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Es gibt kein Miteinander zwischen Kapital und Arbeit

Dienstag, 20. April 2010-17:02 -|- Eingestellt von: |

Von Jochen Hoff | Duck­home | — Es gibt Begriffs­monster wie die Sozi­al­part­ner­schaft, die schon seit Jahren durch die Gegend vaga­bun­dieren, dadurch natür­lich nicht wahrer geworden sind und sich auch nicht …

… mit Nutz­in­halt gefüllt haben, aber sie werden wie eine Mons­tranz immer wieder als schüt­zens­wertes Gut in die Höhe gereckt. Aller­dings es hat nie eine Sozi­al­part­ner­schaft gegeben.

Nach 1945 hatte das Groß­ka­pital Sorge sich aus ihren Nazi­ver­stri­ckungen zu befreien und die enormen Ari­sie­rungs– und Kriegs­ge­winne in Sicher­heit zu bringen und sowohl vor der Wäh­rungs­re­form als auch den gerecht­fer­tigten For­de­rungen der Opfer in Sicher­heit zu bringen. Gleich­zeitig drohte die Gefahr des real exis­tie­renden Sozia­lismus in jenem anderen Deutsch­land, das sich später DDR nannte.

Ange­sichts dieser Erfah­rungen wurde der Klas­sen­kampf gestoppt und über eine Zeit lang, ein schein­bares WIR gebildet, das Arbeit­nehmer und Kapital gegen die Folgen des Kriegs und für den Wie­der­aufbau zusam­men­binden sollte. Das funk­tio­nierte zunächst auch ganz gut. Von der Trüm­mer­frau bis zu den heim­keh­renden Sol­daten hängten sich alle sofort in die Siele und stemmten den Wie­der­aufbau, schufen das Wirt­schafts­wunder, wäh­rend sich das Kapital erfreut und ein wenig ver­wun­dert die Augen rieb.

Mit dem Wirt­schafts­wunder stiegen aller­dings auch die Lohn­for­de­rungen und das passte dem Kapital gar nicht. Also wurde ein Arbeits­kräf­te­mangel aus­ge­rufen und die Gast­ar­beiter in Massen ange­worben. Gast­ar­beiter die in Ledi­gen­heimen zu acht auf einem Zimmer hausten und ihr Geld nach Hause schickten sollten die deut­schen Löhne drü­cken. Dum­mer­weise hatten aber auch Mario aus Ita­lien, Armando aus Por­tugal und Costas aus Grie­chen­land eigene Pläne. Eis­dielen, Restau­rants oder ein­fach nur ein wenig Fami­li­en­glück, was natür­lich zu erhöhten Lohn­for­de­rungen führte.

Um die Löhne weiter zu drü­cken wurden aus den hin­tersten Ecken der Türkei Leute ange­worben die sie selbst in der Türkei als äußerst rück­ständig galten. Aber dann war es plötz­lich vorbei. Die Auto­ma­ti­sie­rung ersetzte viele Arbeits­plätze durch Maschinen und die erste Welle der Ver­la­ge­rung ins Aus­land begann, indem man ein­fach da pro­du­zieren ließ, wo die Gast­ar­beiter herkamen.

In Deutsch­land finan­zierte die All­ge­mein­heit, die Kosten der Arbeits­lo­sig­keit, die, die Gier des Kapi­tals erzeugt hatte. Aber immer noch gab es Lohn­zu­wachs und unter dem Begriff soziale Markt­wirt­schaft wurde so getan, als ob die Sozi­al­part­ner­schaft noch exis­tierte. Das fiel leicht, weil die Gewerk­schaften im Rahmen der Mit­be­stim­mung sich eben viel­fach nicht als Ver­treter der Arbeit­nehmer sahen, son­dern sich dem Unter­nehmen, also dem Ertrag des Kapi­tals ver­pflichtet fühlten.

Gleich­zeitig ver­schwanden in den Gewerk­schaften die Arbeiter und wurden durch Funk­tio­näre ersetzt, die nie gear­beitet hatten. Gewerk­schaftler zu sein war ein Job wie Ver­si­che­rungs­ver­treter. Dem­ent­spre­chend waren sie auch leicht bereit, Tarif­aus­ein­an­der­set­zungen in freund­schaft­lich, ver­bind­li­chem Rahmen zu führen. Es ging ja nicht um Klas­sen­kampf son­dern um Kom­pro­misse in der Sozi­al­part­ner­schaft, bei denen das Unter­neh­mens­wohl immer mehr berück­sich­tigt wurde, als die Inter­essen der Arbeitnehmer.

