QR Code Business Card

Der alte Mann und die FDP

Donnerstag, 28. Januar 2010-14:05 -|- Eingestellt von: |

Baron von FinckVon Jens Berger | Der Spie­gel­fechter | — Wenn die FDP “nur” eine nepo­tis­ti­sche Bimbes-​Partei wäre, die ihre poli­ti­schen Stand­punkte gegen Spen­den­quit­tung an geneigte Inter­es­sen­gruppen ver­hö­kert, so könnte man dar­über mit einem Ach­sel­zu­cken hinweggehen.

Dass die Libe­ralen sich in den letzten zwei Jahr­zehnten zu einer Kli­en­tel­partei ent­wi­ckelt haben, die ihre Grund­sätze an den peku­niären Inter­essen ihrer För­derer aus­richtet, ist nicht eben neu. Tolld­reist mutet hin­gegen die Ver­mu­tung an, die FDP habe sich ihre Zustim­mung zur Sub­ven­tio­nie­rung von Hotel­be­trieben im Rahmen des “Wachs­tums­be­schleu­ni­gungs­ge­setzes” von der Hotel­kette Möven­pick bezahlen lassen.

Dem edlen Spender August Baron von Finck jr. gehört zwar die Mövenpick-​Gruppe, seine poli­ti­schen Inter­essen gehen aber weit über den ermä­ßigten Mehr­wert­steu­er­satz für seine Hotels hinaus. Die Finck-​Dynastie ver­fügt über eine lange Tra­di­tion in poli­ti­scher Land­schafts­pflege und spendet vor allem an Par­teien und Orga­ni­sa­tionen, die stramm gegen alles auf­ge­stellt sind, was sich irgendwie “links” ver­orten lässt.

Der erz­kon­ser­va­tive Finck Jr. hat sich in der Ver­gan­gen­heit schon häu­figer mit großen Geld­be­trägen bei rechts­las­tigen Orga­ni­sa­tionen und Par­teien ein­ge­kauft. Das Inter­esse des Barons von Finck an der FDP ist daher weitaus mehr als eine simple Schmier­geld­af­färe und eine Mövenpick-​Partei wäre kei­nes­wegs so schlimm wie eine Finck-​Partei.

Noblesse oblige

Die meisten Fami­li­en­dy­nas­tien beginnen mit einem Pio­nier, der ent­weder Her­aus­ra­gendes geleistet hat oder von For­tuna geküsst wurde. Auf Wil­helm Finck traf beides zu. Der Kauf­manns­sohn mit Real­schul­ab­schluss lernte das Bank­ge­werbe von der Pike auf, wurde mit der Pri­vat­bank “Merck Finck & Co” selbst Banker und bewies mit der Grün­dungs­be­tei­li­gung an den heu­tigen Ver­si­che­rungs­gi­ganten Allianz und Münchner Rück ein glück­li­ches Händ­chen in geschäft­li­chen Dingen.

1911 wurde er vom baye­ri­schen König in den erb­li­chen Adels­stand erhoben – ein Pri­vileg, das er bereits acht Jahre später durch die Wei­marer Repu­blik verlor. 1924 ver­starb Wil­helm Baron von Finck und sein Sohn August erbte ein Finanzim­pe­rium, das stark genug war, um die Wirt­schafts­krise zu überleben.

Rechts vom Gustl steht bloß noch Dschingis Khan

Baron August von Finck Sr. war jedoch mehr als ein “nor­maler” Banker. Finck war zeit­le­bens ein poli­ti­scher Mensch, dessen Standort wohl am besten von Finck-​Intimus Fer­di­nand Graf von Galen beschrieben wurde – “Rechts vom Gustl steht bloß noch Dschingis Khan”. Finck Sr. war zeit­le­bens von einer tiefen Phobie vor Sozia­listen besessen und zählte zu den nam­haf­testen För­de­rern der NSDAP. Seine poli­ti­sche Heimat in der Wei­marer Repu­blik war die erz­kon­ser­va­tive und groß­bür­ger­liche Baye­ri­sche Volkspartei.

Doch Finck gehörte zu jenen Wirt­schafts­ma­gnaten, die sich den “böh­mi­schen Gefreiten” für ihre Inter­essen kaufen wollten. Mit den Gewerk­schaften und den Sozia­listen sollte der braune Ket­ten­hund schon fertig werden.

1931 traf er sich zusammen mit indus­tri­ellen Gesin­nungs­ge­nossen und ver­sprach Hitler die damals gewal­tige Summe von 25 Mil­lionen Reichs­mark, um die NSDAP im Falle eine “Links­put­sches” als Ver­tei­diger der alten Werte in Stel­lung zu bringen. Auch 1933 unter­stützte Finck, zusammen mit anderen Wirt­schafts­ma­gnaten, die NSDAP mit einem Wahl­fonds in Höhe von 3 Mil­lionen Reichsmark.

