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Kampagne gegen Rot-​Rot-​Grün in NRW, Tag 3 – 7

Montag, 17. Mai 2010-11:49 -|- Eingestellt von: |

Von Markus Weber | Guar­dian of the Blind | — Nach Tag 1 und Tag 2 ging die Mei­nungs­mache in den Medien gegen eine rot-​rot-​grüne Koali­tion in Nordrhein-​Westfalen auch in den dar­auf­fol­genden Tagen weiter.

Hier die Beob­ach­tungen von Tag 3 (Mitt­woch, 12. Mai) bis 7 (Sonntag, 16. Mai):

Tag 3 (Mitt­woch, 12. Mai):

Hart aber fair stellt sich ganz klar in die Reihe plumper Anti-​Rot-​Rot-​Grün-​Kampagnen. Natür­lich war von jeder Partei ein Poli­tiker zu Gast. Außer von der Linken.

Naja, es ging ja nur in einem recht großen Teil der Sen­dung (um was ging es da eigent­lich? Unklar. Von allem ein biss­chen, kein klares Thema) auch um sie. Nein, dass bei solch einem Thema alle Par­teien außer der, über die am meisen dis­ku­tiert und gegen die v.a. pole­mi­siert wird, nicht ein­ge­laden ist, halte ich für einen medi­en­po­li­ti­schen Skandal.

V.a. Mode­rator Plas­berg bediente sich aller Mittel der Mei­nungs­mache gegen Rot-​Rot-​Grün, die schon zahl­reiche Medien in den ver­gan­genen Tagen ver­wendet hatten, sowie meh­rerer direkter und auch per­sön­li­cher Angriffe (auf die Linke und auf Han­ne­lore Kraft).

Mittel waren z.B. der Ver­gleich mit Ypsi­lanti, die Bezeich­nung von Krafts Äuße­rungen vor der Wahl als “Tarn­flos­keln”, Sätze wie “Glauben Sie wirk­lich, dass die Wähler so dumm sind?”, Aus­schnitte aus der Report Mainz-​Sendung, die Rote Hilfe. Die ein­zigen inhalt­lich ange­spro­chenen Punkte waren die Frage des Ver­hält­nisses der NRW-​Linken zur DDR und zur RAF. Andere Theme, so Plass­beck, müssten da doch im Hin­ter­grund stehen.

[Anmer­kung: Ich habe nie ver­standen, was Hart aber fair groß von anderen Sen­dungen wie Anne Will oder May­brit Illner unter­scheiden soll. Es ist doch auch meist die selbe ein­sei­tigen Systemmedien-​Propaganda, auch wenn der Mode­rator nicht ganz der unkri­ti­sche Stich­wort­geber ist.]

Naja, weiter ging es im Internet im Hart aber fair Fak­ten­chek:

Daniel Bahr, Mit­glied im Bun­des­vor­stand der FDP, sagt, in NRW wird die Linke nicht nur als Partei vom Ver­fas­sungs­schutz beob­achtet. Selbst ein­zelne Per­sonen des Lan­des­ver­bandes stünden unter Beob­ach­tung. Stimmt das?

Andreas Blätte: Grund­sätz­lich beob­achten die Verfassungs-​schutzämter gegen die poli­ti­sche Ord­nung des Grund­ge­setzes gerich­tete Bestre­bungen bei poli­ti­schen Orga­ni­sa­tionen. Ohne die Beob­ach­tung der Akti­vi­täten von Ein­zel­per­sonen kann dies nicht erfolgen. Im aktu­ellen Ver­fas­sungs­schutz­be­richt (März 2010) werden extre­mis­ti­sche Zusam­men­schlüsse als wich­tiger Bestand­teil der Partei “Die LINKE” gesehen.

Dort heißt es unter anderem: “Bis heute hat sich der Landes-​verband NRW der Partei ‘DIE LINKE’ nicht von ein­deutig links­ex­tre­mis­ti­schen Zusam­men­schlüssen in seinen Reihen getrennt, son­dern deren orga­ni­sa­to­ri­sche Zuläs­sig­keit sogar bestätigt.