Mit der Auf­lö­sung des real exis­tie­renden Sozia­lismus und der Wie­der­ver­ei­ni­gung der beiden Deutsch­lands, die nichts anderes als eine feind­liche Über­nahme der DDR unter Zustim­mung einer des­in­for­mierten Bevöl­ke­rung war, ver­schärfte sich die Situa­tion nochmals.

Wirt­schafts­fa­schis­ti­sche Orga­ni­sa­tioen wie INSM und deren "wis­sen­schaft­liche" Hel­fer­lein ver­än­derten die deut­sche Sprache und schufen mit ihrer "Neuen sozialen Markt­wirt­schaft" ein potem­kin­sches Dorf in dem die Worte zwar sozial klingen, aber einen klaren Wirt­schafts­dar­wi­nismus, also das Recht des Stär­keren und Rei­cheren und damit im End­ef­fekt einen neuen Ras­sismus beinhalteten.

Das Ergebnis ist bekannt. Die Rei­chen werden immer rei­cher, die Armen immer ärmer, der soge­nannten Mit­tel­stand zer­brö­selt und es ist eine feu­da­lis­ti­sche Klas­sen­ge­sell­schaft wie­der­er­standen wie sie schlimmer nicht sein könnte. Selbst das zum Mohn/​Bertelsmannkonzern gehö­rende ehe­ma­lige Nach­rich­ten­ma­gazin der Spiegel bestä­tigt neu­er­dings die Bil­dung dieser Klassen.

Dies ist ins­be­son­dere des­halb wichtig, weil dies zeigt, dass die Familie Mohn unter Füh­rung von Liz Mohn es nicht mehr für nötig hält, mit der Wahr­heit hinter dem Berg zu halten und es ist genau das Mohn/​Bertelsmann Impe­rium ,das am meisten an der Ent­so­li­da­ri­sie­rung Deutsch­lands gear­beitet hat. Wenn Mohn/​Bertelsmann die Exis­tenz der Klas­sen­ge­sell­schaft bestä­tigt, dann ist das sozu­sagen amtlich.

Von einer "Geschlos­senen Gesell­schaft" in der deut­schen Wirt­schaft spricht der Darm­städter Sozio­loge Michael Hart­mann. Über die Hälfte des deut­schen Top-​Managements stammt aus dem win­zigen 0,5-Prozent-Segment der reichsten deut­schen Fami­lien. Die Ban­ken­krise hat gezeigt, dass jeder Imbiss­bu­den­be­sitzer ihren Job wahr­schein­lich genauso gut oder schlecht hätte machen können.

Wir haben es also mit einer feu­da­lis­ti­schen Schicht zu tun, bei der die Geburt die Posi­tion bestimmt. Einmal ganz davon abge­sehen, das solche Gruppen zu inze­stösen Bezie­hungen und Hei­raten neigen um das Geld bei­ein­ander zu halten, fehlt ihnen natür­lich auch jede Kenntnis der Rea­lität. Sie sind wohl geborgen inner­halb ihrer Schicht und es ist ihnen prak­tisch unmög­lich sich selbst Fehler oder auch nur Fehl­ein­schät­zungen zuzu­trauen, oder diese gar zuzu­geben. Damit können sie aber nicht lernen und sind mit­tel­fristig zum Unter­gang verurteilt.

Dum­mer­weise bestimmen aber diese Leute über die Geschicke der wich­tigsten Unter­nehmen, Banken und Ver­si­che­rungen und lassen keine Intel­li­genz in ihrem Umfeld zu, weil ihre eigene Unfä­hig­keit dann allzu offen­sicht­lich würde. Man kann mit ihnen also auch nicht ver­han­deln. Sie ver­stehen nicht, dass Wirt­schaft mehr als der Ertrag des lau­fenden Quar­tals ist.

Betrachtet man das Kapital los­ge­löst von den Per­sonen so neigt es dazu auf mög­lichst ein­fache Art an hohe Ren­diten zu kommen. Dabei nimmt es auch bewusst hohe Risiken in Kauf, da nor­ma­ler­weise immer der Staat, also die Mehr­heit der Bürger für die Ver­luste gerade steht. Das sich Kapital und Arbeit in Betrieben treffen ist mehr oder weniger zufällig. Das Kapital hat an den Betrieben kein Inter­esse, son­dern nur an den Erträgen oder noch besser an schnellen Verkaufserlösen.

