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Sozialschmarotzer: Die Alleinerziehenden sind schuld

Montag, 01. Februar 2010-17:24 -|- Eingestellt von: |

Von El Patio | 0815

Schuld an unser aller ökono­mi­scher Unter­gang haben einzig und allein die Allein­er­zie­henden. Sie sind es, die uns alle finan­ziell umbringen.

Sie sind die “Hät­schel­kinder der Nation”, klärten die Autoren im Wirt­schafts­teil der FAZ, mit dem „dahinter ste­ckenden klugen Kopf“, ihre Leser auf und ent­hüllten die große „Matri­ar­chate–Alleinerziehenden-​Verschwörung

Die vom hart erar­bei­teten Steu­er­gro­schen des Stun­den­lohns der Schle­cker Ver­käu­ferin, früher mal bis zu 12,80 €, heute in den neuen XL-​Märkten 6,80 €, lebende »Wohl­tä­ter­in­dus­trie von Kir­chen, Gewerk­schaften, Arbeit­ge­bern oder freien Unter­nehmen“, die sich, das soziale Siche­rungs­system erbar­mungslos plün­dernd, um das Schicksal der Allein­er­zie­henden küm­mern, diese Wohl­fahrts­in­dus­trie, die wurde jetzt scho­nungslos ins mediale Ram­pen­licht der schwarz-​gelben Repu­blik gezerrt.

Die Erkenntnis, über die steu­er­liche Ver­ant­wor­tung der Allein­er­zie­henden– Sozi­al­leis­tungs­emp­fänger gegen­über der Supermarkt-​Verkäuferin, die ver­danken wir dem vom Staat bes­tens ali­men­tierten Pro­fessor Wolf­gang Franz, Arbeits­markt­ex­perte und der­zeit Vor­sit­zender des Sach­ver­stän­di­gen­rats zur Begut­ach­tung der gesamt­wirt­schaft­li­chen Entwicklung.

Denn bekannt­lich sind auch die über 500 Mil­li­arden zur Ban­ken­ret­tung nur mit dem Ein­ver­ständnis und in der Ver­ant­wor­tung des Kabi­netts gegen­über den Ver­käu­fe­rinnen an den Dis­count­kassen der Nation — von Lidl über Schle­cker bis Aldi — geflossen. Fragen Sie mal Herrn Ackermann.

Das Übel resul­tiert, wie eigent­lich immer im Wirt­schafts­teil unserer Presse, aus dem Sozi­al­recht, denn erst das Sozi­al­recht schafft für die Allein­er­zie­henden die Anreize, die sie dazu ver­leiten in der Arbeits­lo­sig­keit zu ver­harren und nicht in eine neue Part­ner­schaft zurück­zu­kehren, klärt die FAZ ihre Leser auf.

Nur des­wegen wächst diese Gruppe auch hier­zu­lande vier Mal so schnell wie im Schnitt der OECD-​Länder und in den neuen Bun­des­län­dern, da liegt der Anteil der Allein­er­zie­henden mit Kin­dern unter 18 Jahren, gemessen an allen Fami­li­en­haus­halten, sogar schon bei 26 Prozent.

Mit einem neuen Partner, da würde, nach dieser Logik, dann bestimmt die sofort ein­set­zende drin­gende Nach­frage auf dem Arbeits­markt nach frisch ver­hei­ra­teten Frauen mit kleinen Kin­dern ein­setzen und ein großes Angebot von üppig mit Boni und Prä­mien gespickten Jobs auf die Bewer­be­rinnen im Osten warten. Aber das reni­tente Weib müsste sich end­lich wieder an einen Gatten binden und damit die Sozi­al­kassen ent­lasten, beklagt eine bigotte Gesell­schaft den Ver­fall der Sitten zu Lasten des Steuerzahlers.

Und damit „nimmt die staat­liche Unter­stüt­zung den Cha­rakter einer Tren­nungs­prämie an“, fol­gert daraus mes­ser­scharf „Deutsch­lands klügster Ökonom“, laut BILD, der Chef des Münchner Ifo-​Instituts, Hans-​Werner Sinn. So werden mal eben die Opfer unseres Wirt­schafts­sys­tems zu Täte­rinnen abgestempelt.