Dies gilt auch für die Mit­glieder trotz­kis­ti­scher Gruppen, die durch ihre Mit­ar­beit in der dama­ligen WASG in die ‘DIE LINKE’ gelangten. Durch die Mit­glied­schaft von Sarah Wagen­knecht im Lan­des­ver­band wurden die extre­mis­ti­schen Bestre­bungen, ins­be­son­dere die ‘Kom­mu­nis­ti­sche Platt­form’, weiter gestärkt.”

→ Das hier aus dem Ver­fas­sungs­schutz­be­richt zitiert wird, ist ja legitim im Hin­blick auf die Frage. Ande­rer­seits hätte man durchaus noch wenigs­tens den Hin­weis bringen können, dass die Linke nur in Län­dern mit schwarz-​gelber Regie­rung beob­achtet wird und dass ein Auf­tau­chen in einem Verfassungs-​schutzbericht noch lange nicht Ver­fas­sungs­feind­lich­keit beweist. Siehe auch: Ist die Linke verfassungsfeindlich?

Über die Sen­dung beri­chete auch noch die Springer-​Presse: Late Night “Hart aber fair”: Han­ne­lore Kraft sitzt in der Ypsilanti-​Falle (Welt​.de)

Die SPD-​Spitzenkandidatin Han­ne­lore Kraft wirkte bei “Hart aber fair” tat­säch­lich so, als wolle sie mit den Linken eine Koali­tion anstreben. Ein Wort­bruch, der schon Andrea Ypsi­lanti in Hessen das poli­ti­sche Genick brach. (…)

Der Ein­druck ver­stärkte sich auch bei „Hart aber fair“, dort ver­liefen die Fronten klar zwi­schen den Bür­ger­li­chen und den Linken. Eine Jamaika-​Koalition oder die Ampel schienen prak­tisch aus­ge­schlossen und alles wirkte so, als ob die SPD-​Spitzenkandidatin Han­ne­lore Kraft tat­säch­lich ein Bündnis mit den Erben der SED anstrebt. (…)

Mit wem sie sich da ein­zu­lassen gedenkt, führte Frank Plas­berg Han­ne­lore Kraft anschau­lich vor. Sieben der elf Abge­ord­neten gehörten extre­mis­ti­schen Gruppen an, berich­tete der Mode­rator (…) „Aus­loten“, „son­dieren“ und „erstmal abwarten“ wollte Kraft trotzdem und erin­nerte mit ihrer wachs­wei­chen Belie­big­keit ein wenig an ihre hes­si­sche Kol­legin Andrea Ypsilanti. (…)

→ Wieder die übli­chen Mittel: Ver­gleiche mit Andrea Ypsi­lanti, SED-​Nachfolgepartei, ein­fach in den Raum gewor­fene Vor­würfe (“extre­mis­ti­sche” Gruppen).

Jörges erin­nerte daran, dass auch Joschka Fischer und Otto Schily als Stra­ßen­kämpfer bezie­hungs­weise RAF-​Anwalt begonnen und sich später zu respek­tierten Poli­ti­kern gemau­sert hätten. Als Argu­ment für eine Zusam­men­ar­beit mit der Links­partei taugt das jedoch nicht, denn regie­rungs– und koali­ti­ons­fähig wurden Fischer und Schily erst, nachdem sie sich glaub­haft von den Dumm­heiten ihrer Jugend ver­ab­schiedet hatten.

→ Als Anwalt zu arbeiten ist also eine Jugend­dumm­heit? Und was sind denn die der­zei­tigen “Dumm­heiten genau”?

Außerdem in den Medien am Mittwoch:

Son­die­rungs­ge­spräche in der kom­menden Woche: Rot-​Grün lädt zu Gesprä­chen (WDR​.de)

Auch die Frak­ti­ons­vor­sit­zende der NRW-​Grünen, Sylvia Löhr­mann, wollte Gespräche mit der Linken nicht grund­sätz­lich aus­schließen. Man müsse in den anste­henden Gesprä­chen her­aus­finden, ob die Links­partei regie­rungs– und hand­lungs­fähig sei. Dazu gehöre, ob sie von ihren Vor­stel­lungen wie der Zer­schla­gung des Schul­sys­tems in NRW, der Ver­staat­li­chung von Ener­gie­un­ter­nehmen oder der Abschaf­fung des Verfassungs-​schutzes Abstand nehme, sagte Löhr­mann im ARD-”Morgen-magazin”: “Wenn die Links­partei nicht bereit ist, sich klar demo­kra­tisch auf­zu­stellen, dann kommt sie als Partner nicht in Frage.”

