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Ölpest: GAU am Horizont

Donnerstag, 29. April 2010-18:46 -|- Eingestellt von: |

Von Kate Sheppard | Der Freitag | - Die Explo­sion der Bohr­insel im Golf von Mexiko ent­wi­ckelt sich zu einem bei­spiel­losen Umwelt­drama. Einmal mehr wird klar: Wir brau­chen sau­bere Energie.

Als Prä­si­dent Barack Obama im ver­gan­genen Monat seine Pläne zur Aus­wei­tung der Offshore-​Bohrungen vor­stellte, for­derte er dazu auf, dabei auch den Schutz von Men­schen und Küs­ten­re­gion zu gewährleisten.

Wie man nun aber, nach der Explo­sion der Bohr­sta­tion Deep­water Horizon vor der Küste Loui­sianas in der ver­gan­genen Woche sehen kann, sind Öl– und Gas­boh­rungen immer noch weit ent­fernt davon, für die Arbeiter auf den Bohr­in­seln und die Umwelt sicher zu sein.

Die Explo­sion for­derte das Leben von elf Men­schen. Das ram­po­nierte För­der­rohr der gesun­kenen Platt­form stößt seither 1.000 Barrel, also rund 159.000 Liter Rohöl täg­lich in den Golf von Mexiko [Neuere Schät­zungen gehen sogar vom fünf– bis sechs­fa­chen dieser Menge aus, Anm der Freitag].

Die Kata­strophe ereignet sich nur wenige Tage, nachdem Obama mit Plänen an die Öffent­lich­keit getreten war, weite Gebiete der ame­ri­ka­ni­schen Küste für Offshore-​Bohrungen frei­zu­geben – eine Kon­zes­sion an die Ölin­dus­trie, die in der Hoff­nung gemacht wurde, so die weit­rei­chen­deren Kli­ma­schutz– und Energiespar-​Pläne der Regie­rung leichter durch­setzen zu können.

Doch obwohl die Regie­rung behauptet, die Boh­rungen könnten auf eine ver­ant­wort­liche Weise durch­ge­führt werden, sollte uns spä­tes­tens durch diese Explo­sion klar­ge­worden sein, dass unsere anhal­tende Abhän­gig­keit von fos­silen Brenn­stoffen alles andere als sicher und umwelt­freund­lich ist.

Schwerste Kata­strophe seit Jahrzehnten

Der rie­sige Öltep­pich bedeckt bereits eine Fläche von 4,660 Qua­drat­ki­lo­me­tern und bewegt sich mit großer Geschwin­dig­keit auf die Küsten zu. Man geht davon aus, dass er am Sonn­abend das Fest­land errei­chen und vor allem in den Marsch­ge­bieten schlimme Umwelt­schäden anrichten wird, von denen vor unter anderem die Wild­tier­re­ser­vate Delta National Wild­life Refuge und Breton National Wild­life Refuge betroffen sein werden.

Die Situa­tion ist so aus­sichtslos, dass die Küs­ten­wache dar­über nach­denkt, den Tep­pich in Brand zu setzen bevor er die emp­find­li­chen Ökosys­teme der Feucht­ge­biete erreicht. Wenn nichts getan werde, um das Öl zu stoppen, „könnte dies eine der gefähr­lichsten Ölver­schmut­zungen in der Geschichte der USA werden“, sagte ein Ver­treter der Küs­ten­wache am Dienstag.

Wäh­rend die Explo­sion die schwerste Kata­strophe auf einer Bohr­insel seit Jahr­zehnten dar­stellt, sind Ölun­fälle trotz der beharr­li­chen Behaup­tungen von Indus­trie und Unter­stüt­zern, die Boh­rungen könnten auf „sau­bere und umwelt­freund­liche Art und Weise“ durch­ge­führt werden, bei weitem keine Seltenheit:

Wie BP in seinem Sicher­heits­be­richt berichtet , kamen 2005 bei einer Explo­sion in der Raf­fi­nerie des Unter­neh­mens in Texas City 15 Arbeiter ums Leben und 170 wurden ver­letzt. Dar­aufhin ver­ur­teilte die ame­ri­ka­ni­sche Behörde für Arbeits­schutz (Occupa­tional Safety and Health Admin­stra­tion) BP im ver­gan­genen Jahr zu einer Rekord-​Geldstrafe in Höhe von 87 Mil­lionen US-​Dollar wegen Ver­stößen gegen die Sicherheitsbestimmungen.

Auch Öltep­piche kommen häu­figer vor. Das US-​Energieministerium schätzt, dass jedes Jahr mehr als 30.000 Barrel (1,3 Mil­lionen Gal­lons) Rohöl in unsere Gewässer strömen – eine Ziffer, die sich durch einen großen Unfall aber leicht ver­dop­peln kann.

Der gegen­wär­tige Tep­pich schaffte dies bereits inner­halb einer Woche. Es ist nicht gesagt, dass die Unfälle der Ver­gan­gen­heit nicht zu ver­hin­dern gewesen wären und man keine Maß­nahmen hätte ergreifen können, um die mög­li­chen Aus­wir­kungen einzuschränken.

