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Brauchen wir einen Europäischen Währungsfond?

Montag, 08. März 2010-8:43 -|- Eingestellt von: |

Von Georg Erber | Rea­ders Edi­tion | — In den letzten Wochen macht der Gedanke zur Errich­tung eines Euro­päi­schen Wäh­rungs­fonds (EWF) die Runde. Zum Vor­reiter hat sich der Leiter des CEPS, Daniel Gros, in Brüssel gemacht.

Bei dieser Gele­gen­heit wurde auch gleich aus dem unfreund­li­chen PIIGS ein freund­li­cherer GYPSY-​Club [1] gemacht. Nun fragt man sich, was das Ganze eigent­lich soll? Ist das eine Kampf­an­sage an den IWF?

Hat der IWF versagt?

Sicher­lich ist dem IWF in der der­zei­tigen glo­balen Finanz­krise kein erfolg­rei­ches Kri­sen­ma­nage­ment oder gar eine wir­kungs­volle Prä­ven­tion zu attes­tieren. Obwohl er ja zusammen mit der BIZ die glo­bale Finanz­auf­sicht oblag, hat man trotz War­nungen sogar eigener Mit­ar­beiter sou­verän die Gefahren von Deri­vaten wie Ver­brie­fungen und ins­be­son­dere auch Credit Default Swaps (CDS) miss­achtet.

Mithin muss man beiden Insti­tu­tionen grund­sätz­lich ein totales Ver­sagen beschei­nigen. Man hat Gefahren nicht erkannt oder erkennen wollen, man hat Warner igno­riert und hat am Ende tatenlos dem Kol­laps zuge­sehen. Mehr als das kann man eigent­lich nicht falsch machen.

Mithin besteht – dar­über sind sich eigent­lich alle einig – drin­gender Reform­be­darf. Auf dem G20-​Treffen in London wurden nun, um dem IWF aus­rei­chend Mittel für die Kri­sen­be­kämp­fung in die Hand zu geben, d.h. das Manage­ment von dro­henden Staats­pleiten zu ver­hin­dern, die dafür bereit­ge­stellten Mittel um 500 Mrd. US-​Dollar auf­ge­stockt. Offen­sicht­lich hat dies in der Sache wenig genutzt.

Ins­be­son­dere die EU-​Mitgliedsländer hatten gehofft, durch diese Auf­wer­tung des IWF um das Pro­blem direkter Finanz­hilfen an Mit­glieds­länder der EU her­um­zu­kommen. Gemäß dem Maastricht-​Vertrag darf es kein Bailout von Mit­glieds­län­dern durch andere geben. Nun scheint inner­halb der EU das Ver­trauen in den IWF soweit geschwunden zu sein, dass man ernst­haft über Alter­na­tiven nachdenkt.

Warum ein EWF zusätz­lich zur EZB?

Folgt man dem Wirt­schafts­le­xikon, dann ist ein EWF durch die Grün­dung einer Wäh­rungs­union unter einer ein­heit­li­chen Zen­tral­bank obsolet geworden. Ursprüng­lich “sollte nach den Plänen des Rats der Euro­päi­schen Gemein­schaften (EG) (5. Dezember 1978) zur wei­teren Ent­wick­lung des Euro­päi­schen Wäh­rungs­sys­tems (EWS) bis 1981 (G.E. — ein EWF) errichtet werden.

Im Rahmen des EWF sollte die unein­ge­schränkte Ver­wen­dung der ECUas Reser­veak­tivum und als Instru­ment für den Sal­den­aus­gleich umge­setzt werden und ein ein­heit­li­cher Kre­dit­rahmen geschaffen werden. Der EWF sollte den Euro­päi­schen Fonds für wäh­rungs­po­li­ti­sche Zusam­men­ar­beit (EFWZ)ablösen. Die Errich­tung des EWF ist jedoch nicht mit Nach­druck betrieben worden, da ihm end­gül­tige Zen­tral­bank­funk­tionen zuge­wiesen werden sollten.

Dies traf bei den Mit­glied­staaten auf Wider­spruch, die einen Sou­ve­rä­ni­täts­transfer ihrer Geld­po­litik sowie eine Ände­rung der beste­henden Gemein­schafts­ver­träge ablehnten. Durch die Rati­fi­zie­rung des Ver­trages über die Euro­päi­sche Union wurde der Gedanke, einen Euro­päi­schen Wäh­rungs­fonds als Koor­di­nator eines euro­päi­schen Wech­sel­kurs­sys­tems ein­zu­richten, end­gültig obsolet.” Umso erstaun­li­cher ist es, dass jetzt der EWF als Wie­der­gänger auf der poli­ti­schen Bühne erscheint.

Nichts ist so, wie es scheint

Der Trick besteht darin, dass der EWF, den Daniel Gros pro­pa­giert, gar nicht ein EWF im Sinne des Wirt­schafts­le­xi­kons ist. Sein EWF sollte daher, wie er selbst ein­räumt, besser Euro­päi­scher Sta­bi­li­sie­rungs­fond heißen. Ziel dieses Fonds wäre es, eine geord­nete Insol­venz von EU-​Mitgliedsstaaten zu organisieren.

Nicht nur Unter­nehmen können dann wie in den USA unter Chapter 11 oder in Deutsch­land nach der Insol­venz­ord­nung sich insol­vent erklären, son­dern auch ganze Mitgliedsstaaten.