Das im Pro­zess der nach­for­dis­ti­schen Waren­pro­duk­tion und Kapi­tal­ver­wer­tung die mensch­liche Arbeits­kraft struk­tu­rell zuneh­mend über­flüssig wurde und weiter wird und sie dem zu folge ent­spre­chend frei gesetzt wird, allein in Berlin fehlen im Ver­gleich zu anderen Metro­polen etwa 500 000 Arbeits­plätze, diese sim­plen ökono­mi­schen Zusam­men­hänge unter­schlägt natür­lich lieber der FAZ-​Artikel.

Kein Wort über den seit der Kohl-​Ära lau­fenden per­ma­nenten, staat­li­chen Sozi­al­abbau, der mit jedem neuen tech­ni­schen Pro­duk­ti­vi­täts­schub und mit der kon­se­quenten Umset­zung des Tay­lo­rismus in den glo­balen Pro­duk­ti­ons­ab­läufen weiter vor­an­ge­trieben wird. Der Markt-​Preis der Arbeits­kraft befindet sich im freien Fall, siehe Schle­cker, und damit wächst auch der Druck auf die vom Sozi­al­system gewährten Repro­duk­ti­ons­kosten für diese im Über­an­gebot vor­han­dene Ware, die Arbeitskraft.

Das Heer der 1,6 Mil­lionen Allein­er­zie­henden besteht dabei immer noch zu 95% aus Frauen und das davon 60% trotz der Nach­wuchs­auf­zucht ihr eigenes Geld ver­dienen, das grenzt eher an ein Wunder. Die BRD ist in Sachen Kin­der­be­treuung ein Ent­wick­lungs­land und in vielen Kom­munen kommt des­halb das finden eines Ganz­tags­kin­der­gar­ten­platzes einem Sechser im Lotto gleich.

Aber die 40% der Allein­er­zie­henden, also die 640 Tau­send Eltern, diese 0,8 % der Bevöl­ke­rung, die gezwungen sind mit Hartz IV zu über­leben, aus­ge­rechnet die sollen jetzt laut der FAZ den Staat ruinieren?

Und auch daran sind natür­lich wieder mal die „wilden 68er“ Schuld, denn mit den staat­li­chen Trans­fer­leis­tungen durch­kommen, das können die dem männ­li­chen Macht­an­spruch ent­flo­henen Frauen nur, weil in den Sech­zi­gern “das Schei­dungs­recht ent­mora­li­siert” wurde, wie Hank und Meck in der FAZ schreiben.

Dass der Sozi­al­staat heute zum ersten Mal die Mög­lich­keit bereit hält eine nicht mehr zumut­bare Part­ner­schaft auf­zu­geben ohne das damit gleich der Teil, der die Kinder erzieht, auto­ma­tisch in die totale Mit­tel­lo­sig­keit ver­sinkt, also eine Frei­heit im Pri­vat­leben bietet, die es vor 100 Jahren so noch nicht gab, das ist zwar ein von Frauen hart erkämpfter Erfolg, aber er besei­tigt damit noch lange nicht das Armuts­ri­siko und damit die Gefahr des sozialen Abstiegs und dieses Risiko ist nir­gendwo größer als in Berlin.

Die Bun­des­haupt­stadt steht bei der Beschäf­ti­gung, bei den Ein­kommen und bei der Sicher­heit des Arbeits­platzes im Län­der­ran­king ent­spre­chender Stu­dien ganz unten. Jeder fünfte Ein­wohner der Stadt ist auf staat­liche Unter­stüt­zung ange­wiesen und nur der Nied­rig­lohn­sektor ver­fügt hier noch über Wachstumspotentiale.

Davon, dass es immer noch Werte, Normen und ethi­sche Über­zeu­gungen jen­seits der ökono­mi­schen, neo­li­be­ralen Welt-​Erklärungsversuche der sozi­al­dar­wi­nis­tisch inspi­rierten Miet­jour­na­listen geben soll, davon haben die FAZ-​Schreiberlinge bestimmt auch noch nichts gehört.

Das mediale abwat­schen und das Aus­grenzen von benach­tei­ligten Gruppen, zu denen sich jetzt die part­ner­losen Mütter, die ohne eine Kinder-​Lobby aus­kommen müssen, hinzu gesellen dürfen, das hat in Deutsch­land eine lange Tra­di­tion und die ent­spricht dann schon eher dem Welt­bild dieser selbst ernannten Leis­tungs­träger.
© El Patio

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Kategorie » Arbeit/Gewerkschaft, Gesellschaft/Soziales, Medien/Journalismus, Politik/Wirtschaft « | Tags » , , , , «

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