Wäh­rend die Arbeit das Unter­nehmen als Arbeits­platz und damit als ein Stück Heimat und Sicher­heit ansieht, hat das Kapital keine Bin­dung zum Unter­nehmen. Es könnte morgen in einem Kon­kur­renz­un­ter­nehmen ste­cken, den Betrieb ins Aus­land ver­la­gern oder ein­fach nur in den vielen Kasinos die Börsen genannt werden, zocken. Es ist völlig frei, völlig ver­ant­wor­tungslos und es ist ohne Ver­nunft. Das Kapital ist eine Hure und zwar eine schlechte Hure, weil es für mög­lichst wenig Leis­tung mög­lichst viel Ertrag will.

Arbeit muss sich immer um den Erhalt der Betriebe küm­mern, weil Arbeit im wesent­li­chen lokal ver­ortet ist. Men­schen brau­chen nun einmal zum Leben ein lokales Umfeld, soziale Kon­takte und Bin­dungen. Arbeit ist nur begrenzt mobil und des­halb erpressbar. Arbeit muss also um den Erhalt der Betriebe und um ein anstän­diges Ein­kommen kämpfen, wäh­rend das Kapital nur abzockt.

Als die Gefahr des real exis­tie­renden Sozia­lismus noch bestand, hat die Politik Regeln geschaffen um die Arbeit zu schützen. Diese Zeit ist aller­dings lange vorbei. Heute gibt es Kli­en­tel­par­teien wie die FDP die gegen Par­tei­spenden mal eben die Mehr­wert­steuer für Hote­liers absenken, damit diese mehr Geld ver­dienen, obwohl sie schon die Zim­mer­mäd­chen um ihren gerechten Lohn betrügen. Heute gibt es eine CDU die sich von ihrem Ahlener Pro­gramm zu einem pro­gramm­losen Abni­cker­verein der Inter­essen des Groß­ka­pi­tals gewan­delt hat.

Die Sozi­al­de­mo­kraten wollten Genossen der Bosse sein, was ihnen auch gelungen ist. Nur haben die Bosse ihnen die Anschlei­merei und das Ein­prü­geln auf Arbeit­nehmer und Arbeits­lose nicht gedankt. Alle lieben den Verrat, aber alle hassen auch den Ver­räter. Den Bossen war klar, wer den einen verrät, der verrät auch den anderen. Die Grünen hatten nie eine Inter­esse an den Arbeit­neh­mern und sind mitt­ler­weile eine belie­bige Partei.

Selbst die LINKE hat nicht ver­standen, dass nun der Schritt vom Arbeits­kampf zum Klas­sen­kampf gegangen werden muss. Arbeits­kampf ist unmög­lich in einer Welt, in der die Flucht des Kapi­tals und die Ver­la­ge­rung von Arbeit ins Aus­land auch noch steu­er­lich geför­dert wird. Dabei ist die Situa­tion heute so klar wie noch nie.

Zur arbei­tenden Klasse gehört alles vom Stra­ßen­feger, über den Kran­ken­haus­arzt bis zum For­schungs­leiter der unter­halb der Manage­ment­ebene arbeitet. Alles sind glei­cher­maßen bedroht. Frau Schavan und die Arbeit­ge­ber­ver­bände werden jeden nach Deutsch­land holen, der für 30.000 Euro einem Hoch­qua­li­fi­zierten den Arbeits­platz weg­nimmt, weil er bil­liger ist. Die ver­än­derten Stu­di­en­gänge sollen ein bil­liges aka­de­mi­sches Lum­pen­pro­le­ta­riat erzeugen und damit haben auch alle Grund sich zu verteidigen.

Der Kapi­ta­lismus hat total ver­sagt, die herr­schende Klasse will ein­fach wei­ter­ma­chen. Dieses "Weiter so" kostet unsere Leben, unsere Kraft und und unsere Zukunft. Dieses Genug ist ein ein end­gül­tiges Genug. Es ist an der Zeit. Es braucht wieder Klas­sen­kampf. Es ist eine win­zig­kleine Min­der­heit die alle quält. Steht end­lich auf.

Quelle: Duck­home

Die Ver­öf­fent­li­chung wurde von “Duck­home” geneh­migt. Danke, Jochen !

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gelesen: 121 · heute: 2 · zuletzt: 15. Mai 2012

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