhalt nun die Folge hätte, dass diese Jobs endlich gestrichen werden, die Hartz IV-Gesetzgebung dementsprechend korrigiert wird. Nein, wir sprechen über einen Zeitgeist, der natürlich auch die aktuelle Regierung erfasst hat – die neoliberale, wirtschaftshörige Leere Lehre.

Nun sollen sie also kommen – die Null-Euro-Jobs. Für Langzeitarbeitslose soll die Bürgerarbeit eingeführt werden. Damit sie nicht mehr schwarz arbeiten und sie doch endlich mal einen Job annehmen, soll eine 39-Stunden-Woche für die Menschen das Pack zur Regel werden. In dieser Zeit werden sie zu einer Ausbildung oder einer Arbeit verpflichtet.

Selbstredend, dass dabei keine Gelder an die Betroffenen Faulenzer fließen sollen. Workfare nennt sich das Programm und stammt aus der Feder des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Im Wirtschaftshörigkeitsministerium unter Michael Glos ist man ganz begeistert.

Das Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) muss man nicht unbedingt kennen – man kann aber, wenn man ein wenig recherchiert hat, zu dem Schluß kommen, dass eine geistige und ideologische  Nähe zur INSM und zum Konvent für Deutschland vorhanden ist.

Flexiblere Arbeitszeiten, die Lockerung des Kündigungsschutzes sowie die Anhebung des Renteneintrittsalters – all das sind Ziele und Vorgaben dieses netten Institutes, welches von der Deutsche Post World Net gegründet wurde. Ein gewisser Dr. Klaus Zumwinkel ist im Übrigen laut Eigenaussage immer noch Präsident dieser Veranstaltung in Bonn.

Die Frage, die sich bei solchen Erkenntnissen rund um die Studie, woher sie kommt, nun stellt: Muss man diese zutiefst asoziale, diesem Sozialstaat zuwider laufenden Aussagen ernst nehmen? Ja, man muss – der Pöbel wird die Worte begeistert aufnehmen. Unzufrieden mit dem eigenen Leben, wird auf die Schwachen der Gesellschaft gehetzt – das faule Pack, man sieht es ja jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit – gut, dass endlich etwas gegen diese Schmarotzer unternommen wird.

Und auch in die politische Diskussion wird diese Studie Einzug finden – verspricht sie doch den Heilsbringer Vollbeschäftigung und einen signifikanten Rückgang der Lohnkosten im öffentlichen Sektor. Klar, wenn Menschen unter Androhung des möglichen Todes, mindestens des Verlustes der Wohnung zur Arbeit gezwungen werden, dann werden sich schon Menschen finden, die dieser Form der Sklaverei nachgehen werden.

Und warum ein Rückgang der Lohnkosten im öffentlichen Bereich erwartet wird, ist auch klar. Selbstverständlich wird es auch hier, vielleicht sogar noch viel extremer wie bei den Ein-Euro-Jobs, zu einer Vernichtung von regulären Arbeitsplätzen kommen.

Zynischer können Menschen über andere Menschen, die sich per se schon in einer lebensbedrohlichen Situation befinden, nicht urteilen. Natürlich werden die Forderungen – wie aus Funk und Fernsehen, aus der Werbung bekannt – freundlich verpackt.

Der Schlüssel zum Erfolg Vollbeschäftigung heißt schlicht und einfach Motivation. Ja, ehrlich. Man muss das Pack nur richtig motivieren, dann klappt das auch mit dem Arbeiten. So einfach ist die neoliberale, fast schon wirtschaftsfaschistische, Lehre. Wir befinden uns schon fast mitten im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 – da ist es auch kein Wunder, wenn Walther Otremba, Staatssekretär im Wirtschaftshörigkeitsministerium unter Wolfgang Glos frei von der Seele plaudert, dass mit diesem Workfare-Programm ein Gegengewicht zu den Forderungen nach gesetzlichen Mindestlöhnen geschaffen werden soll.

Zynisch kann man den Schlusssatz aus dem Wirtschaftshörigkeitsministerium schon gar nicht mehr nennen, der besagt, dass man mit Langzeitarbeitslosen auf dem Markt nichts erzielen kann. Wohlgemerkt: Hier geht es um Menschen – den Nachbarn, den Ex-Arbeitskollegen, morgen Du, übermorgen ich.

Alles und jeder hat sich dem Markt zu unterwerfen – und wer sich weigert, wird ausgestoßen, verachtet und verhungert am Ende eines langen Leidensweges. Jeder hat seinen Preis – und es wird natürlich verschwiegen, dass mit solchen Maßnahmen der Preis aller Menschen in diesem Land signifikant nach unten gedrückt wird. Der Markt wird es richten – schöne, neue Welt im Wirtschaftswunderland Deutschland.

Es ist nicht schwer zu erraten, wem der Mob 2009 zujubeln wird. Den unglaubwürdigen Kämpfern für den Mindestlohn, den ehemaligen Sozialdemokraten oder den aufrechten Kämpfern der Partei der Filbingers & Co. Natürlich wird der Partei 2009 die Stimme gegeben, die es schaffen wird, am besten die Menschen gegeneinander aufzuhetzen.

Es ist die Partei, die es am besten schafft, die Gesellschaft zu spalten. Es ist die Partei, die Zwangsarbeit, Zwangskasernierung und staatlich verordneten Hungertod wieder einführen möchte. Es wird die CDU und ihre Schwesterpartei, die CSU, sein. Und zum Schluss werden, natürlich unter ganz großen Bauchschmerzen die ehemaligen Sozialdemokraten zustimmen.

Die SPD kann halt nichts anderes mehr, ist sie doch eine beliebige Kopie dieser Union geworden, die schon so häufig ihr menschenverachtendes Gesicht gezeigt hat. Der Pöbel wird in der Frühstückspause, die BILD lesend, applaudieren – sich später aber wundern, warum die Löhne kaum noch steigen, warum die Gefährdung des eigenen Arbeitsplatzes nie höher war, wie zur Zeit, warum die Wirtschaft mit breiter Unterstützung der Parteien die Menschen in diesem Land erpressen, ausnehmen kann.

Vielleicht kommt dann ja irgendwann die Erkenntnis, dass man selbst durch das Kreuz bei der Wahl, die unzähligen Stammtisch-Gespräche oder die Hartz IV-Witze zu dieser Gesellschaft beigetragen hat. Ich habe so meine Zweifel – sind es doch immer die anderen, die zu leiden haben, und darüber kann man sich schließlich köstlich amüsieren. Sie haben es sich redlich verdient.

Und wer sich jetzt was verdient hat, das überlasse ich der Fantasie des Lesers.

Quelle: F!XMBR

Quelle Bild: Wikipedia

Dieser Artikel ist unter einer CC-Lizenz lizenziert.

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gelesen: 56 · heute: 2 · zuletzt: 15/03/2010

1 Kommentar auf “Workfare – Die Zwangsarbeit des 21. Jahrhunderts – Bald auch bei uns”

  1. Moblog sagt:

    Zwangsarbeit, salonfähig….

    Workfare. Klingt ja fast nach “Work fair”, wie sarkastisch. Workfare nennt sich das Programm und stammt aus der Feder des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Im Wirtschaftshörigkeitsministerium unter Michael Glos ist man ganz begeistert. Das Inst…

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