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Erdrückendes Wachstum

Freitag, 05. März 2010-9:05 -|- Eingestellt von: |

Von Juli­ette Jowit | Über­set­zung: Chris­tine Käp­peler | Der Freitag

Die Wirt­schaft schä­digt rück­sichtslos die Umwelt. Nun liegt eine erschre­ckende Rech­nung vor.

Welt­weit wächst der Druck auf Bran­chen und Unter­nehmen, für Schäden, die sie Klima und Umwelt zufügen, selbst auf­zu­kommen. Eine UN-​Studie, die vor­aus­sicht­lich im Juni ver­öf­fent­licht werden soll, kommt zu dem Ergebnis: In diesem Fall wären rund 1,6 Bil­lionen Euro pro Jahr fällig.

Das Doku­ment könnte der erste Schritt zu einer kon­zer­tierten Aktion sein, die Umwelt­schäden, die die 3.000 größten Unter­nehmen welt­weit ver­ur­sa­chen, genau zu erfassen.

Der zweite Schritt dürfte mit dem anste­henden Bericht zum ökono­mi­schen Wert von Ökosys­temen und Bio­di­ver­sität (TEEB) erfolgen, den die Pro­jekt­gruppe unter Lei­tung des UN-​Sonderberaters Pavan Sukhdev eben­falls Mitte 2010 her­aus­geben will.

Der Ökonom warnte bereits davor, dass die Welt­wirt­schaft durch große Umwelt­schäden bis Mitte des Jahr­hun­derts um sieben Pro­zent schrumpfen wird, sollte dieser Ent­wick­lung nicht Ein­halt geboten werden.

Ein regel­rechter Abgrund

Die UN-​Studie könnte eine Richt­linie für Manager, Inves­toren und Kunden sein, die her­aus­finden wollen, welche Bran­chen wegen ihrer Umwelt­sünden von mög­li­chen gesetz­li­chen Rege­lungen zur Repa­ra­tion am stärksten betroffen sein könnten. Der end­gül­tige Bericht, der im Sommer ver­öf­fent­licht werden soll, wird eine Auf­schlüs­se­lung nach ein­zelnen Wirt­schafts­sek­toren enthalten.

Der Guar­dian bat jedoch die Lon­doner Bera­ter­firma Tru­cost, die im Auf­trag der UNO die Studie vor­be­reitet hat, die bereits ver­öf­fent­lichten Daten zu ana­ly­sieren, um schon jetzt Aus­sagen über den Inhalt des Berichts machen zu können.

Die Trucost-​Recherchen kommen zu dem Schluss, dass sich zwi­schen den Bran­chen, die der Umwelt am meisten schaden, und den Sek­toren, die sie am wenigsten belasten, ein regel­rechter Abgrund auftut. Am „gefähr­lichsten“ sind die Ver­sor­gungs­be­triebe (Energie, Wasser, Abfall), sie ver­ur­sa­chen durch den Aus­stoß von Treib­hausgasen Schäden in einem Gesamt­wert von 400 Mil­li­arden Dollar.

Neben dem Aus­stoß von CO2 und anderen Treib­haus­gasen kommen Atom­müll, saurer Regen, Smog und Schwer­me­talle im Wasser als Ursa­chen hinzu. Der Schaden, den die Bran­chen ver­ur­sa­chen, die die Umwelt am geringsten belasten – Tele­kom­mu­ni­ka­tion, Gesund­heit, Tech­no­logie und Finanz­dienst­leis­tungen – beläuft sich jeweils auf weniger als 25 Mil­li­arden Dollar.

Nach den Ver­sor­gungs­be­trieben fügen der Roh­stoff– und der Konsumgüter-​Sektor der Umwelt den größten Schaden zu. Der Roh­stoff­sektor, zu dem Bergbau, Forst­wirt­schaft und Che­mie­in­dus­trie zählen, ver­ur­sacht der­zeit pro Jahr Schäden von etwas mehr als 300 Mil­li­arden Dollar. Der Kon­sum­gü­ter­sektor, zum dem Autos, Nah­rung, Getränke und Spiel­zeug zählen, folgt mit knapp 300 Mil­li­arden Dollar.