(Inzwi­schen steht auf der Site ein anderer Text. Zuvor war dort jedoch das Zitierte zu lesen.)

→ Man muss viele Punkte wie Ver­staat­li­chungen nicht gut finden und kann sie auch als alles mög­liche bezeichnen – anti­de­mo­kra­tisch sind sie gewiss nicht. Wie sieht es mit den For­de­rungen zum Schul­system aus? Ein Jahr länger oder kürzer gemein­same Schulzei soll den ent­schei­denden Unter­schied machen?

Son­die­rung in NRW: Kraft ver­grault die FDP (Focus​.de)

→ Ange­sichts der Erpres­sungs­stra­tegie der FDP und ihrem selbst gewählten Aus­stieg aus Gesprä­chen ist eine solche Über­schrift an Dreis­tig­keit wohl kaum zu überbieten.

Tag 4 (Don­nerstag, 13. Mai):

Grünen-​Chef Özdemir zu NRW: “Das wird kein Zucker­schle­cken” (Spon)

SPIEGEL ONLINE: Den­noch müssen Sie den Men­schen in NRW erklären, dass die Grünen plötz­lich mit einer Partei wie der Linken ver­han­deln, die man zuvor als nicht regie­rungs­fähig defi­niert hatte.

Özdemir: Wir haben eigent­lich zwei nicht regie­rungs­fä­hige Par­teien: Links­partei und FDP. Eine Partei, die über die Kopf­pau­schale einen Spit­zen­steu­er­satz von über 70 Pro­zent nötig machen würde, aber gleich­zeitig unbe­lehrbar weiter irgendwie die Steuern senken will – ist die ernst­haft regie­rungs­fähig? (…) Beide – FDP und Linke – brau­chen gute Auf­passer an ihrer Seite.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt nach großen Mühen. Ist die Oppo­si­tion da nicht die bes­sere Alternative?

→ Özdemir ver­sucht in dem Inter­view seinen NRW-​Parteikollegen zu “erklären”, dass sie eine Koali­tion mit FDP oder linken gleich schlimm finden müssten. Der Fra­ge­steller ergreift außerdem relativ ein­deutig Partei. Bei Schwarz-​Rot, so die inten­dierte Bot­schaft, gäbe es die “Pro­bleme” nicht.

SPIEGEL ONLINE: Regieren die Grünen in Düs­sel­dorf in NRW mit, heißt das für die CDU Oppo­si­tion. Das Ende des schwarz-​grünen Projekts?

→ Was für ein schwarz-​grünes Pro­jekt denn? Und wieso sollte es wegen einer Lan­des­re­gie­rung das Aus bedeuten? Sollen hier bei Anhän­gern einer sol­chen Koali­tion Befürch­tungen geweckt werden?

Koali­ti­ons­check: Wer kann mit wem in NRW? (FR​-online​.de)

Rot-​Rot-​Grün

Doch nicht nur extreme Linken-​Forderungen nach einer “Ver­ge­sell­schaf­tung der Schlüs­sel­in­dus­trien” und der 30-​Stunden-​Woche bei vollem Lohn­aus­gleich wären schwer mit den Part­nern ver­einbar. Auch wollen SPD und Grüne die Stu­di­en­ge­bühren schritt­weise, die Links­partei aber sofort abschaffen.

→ Es dürfte relativ klar sein, dass die Linke nicht alle For­de­rungen würde umsetzen können, v.a. die beiden zuerst genannten Punkte. Beim dritten Punkt wäre es wohl ange­raten, auf ihre For­de­rung ein­zu­gehen, auch damit SPD und Grüne eine Glaub­wür­dig­keit behalten.

Pro­gnose: Bei den SPD-​Funktionären in Nordrhein-​Westfalen gibt es zwar Sym­pa­thien für Rot-​Rot-​Grün. Im Ber­liner Willy-​Brandt-​Haus möchte man diese fra­gile Kon­stel­la­tion aber kei­nes­falls aus­ge­rechnet mit den beson­ders radi­kalen NRW-​Linken aus­pro­bieren. Würde das Bündnis näm­lich schei­tern, wäre die Macht­per­spek­tive für 2013 im Bund verbaut.

