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Analyse: Die tatsächlichen (!) Arbeitsmarktzahlen April 2010

Donnerstag, 29. April 2010-13:21 -|- Eingestellt von: |

Liebe Leser – was soll ich noch groß sagen, inzwi­schen kennt Ihr Sybilla. Das ist die gute Fee, die sich Monat für Monat so viel Mühe mit der Ana­lyse gibt. Hier ist sie also:

Früh­jah­res­be­le­bung am Arbeits­markt nicht so stark wie erwartet

Arbeits­markt April 2010:

Aus­wir­kung der Neu­aus­rich­tung der arbeits­markt­po­li­ti­schen Instru­mente auf die Mes­sung der Arbeits­lo­sig­keit BA Bericht April 2010 Seite 13 –…. Die Neu­aus­rich­tung der Instru­mente hat indi­rekt Aus­wir­kungen auf die Ver­gleich­bar­keit der Arbeits­lo­sen­zahlen im Zeit­ab­lauf. Nach § 16 Absatz 2 SGB III gelten Teil­nehmer an Maß­nahmen der aktiven Arbeits­markt­po­litik nicht als arbeitslos. Diese Rege­lung kommt bei den neuen Maß­nahmen nach § 46 SGB III zum Tragen und ent­spre­chend werden Teil­nehmer an sol­chen Maß­nahmen ein­heit­lich nicht als arbeitslos geführt. Dies galt auch schon für Teil­nehmer an Eig­nungs­fest­stel­lungs– und Trai­nings­maß­nahmen, nicht aber für Per­sonen, für die ein Dritter mit der Ver­mitt­lung beauf­tragt wurde; sie waren wäh­rend der Beauf­tra­gung weiter arbeitslos registriert…

Offi­zi­elle Zahl der regis­trierten Arbeits­losen im April 2010

3.406.344Personen + 1.584.865 Per­sonen in arbeits­markt­po­li­ti­schen Instru-​menten

ARBEITS­LOSE + Per­sonen in Maß­nahmen April 2010 == 4.991.209 betrof­fene Personen

BA Bericht April 2010 Seite 50 Unter­be­schäf­ti­gung ohne Kurz­ar­beit 4.585.203Personen Unter­be­schäf­ti­gungs­quote 10,8 %

Leis­tungs­emp­fänger 3): (ALG I; ALG II; Sozi­al­geld ohne Sozi­al­hilfe SGB XII) BA Bericht April 2010 Seite 50
3) End­gül­tige Werte stehen erst nach einer War­te­zeit fest. Am aktu­ellen Rand können die Daten auf­grund von Erfah­rungs­werten über­wie­gend hoch gerechnet werden.

Die Zahl der Leis­tungs­emp­fänger (ALG I, ALG II, Sozi­al­geld) ver­harrt wei­terhin bei über 8 Mil­lionen Per­sonen (8.036.892) BA Bericht April Seite 50.

Der BA — Arbeits­markt­sta­tistik sug­ge­riert wei­terhin eine Insel der Glück­se­lig­keit. Die Arbeits­lo­sen­sta­tistik der BA ver­zeichnet die übliche Früh­jah­res­be­le­bung am Arbeits­markt, die nicht so stark aus­fällt „als erwartet“.

Bei sorg­fäl­tiger Betrach­tung des BA Monats­be­richt fällt aller­dings auf, dass viele Zahlen auf Schät­zungen und Hoch­rech­nungen beruhen. Für mich stellt sich des­halb die Frage, wird die Zahl der Arbeits­losen sei­tens der BA gezählt oder — wie zuletzt in Griechenland — geschätzt?

Vor allem stellt sich die Frage, woher kommt trotz „robusten Arbeits­markt“ das exor­bi­tant hohe Finanz­de­fizit der BA und der exor­bi­tant hohe Anstieg der Aus­gaben für soziale Leis­tungen (ALG II) bei den Kommunen?

Sta­tis­ti­sches Bun­desamt — Pres­se­mit­tei­lung Nr.505 vom 22.12.2009 — Deut­li­ches Defizit der Kom­munen im ersten bis dritten Quartal 2009

Laut BA Schätzungen/​Hochrechnungen befanden sich im Monat Februar *1,58 Mio. Per­sonen (*vor­läufig und hoch­ge­rechnet) in einer von Bund oder Bun­des­agentur für Arbeit geför­derten arbeits­markt­po­li­ti­schen Maß­nahme. (BA Bericht März Seite 6)

Dar­unter sind nach BA Hochrechnungen/​Schätzung 294.760 Per­sonen in einer Arbeits­ge­le­gen­heiten nach § 16d SGB II wobei von einer Unter­er­fas­sung aus­zu­gehen ist, 3) Es ist von einer Unter­er­fas­sung aus­zu­gehen, so haben bun­des­weit für 2009 [Januar bis Dezember, Daten­stand April 2010] nur ca. 71 % im BA Bericht März waren es noch 77 % der Träger Daten zum Ein­satz der kom­mu­nalen Ein­glie­de­rungs­leis­tungen (flan­kie­rende Leis­tungen) erfasst.

Wie viele Per­sonen in den feh­lenden 23 % jetzt 29 % geför­dert werden, wäre reine Spe­ku­la­tion. (BA Bericht April Seite 82 Fuß­note 3)

Vor allem im Bereich der Arbeits­ge­le­gen­heiten (Ein Euro Jobs) ist eine erheb­liche Unter­er­fas­sung zu ver­muten. Hin­weis BA Bericht April 2010 Seite 82 Am aktu­ellen Rand werden die Daten auf­grund von Erfah­rungs­werten hoch gerechnet.7)

Ver­gleiche mit Vor­jah­res­er­geb­nissen sind nicht sinn­voll, da rück­wir­kend ab BM Jan 2010 die Daten­basis und das Mess­kon­zept zur Aus­wer­tung von ein­ge­lösten VGS (bewil­ligt 1. Rate) umge­stellt und die sta­tis­ti­schen Ergeb­nisse revi­diert wurden.

Quelle der Daten: http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst…nat/201004.pdf

Wem nützt eine krea­tive Arbeits­lo­sen­sta­tistik die viel­fach auf Schät­zungen und Hoch­rech­nungen der BA beruht?

Die Wirt­schafts­krise schlägt dem­nach nur auf die Zahl der Leis­tungs­emp­fänger und die Finanzen der BA und der Kom­munen durch, nicht aber auf die Zahl der Arbeits­losen, die BA Sta­tistik der Arbeits­losen bleibt in der Krise „robust“ die Arbeits­losen werden wei­terhin in den „Verschiebebahnhöfen“ – arbeits-marktpolitische Instru­mente und Kurz­ar­beit sowie der steu­er­fi­nan­zierten Bür­ger­ar­beit verborgen.

Erstellt von Sybilla am 29.04.10

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