Welche Schäden diese Sek­toren im Ein­zelnen ver­ur­sa­chen, ist jedoch sehr unter­schied­lich. Durch Bergbau ent­stehen vor­wie­gend Treib­haus­gase, im Fall des Koh­le­berg­baus kommen auch Smog ver­ur­sa­chende Ruß­partikel hinzu.

Bei Kon­sum­gü­tern gibt es einen erheb­li­chen Süß­was­ser­ver­brauch, der auf Nah­rungs­mittel– und Geträn­ke­her­steller ­ent­fällt, dazu kommen Umwelt­ver­schmut­zungen durch Che­mi­ka­lien, die in der Land­wirt­schaft ver­wendet werden. Die Elek­tro­branche sowie der Öl– und Gas­sektor sind mit 200 bezie­hungs­weise 175 Mil­li­arden Dollar die nächst größten Schadensverursacher.

In beiden Fällen sind beson­ders Treib­haus­gase, wie­derum der Ver­brauch von Süß­wasser und die Ver­ur­sa­chung von saurem Regen und Smog für die hohen Kosten ver­ant­wort­lich. Für den Schaden, den der Dienst­leis­tungs­sektor ver­ur­sacht, zu dem auch die Medi­en­branche zählt, wurden von den Trucost-​Analysten 75 Mil­li­arden Dollar pro Jahr angesetzt.

„Die Unter­nehmen, die von dieser Revo­lu­tion betroffen sein werden, sind äußerst unter­schied­lich“, glaubt Richard Mat­tison, Geschäfts­führer von Tru­cost. „Es wäre des­halb falsch zu sagen – wie die Finanz­märkte es tun werden – dass diese Firmen sich von selbst ändern und anpassen werden.

Ich halte es nicht für tragbar, jetzt zu sagen: ‚Lasst uns das fürs Erste igno­rieren, die Regie­rungen werden sich schon küm­mern‘. Die Anleger müssen handeln.“

Coca Cola wird verkannt

Aus einer Studie, die Mitte Februar in der Zeit­schrift New Sci­en­tist erschien, geht hervor: Es besteht eine „dra­ma­ti­sche Dis­kre­panz“ zwi­schen der öffent­li­chen Wahr­neh­mung und dem Urteil der Experten. Einige Firmen genießen zu Unrecht einen grünen Ruf, wäh­rend andere, wie etwa Coca Cola, „für ihr beein­dru­ckendes Enga­ge­ment für den Umwelt­schutz keine öffent­liche Aner­ken­nung bekommen“.

Zwar wisse jeder, dass Strom­er­zeuger und Indus­trie­gi­ganten der Umwelt großen Schaden zufügen, doch „im All­ge­meinen ist den Kon­su­menten nicht bewusst, welche Schäden die Her­stel­lung von Nah­rungs­mit­teln und Getränken verursacht“.

Mitte Februar erzählte der erwähnte UN-​Sonderberater Sukhdev die Geschichte eines Fischers, den er jüngst in West­afrika traf. Der habe ihm erklärt, zunächst hätten die Fang­flotten der Schlepp­netz­fi­scher den Nord­at­lantik leer geräumt, um dann in den Süden vor­zu­stoßen, bis die Küs­ten­ge­wässer seines west­afri­ka­ni­schen Hei­mat­ortes erreicht waren. Seither lasse sich dort, wo er einst die Nah­rung für seine Familie gefangen habe, nicht mehr leben.

Quelle: Der Freitag

Die Ver­öf­fent­li­chung wurde mir von “Der Freitag” geneh­migt. Vielen Dank !

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Kategorie » Politik/Wirtschaft, Umwelt/Klima, Verbraucher/Konsum « | Tags » , «

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gelesen: 243 · heute: 2 · zuletzt: 15. Mai 2012

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