→ In der Mei­nung man­cher im Willy-​Brandt-​Haus sicher richtig, aller­ding würden Worte wie “in ihren Augen” das deut­lich machen. So steht es da, als wäre es ein objek­tiver Fakt.

Leit­ar­tikel: Expe­ri­ment mit Rot (FR​-online​.de)

In diesem Artikel wird zwar letzt­end­lich für Rot-​Rot-​Grün argu­men­tiert, aller­dings werden auch ein paar Argu­ments­muster der Gegner von Rot-​Rot-​Frün gebraucht. V.a. die Linke müsse sich ändern, so die Bot­schaft. Frei­lich kann man, wenn es keine rot-​rot-​grüne Koali­tion geben sollte, leicht auf die linken “Beton­köpfe” als Recht­e­fr­ti­gung zurückgreifen.

Nicht nur beim Can­nabis, son­dern auch in Sachen Berechen-​barkeit steht die FDP in diesen hek­ti­schen Tagen dem linken Anti­poden also nicht nach. Dieser ver­legt sich darauf, in schönster All­ge­mein­heit einen “grund­le­genden Poli­tik­wechsel” zur Bedin­gung einer rot-​grün-​roten Koali­tion zu erklären. Ob dafür die SPD gleich das ganze Linken-​Programm über­nehmen müsste, ein­schließ­lich “Ver­ge­sell­schaf­tung” der Energiekon-​zerne, 30-​Stunden-​Woche bei vollem Lohn­aus­gleich und Neu­be­wer­tung der DDR-​Vergangenheit, bleibt vor­erst unklar. (…)

Die Landes-​SPD muss schon sehr genau hin­schauen, mit wem sie sich da ein­lässt. Und sie muss in Ver­hand­lungen genau bestimmen, ob sie diesen Partner domes­ti­ziert bekäme.

→ Die häufig geäu­ßerte Ansicht, dass die For­de­rungen radikal seien usw. ist ja aus man­cher Posi­tion nach­voll­ziehbar. Aber woher kommt eigent­lich das mit der Unbe­re­chen­bar­keit? Glaubt man wirk­lich, dass die Linke nicht auf eine Koali­tion ein­gehen würde, wenn nicht alle ihre For­de­rungen erfüllt werden (dann wären aller­dings einige Vor­würfe berech­tigt)? Und heißt domes­ti­zieren nur, die wirk­lich radi­kalsten For­de­rungen nicht umzu­setzen und Ein­bin­dung in die Regie­rungs­ar­beit, oder heißt es Ein­bin­dung in die neo­li­be­rale “Neue Mitte”/ “Dritter Weg”-Politik?

Tag 5 (Freitag, 14. Mai):

Die Süd­deut­sche hat inzwi­schen offen­sicht­lich auch die Report Mainz-​Sendung gesehen:

Die neue Linke-​Fraktion in NRW – Die Spitze des Wahnsinns

Beu­er­mann ran­giert auf Platz 22 der Erst­un­ter­zeichner des Grün­dungs­pa­piers der sozia­lis­ti­schen Linken. Darin stehen auch diese Sätze. “Die DDR war ein legi­timer Ver­such, auf deut­schem Boden eine Alter­na­tive zum Kapi­ta­lismus auf­zu­bauen. Sie hat beacht­liche Erfolge in der Her­stel­lung sozialer Gerech­tig­keit, im Bil­dungs­wesen und der Erwerbs­tä­tig­keit der Frauen erreicht.”

→ Dass die DDR ein Ver­such war, eine Alter­na­tive zum Kapi­ta­lismus auf­zu­bauen, kann ja nicht bestritten werden. Ob er legitim war, kommt darauf an, für wen, welche Kri­te­rien man anlegt usw. Auf jeden Fall ist er geschei­tert. Und auf manche Erfolge etwa in der Bil­dungs­po­litik oder bspw. bei Krippen-​plätzen wird heute von vielen Seiten, nicht nur von DDR-​Nostalgikern, ver­wiesen. Dämo­ni­sie­rungen nützen genauso wenig wie Glorifizierungen.

