Von Rainer Balcerowiak | Junge Welt | – Europäische Kommission will kommerziellen Anbau in Kürze freigeben. | – Die Genkartoffel Amflora steht kurz vor der Zulassung.
Die neue EU-Kommission wolle das Produkt des deutschen BASF-Konzerns zum kommerziellen Anbau in Europa freigeben, bestätigten mehrere EU-Mitarbeiter am Montag der Nachrichtenagentur AFP in Brüssel. Die Behörde will demnach auch die Zulassung der in EU-Ländern wie Deutschland und Österreich verbotenen Genmaissorte MON 810 des US-Konzerns Monsanto verlängern. Der genaue Termin sei aber noch noch offen.
Das Zulassungsverfahren für Amflora läuft seit 1996. Die Kartoffel ist nicht zum Verzehr bestimmt, sondern soll Stärke für die Papier- und Klebstoffindustrie liefern. In Mecklenburg-Vorpommern wird sie zu Versuchszwecken bereits angebaut.
Die Experten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatten die Kartoffel im vergangenen Juni mehrheitlich für unbedenklich erklärt. Umweltschützer befürchten jedoch durch die Kartoffel Gefahren für die Natur und letztlich auch für Menschen.
So hatten frühere Versuche in Zepkow (Landkreis Müritz) ergeben, daß es nicht möglich war, den Durchwuchs der manipulierten Sorte auf andere Parzellen zu verhindern. Generell ist nicht auszuschließen, daß Amflora in die menschliche Nahrungskette gelangt, sei es durch unkontrollierte Ausbreitung, durch Wildschweine oder durch »Kartoffelstoppler«.
Anders als die EFSA war die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA bereits vor Jahren zu der Auffassung gekommen, daß die Sorte allein schon deswegen nicht zulassungsfähig ist, weil sie Resistenzgene gegen mehrere Antibiotika enthält, die zu den wichtigsten Therapeuthika beispielsweise gegen Tuberkulose gehören. Zu einer ähnlichen Einschätzung war auch die Weltgesundheitsorganisation WHO gekommen.
Widerstand gegen die Brüsseler Entscheidung ist von offizieller deutscher Seite nicht zu erwarten. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) läutete im April 2009 mit ihrer Zustimmung für weitere Versuchsanlagen die Kehrtwende ein. Ihr Vorgänger Horst Seehofer (CSU) hatte sich noch gegen die Freigabe ausgesprochen.
Quelle: Junge Welt
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