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Irak im achten Jahr des Krieges

Freitag, 07. Mai 2010-13:06 -|- Eingestellt von: |

Von Joa­chim Guil­liard | IMI-​Online | — Besat­zung in der Sack­gasse – doch Ende nicht in Sicht | — Sieht man von spek­ta­ku­lären Ereig­nissen, wie den Bom­ben­an­schlägen im Bag­dader Regie­rungs­viertel ab, ist der Irak aus den Schlag­zeilen ver­schwunden und in der Folge auch kein Thema mehr für die Frie­dens­be­we­gung.

Immer mehr setzt sich der Ein­druck durch, der Irak sei nun auf dem Weg zur Normalität.

Offi­ziell ist das Ende der Besat­zung auch schon ein­ge­leitet. Die meisten US-​Truppen zogen sich ab Juni 2009, wie im Trup­pen­sta­tio­nie­rungs­ab­kommen (SOFA) vom Herbst 2008 ver­ein­bart, aus den Städten in die umlie­genden Mili­tär­basen zurück.

Ende Juli ver­ließ der letzte bri­ti­sche Soldat ira­ki­schen Boden. Mit Aus­nahme von 100 bri­ti­schen Marine-​Soldaten, die als Aus­bilder zurückkehrten[1] und rund 300 Sol­daten der „NATO Trai­ning Mission-​Iraq“ (NTM-I)[2] wird das Land jetzt nur noch von US-​Truppen besetzt. Doch ent­gegen den großen Hoff­nungen, die viele in den Amts­an­tritt Barack Obamas setzten, ist ein voll­stän­diger Abzug der Besat­zungs­truppen noch nicht in Sicht.

Wäh­rend Washington bei der Umset­zung seiner lang­fris­tigen Ziele im Irak ste­cken blieb, gewann der Iran sowohl im Irak wie in der Region stark an Ein­fluss. Unter diesen Umständen käme ein Rückzug einer Nie­der­lage gleich.

Besat­zungs­rea­lität

Infor­ma­tionen über die Situa­tion im besetzten Land fließen immer spär­li­cher. Nur durch spo­ra­di­sche Besuche mutiger, nicht „ein­ge­bet­teter“ west­li­cher Jour­na­listen erhält man noch schlag­licht­artig Ein­blicke in die tat­säch­li­chen Verhältnisse.

Auch Stu­dien von UN-​Organisationen lassen erahnen, wie düster die ira­ki­sche Rea­lität ist. Allen Erfolgs­mel­dungen zum Trotzt sind die Lebens­ver­hält­nisse nach wie vor kata­stro­phal, von Sta­bi­lität oder gar Demo­kratie und Recht­staat kann keine Rede sein.

Ent­gegen dem vor­herr­schenden Bild ist der Krieg im Irak noch lange nicht zu Ende. Die mili­tä­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zungen sind zwar stark zurück­ge­gangen, viele Städte glei­chen nun aber düs­teren Fes­tungen. Bagdad bei­spiels­weise ist „ein Hoch­si­cher­heits­ge­fängnis mit 1000 Beton­mauern, 1000 Schieß­türmen und 1000 schwer­be­waff­neten Check­points“ geworden, wie der Publi­zist Jürgen Toden­höfer bei seinem Besuch im Sommer 2009 fest­stellen musste.

Er erlebte die nach wie vor mas­sive Prä­senz von US-​Militär in der Stadt am eigenen Leib. Auch sein Wagen wurde mehr­fach gestoppt und musste im glei­ßenden Schein­wer­fer­licht aus­harren, wäh­rend die grünen Laser­strahlen eines Pan­zer­ge­schützes durchs Wagen­in­nere zuckten und Hub­schrauber wie Hor­nissen im Tief­flug über ihnen don­nerten. Es war wie ein irrealer Alb­traum, so Toden­höfer – aber Alltag in Bagdad. [3]

Noch immer gibt es in der total mili­ta­ri­sierten Haupt­stadt pro Tag über zehn „mili­tä­ri­sche Zwi­schen­fälle“: Angriffe ira­ki­scher Wider­stands­kämpfer auf US-​Truppen, Ope­ra­tionen von Besat­zungs­sol­daten und Gewalt­taten diverser Milizen und Terrorgruppen.

Wobei viele Iraker aller­dings über­zeugt sind, dass bei ter­ro­ris­ti­schen Anschlägen, die unzäh­lige Unbe­tei­ligte töten oder gezielt ethnisch-​religiösen Hass schüren, sowohl Regie­rungs­par­teien als auch aus­län­di­sche Geheim-​dienste, Todes­schwa­drone und „Sicher­heits­firmen“ wie Black­water (mitt­ler­weile Xe Ser­vices) ihre Hände im Spiel haben.

Washing­tons "Stabilisierungsstrategie"

Zen­traler Punkt in Washing­tons Irak-​Strategie ist, das neue Regime durch eine bes­sere Betei­li­gung von oppo­si­tio­nellen Kräften an der Macht zu sta­bi­li­sieren. Bei jeder Gele­gen­heit for­dern Prä­si­dent Obama und die kom­man­die­renden US-​Generäle die ira­ki­sche Regie­rung auf, end­lich die „Aus­söh­nung“ zwi­schen den Kon­fes­sionen und den poli­ti­schen Kräften in die Wege zu leiten.

Aller­dings besteht das Wesen des neuen, von den Besat­zern maß­geb­lich gestal­teten, Regimes gerade in seiner völkisch-​konfessionellen Aus­rich­tung. Die Regie­rungs­par­teien ver­walten dabei ihre Minis­te­rien als Pfründe und nutzen sie, ihre mit US-​Hilfe geschaf­fenen Macht­po­si­tionen dau­er­haft zu sichern.

Auch unter Obama setzt die Besat­zungs­macht dabei vor allem auf den neuen starken Mann im Irak, Minis­ter­prä­si­dent Nuri al-​Maliki, der in den letzten Jahren seine Macht­po­si­tion stark aus­bauen konnte. Suk­zes­sive besetzte er – am Par­la­ment vorbei – Schlüs­sel­po­si­tion in Regie­rung, Ver­wal­tung, Polizei und Militär mit Getreuen aus seiner Partei oder seinem Familienclan.

Durch Ver­gabe zehn­tau­sender neuer Posten im Staat und die Ver­tei­lung von Gel­dern aus den nicht uner­heb­li­chen Öl-​Einnahmen unter Unter­neh­mern, Stam­mes­füh­rern etc. die sich ihm anschlossen, konnte er seine Basis erheb­lich ver­brei­tern. Mit US-​Hilfe konnte er sich zudem einen eigenen Geheim­dienst und gut aus­ge­rüs­tete mili­tä­ri­sche Spe­zi­al­ein­heiten zulegen.

Diese, von „Green Berets“ aus­ge­bil­deten, 4.500 Mann starken „Iraq Spe­cial Ope­ra­tions Forces“ (ISOF) ope­rieren teils offen, teils ver­deckt – unter Malikis Ober­be­fehl und unter Auf­sicht der US-​Armee, aber ohne sons­tige Kon­trolle ira­ki­scher Institutionen.

Malikis Partei hatte im Unter­schied zu seinen Koali­ti­ons­part­nern keine Miliz. Die neuen Ein­heiten, die auch – wie ihre Aus­bilder – gezielte Exe­ku­tionen vorneh-​men, gelten mitt­ler­weile jedoch als schlag­kräf­tigste Truppe des Landes.[4]

Einen kurzen Ein­blick in die „Arbeit“ der ISOF gab die Ent­de­ckung eines Geheim­ge­fäng­nisses, das von Malikis Leuten in Bagdad geführt wurde. Ein Viertel der 437 Gefan­genen wies Spuren schwerer Folter auf.[5]

Besat­zung und Polizeistaat

Was hier als sich ent­wi­ckelndes demo­kra­ti­sches Land dar­ge­stellt wird, trägt alle Züge eines mör­de­ri­schen repres­siven Poli­zei­staates. Viele Beamte, Geist­liche und Poli­tiker im Irak, so der bri­ti­sche Guar­dian vom 30.4.2009, spre­chen bereits von einer neuen Dik­tatur und ver­glei­chen Maliki mit Saddam Hussein.