Aber v.a., was die Süd­deut­sche nicht zitiert, der Text geht noch weiter:

Auf der anderen Seite stehen jedoch auch die Unter­drü­ckung von Oppo­si­tion und der Mangel an Rechts­staat­lich­keit. Geschei­tert istdie DDR letzt­lich an man­gelnder Demo­kratie und inef­fi­zi­enter Ökonomie.”

Dies wirft ein voll­kommen anderes Bild auf, als das, was die Süd­deut­sche zu zeichnen ver­sucht. Weiter in ihrem Artikel:

Von den Repor­tern gefragt, ob die DDR ein Unrechts­staat war, ant­wortet Böth frei­mütig: “Ins­ge­samt, in toto, kann man das, glaube ich, so nicht sagen. (…)

→ Hier gilt es aber eben­falls zu dif­fe­ren­zieren bei solch einem zutiefst unklaren Begiff. Meint man die for­male Gül­tig­keit und Ver­fol­gung von Rechts­normen, kann man sicher nicht sagen, dass die DDR gene­rell ein Unrechts­staat war.

Macht man aber die Gül­tig­keit von ele­men­taren Men­schen– und Bür­ger­rechten zum Maß­stab, kann man da mit guten Gründen anderer Mei­nung sein. [Ich bin es auch. In der DDR wurde nach einem Rechts­system gehan­delt, aber dieses ist an sich — poli­tisch und ethisch — zu kri­ti­sieren, stellte zwar viel­leicht Recht, aber keine Gerech­tig­keit dar.]

Pau­schale Ant­worten sind auf kom­pli­zierte Fragen nicht ein­fach zu geben (aller­dings schadet sich die Linke mit sol­chen und ähnli­chen Äuße­rungen immer wieder selbst, und die Ein­stel­lungen dahinter sind in man­chen Fällen wohl durchaus höchst problematisch).

Wei­terhin wird über von der Bun­des­re­gie­rung oder einer Verfassungsschutz-​behörde des Bundes oder eines schwarz-​gelben Landes als “links­ex­tre­mis­tisch” bezeich­neten Orga­ni­sa­tionen berichtet (Rote Hilfe, Anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Linke).

Und es gibt den Vor­wurf, dass drei Abge­ord­nete der PKK nahe­stünden; dann rela­ti­viert sie, dass zumin­dest zwei die Föde­ra­tion der kur­di­schen Ver­eine in Deutsch­land “Ye-​Kom” (eigent­lich YEK-​KOM) unter­stützten, die laut Süd­deut­sche “als eine Art legaler Arm der PKK in Deutsch­land agiert” – und dass diese gar offen zur Wahl der drei Linken-​Politiker auf­ge­rufen habe! Sollen sie es ihr ver­bieten oder was? Weiter dann:

Ein sol­ches Bündnis ließe sich ohnehin nur mir viel Mühe schmieden. Die Linke hat dafür hohe for­male Hürden gesetzt. Bevor es zu Koali­ti­ons­ge­sprä­chen kommen kann, muss ein Son­der­par­teitag das Vor­haben absegnen. Später müsste ein Koali­ti­ons­ver­trag erst einen Mit­glie­der­ent­scheid überleben.

→ Oh nein, inner­par­tei­liche Demo­kratie, so etwas mag die “Wir brau­chen end­lich wieder Führungsstärke!”-Presse gar nicht.

Sozi­al­de­mo­kraten und Grüne, denen noch immer nicht die Lust an einer Zusam­men­ar­beit mit der Linken in NRW ver­gangen ist, sollten sich einige Wahl­pla­kate der Linken aus dem Landtags-​wahlkampf in Erin­ne­rung rufen. Was da stand, kann nicht gerade als Bewer­bung für ein rot-​rot-​grünes Links­bündnis gewertet werden. “Wer hat uns ver­raten – Sozi­al­de­mo­kraten”, heißt es auf einem Plakat. Auf einem anderen: “Wer grün wählt, wird sich schwarz ärgern.”

→ Hier zeigt sich der Artikel offen wie sonst kaum einer als reine Mei­nungs­mache, als plumpe Agi­ta­tion gegen Rot-​Rot-​Grün.