Wie so viele erz­kon­ser­va­tive Magnaten trat Finck der NSDAP nach deren Macht­über­nahme bei und zählte bis 1945 zu ihren För­de­rern. Hitler zeigte sich durchaus erkennt­lich. Nach dem “Anschluss” durfte Finck die Wiener Rotschild-​Bank “ari­sieren” und auch das Ber­liner Bank­haus “Dreyfus & Co” wurde im Rahmen der “Ari­sie­rung” weit unter Wert von Finck übernommen*.

Die Allianz-​Versicherung machte eben­falls beste Geschäfte mit Hit­lers Mör­dern – das Kon­zen­tra­ti­ons­lager Ausch­witz wurde von der Allianz ver­si­chert. Nach dem Krieg verlor Finck kurz­zeitig seine Macht.

Im Rahmen der Ent­na­zi­fi­zie­rung (Finck: “Schi­kane der Demo­kratie”) musste er seine Anteile an der Allianz und der Münchner Rück zeit­weilig an Treu­händer abgeben. Wie so viele Unter­stützer der Natio­nal­so­zia­listen sollte Finck jedoch schon bald seine Besitz­tümer, inklu­sive der “ari­sierten”, zurückbekommen.

Man stufte ihn ledig­lich als “Mit­läufer” ein, obgleich die Unter­lagen der ame­ri­ka­ni­schen Ermitt­lungs­be­hörden da durchaus kri­ti­scher klingen: “Ein Nazi in jeder Hin­sicht, stolz, ver­snobt, reser­viert, pedan­tisch und ein Büro­krat. Es wird gesagt, dass er von der Ver­an­la­gung her völlig cool, unsen­ti­mental bis hin zur Grau­sam­keit und über­trieben ehr­geizig sei”*

Rei­bungs­loser Neu­start trotz düs­terer Vergangenheit

Das Finck-​Imperium besteht nicht nur aus Banken und Ver­si­che­rungen. Über die Jahr­zehnte hinweg wurde Finck zu einem der größten Land­be­sitzer Bay­erns. 1970 wurde sein Land­be­sitz auf 4.000 Hektar taxiert, die Hälfte davon in der extrem teuren Peri­pherie von Mün­chen. Das Wachstum der Groß­stadt hat dazu beige­tragen, dass Finck in der Nach­kriegs­zeit hinter Frie­de­rich Flick, der sich eben­falls unter den Natio­nal­so­zia­listen berei­cherte, zum zweit­reichsten Mann Deutsch­lands wurde.

Poli­ti­schen Wider­stand löste er schon damals auf seine Art und Weise. Eigent­lich sollten baye­ri­sche Groß­grund­be­sitzer nach dem Krieg einen Teil ihres Besitzes für die Ver­trie­benen aus den ehe­ma­ligen Ost­ge­bieten zur Ver­fü­gung stellen. Gegen einen der­ar­tigen “Sozia­lismus” aber wusste Finck die CSU in Stel­lung zu bringen.

Die “Bodenreform-​Affäre” endete in einem Unter­su­chungs­aus­schuss, in dem Finck von der Mehr­heits­partei CSU von jeg­li­cher Schuld frei­ge­spro­chen wurde. Die SPD und die Medien sahen dies damals frei­lich anders und wurden von Finck mit einer Pro­zess­la­wine überzogen.

Mit Franz Josef Strauß, der die Familie Finck regel­mäßig besuchte, kamen August Fink Sr. und sein Sohn August Finck Jr. bes­tens aus. Doch ihre mil­lio­nen­schwere poli­ti­sche Land­schafts­pflege konnte nicht ver­hin­dern, dass die SPD im Bund die Macht inne hatte. Um die Erb­schafts­steuer zu umgehen, nutzte Finck 1973 die Gele­gen­heit, sein Ver­mögen an seine Söhne Wil­helm und August Jr. zu überschreiben.

Doch August Jr., der von seinem Vater nicht nur die Rolle des Patri­ar­chen, son­dern auch dessen erz­kon­ser­va­tive bis reak­tio­näre Ein­stel­lung über­nahm, hatte kein glück­li­ches Händ­chen als Banker. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1980 trennte er sich schritt­weise von den Banken– und Ver­si­che­rungs­an­teilen und floh vor dem “kon­fis­zie­renden” (sic!) deut­schen Steu­er­system in die Schweiz. Dort resi­diert er seitdem im impo­santen Schloss Wein­felden im Kanton Thurgau.

Die poli­ti­schen Spiel­zeuge des reak­tio­nären Barons

Finck Jr. ord­nete die Fami­li­en­be­sitz­tümer neu. Heute gehören dem Fami­li­en­clan nicht nur Land und Immo­bi­lien in Bayern, son­dern auch die Schweizer Mövenpick-​Gruppe und diverse Schweizer Misch­kon­zerne. Auf poli­ti­sche Ein­fluss­nahme hat Finck Jr. jedoch auch aus dem Schweizer Exil heraus nie ver­zichtet. Neben Stoi­bers CSU gehörten in den letzten Jahren auch natio­nal­li­be­rale und kon­ser­va­tive Grup­pie­rungen wie der “Bund freier Bürger” und der “Bür­ger­kon­vent” zu seinen Investitionsobjekten.