Sechs Jahre nach Kriegs­be­ginn würde das Land nach ziem­lich ver­trauten Linien auf­ge­baut, so das Fazit des Guar­dian: „Kon­zen­tra­tion von Macht, schat­ten­hafte Geheim­dienste und Kor­rup­tion.“ [6]

Auch andere Zei­tungen, wie The Eco­no­mist [7] oder Der Spiegel cha­rak­te­ri­sieren den „neuen Irak“ immer öfter als Poli­zei­staat. Spiegel-​Korrespondent Bern­hard Zand möchte al-​Maliki jedoch mehr als „auto­ri­tären Garanten des all­mäh­li­chen Fort­schritts“ sehen, in einer „lebens­hung­rigen Nach­kriegs­ge­sell­schaft, in der Nepo­tismus und Kor­rup­tion, aber end­lich auch Frei­heit herr­schen“ würden.[8]

Im kur­di­schen Teil, wo sich seit bald zwei Jahr­zehnten die beiden Clans der Par­tei­führer Jalal Tala­bani und Massud Bazani die Herr­schaft und die großen Geschäfte teilen, sieht es, so Zand, nicht besser aus: „Wir haben 10 Stunden Strom am Tag, wir haben 15 Stunden Rede­frei­heit und 24 Stunden Kor­rup­tion“, lautet ein Witz der Kurden im Nordirak.

Die meisten nam­haften Per­sön­lich­keiten, die nicht zur Kol­la­bo­ra­tion bereit waren – von ehe­ma­ligen Bür­ger­meis­tern über unab­hän­gige Wis­sen­schaftler bis hin zu Künst­lern – sind daher, sofern sie nicht ermordet wurden oder im Kerker lan­deten, längst ins Aus­land geflohen.[9] Bedroht und ver­folgt sind aber nicht nur Ange­hö­rige der gegen die Besat­zung und die Maliki-​Regierung gerich­teten Oppo­si­tion, son­dern in hohem Maß auch Journalisten.

Diese müssen kri­ti­sche Recher­chen häufig mit kör­per­li­chen Miss­hand­lungen, will­kür­li­chen Ver­haf­tungen oder gar dem Tod büßen. Durch saf­tige Geld­strafen ver­sucht Maliki auch kri­ti­sche Berichte west­li­cher Medien zu unterbinden:

So wurde der Guar­dian zur Zah­lung von 100 Mil­lionen Dinar (ca. 65.000 Euro) ver­don­nert, weil er sich im oben erwähnten Artikel kri­tisch mit dem autokra-​tischen Gehabe Malikis aus­ein­an­der­setzte. Die New York Times und die Agentur Asso­ciated Press haben ähnliche Straf­be­fehle auf Grund­lage eines neuen Gesetzes erhalten, das kri­ti­sche Artikel über den Pre­mier oder Prä­si­denten des Landes verbietet.[10]

Wer gegen die Kor­rup­tion anzu­gehen ver­sucht, werde oft mit „phy­si­scher Liqui­da­tion“ bedroht, so Mit­glieder des par­la­men­ta­ri­schen Inte­gri­täts– und Haus­halts­aus­schusses gegen­über Zand. „Unsere Regie­rung gleicht einer großen Mafia“, erläu­terte Scheich Sabah al-​Saadi „Wir haben Netz­werke auf­ge­deckt, die sich durch fast alle Minis­te­rien ziehen.“

Abge­ord­nete berichten von offenen Dro­hungen, gegen alle per­sön­lich vor­zu­gehen, die Maliki oder seine Partei zu belasten suchen.

Typisch bei diesen kri­ti­schen Berichten ist, dass sie zwar die ira­ki­sche Seite sehr genau beschreiben, die domi­nie­rende Rolle der Besatzer jedoch völlig aus­blenden. Dabei sind diese durch unzäh­lige „Berater“ in allen wesent­li­chen Berei­chen invol­viert und waren auch von Anfang an in hohem Maße in die Kor­rup­tion ver­wi­ckelt – Besat­zung und „Poli­zei­staat“ sind nur zwei Seiten einer Medaille.

Kata­stro­phale Lebensbedingungen

Zu Krieg und Repres­sion kommen natür­lich noch die stän­dige Gefahr ver­hee­render Ter­ror­an­schläge sowie ein hohes Maß von Gewalt­kri­mi­na­lität, das in den letzten Jahren noch anstieg. Irak ist daher nach wie vor eines der gefähr­lichsten Pflaster auf der Welt.[11]

Schlimmer noch ist für die meisten Iraker die wei­terhin mise­rable Versor-​gungslage. So haben dem jüngsten Bericht des Inter­na­tio­nalen Roten Kreuz zufolge 55% der Bevöl­ke­rung keinen Zugang zu sau­berem Trink­wasser und nur noch 20% sind an das Abwas­ser­system angeschlossen.[12] Auch Strom gibt es nach wie vor nur stun­den­weise, Gesund­heits– und Bil­dungs­wesen liegen am Boden.[13]

Mil­lionen Iraker hun­gern und der Nah­rungs­mangel weitet sich sogar noch aus, so die UN-​Nachrichtenagentur IRIN. Obwohl die hohen Ölpreise ein Mehr­fa­ches der Summen in die Staats­kassen spülen, die unter dem Embargo zur Ver­fü­gung standen, lebt mitt­ler­weile nach Angaben der ira­ki­schen Zen­tralen Orga­ni­sa­tion für Sta­tistik und Infor­ma­tion die Hälfte der knapp 30 Mil­lionen Iraker in äußers-​ter Armut („abject poverty“), davon sieben Mil­lionen unter­halb des Existenz-​minimums von zwei US-​Dollar pro Tag.[14]

Gründe sind vor allem Infla­tion, hohe Arbeits­lo­sig­keit und das Zusammen-​brechen des Sys­tems zur Ver­tei­lung sub­ven­tio­nierter Nah­rungs­mittel, von dem 60% der Bevöl­ke­rung völlig abhängig sind. Dieses, 1995 als Teil des Öl-​für-​Nahrung-​Programms auf­ge­baute System, galt vor 2003 als vor­bild­lich, wenn auch unterfinanziert.

Trotz stei­gender Öl-​Einnahmen brach das Ver­sor­gungs­system auf Grund der Besat­zungs­po­litik, Druck des Inter­na­tio­nalen Wäh­rungs­fonds, Krieg und Kor­rup­tion immer mehr zusammen. Ver­teilt werden statt dem frü­heren guten Dut­zend bloß noch fünf Grund­nah­rungs­mittel und dies oft nur in 8 bis 10 Monaten im Jahr. [15]

Eine wesent­liche Ursache für den Nah­rungs­mangel ist der dras­ti­sche Rück­gang der hei­mi­schen land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­tion – nicht zuletzt auf­grund der 2003 erzwun­genen völ­ligen Öffnung des Landes für zoll­freie Importe.

Vor der Inva­sion habe es trotz des Embargos noch „eine gewisse Sta­bi­lität bei der Nah­rungs­mit­tel­ver­sor­gung“ gegeben, weil es „eine Kon­trolle der Nahrungs-​importe und staat­liche Unter­stüt­zung für die Land­wirt­schaft gab,” so Muna Turki Al-​Mousawi, Chefin des staat­li­chen ira­ki­schen Zen­trums für Markt­for­schung und Ver­brau­cher­schutz, gegen­über IRIN.[16] Mit Beginn der Besat­zung war es damit vorbei.

