Von epikur | Zeitgeist Blog | – »Eine alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin wäre nicht nur dumm, sich offiziell wieder einen Partner zuzulegen. Es wäre auch unklug, wenn sie einen regulären Job annähme.« - Rainer Hank und Georg Meck in ihrem Artikel »die Hätschelkinder der Nation« in der FAZ vom 24. Januar 2010
Es gibt kein Halten mehr. Während vor einigen Monaten medial auf Ausländer und Migranten geprügelt wurde, sind jetzt wohl die Alleinerziehenden fällig. In völlig infamer Weise behaupten Meck und Hank, dass sich eine ganze »Wohltäterindustrie von Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgebern oder freien Unternehmen« um Alleinerziehende kümmern würden.
Das Sozialrecht schaffe für Alleinerziehende Anreize, in Arbeitslosigkeit zu bleiben und in keine neue Partnerschaft zurückzukehren. So wird gleich der Unmensch Hans-Werner Sinn mit folgenden Worten zitiert:
»Die staatliche Unterstützung nimmt den Charakter einer Trennungsprämie an«
Zunächst kann ich nicht verstehen, wie Journalisten immer noch Hans-Werner Sinn zitieren können? Sollte sich dieser Mensch nicht längst durch etliche menschenverachtende, einseitige, radikalökonomische Sprüche disqualifiziert haben? Ist das Absicht oder einfach nur Ahnungslosigkeit diesen menschenverachtenden Demagogen eine Plattform zu bieten?
Hank und Meck reihen ein ökonomisches Argument ans andere. Rechnen auf, wieviel Alleinerziehende den Steuerzahler kosten, dass es für Alleinerziehende finanziell sinnvoller sei, ohne Partner und ohne Arbeit zu bleiben usw. Schon mal daran gedacht, dass nicht jede Mutter nur den Kosten-Nutzen Effekt im Kopf hat, wenn sie ein Kind zur Welt bringen möchte?
Schonmal was von Liebe gehört? Völlig lächerlich auch die Argumentation, Alleinerziehende hätten es in Wirklichkeit total gut. Warum sind dann über 80% aller Alleinerziehenden auf staatliche Unterstützung angewiesen?
Ich kanns langsam echt nicht mehr lesen, dieser ständige ökonomische Diskurs. Alles muss und soll mit Ökonomie erklärt werden. Will man Aufmerksamkeit erhaschen und im Zeitgeist anerkannt sein, müssen Aufrechnungen, Kosten-Nutzen Denken, Effizienz-Gebahren, Bilanzen, statistische Zahlen usw. her.
Die Welt ist kein Marktplatz, indem es nur ums kaufen und verkaufen geht, alles Waren und Tauschwerte sind. Sicher, die neoliberale Heilslehre will uns genau das weismachen. Ist aber gnadenlos gescheitert und hat uns die weltweite Wirtschaftskrise beschert.
Sollte das nicht endlich auch bei Journalisten angekommen sein? Es gibt Werte, Normen und ethische Überzeugungen jenseits ökonomischer Welt-Erklärungsversuche. Versucht doch endlich mal einen normativen Blick auf die Welt!
Für mich stellt sich die Frage, ob sich Hank und Meck nun besonders investigativ und rebellisch vorkommen, bloß weil sie auf eh schon benachteiligte Gruppen eindreschen, die keine Lobby haben? Oder steht der Artikel als Omen und klimatische Vorbereitung am Horizont, um eine zukünftige Kürzungspolitik in dieser Richtung rechtfertigen zu können?
Quelle: Zeitgeist Blog
Die Veröffentlichung wurde mir von “Zeitgeist Blog” genehmigt. Dankeschön !