Anti­fe­rengi schreibt dazu:

Thorsten Denkler von der Süd­deut­schen, sieht in der LIN­KEN­spitze in NRW die Spitze des Wahn­sinns und ver­sucht diese nach Bild­zei­tungs­ma­nier ins Lager der Extre­misten und DDR-​Gläubigen tot zu ana­ly­sieren. Dabei knüpft er gän­gige und vom neo­li­be­ralen Lager seit Jahr­zehnten gepflegte Volk­sängste an All­ge­mein­plätze wie SED, DDR und RAF, – die wie Stich­worte dem unbe­wussten Auto­ma­tismus dieser Ängste auf die Sprünge helfen sollen.

Gekonnt kon­stru­iert er Asso­zia­tionen, welche einem Guido Wes­ter­welle alle Ehre des Dem­ago­gen­tums das Wasser hätte rei­chen können. Aber Denkler ist kein Dem­agoge. Er ist ein armer Kerl der nur noch das hören will, was ihn seit jahr­zen­te­langem Mei­nungs­konsum selber ver­führt hat. Zu arm­selig sind seine Pla­ti­tüten, mit wel­chen er in Manier eines Hexen­jä­gers Per­sonen und All­ge­mein­plätze zu einem Schreck­ge­spenst ver­sucht zu konstruieren.

Und aller­dings, es ist erstaun­lich, aber die Bild tut sich fast schwer, die Süd­deut­sche noch zu über­bieten: Ver­fas­sungs­schutz: 7 Mit­glieder der Linkspartei-​Fraktion werden überwacht

Denn sieben der neuen Abge­ord­neten unter­halten inten­sive Kon­takte zu ein­deutig extre­mis­ti­schen und vefas­sungs­feind­li­chen Organisationen.

→ Wären sie wirk­lich ein­deutig extre­mis­tisch und ver­fas­sungs­feind­lich, würden sie ver­boten. Und würden tat­säch­lich alle Orga­ni­sa­tionen ver­boten, die eine Ver­fas­sungs­schutz­be­hörde über­wacht, gäb es in Deutsch­land einen mas­siven Shift nach rechts und in Rich­tung auto­ri­tärer Staat.

Michael Aggel­idis (47, Jurist) aus Bonn, bekennt sich zur „Anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Linken“, einer ultra­linken Strö­mung inner­halb der Partei. Sie stellt laut Ver­fas­sungschutz die Systemfrage.

→ Ok, schauen wir doch mal in den Ver­fas­sungs­schutz­be­richt Nordrhein-​Westfalen (S. 61):

Die For­de­rung nach einer Über­win­dung des Kapi­ta­lismus zugunsten eines demo­kra­ti­schen Sozialismus‘allein ist noch nicht zwin­gend extre­mis­tisch. Das Grund­ge­setz sieht keine bestimmte Wirt­schafts­ord­nung vor, solange die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit (Art. 9 GG), die freie Wahl des Berufs, des Arbeits­platzes und der Aus­bil­dungs­stätte (Art. 12 GG), die all­ge­meine Hand­lungs­frei­heit (Art. 2 GG) und die Eigen­tums­ga­rantie (Art. 14GG) gewähr­leistet sind.

Die Umset­zung der sys­tem­ver­än­dernden bzw. –über­win­denden Ansätze in den Posi­tionen der Bundes– und der Lan­des­partei in Gänze ist aber ohne die Miss­ach­tung zumin­dest ein­zelner Grund­prin­zi­pien der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung kaum vor­stellbar. ‘DIE LINKE*‘ stellt jeden­falls pro­gram­ma­tisch die „Sys­tem­frage“, ohne ein alter­na­tives System zu beschreiben, das mit dem Grund­ge­setz ver­einbar wäre.

→ Solche Rela­ti­vie­rungen liest man immer wieder beim Ver­fas­sungs­schutz. Ich würde wirk­lich gerne wissen, wo denn die FDGO genau ver­letzt werden soll bzw. welche der im ersten zitierten Absatz dar­ge­stellten Grund­sätze wie ver­letzt würden. Ent­weder kann man oder will man diese Frage nicht beant­worten (denn dann gäbe es kaum eine Legi­ti­mie­rung mehr, die Linke zu überwachen).