Das UN-​Programm für mensch­liche Sied­lungen UN-​HABITAT berich­tete im Juli 2009, dass dem Land 1,3 Mil­lionen Woh­nungen fehlen, über die Hälfte der Bevöl­ke­rung in „Slum-​ähnlichen Bedin­gungen“ lebt und sich die Situa­tion in den kom­menden Jahren noch ver­schlim­mern wird.[17]

Das Kran­ken­haus­system kämpft immer noch mit dem Mangel an Per­sonal, Betten und Aus­rüs­tung und es fehlen den Angaben von HABITAT zufolge auch 4.000 Schulen. Dafür hat die Regie­rung damit begonnen, Mäd­chen und Jungen in den Schulen zu trennen.[18]

Als Jürgen Toden­höfer das Ober­haupt eines der größten schii­ti­schen Stämme fragte, ob es wenigsten den Schiiten nach dem Sturz Saddam Husseins besser gehe, schüt­telte dieser nur ver­dutzt den Kopf und wies auf die über eine Mil­lion Iraker hin, die in Folge des Krieges und der Besat­zung seit 2003 starben, dar­unter 12 seiner eigenen Familie.

Zudem gebe es weniger Arbeits­plätze, weniger medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, weniger sau­beres Wasser und weniger Elek­tri­zität als vorher. Gerade einmal drei Stunden Strom gebe es in seinem Stadt­teil, Sadr City. Der Krieg habe nur jenen Ira­kern genutzt, die auf den Gehalts­listen der USA stünden.

Ein deut­li­cher Indi­kator für die nach wie vor mise­ra­blen Lebens­be­din­gungen im Irak sind auch die Flücht­lings­zahlen. Nach wie vor leben gut 2 Mio. Flücht­linge im benach­barten Aus­land und ebenso viele im Irak selbst.[19] Nur wenige trauen sich unter den herr­schenden Bedin­gungen zurück.[20]

Besat­zung in der Sackgasse

Nicht nur die Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gungen lässt auf sich warten, auch die Besatzer kommen mit ihren Plänen im Irak nicht voran. Sie sind nach wie vor die domi­nie­rende Macht. Ihr Ein­fluss hat sich aber deut­lich verringert.

Das Sta­tio­nie­rungs­ab­kommen, auch wenn es nur halb­herzig befolgt wird, schränkt den Hand­lungs­spiel­raum der US-​Truppen und letzt­lich auch ihre Auto­rität im Land spürbar ein.

Viele füh­rende US-​Offiziere vor Ort sehen schon lange keinen Sinn mehr in einer wei­teren Prä­senz. Der Chef des Bera­ter­stabs des US-​Hauptquartiers in Bagdad, Oberst Timothy Reese, z.B. kam in einem ver­trau­li­chen Memo­randum zum Schluss, es sei „Zeit für die USA, den Sieg zu erklären und nach Hause zu gehen“. Die Ver­öf­fent­li­chung des Geheim­pa­piers in der New York Times schlug ent­spre­chende hohe Wellen.[21]

Die ira­ki­sche Regie­rung und Ver­wal­tung sei, so Reese, nach wie vor unfähig, sek­tie­re­risch und kor­rupt. Sach­lich kor­rekt, jedoch mit der Arro­ganz eines Kolo­ni­al­herrn, der die eigene Ver­ant­wor­tung für das was er geschaffen hat, igno­riert, gei­ßelt er das umfas­sende „Fehlen jeg­li­chen Fort­schritts in Bezug auf wesent­liche Dienst­leis­tungen und Regie­rungs­füh­rung“. Das Urteil über die ira­ki­sche Armee fällt ähnlich ver­nich­tend aus.

Er sieht aber keine Chance, dass die USA durch einen län­geren Ver­bleib im Land noch etwas an den Ver­hält­nissen ändern könnten – im Gegen­teil: Ihre Kampf­ope­ra­tionen „seien aktuell das Opfer einer zir­ku­lären Logik.“ Sie würden zum Schutz der ira­ki­schen Regie­rung Angriffe durch­führen, um „alle Arten von Extre­misten zu schnappen oder zu töten“. Die „Extre­misten“ würden jedoch genau des­wegen angreifen, weil die US-​Truppen „im Irak mili­tä­ri­sche Ope­ra­tionen durchführen“.

So zutref­fend Reese Ein­schät­zungen sind, Gehör werden sie nicht finden. Denn von einem Sieg kann kein Rede sein: Noch ist die dau­er­hafte Kon­trolle über den Irak nicht gesi­chert und sind wesent­liche Ziele, wie der Zugriff aufs Öl nicht erreicht. Zudem wuchsen durch den Krieg die Macht und der Ein­fluss des Irans erheblich.

Dass sich an diesen Ambi­tionen in Washington nichts geän­dert hat, zeigt kaum etwas so anschau­lich, wie die rie­sige US-​amerikanische Bot­schafts­fes­tung im Zen­trum Bag­dads. Auch Obama machte bisher kei­nerlei Anstalten, den rie­sigen Stab von über tau­send Mit­ar­bei­tern – weit mehr als das bri­ti­sche Empire für die Ver­wal­tung des zehnmal so großen Indien im Ein­satz hatte – zu reduzieren.

Da im Zuge des Trup­pen­ab­baus viele Auf­ga­ben­be­reiche vom Militär an zivile Stellen über­gehen sollen, wird sich die Zahl der hier tätigen Diplo­maten, Geheim­dienst­leuten, Verwaltungs-​, Wirt­schafts– und sons­tigen Experten noch stark erhöhen.

Es gibt bereits kon­krete Pläne, den Bot­schafts­kom­plex, der schon jetzt so groß wie der Vati­kan­staat ist, auf die dop­pelte Größe auszubauen.[22] Zwei­fels­ohne soll, nach dem Willen US-​Führung, hier auch in Zukunft das eigent­liche adminis-​trative Herz Iraks stehen, das mit Hilfe der zahl­rei­chen Berater auf allen Ebenen der ira­ki­schen Regie­rung und Ver­wal­tung, die wesent­li­chen Ent­schei­dungen im Irak steuert.

Ob dies jedoch auf Dauer mög­lich sein wird, ohne die Fas­sade eines sou­ve­ränen demo­kra­ti­schen Staates zu demon­tieren, ist zwei­fel­haft. Denn der Gegen­wind wurde immer stärker und auch der poli­ti­sche Wider­stand wuchs in den letzten Jahren auf allen Ebenen – selbst im ira­ki­schen Parlament.

Zwar waren hier, nach den ent­spre­chend kon­zi­pierten Wahlen im Dezember 2005, über­wie­gend US-​Verbündete ein­ge­zogen. Die auf kon­fes­sio­nelle Spal­tung und Aus­ver­kauf ange­legte Besat­zungs­po­litik wie auch die pro-​iranische Aus-​richtung der Regie­rungs­par­tien waren jedoch auch für viele dieser Ver­bün­dete, wie bei­spiels­wiese den Ex-​Interimspremier Ijad Allawi, nicht tolerierbar.

Sie schlugen sich zuneh­mend auf die Seite der Besat­zungs­gegner. Dadurch und auf­grund der ein­hel­ligen Stim­mung in der Bevöl­ke­rung, der auch die Maliki-​Regierung immer stärker Rech­nung tragen musste, wurden viele wich­tige Maß­nahmen und Pro­jekte blockiert.

Dies reicht von der Grün­dung einer „staat­li­chen Anstalt für Pri­va­ti­sie­rung“, die immer noch auf Eis liegt, bis zum neuen Ölge­setz. Letz­teres ist für Washington prak­tisch unver­zichtbar, da erst ein sol­ches neues Gesetz eine formal legale Pri­va­ti­sie­rung der Ölpro­duk­tion ermög­li­chen würde.

Magere Beute

In spek­ta­ku­lären Auk­tionen bot der Irak zwar 2009 aus­län­di­schen Kon­zernen Abkommen zur Aus­beu­tung von umfang­rei­chen ira­ki­schen Ölfel­dern an. Diese Geschäfte sind aber weit von dem ent­fernt, was die west­li­chen Öl-​Multis anstreben und für das – nicht zuletzt – die Bush-​Regierung in den Krieg zog. Es han­delt sich um reine Dienst­leis­tungs­ver­träge mit dem Ziel, die För­der­mengen von Ölfel­dern dras­tisch zu steigern.

