Zur Verfassungsfeindlichkeit der FDP
Mittwoch, 24. März 2010-13:18 -|- Eingestellt von: Julie |
Von: Bleib passiv.de | — Die Vorstellung des neuen Grundsatzprogramms der Linkspartei bietet politischen Konkurrenten und Journalisten wieder einmal die Möglichkeit eine neue Debatte über die Verfassungsfeindlichkeit dieser Partei vom Zaun zu brechen.
Grund dafür sind die darin enthaltenden Forderungen nach „Vergesell-schaftung“ des Bankensektors sowie der Strom-, Telekommunikations– und Schienenverkehrsnetze. Bei genauerer Betrachtung dürfte es jedoch schwer fallen in diesen Zielen den Untergang des Abendlandes zu erkennen oder eben auch die Nicht-Konformität mit dem Grundgesetz nachzuweisen (siehe Art. 14 Abs. 2,3 und Art. 15 GG).
Nichtsdestotrotz werden Die Linke und ihre Mandatsträger in den meisten Bundesländern weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet.
Bei der jüngsten Vorstellung des Verfassungsschutzberichts aus Nordrhein-Westfalen widmete sich Innenminister Ingo Wolf (FDP) ausgiebig jener Partei, bei der weiterhin „erhebliche Zweifel“ darin gesehen würden, ob ihre Ziele mit dem Grundgesetz vereinbar seien. Der Minister warnte, „Die Linke nicht zu verharmlosen“ und kündigte die Fortsetzung der Beobachtung auch für das kommende Jahr an.
Weitaus ergiebiger als die Beobachtung der Linken und ihrer Kooperation mit „kommunistischen Gruppierungen“, wäre jedoch ein Augenmerk auf jene Partei zu richten, die tatsächlich an den Grundfesten der Bundesrepublik wackelt, nämlich die FDP.
Indem sie den Staat aus seiner sozialen Verantwortung nehmen will und damit zu einer Konzentration der Macht in elitären Zirkeln aus Wirtschaft und Politik beiträgt, stellt sie eine reale Gefahr für den Verfassungsgrundsatz des demokratischen, sozialen Bundesstaates dar (Art. 20 Abs. 1 GG).
Verfassungsfeindliche Klientelpolitik
Bei der „liberalen Bürgerpartei“ handelt es sich um eine reine Klientelpartei, deren Regierungsbeteiligung sich unter anderem für Pharmaproduzenten, Apotheker, Privatpatienten, Steuerberater, Gastronomie– und Hotelriesen, Finanzdienstleister oder reiche Erben schon jetzt bezahlt macht (nachdem sie bezahlt haben). Die Neue Rheinische Zeitung hat aufgelistet, was diese Gruppen erwarten dürfen:
- Pharmaproduzenten: Bei der Bewertung neuer Arzneimittel sollen die Interessen der Hersteller stärker berücksichtigt werden, dafür wird der Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen abgelöst.
- Apotheker: Der Vertrieb von Arzneimitteln über Supermärkte und Drogerien soll wieder aufgehoben werden.
- Privatversicherte: Der Wechsel zu den privaten Krankenkassen soll für Gutverdiener wieder nach einem Jahr möglich sein (zurzeit besteht eine Wartezeit von drei Jahren).
- Steuerberater: Jeder Bürger soll die Rechnung seines Steuerberaters wieder voll steuerlich absetzen können.
- Hausbesitzer: Die Kündigungsfristen für Mieter und Vermieter sollen vereinheitlicht werden.
Auch die Erben und Finanzdienstleiser müssen ihre Hoffnungen nicht begraben, dass ihnen noch ähnliche Geschenke zuteil werden, wie den Hoteliers, für die, auf besonderes Drängen der FDP, die Senkung der Mehrwertsteuer für Übernachtungen von 19 auf sieben Prozent beschlossen wurde. Damit hat die FDP, die in sie investierten Erwartungen befriedigt.
Totengräber der Demokratie
Eine Partei, die sich zum Handlanger weniger privilegierter Gruppen und Konzerne macht und dazu noch allem Anschein nach von eben jenen dafür bezahlt wird, untergräbt das letzte Vertrauen in die Demokratie. Wenn die Eliten und Global Player die Entscheidungen der Politik bestimmen, ist vom Grundsatz der Volkssouveränität (Art. 20 Abs. 2 GG) nichts mehr übrig.