Ach ja, und der bei Report Mainz gezeigte DDR-​Flagge-​Hisser und ”Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!”-Sänger war gar nicht von der Partei Die Linke, son­dern von der Partei Die Partei (Die Partei, Neues Deutsch­land, junge Welt).

Tag 6 (Samstag, 15. Mai):

Heute gab es v.a. Berichte über den Par­teitag der Linken, frei­lich auch oft undif­fe­ren­ziert und pole­mi­sie­rend BBot­schaft meist: die Linke ist heillos zer­stritten), aber NRW spielte in den Arti­keln eher am Rande eine Rolle. Außerdem in der Presse:

Links­partei in NRW: Schei­tern soll es an den anderen (FAZ​.net)

Die Links­partei hat zwar ver­kündet, dass sie in NRW mit­re­gieren will. In Wahr­heit sind sich die Linken damit aber nicht ganz sicher. Ein Grund für das Zögern: Das Per­sonal in Düs­sel­dorf ist nicht ganz unproblematisch. (…)

Ins­ge­samt aber über­wiegt in der Bun­des­füh­rung der Partei die Skepsis, dass ein sol­ches Bündnis Heil brächte. Der bis­he­rige Poli­tik­an­satz „Wir und die anderen“, mit dem die Links­partei gut gefahren ist, wäre end­gültig dahin.

→ Aus der Partei selbst hört man ganz andere Stimmen. Wie kommt es, dass die Presse immer etwas anderes hört?

Doch das ist nichts Beson­deres in der Links­partei Nordrhein-​Westfalens. Deren füh­rende Poli­tiker gehören zur „Anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Linken“ oder „Sozia­lis­ti­schen Linke“. Reformer, so heißt es in der Partei, schlössen sich wider ihrer Über­zeu­gung einer dieser Strö­mungen an, weil sie sonst im Lan­des­ver­band keine Kar­riere machen könnten.

→ Aber wenn das stimmt, hieße das nicht, dass viel­leicht einige der Linken-​Politiker gar nicht so radikal wären? Was denn nun?

Und dann kommen mal wieder Zitate aus der Report Mainz-​Sendung. Außerdem geht es auch hier um die drei kur­di­schen Abge­ord­neten und die Yek-​Kom.

Atalan sagt dazu, dass der Wahl­aufruf von Yek-​Kom nichts zu sagen habe; viele Migran­ten­or­ga­ni­sa­tionen hätten zu seiner Wahl auf­ge­rufen, weil er in der Flücht­lings­hilfe aktiv sei.

Rot-​grün-​rote Gespräche: In NRW droht eine Koali­tion, die keiner will (Welt​.de)

Die keiner will? Ganz sicher ist nur, dass die Springer-​Presse sie nicht will, um keinen Preis. Ein paar Zitate aus dem Artikel: ” Hort des Wahn­sinns” (wieder mal), “irr­lich­terndes Personal”,

Die meisten Mit­glieder der elf­köp­figen Frak­tion im NRW-​Landtag sind in den offen extre­mis­ti­schen Ver­ei­ni­gungen inner­halb der Partei wie der Sozia­lis­ti­schen Linken oder der Anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Linken orga­ni­siert und gehören zum „typi­schen Grau­zo­nen­feld zwi­schen linken Bünd­nissen und Links­ex­tre­mismus“, wie ein Ver­fas­sungs­schützer meint.

→ Zuerst “offen extre­mis­tisch”, und dann sieht sie nicht mal der Ver­fas­sungs­schutz als ein­deutig extre­mis­tisch, son­dern in einem mys­te­riösen “Grauzonenfeld”?

Außerdem, so die Welt, wollten die meisten der Abge­or­denten der Linken angeb­lich nicht in die Regie­rung in NRW. Na dann muss sie sich ja keine Sorgen machen, oder?

Tag 7 (Sonntag,16. Mai):

Sollte heute tat­säch­lich der erste Tag ohne Anti-​Rot-​Rot-​Grün-​Propaganda sein? Ich habe sicher­lich nur etwas über­sehen, oder es kommt noch was im Ver­lauf des Abends.