Die Auf­trag­nehmer bekommen als Ent­gelt nur einen festen Betrag zwi­schen 1,20 und 2,00 US-​Dollar für jedes zusätz­lich geför­derte Barrel Öl. Bei Lauf­zeiten von 20 Jahren sind dabei durchaus zwei­stel­lige Mil­li­ar­den­ver­träge zu ver­dienen. Die aus­län­di­schen Kon­zerne erhalten aber nach wie vor weder Anteile am Öl noch Förderlizenzen.

Von den großen US-​Konzernen kam allein Exxon Mobil zum Zuge, ansonsten domi­nieren staat­liche asia­ti­sche Firmen, allen voran die chi­ne­si­sche National Petro­leum Cor­po­ra­tion CNPC. Da für die Staats­kon­zerne nicht maxi­male Ren­diten im Vor­der­grund stehen, son­dern Ausbau und Siche­rung einer lang­fris­tigen Ver­sor­gung, war für sie das Angebot durchaus attraktiv. [23]

Doch auch solche Ser­vice­ver­träge sind vielen Ira­kern auf­grund des Umfangs und der langen Lauf­zeit schon zu viel. Noch sind die Ver­träge daher nicht unter Dach und Fach. Im Par­la­ment, das an sich nach dem immer noch gül­tigen Gesetz aus der Baath-​Ära alle Ver­träge mit aus­län­di­schen Firmen bil­ligen muss, regt sich Wider­stand und mehr noch in der staat­li­chen Ölin­dus­trie – vom Manage­ment bis zu den Gewerk­schaften. Neue Regie­rungen könnten die auf wack­liger Rechts­grund­lage geschlos­senen Ver­träge jeder­zeit annullieren.[24]

Iran gestärkt

Der eigent­liche Gewinner des Krieges ist ein­deutig der Iran. Wäh­rend die USA im Irak fest­ste­cken, stieg er durch die Zer­schla­gung des regio­nalen Gegen­ge­wichts zur unbe­strit­tenen regio­nalen Vor­macht auf.

Über die engen Ver­bin­dungen zu den schii­ti­schen Regie­rungs­par­tien und vielen anderen schii­ti­schen Kräften, wie auch zu den beiden Kur­den­par­teien, die die kur­di­sche Auto­no­mie­re­gion beherr­schen, hat die ira­ni­sche Füh­rung auch einen erheb­li­chen Ein­fluss auf die Ent­wick­lung des Nachbarlandes.

Und zum Ärger US-​amerikanischer Kon­zerne machen ira­ni­sche Firmen auch die besten Geschäfte im Irak. Der große Ein­fluss des Iran ist nicht nur nach­teilig. So erwiesen sich Wie­der­auf­brau­pro­jekte mit ira­ni­schen Part­nern als wesent­lich erfolg­rei­cher als die, die von den Besat­zern ange­leiert wurden. Die Grenz­re­gionen zum Iran haben dadurch z.B. die beste Strom­ver­sor­gung im Land.

Der Iran ist im Irak stra­te­gisch klar im Vor­teil. Das ein­zige nen­nens­werte Gegen­ge­wicht zur ver­fein­deten isla­mi­schen Repu­blik bilden die zivilen und mili­tä­ri­schen Besat­zungs­kräfte der USA. Für viele Experten in den USA ein Grund mehr, eine bedeu­tende Streit­macht zwi­schen Euphrat und Tigris zu belassen.

Die US-​Truppen könnten den Irak nicht ver­lassen, da sie eine Situa­tion schufen, in der das ira­ni­sche Militär die stärkste Macht am Per­si­schen Golf sei, erklärte z.B. kürz­lich George Fried­mann, Chef des kon­ser­va­tiven, pri­vaten US-​ameri-​kanischen Nach­rich­ten­dienst Stratfor (oft auch als „Schatten-​CIA“ bezeichnet).

Der Iran müsste nir­gendwo ein­mar­schieren – dazu wären die ira­ni­schen Streit­kräfte auch gar nicht aus­ge­rüstet –, um sich mas­sive poli­ti­sche und wirt­schaft­liche Zuge­ständ­nisse vom Irak, wie von den anderen Län­dern der ara­bi­schen Halb­insel, zu holen.[25]

Ohne eine aus­rei­chende mili­tä­ri­sche Prä­senz werden die USA ihre Domi­nanz gegen­über dem inneren Wider­stand und der äußeren Ein­fluss­nahme tat­säch­lich nicht behaupten können. Da zudem die Errich­tung per­ma­nenter Mili­tär­stütz­punkte am per­si­schen Golf schon seit langem ein wesent­li­ches Ziel der US-​amerikanischen Irak-​Politik ist, ist mit einem voll­stän­digen Abzug nicht zu rechnen – zumin­dest nicht mit einem freiwilligen.

Voll­stän­diger Abzug nicht in Sicht

Im Wahl­kampf hatte Obama ver­spro­chen, die im Irak sta­tio­nierten US-​Truppen inner­halb von sech­zehn Monaten abzu­ziehen – begin­nend mit seinem Amts-​antritt jeden Monat fünf bis zehn­tau­send Mann.

Als er Ende Februar 2009 seine Pläne für den Irak vor­stellte, war nur noch vom Abzug der „Kampf­truppen“ bis August 2010 die Rede. Der Rest, mehr als die Hälfte der ca. 130.000 Sol­daten, sollte aber erst, wie von Amts­vor­gänger Bush bereits im Sta­tio­nie­rungs­ab­kommen zuge­si­chert, bis Ende 2011 das Land ver­lassen.
Der Rückzug soll jedoch, so Obama, „ver­ant­wor­tungs­voll“ erfolgen, also ledig­lich dann, wenn es die poli­ti­sche und mili­tä­ri­sche Lage vor Ort erlaubt. Damit über-​nahm er letzt­lich die Pläne der Bush-​Regierung und garan­tierte die Fort­set­zung der Besat­zung für min­des­tens drei Jahre.

Die Lage vor Ort ver­hin­derte 2009 dann auch tat­säch­lich einen nen­nens­werten Abzug. Zur Absi­che­rung der, zunächst für Januar 2010 ange­setzten Par­la­ments­wahlen und der anschlie­ßenden, sich ver­mut­lich über Monate hin­zie­henden Regie­rungs­bil­dung, sollten sie in nahezu unver­än­derter Stärke im Land bleiben.

Durch die Ver­schie­bung der Wahlen auf den 7. März kam dies aber mit der ange­strebten Auf­sto­ckung der US-​Truppen in Afgha­nistan ins Gehege und es mussten über 25.000 Sol­daten vor­zeitig abge­zogen werden. Ein erheb­li­cher Teil wurde jedoch durch pri­vate Söldner ersetzt.

Der gefei­erte Rückzug aus den Städten ist vie­ler­orts eben­falls nur Etiketten-​schwindel. Zehn­tau­sende US-​Soldaten sind in den Städten ver­blieben und führen nun als „Trai­nings– und Unter­stüt­zungs­truppen“ den Kampf gegen die Oppo­si­tion fort.[26] Vor allem in den Nord­pro­vinzen, rund um Mosul und Baquba führen US-​Truppen noch regel­mäßig große Mili­tär­ope­ra­tionen durch.

Laut Sta­tio­nie­rungs­ab­kommen müsste die US-​Armee nun ihre Ope­ra­tionen stets mit der ira­ki­schen Regie­rung abstimmen. Auch dies konnten die Iraker bisher nicht durch­setzen. „Mag sein, dass etwas bei der Über­set­zung [des Abkom-​mens] ver­loren ging“, erwi­derte der Kom­man­deur der für Bagdad zustän­digen US-​Division dreist den Kri­ti­kern des ver­trags­wid­rigen Vorgehens.