Der “Bund freier Bürger” war eine rechts­po­pu­lis­ti­sche Abspal­tung natio­nal­li­be­raler Kreise der FDP rund um den baye­ri­schen Ex-​FPDler Man­fred Brunner. In Zusam­men­ar­beit mit Jörg Hai­ders FPÖ wollte man beweisen, dass es in Deutsch­land sehr wohl Platz für eine große Partei rechts von der Union gibt. Trotz Fincks Mil­lio­nen­zah­lungen schei­terte dieses Expe­ri­ment jedoch kläg­lich und im Jahr 2000 stellte der “Bund freier Bürger” seine Arbeit ein.

Drei Jahre später nahm der Bür­ger­kon­vent seine Arbeit auf. Schon damals rät­selte man, woher diese “APO von rechts” rund um den kon­ser­va­tiven Publi­zisten Mein­hard Miegel, die sich in patrio­ti­schen Fern­seh­spots als Inter­es­sen­gruppe frei­heits­lie­bender Bürger dar­stellte, eigent­lich so viel Geld hat.

Wie der SPIEGEL später her­aus­fand, war es nie­mand anderes als August Baron von Finck Jr., der nicht nur den Bür­ger­kon­vent mit meh­reren Mil­lionen för­derte, son­dern auch Mie­gels “Institut für Wirt­schaft und Gesell­schaft” maß­geb­lich unter­stützte. Der Bür­ger­kon­vent exis­tiert zwar noch, aber ohne Fol­ge­fi­nan­zie­rung scheint der rechts­las­tigen Vari­ante der “Initia­tive Neue Soziale Markt­wirt­schaft” die Luft aus­ge­gangen zu sein.

Wenn August Baron von Finck Jr. sich nun also die FDP als poli­ti­sches Spiel­zeug aus­ge­sucht hat, so geht dies weit über die Begüns­ti­gung von Hote­liers hinaus. Der erz­kon­ser­va­tive Baron hat mit der FDP wei­ter­rei­chende Ziele. Fincks Spen­dier­freu­dig­keit ist viel­mehr Beleg für den fort­lau­fenden Sei­ten­wechsel der Libe­ralen. Galten sie in den 70ern noch als links– bzw. sozi­al­li­beral, so könnten sie nun über die neo­li­be­rale Schiene ins natio­nal­li­be­rale Lager abgleiten.

Es mag jedem “echten” Libe­ralen ein Schauder über den Rücken laufen, wenn er sieht, von wem seine Partei finan­ziert wird. Die FDP ist spä­tes­tens seit dem Beschluss, nach dem sie im Rahmen der Möllemann-​Affäre 4,3 Mil­lionen Euro Strafe wegen ille­galer Spenden zahlen muss, in Finanz­nöten. Da kommt der “reak­tio­näre Baron” mit seinen Mil­lionen natür­lich wie gerufen.

Anders als Fincks abge­legte Polit­spiel­zeuge ist die FDP bereits eta­bliert und sogar in der Regie­rung. Und selbst wenn es nichts mit der direkten Ein­fluss­nahme wird – bereits sein Vater und Hitler haben bewiesen, dass sich poli­ti­sche Inves­ti­tionen lang­fristig immer bezahlt machen.

Kaufen sie unseren Joghurt – ein Cent geht direkt an die FDP

Gegen derlei Ver­fil­zung zwi­schen rechts­las­tigen Inter­essen und der Politik kann man pro forma wohl wenig machen. Was man als “nor­maler” Bürger jedoch tun kann, ist, einen weiten Bogen um Pro­dukte und Dienst­leis­tungen aus dem Hause Möven­pick zu machen.

Man muss den “reak­tio­nären Baron” ja nicht noch finan­ziell unter­stützen. Der Kaffee und die Lebens­mittel mit dem Mövenpick-​Logo werden zwar “nur” in Lizenz gefer­tigt, aber der Wert einer Marke richtet sich natür­lich auch nach ihrem Image.

Es gibt auch andere gute Kaf­fees und Joghurts des geho­benen Seg­ments, die lecker sind. Ein Boy­kott von Mövenpick-​Eis macht übri­gens keinen Sinn, die Mar­ken­rechte für Eis­pro­dukte unter dem Mövenpick-​Label ver­kaufte Finck 2003 an Nestlé.

* Ingo Köhler – Die “Ari­sie­rung” der Pri­vat­banken im Dritten Reich: Ver­drän­gung, Aus­schal­tung und die Frage der Wiedergutmachung

Quelle: Der Spie­gel­fechter

Quelle Bild: Dito

Dieser Artikel ist unter einer CC Lizenz lizenziert.

Beitragsdetails

Kommentar-Autor

Kategorie » Parteien u. Politiker « | Tags » , «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 | Beitrag drucken |
gelesen: 212 · heute: 2 · zuletzt: 16. Mai 2012

Kommentare und Pings sind geschlossen.