UPDATE:

Der Focus lässt seinem Hass mal richtig freien Lauf. Par­teitag (danke an Reco­tard für den Hinweis!):

Linke in der Schwebe (Focus​.de)

Wir sind die Guten

Ansonsten herrschte auf diesem Par­teitag eine sel­tene Ein­mü­tig­keit in der Linken: Wir sind die Guten, weil wir die Ein­zigen sind, die raus wollen aus Afgha­nistan, weil wir schon immer gesagt haben, dass die Banken ver­staat­licht und die Ener­gie­be­triebe “rekom­mu­na­li­siert” werden müssen, dass Hartz IV ein Ver­bre­chen und alle anderen Par­teien ohnehin nur aus kalt­her­zigen Neo­li­be­ralen bestehen.

Man kann das anma­ßend und arro­gant finden oder ein­fach auch nur dumm und lächer­lich. Viele Kon­zepte der Linken sind schlicht rea­li­täts­un­taug­lich, da nützen auch die scharfen Worte Lafon­taines in seiner Abschieds­rede nichts.

→ Fakten, Fakten, Fakten … Und dann wieder die Geschichte prag­ma­ti­sche Ost-​Linke/​ideo­lo­gi­sche West-​Linke, nur in Worten, die einen zwei­feln lassen, ob es sich nicht doch um eine Satire handelt:

Man muss sich nur vor Augen führen, dass west­liche Fun­da­men­ta­listen bevor­zugt gegen das “System” kämpfen und überall Kriegs­hetzer und Impe­ria­listen sehen, wäh­rend östliche Prag­ma­tiker sich um Kita-​Plätze küm­mern und Stellen im öffent­li­chen Dienst abbauen

UPDATE:
Die Fern­seh­be­richte über den Linken-​Parteitag am Sonntag waren bei ARD und ZDF sogar noch relativ aus­ge­wogen, im Deutschlandfunk/​Deutsch­land­radio Kultur aller­dings extrem pole­misch. Außerdem noch im Ver­lauf des Sonn­tags in den Medien:

Koali­ti­ons­suche in NRW: Zwi­schen Pest und Cho­lera (FAZ​.net)

Auch wenn die Gegner eines Links­bünd­nisses in der SPD nicht in der Mehr­heit sein dürften – ein Zusam­men­gehen mit der Links­partei würde die Sozi­al­de­mo­kraten vor eine Zer­reiß­probe stellen.

Schon vor der Wahl haben kon­ser­va­tive Sozi­al­de­mo­kraten wie der ehe­ma­lige SPD-​Fraktionsvorsitzende Fried­helm Farth­mann ein­dring­lich vor einem Links­bündnis gewarnt: „Mit diesen Chaoten kann man nicht 18 Mil­lionen Men­schen regieren.“ Kei­nes­falls sei ein Bündnis mit der CDU ein Unglück für die SPD.

Ein anderer erfah­rener Sozi­al­de­mo­krat ist sich nun sicher: „Wenn wir ernst­haft beginnen, über ein Bündnis mit den Linken zu ver­han­deln, wird der Druck aus der Wirt­schaft und den Gewerk­schaften enorm.“

Und in Anspie­lung darauf, dass nicht nur die For­de­rungen, son­dern auch die Bio­gra­phien und Äuße­rungen der elf Mit­glieder der neuen „Linke“-Fraktion im Düs­sel­dorfer Landtag wohl noch häufig Anlass für ein ver­hee­rendes Medi­en­echo bieten werden, fügt der SPD-​Genosse, der anonym bleiben will, hinzu: „Alle wissen, dass ein Links­bündnis eine Hatz und eine Quä­lerei würde.

→ Die Mei­nung des linken Par­tei­flü­gels wird frei­lich nicht dar­ge­stellt. Wenigs­tens wissen wir schon jetzt, dass die FAZ bei der Medi­en­hatz auf jeden Fall mit dabei sein wird. Oh, und wir erfahren später dann noch, dass die Linke in Bie­le­feld nicht zuver­lässig sei. Na dann.

Ganz sicher ist, dass die Kam­pagne in der nächsten Zeit weiter gehen wird. Und sie wird weiter beobachtet.

Quelle: Guar­dian of the Blind

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