Sie hätten auf keinen Fall vor, voll­ständig aus der Stadt zu ver­schwinden und würden garan­tiert auch keine Ein­schrän­kungen ihrer Ope­ra­ti­ons­frei­heit hin­nehmen. Dies könnte von ihren Geg­nern aus­ge­nutzt werden und so ihre Sicher­heit gefährden. Seine Truppen würden daher auch wei­terhin Gefechts-​operationen im Stadt­ge­biet von Bagdad durch­führen – mit oder ohne Assis­tenz der ira­ki­schen Verbündeten.[27]

Und US-​Vizepräsident Joe Biden betont, dass auch nach dem offi­zi­ellen Abzug der Kampf­truppen Ende August, US-​Soldaten dort für Ord­nung sorgen könnten. „Den Groß­teil der ver­blei­benden Truppen werden immer noch Leute stellen, die gezielt schießen und die schlimmen Jungs fangen können“.[28]

Selbst­ver­ständ­lich möchte Obama die Trup­pen­zahl tat­säch­lich gerne deut­lich ver­rin­gern, um so den sicht­baren Ein­druck von Besat­zung zu ver­min­dern, die immensen Kosten zu redu­zieren und vor allem Kräfte für Afgha­nistan freizu-​machen.

Eine solche Redu­zie­rung würde aber erfor­dern, dass die Ira­ki­sie­rung der US-​Herrschaft im Irak funk­tio­niert, d.h. Regie­rung und Armee den größten Teil des Kampfes gegen ihre Gegner selbst über­nehmen kann.

Das wird nach Ein­schät­zung der kom­man­die­renden US-​Generäle aber noch viele Jahre dauern. Sie hatten daher von Anfang an deut­lich gemacht, dass sie die im Sta­tio­nie­rungs­ab­kommen ver­ein­barten Abzugs­ter­mine kei­nes­falls für ver­bind­lich halten. Einen voll­stän­digen Abzug dürften sie bisher kaum ernst­haft in Betracht gezogen haben. Gene­ral­stabs­chef George Casey erklärte z.B. im Mai letzten Jahres, dass seine Pla­nungen für die Armee Kampf­truppen im Irak für ein wei­teres Jahr­zehnt vorsehen.[29]

Auch der ira­ki­sche Prä­si­dent Nouri al-​Maliki hat bereits mehr­fach – u.a. in seiner Rede vor dem U.S. Insti­tute of Peace am 24. Juli 2009 – laut über eine Ver­län­ge­rung der US-​Truppen-​Präsenz über 2011 hinaus nachgedacht.[30] Auch er weiß, dass sich seine Regie­rung ohne die US-​Armee nicht lange halten könnte.

Auf die eigenen Truppen ist wenig Ver­lass. Die Loya­lität und Kampf­moral vieler Ein­heiten ist zwei­fel­haft und die neue Armee ver­fügt auch über keine der High-​Tech-​Waffen, mit denen die Besatzer dem Wider­stand Paroli bieten, wie minen­re­sis­tente Fahr­zeuge, Kampflug­zeuge, Drohnen und Hub­schrauber. Eine ira­ki­sche Luft­waffe wird es in abseh­barer Zeit nicht geben.[31]

Viele US-​Experten sind daher über­zeugt, dass unge­achtet der wie­der­holten Ver­si­che­rungen Obamas, dass Ende 2011 wirk­lich die letzten Truppen das Land ver­lassen werden, dies nicht das letzte Wort sein wird. Man sollte ihnen nicht glauben, so der renom­mierte Autor und frü­here Mili­tär­ex­perte der Washington Post Thomas Ricks, da es nicht pas­sieren werde.

Er sei über­zeugt, dass noch zehn­tau­sende US-​Truppen im Irak sein werden, wenn Prä­si­dent Obama sein Amt verlasse.[32] Die New York Times ließ in einem Leit­ar­tikel, der in Washington erheb­liche Wellen schlug, aus­führ­lich begründen, warum eine solche län­gere Prä­senz zwin­gend erfor­der­lich ist.[33]

Auch der frü­here US-​Botschafter im Irak, Ryan C. Cro­cker, for­dert „die ursprüng­liche Fle­xi­bi­lität“ der US-​Truppen zu erhalten. Peter Bei­nart von der New Ame­rica Foun­da­tion warnt, dass bei einem Abzug der US-​Truppen, „die begeis­ternden demo­kra­ti­schen Wahlen die letzten des Landes sein könnten.“[34]

Thomas Ricks fühlte sich bald bestä­tigt, als General Ray Odierno mit Bezug auf zuneh­mende Span­nungen und Gewalt der Washington Post gegen­über von „Not­fall­plänen“ sprach.[35] Wenig später konnte er auf seiner „For­eign Policy“-Webseite ent­hüllen, dass Odierno bereits offi­ziell bean­tragt hat, eine kom­plette Kampfb­ri­gade nach dem August in Kirkuk lassen zu können.[36]

Auch die Ver­si­che­rung von Robert Gates, dass eine Ände­rung der Abzugs­pläne nur bei einer „sehr bedeu­tenden Ver­schlech­te­rung der Situa­tion im Irak“ in Frage käme, ist alles andere als eine klare Absage.[37]

Es gibt auch keine Anzei­chen dafür, dass die Mega-​Militär-​Basen, die seit 2003 mit allem Kom­fort aus­ge­baut wurden, geschlossen oder über­geben werden sollen. Allein für den Ausbau der Balad Air Base, 90 km nörd­lich von Bagdad, wurden meh­rere Mil­li­arden Dollar inves­tiert, auch noch nach 2007.

Sie ist mitt­ler­weile eine der größten Mili­tär­an­lagen der USA außer­halb Ame­rikas und mit ihren langen, für Groß­raum­trans­porter geeig­neten Lan­de­bahnen, wohl der größte Flug­hafen im Irak. Bis zu 25.000 Sol­daten sowie 15.000 Söldner und zivile Ange­stellte leben und arbeiten hier. Für deren Fort­be­we­gung inner­halb des Mili­tär­stütz­punktes, den die Mehr­heit wäh­rend ihres Ira­kauf­ent­haltes nie ver­lässt, wurden regu­läre Bus­li­nien eingerichtet.

Es gibt ein eigenes Kraft­werk, ein Kran­ken­haus, Klär­an­lagen und Lebens-​mittelfabriken, sowie natür­lich alle US-​amerikanischen Fast­food­ketten, Sport­an­lagen und was sonst eine mitt­lere US-​amerikanische Stadt bietet.[38]

Die meisten Mili­tär­ex­perten gehen davon aus, dass das Pen­tagon zumin­dest die fünf der größten Basen im Irak als per­ma­nente Stütz­punkte behalten will.[39] Die USA haben seit dem ersten Golf­krieg nicht nur Mili­tär­basen gebaut, um Krieg zu führen, so Pro­fessor Zoltan Grossman vom Ever­green State Col­lege, son­dern auch Krieg geführt, um Stütz­punkte errichten zu können. Das Pen­tagon habe bestimmt nicht soviel in die rie­sigen Basen im Irak inves­tiert, um sie dann einer unter­ge­ord­neten lokalen Regie­rung dort zu überlassen.

Ver­mut­lich werden die USA für die Zeit nach 2011 ein neues Stationierungs-​abkommen, ähnlich z.B. dem mit den Phil­ip­pinnen, anstreben. Zur Not bietet jedoch auch das SOFA genü­gend Schlupf­lö­cher zur Legi­ti­mie­rung einer wei­teren Prä­senz. Schon die Fest­stel­lung einer inneren Bedro­hung des „demo­kra­ti­schen Sys­tems“ Iraks oder „seiner gewählten Insti­tu­tionen“ würde nach Artikel 27 als Recht­fer­ti­gung ausreichen.[40]

Schon der lange Ver­bleib bis Dezember 2011 war, wie das gesamte Sta­tio­nie­rungs­ab­kommen, im Irak sehr umstritten. Erst die Zusi­che­rung, die end­gül­tige Ent­schei­dung einem bis Juli 2009 durch­zu­füh­renden Refe­rendum zu über­lassen, sicherte ihm eine knappe Mehr­heit im Parlament.