Nun werden ja Staaten, die Bank­rott sind, nicht mir-​nichts-​dir-​nichts so ein­fach von der Welt­bühne ver­schwinden, aber man kann sie ja – was prak­tisch der­zeit bereits mit Grie­chen­land geschieht, unter eine Art Zwangs­ver­wal­tung stellen. Mithin würde der EWF analog zum IWF damit beauf­tragt, ein Sta­bi­li­sie­rungs­pro­gramm für einen bank­rottes Mit­glieds­land zu ent­werfen und zu implementieren.

Ohne diese Maß­nahmen würde es keine wei­teren Finanz­mittel in Form von Kre­dit­ver­län­ge­rungen mehr geben. Diese Auf­gabe hat dem IWF, der dies welt­weit zu exe­ku­tieren hatte, wenige Sym­pa­thien ein­ge­bracht. Nicht zuletzt wegen der dabei ange­wen­deten Methoden, haben sich Glo­ba­li­sie­rungs­gegner gegen den IWF gewandt.

Damit käme dem EWF für die EU eine gänz­lich andere Rolle zu als der EZB. Es wun­dert daher nicht, dass der EZB-​Präsident Jean Claude Tri­chet eine solche Lösung befür­wortet, da es diese Auf­gabe nicht der EZB über­lässt.

Tri­chet befürchtet – nicht ganz zu Unrecht – dass die EZB zu einer Bad Bank für Staats­pleiten inner­halb der Euro­zone gemacht würde, wenn man sie mit dem Pro­blem allein ließe, einen dro­henden Staats­bank­rott wie im Falle Grie­chen­lands abzuwenden.

Aller­dings kommt diese Über­le­gung – wie immer zuletzt – zu spät. Für die akute Krise gibt es diese Insti­tu­tion nicht und sie kann auch nicht ein­fach per Beschluss der Mit­glieds­länder aus dem Nichts geschaffen werden.

Mithin wäre ein EWF nur dann sinn­voll, wenn er bereits exis­tiert und funk­ti­ons­fähig ist. Davon kann der­zeit keine Rede sein. Im Übrigen fragt man sich natür­lich auch, warum nicht die Energie für eine Neu­grün­dung eines EWF dazu ver­wendet wird, den IWF so zu refor­mieren, dass er besser als bisher seine Auf­gaben wahr­nehmen kann. Miss­traut man der Domi­nanz der USA im IWF so sehr?

Merkel scheint mit dieser Idee zu liebäugeln

Offen­sicht­lich fällt die Idee des EWF bei der Kanz­lerin auf frucht­baren Boden. Anstelle der direkten Finanz­hilfe ein­zelner Länder, ins­be­son­dere Deutsch­lands, würde das Pro­blem an eine andere Insti­tu­tion abgegeben.

Jüngst for­derte so auch die SWP–Euro­pa­ex­pertin Daniela Schwarzer in einem Inter­view: “Für das Kri­sen­ma­nage­ment braucht die Euro­zone einen eigenen Fonds, einen Euro-​Währungsfonds (EWF), der intern die Stüt­zungs­in­stru­mente und die poli­ti­sche Unab­hän­gig­keit hat, um wirksam einzugreifen.”

Liest man den Bei­trag in EuroActiv bis zum Ende, dann wird klar was damit bezweckt werden soll. „Ein Euro­päi­scher Wäh­rungs­fonds würde im Fall einer Staats­pleite sämt­liche grie­chi­sche Staats­schulden mit einem Abschlag von etwa 60 bis 70 Pro­zent des Wertes auf­kaufen. “Damit wären die Banken und Ver­si­che­rungen, die diese Papiere hielten, gerettet”, sagte Gros. “Und danach säße der euro­päi­sche Fonds den Grie­chen gegen­über und hätte alle Karten in der Hand.”

Der Fonds würde dem Vor­schlag zufolge von den Euro-​Staaten finan­ziert: Die Länder sollten in dem Maße Ein­lagen in den Fonds ein­zahlen, in dem ihre Schulden und ihr Staats­de­fizit über den Kri­te­rien des Maastricht-​Vertrages lägen. Dies würde einige Zeit dauern. “Aber die grie­chi­sche Krise ist nicht in zwei Wochen vorbei, das Pro­blem wird sich im nächsten Jahr ver­schärfen.” Allein die Exis­tenz der Plan­in­sol­venz würde nach Ansicht des Volks­wirts Staaten wie Grie­chen­land dis­zi­pli­nieren.“ (ebenda)

Der EWF wird zur Bad Bank für EU-​Mitgliedsstaaten, die vor der Staats­pleite stehen. Ins­be­son­dere wären damit – so sagt der Autor des Arti­kels in aller Deut­lich­keit – die Banken und Ver­si­che­rungen gerettet. Kein Wunder, dass sich Acker­mann & Co diese Lösung sehr gut Vor­stellen können. Besser geht’s nicht. Im Prinzip wäre der EWF ein Soffin auf euro­päi­schem Niveau.

Das ist des Pudels Kern, um es mit Goethe zu sagen. Für Risiken und Neben­wir­kungen fragen Sie bitte Herrn Gros und seine Mit­streiter. Die BIS macht sich auch so ihre Gedanken über die Regio­na­li­sie­rung nach dem Zeit­alter der Glo­ba­li­sie­rung. Die breite Öffent­lich­keit ver­steht beim EWI jeden­falls vor­läufig noch Bahnhof.

[1] Greece, Ire­land, Por­tugal, Spain and ItalY = GIPSY.

Quelle: Rea­ders Edition

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