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IG Metall: Falsche Autoritäten

Von Klaus Wallmann sen. | RandZone-Online | – Die Herren des Getriebeherstellers Getrag wälzen – wie alle anderen Kapitalisten auch – die Auswirkungen der von ihnen mitverschuldeten Krise auf die Rücken ihrer geliebten Belegschaft, indem sie ein “Sparpaket” auflegen.

Soll heißen, man “spart” bei den Beschäftigten. Geplant ist die Vernichtung von 700 der 2.700 Arbeitsplätze in den fünf deutschen Fabriken, wovon die in Ludwigsburg gleich ganz dicht gemacht werden soll.

Die IG Metall (IGM) kündigt Widerstand an. Verständlich, denn selbst der dümmste Gewerkschafts”führer” kann die Empörung der Kollegen nicht übersehen und ignorieren.

Doch allein die Wahl von Worten wie “Zumutung” und “Frechheit” im Angesicht einer existenziellen Bedrohung hunderter Kollegen, oder auch das gestelzte Monieren über ein fehlendes “industrielles Zukunftskonzept”, machen bereits deutlich, wie ernst es diese Herren mit dem “Widerstand” meinen.

Wobei die Getrag-Bosse ganz sicher ein Zukunftskonzept haben. Pech für die von ihnen Ausgebeuteten nur, daß ihre Zukunft dabei keine Rolle spielt. Und wenn die verantwortlichen Gewerkschafter nun zahnlos “Frechheit” schreien, so lenken sie damit davon ab, das es auch ihr bisheriges Verhalten war, das die Fabrikherren zu derartigen “Frechheiten” geradezu ermuntert. Auch zu der “größten Frechheit”, die Massenentlassungen und die Fabrikschließung durch Lohnraub zu finanzieren.

Wiedereinmal stehen die Gewerkschaftsführer vor einem Scherbenhaufen ihrer Klassenzusammenarbeitspolitik. Man predigte den Kollegen Verzicht, auf das das Unternehmen “nach vorn” gebracht werde, und vereinbarte 2009 auch bei Getrag als “Gegenleistung” den Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2011, in Ludwigsburg bis Ende 2012. Allen Erfahrungen zum Trotz.

Die sogenannten “Beschäftigungssicherungsvereinbarungen” haben mit einer Beschäftigungssicherung der Arbeiter nichts zu tun, dafür aber sehr viel mit der gleichzeitig vereinbarten Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch “Arbeitszeitflexibilisierung” und “Kurzarbeit”, und der Steigerung der Ausbeutung durch erhöhte Arbeitshetze und der Einführung neuer Entgeltsysteme (ERA).

Alles für die Profitmaximierung der “Unternehmer”. Für die Arbeiter gibt’s ein vages Versprechen, das man bei erstbester Gelegenheit zu brechen gedenkt. Und jedesmal wenn diese Gelegenheit gekommen ist, wedeln die Gewerkschafts”führer” empört mit den Armen und mahnen die Einhaltung der geschlossenen Verträge an.

So wie auch jetzt wieder bei Getrag. Lobte die IG Metall eben noch – den in meinen Augen entlarvenden – “sozialpartnerschaftlichen” Umgang miteinander, drohen die Gewerkschafts”führer” nun mit offenem Streik, falls der Konzern an seinen “Zumutungen” und “Frechheiten” festhalte.

Beides – die Durchsetzung von Verträgen wie auch ein Streik – setzen Macht voraus. Eine Macht, die die große Gewerkschaft IG Metall mit 2,3 Millionen Mitgliedern durchaus in die Wagschale werfen könnte. Eine unübersehbare Macht, die durch die Solidarität der anderen Gewerkschaften ins nahezu Unermeßliche gesteigert werden kann, so daß sich jeder Kapitalist genau überlegen dürfte, was er den Arbeitern noch ungestraft so an “Frechheiten” zumuten darf.

Die Macht zur Durchsetzung der Forderungen ist also potentiell vorhanden. Daß sie ihre Wirkung nicht entfalten darf, dafür sorgen die rechtsreformistischen Gewerkschaftsführer mit ihrer Klassenzusammenarbeitspolitik und ihrer Demagogie der “Sozialpartnerschaft”. Ganz im Sinne der herrschenden Klasse, und wider die Interessen derjenigen, die sie zu vertreten vorgeben. Nicht umsonst richtet die Kanzlerin des Kapitals dem IGM-Chef Huber am 17. März ein Geburtstagsessen im Kanzleramt aus. Dafür muß man schon etwas getan haben.

Gewerkschaft und Betriebsrat wollen nun die weitere Strategie festlegen. Ein Streik liegt dabei im Bereich des Möglichen, schon weil man dem “Unmut” der Kollegen Rechnung tragen muß, und um “wilde” Streiks zu vermeiden. Wie immer werden sich die Gewerkschafts”führer” bemühen, die Führung des Protests in ihren Händen zu halten, ihn in “ruhige Bahnen” zu lenken und ihn baldmöglichst auf “annehmbare” Weise zu beenden. Erst Verhandlungen, dann ein “vernüftiger Kompromiß”.

Und solange der Sturz dieser falschen Autoritäten nicht das erste Ergebnis eines zukünftigen Streiks ist, solange werden diese Herren “Führer” weiter in den Vorzimmern der Macht antichambrieren und mit den dort sitzenden “Sozialpartnern” nichtsnutzige “Kompromisse” aushandeln. Nur eines werden sie nie tun: Kämpfen! Das hat die Geschichte der Bundesrepublik inzwischen ausreichend bewiesen.

Ohne Kampf aber wird sich nichts ändern. Das müssen die kämpferischen Gewerkschafter – die es ja durchaus in nicht geringer Anzahl gibt – der großen Masse der Abwartenden in den Gewerkschaften, in den Betrieben klar machen. Den “Führern” muß man deutlich machen: Das nächste Mal wird gekämpft, nicht verhandelt.

Dazu braucht es keiner Verhandlungsleitung, sondern einer Streikleitung, die einheitlich die Aktion führt und an der Spitze des Kampfes steht. Und wenn das nicht mit euch geht, dann eben ohne euch.

Quelle: RandZone-Online

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