Bei einem nega­tiven Ergebnis der Volks­ab­stim­mung hätten die US-​Truppen binnen Jah­res­frist das Land ver­lassen müssen. Dies wollten die Besatzer und Maliki kei­nes­falls ris­kieren: Das Refe­rendum wurde kur­zer­hand ver­schoben und sollte par­allel mit den Par­la­ments­wahlen durch­ge­führt werden.

Im März war davon jedoch keine Rede mehr. Aus­wir­kungen auf die offi­zi­ellen Abzugs­ter­mine hätte das Refe­rendum dann kaum noch gehabt. Ein klares Votum für einen raschen Abzug wäre jedoch ein mas­sives Hin­dernis für jede Form der Ver­län­ge­rung der ame­ri­ka­ni­schen Präsenz.

Par­la­ments­wahlen

Um die Truppen auf die gewünschte Zahl von etwa 50.000 Sol­daten redu­zieren zu können, muss das neue ira­ki­sche Regime stabil und fähig sein, sich selbst zu behaupten. Daher waren für Washington die neuen Par­la­ments­wahlen am 7. März 2010 von ent­schei­dender Bedeutung.

Sie sollten, so die Hoff­nung, die Kon­so­li­die­rung der ange­strebten Nachkriegs-​ordnung einen ent­schei­denden Schritt vor­an­bringen. Daneben sollten sie der zuneh­mend kriegs­müden Öffent­lich­keit demons­trieren, dass der Irak auf einem guten Weg ist und dem Krieg so nach­träg­lich noch Legi­ti­ma­tion verleihen.

Viele west­liche Kom­men­ta­toren rea­gierten tat­säch­lich mit großer Begeis­te­rung auf den formal erfolg­rei­chen Urnen­gang. Allein auf­grund der gemel­deten akzep­ta­blen Wahl­be­tei­li­gung von 62% sahen sie die Demo­kratie im Irak gefes­tigt und das Land auf einem guten Weg. Manche, wie Jan Ross in der ZEIT vom 11.3.2010 sehen nun sogar George W. Bush, Dick Cheney, Tony Blair und die anderen Draht­zieher des Krieges nach­träg­lich im Recht.

Aus­schluss von Kan­di­daten und andere Wahlmanipulationen

Doch auch diese Wahlen fanden wieder unter Besat­zungs­be­din­gungen statt und konnten schon des­wegen weder fair noch frei sein. Der radi­ka­lere Teil der Oppo­si­tion war ohnehin von vorn­herein ausgeschlossen.

Bereits die Aus­ein­an­der­set­zungen über das Wahl­ge­setz, bei denen sich die Regie­rungs­par­teien wieder erheb­liche Vor­teile sicherten, pro­vo­zierten erheb­li­chen Unmut.

Bald folgte der größte Eklat: 511 Kan­di­daten und 15 Par­teien wurden wegen angeb­li­cher Nähe zur ver­bo­tenen Baath-​Partei von der Wahl aus­ge­schlossen. Betroffen waren über­wie­gend Ange­hö­rige der sun­ni­ti­schen und säku­laren, natio­na­lis­ti­schen Oppo­si­tion, dar­unter auch viele pro­mi­nente Führer und bis­he­rige Abgeordnete.[41]

Trei­bende Kraft hinter dem Aus­schluss war eine dubiose Kom­mis­sion unter Füh­rung zweier Spit­zen­kan­di­daten der schii­ti­schen „Ira­ki­schen Natio­nalen Allianz“. Diese Kom­mis­sion geht noch auf eine Anord­nung des eins­tigen US-​Staathalters Paul Bremer zurück, alle Insti­tu­tionen von ehe­ma­ligen Kadern der Baath-​Partei zu säubern.

Sie arbei­tete trotz eines neuen dies­be­züg­li­chen Gesetzes ein­fach weiter, bzw. wurde, wie es der Kom­man­deur der US-​Streitkräfte im Mitt­leren Osten, David Petraeus, aus­drückte, von den schii­ti­schen, regie­rungs­nahen Kräften gekapert.

Trotz feh­lender Rechts­grund­lage der Kom­mis­sion, wurde der Aus­schluss von Maliki unter­stützt und von der „Unab­hän­gigen Hohen Wahl­kom­mis­sion“ (IHEC) sofort umge­setzt. „Unter nor­malen Umständen würde dies schon genügen, um die Wahlen zu dis­kre­di­tieren“, so die trans­at­lan­ti­sche Denk­fa­brik Inter­na­tional Crisis Group (ICG) in ihrer Ana­lyse des Wahl­pro­zesses. [42]

Das dürfte auch Maliki und seinen Ver­bün­deten bewusst gewesen sein. Doch offen­sicht­lich hatten die schii­ti­schen Regie­rungs­par­tien ange­sichts schlechter Umfra­ge­werte Panik bekommen. Bereits die Pro­vinz­wahlen im Januar 2009 hatten sehr deut­lich gezeigt, wie über­drüssig die Iraker der sek­tie­re­ri­schen Politik reli­giöser Hard­liner waren.

Sie zeigten ein klares Votum für einen ein­heit­li­chen, zen­tralen Staat und – wie die ICG kon­sta­tierte – die Wie­der­be­le­bung der alten ira­ki­schen natio­nalen Identität.

Maliki hatte sich dem recht­zeitig ange­passt und sich ein natio­na­lis­ti­scheres Image zuge­legt: als neuer starker Mann, der für eine Ver­bes­se­rung der Sicher­heits­lage sorgte, den Besat­zern ein Abkommen über einen Rückzug abrang und glei­cher­maßen gegen radi­kale schii­ti­sche Milizen, gegen sun­ni­ti­sche Extre­misten wie auch die ter­ri­to­riale Ansprüche der Kurden vorgeht.

Dieses Image wurde jedoch durch die Serie von ver­hee­renden Anschlägen auf das stark gesi­cherte Zen­trum Bag­dads schwer erschüt­tert. Auch die mise­rable sons­tige Bilanz seiner Regie­rung wurde zur schweren Hypothek.

Mit der neuen Entbaathisierungs-​Kampagne konnten schließ­lich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen werden. Die schii­ti­schen Par­teien schossen damit nicht nur gewich­tige Gegner aus dem Rennen, mit der dadurch ange­heizten Debatte konnten auch unan­ge­nehme Themen, wie das Ver­sagen bei Ver­sor­gung und Wie­der­aufbau, die unge­heure Kor­rup­tion oder die man­gelnde Sicher­heit bei ihren frü­heren Wäh­lern in den Hin­ter­grund gedrängt werden.

Indem Säku­la­rismus und ara­bi­schem Natio­na­lismus gene­rell mit „Baa­thismus“ gleich­ge­setzt wurde, konnte dies beim konservativ-​religiösen Teil der schii­ti­schen Bevöl­ke­rung die gewünschte Wir­kung nicht verfehlen.

Schon bald nach den Wahlen häuften sich die Vor­würfe von Wahl­ma­ni­pu­la­tionen. Nicht nur die oppo­si­tio­nellen Orga­ni­sa­tionen, auch drei ange­se­hene, ira­ki­sche NGOs, die in etwa vier Fünf­teln der Wahl­lo­kale als unab­hän­gige Beob­achter prä­sent waren, erhoben schwere Vorwürfe.

Dem­nach haben Sol­daten und Poli­zisten in meh­reren Pro­vinzen eine geheime Stimm­ab­gabe ver­hin­dert, Wähler auf­ge­for­dert, bestimmte Listen anzu­kreuzen, offi­zi­ellen Wahl­be­ob­achter den Zutritt ver­wei­gert und einige sogar festgenom-​men. Hinzu kommen Berichte vom Fund gefüllter Urnen in Müll­con­tai­nern sowie Gerüchte über vor­be­füllte Urnen und Über­mitt­lung gefälschter Zählergebnisse.

Rück­schlag für Regierungskoalition

Wäh­rend die Wahl­be­tei­li­gung ins­ge­samt zurück­ging, war sie in den Pro­vinzen, in denen der Wider­stand beson­ders stark ist, über­durch­schnitt­lich hoch. Ein Zei­chen dafür, dass viele sich erhoffen, durch die Wahlen das von den USA ein­ge­setzte sek­tie­re­ri­sche Regime besei­tigen und so dem Ende der Besat­zung näher kommen zu können. Sollte die USA die Ver­pflich­tung ein­halten, ihre Truppen bis Ende 2011 abzu­ziehen, würde die neue Regie­rung zur Übergangsregierung.