Die unter­ge­gan­gene Bohr­sta­tion Deep­water Horizon gehört zu Tran­so­cean Ltd und wird von BP betrieben. Marcus Baram berichtet in der Huf­fington Post, die Unter­nehmen hätten sich „auf aggres­sive Weise den im ver­gan­genen Jahr von der Bun­des­be­hörde vor­ge­schla­genen neuen Sicher­heits­be­stim­mungen wider-​setzt, mit denen der in einer Studie erfassten hohen Zahl von Unfällen begegnet werden sollte“.

Wäh­rend­dessen hat BP allein im ersten Quartal dieses Jahres Gewinne von 5,65 Mil­li­arden Dollar ver­bucht, was einer Stei­ge­rung von 135 Pro­zent im Ver­gleich zum vor­her­ge­henden Quartal ent­spricht. Wie viel dieser zusätz­li­chen Ein­nahmen mag das Unter­nehmen wohl in Sicher­heits­maß­nahmen gesteckt haben?

Der neue Öltep­pich erregt im Kon­gress nun Besorgnis dar­über, was eine Aus­wei­tung der Bohr­tä­tig­keit für die Küs­ten­re­gionen bedeuten könnte. Drei Senats­mit­glieder, die diese Erwei­te­rung ablehnen – Bill Nelson aus Flo­rida sowie Frank Lau­ten­berg und Robert Menendez aus New Jersey – haben in dieser Woche einen Unter­su­chungs­aus­schuss zur Deep­water Horizon-​Explosion gefordert.

Sie nannten das Ereignis eine „ernüch­ternde Erin­ne­rung an die wahren Risiken der Ölboh­rung“, die „ernst­hafte Bedenken über die Behaup­tungen der Indus­trie auf­kommen lässt, ihre Unter­neh­mungen und Tech­no­lo­gien seien sicher genug, um Bohr­türme in ökolo­gisch emp­find­samen oder für die Tou­rismus– oder Fischerei-​Industrie bedeut­samen Regionen errichten zu können.“

Diese Bedenken tragen, zumin­dest in den Küs­ten­staaten, Ver­treter beider Par­teien. Flo­ridas repu­bli­ka­ni­scher Gou­ver­neur und vor­aus­sicht­liche Kan­didat für den Senat, Charlie Crist, kri­ti­sierte den Vor­fall auch als Beleg dafür, dass man die Aus­wei­tung der Bohr­tä­tig­keit auf dem Kon­ti­nen­tal­so­ckel nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. „Wenn dieser Vor­fall einem nicht zu Denken gibt, dann stimmt etwas nicht“, sagte Crist.

Die Minis­terin für Hei­mat­schutz, Janet Napo­li­tano, und Innen­mi­nister Ken Salazar kün­digten am Dienstag eine umfas­sende Unter­su­chung der Explo­sion an, glei­ches tat der Energie– und Han­dels­aus­schuss des Abgeordnetenhauses.

Aber wie schon die For­de­rungen nach ver­stärkten Sicher­heits­maß­nahmen in Koh­le­gruben nach der töd­li­chen Explo­sion zu Beginn des Monats, ist das zu wenig und kommt zu spät.

Es ist nicht nur von ent­schei­dender Bedeu­tung, bei den Ein­rich­tungen, auf die unser gegen­wär­tiges Ener­gie­system sich stützt, Sicher­heits­vor­keh­rungen durch­zu­setzen, das Land braucht auch eine Politik, die den Übergang zu einer wahr­haft sau­beren und sicheren Ener­gie­ver­sor­gung ein­leitet. Eine groß ange­legte Aus­wei­tung der Offshore-​Bohrungen gehört mit Sicher­heit nicht dazu.

Quelle: Der Freitag

Die Ver­öf­fent­li­chung wurde von “Der Freitag” genehmigt.

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Kategorie » Umwelt/Klima « | Tags » , , , , , , «

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2 Kommentare

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    Mir Susne Hum 29.04.2010 um 07:03 Uhr

    Für die Öllobby ein kal­ku­liertes Risiko, sonst würde nie­mand bohren, oder glaubt jemand, die hören damit auf? Dann würden die Men­schen even­tuell einen Schritt aus ihrer Abhän­gig­keit machen.
    Um Him­mels Willen! Die "rich­tigen" Poli­ti­ker­ma­rio­netten sorgen schon dafür, daß alles "schön" bleibt wie eh und je. Sie bekommen ja auch alle Unter­stüt­zung der Mario­net­ten­me­dien. Die ver­meiden so was auf der Titel­seite. Fällt auf gelle…

  2. 2

    Kommentar ohne Gravatar

    Mir Susne Hum 29.04.2010 um 22:58 Uhr

    Huh, nach schreck­li­chen 13 Tagen hat´s die Bild­zei­tung end­lich geschaft. Dann ver­säumt mal nicht zu schreiben, daß BP die Ein­bußen von der Steuer absetzen kann. Wenn ich meinen alten Auto­reifen im Garten anzünde sollte ich das auch beim Finanzamt gel­tend machen dürfen.. oder :-(