Wenn unlegitimierte Interessengruppen die Politik in ihrem Sinne lenken, und die Volks-„Vertreter“ sie auch noch dazu bemächtigen, dann agieren sie als Totengräber der Demokratie. Dass hierbei von einem bewussten, schuldhaften Handeln gesprochen werden kann, beweist FDP-Generalsekretär Christian Lindner, wenn er sich dafür ausspricht, „die Verbindung von Politikern und Geschäftsleuten zu akzeptieren“.
Mit der Verhökerung des politischen Handelns und dem Schaden, den die Demokratie dabei nimmt, geht die neoliberale Logik der FDP einher.. Sie führt zu einer bewussten Schrumpfung des Staates und in der Folge dazu, dass dieser bald nichts mehr zu entscheiden hat. Wozu dann noch wählen gehen, fragen sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger – und das nicht zu unrecht.
Funktionieren kann diese Politik nur auf dem Rücken und gegen die breite Mehrheit der Bevölkerung. Dafür steht die FDP unverholen. Guido Westerwelles Hetztiraden gegen Arbeitslose, denen er eine „spätrömische Dekadenz“ unterstellt sollen einem weitergehenden Angriff auf die Sozialstaatlichkeit den Weg ebnen.
Wie anders sollen auch Steuergeschenke in Milliardenhöhe bei gleichzeitiger Rekordverschuldung des Staates zu finanzieren sein. Und damit sich eine Mehrheit für diese Politik findet, müssen nur die Ressentiments gegen „die da unten“ forciert werden. Die fatalen Folgen für den sozialen Zusammenhalt bleiben abzuwarten. Fraglich scheint dabei jedoch nicht zu sein, ob, sondern wann ihr Eintreten befürchtet werden muss.
Rot-Rot in Einigkeit?
Die Kritik an der Politik der FDP wächst. Nicht nur diverse Medien berichten zunehmend kritisch gegen Westerwelles Angriffe auf Sozialstaat und Demokratie, sonder auch Politiker und Parteien, die sich obendrein sogar selbst diesbezüglich schuldig gemacht haben, intensivieren ihre Attacken. Im Zuge der Sozialstaatsdebatte hat der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel der FDP „verfassungsfeindliche Tendenzen“ vorgeworfen.
Er bescheinigte ihr, eine „radikale Partei“ zu sein, „der es völlig egal ist, ob sie gegen die Verfassung verstößt mit ihren Forderungen wie gerade beim Thema Sozialhilfe und Hartz IV.“ Weiterhin bezeichnete er Westerwelle als „populistischen Politiker, dem das Gemeinwohl egal ist.“
Auch von den angeblichen „Verfassungsfeinden“ von links kommt Gegenwind. Der designierte neue Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, pflichtete Gabriel bei und forderte die SPD auf, Koalitionen mit der FDP auszuschließen. Er finde es „merkwürdig“, dass zwar seine eigene Partei, nicht aber die FDP (sowie die CSU) vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
Zur Begründung führt er an, dass die Liberalen versuchen, all jene, die ganz wenig verdienen, gegen diejenigen auszuspielen, die gar nichts mehr verdienen. Und mit Fug und Recht führt er fort: „Angesichts der sozialpolitischen Vorstellungen der Liberalen müssten die Bürger Angst vor der FDP haben“.
Der fraktionslose Abgeordnete der Linken im NRW-Landtag, Rüdiger Sagel, geht derweil über die verbale Kritik hinaus und hat jüngst einen Antrag für die kommende Plenarsitzung auf die Tagesordnung setzen lassen, der alle Parteien auffordert, nach der Landtagswahl nicht mit der FDP zu koalieren, weil es sich bei ihr um eine extremistische Partei handele.
Sie alle haben mit ihrer Kritik nicht Unrecht. Guido Westerwelles FDP ist eine reale Gefahr für Demokratie und Sozialstaat. Leider führt dies nicht dazu, dass sich die erwähnten Parteien auf Grundlage ihrer gemeinsamen Kritik für eine effektive Gegenwehr zusammenfinden.
Sigmar Gabriel beendete seinen Angriff auf die FDP wie folgt: „In Nordrhein-Westfalen haben wir zwei radikale Parteien, die versuchen, die Fundamentalisten ihres Lagers zu sammeln. Das eine ist die FDP, das andere ist die Partei Die Linke. Beide gehören nicht ins Landesparlament.“
Man darf gespannt sein, ob ihm dieses Zitat noch um die Ohren fliegen wird, wenn die SPD nach der Landtagswahl auf eine der beiden Fundi-Parteien angewiesen sein wird.
Quelle: Bleib Passiv
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Kategorie » Demokratie, Parteien u. Politiker, Verfassung « | Tags » Die Linke, FDP, Parteien, SPD, Verfassung «
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