Die Stimmen der Oppo­si­tion kon­zen­trierten sich auf die säku­lare „Ira­ki­sche Natio­nal­be­we­gung“, Al-​Iraqija, ein Wahl­bündnis aus der Partei des Ex-​Interimspremier Ijad Allawi und natio­na­lis­ti­schen Par­teien, die in mehr oder weniger radi­kaler Oppo­si­tion zur Besat­zung stehen. Dieses Bündnis mit dem eins­tigen engen US-​Verbündeten, der als Pre­mier u.a. für die Angriffe auf Fal­lud­scha mit­ver­ant­wort­lich war, fiel vielen Besat­zungs­geg­nern sicher­lich schwer, erwies sich jedoch als erfolgreich.

Trotz der zahl­rei­chen Mani­pu­la­tionen, wurden ihm die meisten Sitze zuge-​sprochen. Es erhält 91 Man­date, wäh­rend die „Rechts­staat­ko­ali­tion“ des Amts­in­ha­bers nur auf 89 kommt.

Dass Allawi neuer Minis­ter­prä­si­dent wird, ist den­noch wenig wahr­schein­lich. Da die schii­ti­sche „Ira­ki­sche Natio­nale Allianz“ (INA) 70 und die „Kur­di­sche Allianz“ aus PUK und KDP 43 Man­date errang, hätten die von den Regie­rungs­par­teien geführten Listen zusammen mit rund 200 der 325 Sitzen an sich wieder eine aus­rei­chende Mehrheit.

Aller­dings ent­fallen nur 17 der 70 Man­date von INA auf den Obersten Isla­mi­schen Rat (ISCI), die zweite schii­ti­sche Regie­rungs­partei, wäh­rend 39 Sitze der vom Iran geschmie­deten Zweck­al­lianz an die anti-​amerikanische Bewe­gung des pro­mi­nenten Geist­li­chen Muqtada Al-​Sadr fielen.

Dieser hat bisher die Unter­stüt­zung einer zweiten Amts­zeit Malikis ausge-​schlossen und zudem schwer ver­dau­liche For­de­rungen für eine Regierungs-​beteiligung gestellt, dar­unter Druck auf Washington, den Abzug der US-​Truppen zu beschleu­nigen und keine Zuge­ständ­nisse an die Kurden zu machen.

Ohne solche Zusagen, ins­be­son­dere bezüg­lich der von den PUK und KDP bean­spruchten ölrei­chen Region um Kirkuk, bekommt Maliki diese aber nicht ins Boot. Unge­achtet dessen haben die Spitzen der schii­ti­schen und kur­di­schen Par­teien bereits Ver­hand­lungen auf­ge­nommen – in Teheran, wo sie, so die ara­bi­sche Zei­tung al-​Hayat, keine Gefahr laufen von US-​amerikanischen Spionen belauscht zu werden.

Im Prinzip ist kaum eine Koali­tion aus­zu­schließen. Eine echte Alter­na­tive zur bis­he­rigen Regie­rung wäre aber nur durch ein Bündnis von Al-​Iraqija mit der Sadr-​Bewegung möglich.

Inhalt­lich gibt es zwar zwi­schen diesen große Überein­stim­mungen und sie haben auch schon oft gemeinsam Front gegen Pläne der Besatzer und der Maliki-​Regierung gemacht, aber die Abnei­gung zwi­schen den Anhänger Al-​Sadrs und den sun­ni­ti­schen Natio­na­listen, von ers­teren als „Baa­thisten“ bekämpft, wird wohl zu groß für eine feste Koali­tion sein.

Ein Deal mit den Kur­den­par­teien dürfte Allawi auch schwer fallen, solange er an der Allianz mit den natio­na­lis­ti­schen Par­teien fest­hält. Diese haben aber das Gros der Stimmen seiner Liste ein­ge­fahren und sind sicher­lich zu keinen Zuge­ständ­nissen an die Kurden bereit. Washington bevor­zugt Berichten zufolge ein Zusam­men­gehen von Allawi und Maliki. Vor­erst schei­tert dies schon allein daran, dass beide den Posten des Regie­rungs­chefs für sich beanspruchen.

Alles deutet dar­aufhin, dass sich die Ver­hand­lungen auch diesmal wieder Monate hin­ziehen werden.

Ver­mut­lich wird nach diversen Deals und gehö­rigem Nach­druck der Besatzungs-​macht eine Koali­tion die Regie­rung über­nehmen, die weit­ge­hend der jet­zigen ent­spricht, ver­stärkt durch Teile anderer Wahl­bünd­nisse. Die Chancen Malikis, Regie­rungs­chef zu bleiben, sind jedoch durch den Wahl­sieg Allawis gesunken.

Er setzt aber nun alle ihm zur Ver­fü­gung ste­henden Macht­mittel ein, um sich den Amts­er­halt trotz allem zu sichern.

So hat er Haft­be­fehle gegen vier gewählte Kan­di­daten von Al-​Iraqiya aus­stellen lassen und geht mit umfang­rei­chen Mas­sen­fest­nahmen gegen oppo­si­tio­nelle Kräfte vor. Meh­rere Führer von zu Al-​Iraqiya gehö­renden Par­teien wurden Ziel von Bombenanschlägen.

Bei einer Neu­auf­lage der kurdisch-​schiitischen Regie­rung, wird die Wut ihrer Gegner groß sein und sich in hef­tigen Pro­testen über die diversen Wahl-​Manipulationen ent­laden, die rasch auch eska­lieren könnten.

Viele, die sich dann um die Hoff­nung betrogen fühlen, ihr Ziel mit poli­ti­schen Mit­teln errei­chen zu können, werden es ver­mut­lich nicht bei ver­balen Pro­testen belassen und der mili­tä­ri­sche Wider­stand wird zunehmen. Schon jetzt haben, so der Ein­druck US-​amerikanischer Geheim­dienste, bewaff­nete Gruppen wieder erheb­li­chen Zulauf bekommen.

Fazit

Die Ent­wick­lung brachte die Besat­zungs­macht in ein schwie­riges Dilemma. Einer­seits setzt sie nach wie vor auf al-​Maliki. Her­aus­for­derer Allawi, der bei einem Besuch in Washington Obama für eine alter­na­tive Option erwärmen wollte, wurde nicht einmal ins Weiße Haus vorgelassen.

Zen­traler Punkt ihrer Irak-​Strategie ist jedoch auch, oppo­si­tio­nelle sun­ni­ti­sche und säku­lare Kräften durch eine stär­kere Betei­li­gung an der Macht ein­zu­binden und dadurch das neue Regime zu stabilisieren.

Dies wie­derum ist eine wesent­liche Vor­aus­set­zung dafür, die Zahl der eigenen Truppen erheb­lich ver­rin­gern zu können. Washington hatte gehofft, Maliki als Mann der Mitte auf­bauen zu können, als starken Mann, der von Vielen als klei­neres Übel akzep­tiert werden könnte.

Maliki steuert nun jedoch genau in die andere Rich­tung: im Schul­ter­schluss mit den pro-​iranischen Par­teien auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs gegen säku­lare und sun­ni­ti­sche natio­na­lis­ti­sche Kräfte. Die Gewalt nahm ab März sprung­haft zu – sowohl Bom­ben­an­schläge auf Regie­rungs­ein­rich­tungen und Zivi­listen, wie auch Atten­tate, Raz­zien, Mas­sen­ver­haf­tungen etc. gegen oppo­si­tio­nelle Poli­tiker und Parteien.[43] Sie kann jeder­zeit weiter eskalieren.

Ange­sichts der sich zuspit­zenden Situa­tion haben die US-​Kommandeure ihre Pläne für einen Aus­set­zung des Trup­pen­ab­zugs konkretisiert.[44] Der Spiel­raum dafür wird jedoch durch die mas­sive Trup­pen­er­hö­hung in Afgha­nistan beschränkt.

Sollte der Unmut über den Wahl­aus­gang in gewalt­tä­tige Pro­teste umschlagen und der mili­tä­ri­sche Wider­stand zunehmen, könnten die ver­blei­benden Truppen bald in eine schwie­rige Lage kommen.

Die US-​Regierung müsste sich dann ent­scheiden: ent­weder zu akzep­tieren, dass das Irak-​Projekt vor­erst geschei­tert ist und tat­säch­lich alle Besatzungs-​kräfte – mili­tä­ri­sche wie zivile – abzu­ziehen oder neue Kampf­ein­heiten an den Euphrat und Tigris zu schicken.

Bei einem offenen Bruch der Abzugs­ver­ein­ba­rungen wäre die Geduld der meisten Iraker jedoch end­gültig am Ende und die Besat­zungs­macht müsste mit einem noch brei­teren Wider­stand auf allen Ebenen rechnen als zuvor.

Quelle: Indy­media

Anmer­kungen:

[1] Iraq allows 100 Bri­tish naval trai­ners to return, Reu­ters, 13.10.2009
[2] siehe NTM-​I-​Website, http://​www​.jfc​naples​.nato​.int/​n​t​m​i​/​n​t​m​i​_​i​n​d​e​x​.​h​tml
[3] Jürgen Toden­höfer, „Som­mer­tage in Bagdad – Beton­mauern, Schieß­türme, Leben im Mangel: Die USA haben den Irak nicht befreit, son­dern ver­ge­wal­tigt und zer­bro­chen“, Ber­liner Zei­tung, 10.10.2009
[4] Shane Bauer, Die schmut­zige Bri­gade von Bagdad, Le Monde diplo­ma­tique, 10.7.2009
[5] Secret prison revealed in Baghdad, Los Angeles Times, 19.04.2010
[6] “Six years after Saddam Hus­sein, Nouri al-​Maliki tigh­tens his grip on Iraq”, The Guar­dian, 30.4.2009
[7] "Iraq's free­doms under threat — Could a police state return?", The Eco­no­mist, 3.9.2009
[8] Bern­hard Zand, „Irak — Eine Art Macht­rausch“, DER SPIEGEL, 19.10.2009
[9] siehe auch: J. Guil­liard, Die kul­tu­relle Säu­be­rung des Irak, Ossietzky 7/​2010
[10] Iraqi court rules Guar­dian defamed Nouri al-​Maliki, The Guar­dian, 10.11.2009
[11] Iraqis face new threat: brutal vio­lence, Plain Dealer, 21.9.2009. Selbst der “2009 Human Rights Report: Iraq” des U.S. State Depart­ment vom 11.3.2010 oder die Studie “Cri­mi­nals, Mil­i­tias, And Insur­gents: Orga­nized Crime In Iraq”, des Stra­tegic Stu­dies Insti­tute der US-​Armee vom Juni 2009 ver­mit­teln ein recht düs­teres Bild
[12] Iraq: coping with vio­lence and stri­ving to earn a living, ICRC, 30.03.2010
[13] siehe z.B.: Iraq's once-​envied health care system lost to war, cor­rup­tion, McClatchy News­pa­pers, 18.5.2009
[14] 7 mil­lion Iraqis exist below poverty line, Azzaman, 9.4.2010. siehe auch den detail­lierten, aller­dings über­wie­gend auf offi­zi­ellen ira­ki­schen Zahlen beru­henden Bericht des UN Office for the Coor­di­na­tion of Huma­ni­ta­rian Affairs (OCHA) im „Con­so­li­dated Appeal for Iraq and the Region 2009“ v.19.11.2009
[15] IRAQ: State food aid package slashed, IRIN News, 1.4.2010
[16] IRAQ: Food inse­cu­rity on the rise, says offi­cial, IRIN (UN OCHA), 8.11.2009
[17] Fact sheet: Hou­sing & shelter in Iraq, UN Human Sett­le­ments Pro­gram (UN-​HABITAT), 5.10.2010
[18] Iraq to sepa­rate boys and girls in schools, Al Sumaria TV, 28.12.2009
[19] Little new dis­pla­ce­ment but in the region of 2.8 mil­lion Iraqis remain inter­nally dis­placed, Internal Dis­pla­ce­ment Moni­to­ring Centre (IDMC) u. Nor­we­gian Refugee Council (NRC), 4.3.2010
[20] Poor con­di­tions in Iraq drive returned refu­gees back to Syria, UNHCR Report, 22.12.2009
[21] It’s Time for the US to Declare Vic­tory and Go Home, Memo von Col. Timothy R. Reese, NYT, 31.7.2009
[22] U.S. Embassy in Baghdad has plans to double in size, For­eign Policy, 7.1.2010
[23] siehe J. Guil­liard „Magere Beute“, junge Welt, 31.12.2009sowie Ira­ki­sches Öl – wei­terhin nur begrenzter Zugang für Öl-​Multis, Blog Nach­ge­tragen, 16.12.2009
[24] J. Guil­liard, Irak: Im Clinch ums Öl, IMI-​Analyse 2009/​035
[25] George Friedman, Baghdad Poli­tics and the U.S.-Iranian Balance, Stratfor, 20.4.2010
[26] Jane Arraf, To meet June dead­line, US and Iraqis redraw city bor­ders, Chris­tian Sci­ence Monitor, 19.5.2009
[27] Iraq Restricts U.S. Forces, Washington Post, 18.7.2009
[28] Gregor Peter Schmitz, Schick­sals­wahl im Irak lässt Ame­ri­kaner bangen, Spiegel Online, 7.3.2010
[29] Dahr Jamail, Ope­ra­tion Endu­ring Occupa­tion, t r u t h o u t | Op-​Ed, 18.3.2010
[30] Iraqi Prime Minister Open to Rene­go­tia­ting With­drawal Time­line, , Washington Inde­pen­dent, 23.7.2009
O-​Ton: Iraqi PM admits US troops may stay – Al Jazeera, 23.7.2009 (siehe YouTube, 1:53 min)
[31] Gates Says US Air Force May Remain in Iraq Beyond 2011, Voice of Ame­rica, 11.2.2009
[32] Dahr Jamail, Ope­ra­tion Endu­ring Occupa­tion, t r u t h o u t | Op-​Ed, 18.3.2010
[33] Thomas E. Ricks, Exten­ding Our Stay in Iraq, NYT, 23.2.2010
[34] Obama Sticks to a Dead­line in Iraq, NYT, 27.4.2010
[35] U.S. plans for pos­sible delay in Iraq with­drawal, Washington Post, 23.2.2010
[36] Thomas Ricks, Odierno requests more combat forces in Iraq — beyond the Obama dead­line, Best Defense 25.2.2010
[37] Gates: Only Serious Change in Secu­rity Would Delay US Troop With­drawal from Iraq, Voice of Ame­rica, 22.2.2010
[38] siehe U.S. Builds Air Base in Iraq for the Long Haul, NPR. 12.10,2007 und Balad Air­base, Glo​balS​e​cu​rity​.Org,
[39] Dahr Jamail, Ope­ra­tion Endu­ring Occupa­tion, a.a.O.
[40] siehe J. Guil­liard, Besat­zungs­ende nicht in Sicht, Abkommen über Trup­pen­rückzug im Irak kaum bin­dend, AUS­DRUCK, Dezember 2008
[41] Time­line of Iraq’s De-​Baathification Cam­paign, Musings on Iraq, 26.2.2010
[42] Iraq’s Uncer­tain Future: Elec­tions and Beyond, Inter­na­tional Crisis Group, Middle East Report, 25.2.2010
[43] J: Guil­liard, Wahlen im Irak – Von der Fäl­schung zu Ver­haf­tungen und Atten­taten, junge Welt, 03.04.2010
[44] U.S. Will Slow Iraq Pullout If Vio­lence Surges After Vote, Wall Street Journal, 23.2.2010

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