Analyse: Die tatsächlichen (!) Arbeitsmarktzahlen Mai 2010
Dienstag, 01. Juni 2010-12:54 -|- Eingestellt von: Julie |
Liebe Leser, hier wieder die realistischen Zahlen von Sybilla. Die Arbeitslosigkeit ist selbstverständlich wieder gesunken und in diesem Jahr hält der Frühjahrsaufschwung besonders lange an. Mein Gott, was bin ich heute wieder sarkastisch…
Einzelhandelsumsatz bricht im April 2010 erneut um real 3,1% ein
Pressemitteilung Nr.192 vom 01.06.2010 Einzelhandelsumsatz im April 2010 real um 3,1% gesunken — WIESBADEN – Nach vorläufigen Ergebnissen des Statis-tischen Bundesamtes (Destatis) lag der Umsatz im Einzelhandel in Deutschland im Mai 2010 nominal 1,8% und real 3,1% niedriger als im Mai 2009. Beide Monate hatten jeweils 24 Verkaufstage.
Die Frühjahrsbelebung kommt nicht in der Binnenkonjunktur (Jahresvergleich) an.
Arbeitsmarkt Mai 2010:
Offizielle Zahl der registrierten Arbeitslosen im Mai 2010
3.241.529 + 1.602.244 Personen in arbeitsmarktpolitische Instrumente
ARBEITSLOSE + Personen in Maßnahmen Mai 2010 == 4.843.773 betroffene Personen
BA Bericht Mai 2010 Seite 51 Unterbeschäftigung ohne Kurzarbeit 4.423.773 Personen Unterbeschäftigungsquote 10,4 %
Nach den jüngsten Angaben wurden im März 2010 an 830.000 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld gezahlt. (BA Bericht Mai 2010 Seite 9)
Leistungsempfänger 3): (ALG I 987.744; ALG II 5.038.185; Sozialgeld 1.856.218 ohne Sozialhilfe SGB XII)
BA Bericht Mai 2010 Seite 51
3) Endgültige Werte stehen erst nach einer Wartezeit fest. Am aktuellen Rand können die Daten aufgrund von Erfahrungswerten überwiegend hoch gerechnet werden.
Die Zahl der Leistungsempfänger (ALG I, ALG II, Sozialgeld) verharrt weiterhin bei rund 8 Millionen Personen (7.882.147) BA Bericht Mai Seite 51.
Der BA — Arbeitsmarktstatistik suggeriert weiterhin eine Insel der Glückseligkeit. Die Arbeitslosenstatistik der BA verzeichnet die übliche Frühjahresbelebung am Arbeitsmarkt die nicht so stark ausfällt „wie erwartet“.
Bei sorgfältiger Betrachtung des BA Monatsbericht fällt allerdings auf, dass viele Zahlen auf Schätzungen und Hochrechnungen beruhen. Für mich stellt sich deshalb die Frage, wird die Zahl der Arbeitslosen seitens der BA gezählt oder — wie zuletzt in Griechenland — geschätzt?
Vor allem stellt sich die Frage, woher kommt trotz „robusten Arbeitsmarkt“ das exorbitant hohe Finanzdefizit der BA und der exorbitant hohe Anstieg der Ausgaben für soziale Leistungen (ALG II) bei den Kommunen?
Statistisches Bundesamt — Pressemitteilung Nr.505 vom 22.12.2009 — Deutliches Defizit der Kommunen im ersten bis dritten Quartal 2009
Laut BA Schätzungen/Hochrechnungen befanden sich im Monat Mai *1,60 Mio. Personen (*vorläufig und hochgerechnet) in einer von Bund oder Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme. (BA Bericht Mai Seite 6) Darunter sind nach BA Hochrechnungen/Schätzung 303.697 Personen in einer Arbeitsgelegenheiten nach § 16d SGB II Wobei von einer Untererfassung auszugehen ist, 3)
Es ist von einer Untererfassung auszugehen, so haben bundesweit für 2009 [Januar bis Dezember, Datenstand April 2010] nur ca. 71 % im BA Bericht März waren es noch 77 % der Träger Daten zum Einsatz der kommunalen Eingliederungsleistungen (flankierende Leistungen) erfasst.
Wie viele Personen in den fehlenden 23 % jetzt 29 % gefördert werden, wäre reine Spekulation. (BA Bericht Mai Seite 85 Fußnote 3)
Vor allem im Bereich der Arbeitsgelegenheiten (Ein Euro Jobs) ist eine erhebliche Untererfassung zu vermuten. Hinweis BA Bericht Mai 2010 Seite 85 Am aktuellen Rand werden die Daten aufgrund von Erfahrungswerten hoch gerechnet. 7) Vergleiche mit Vorjahresergebnissen sind nicht sinnvoll, da rückwirkend ab BM Jan 2010 die Datenbasis und das Messkonzept zur Auswertung von eingelösten VGS (bewilligt 1. Rate) umgestellt und die statistischen Ergebnisse revidiert wurden.
Quelle der Daten: http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst…nat/201004.pdf
Wem nützt eine kreative Arbeitslosenstatistik die vielfach auf Schätzungen und Hochrechnungen der BA beruht?
Die Wirtschaftskrise schlägt demnach nur auf die Zahl der Leistungsem-pfänger und die Finanzen der BA und der Kommunen durch, nicht aber auf die Zahl der statistisch erfassten Arbeitslosen. Die BA Statistik der Arbeitslosen bleibt in der Krise „robust“ die Arbeitslosen werden weiterhin in den „Verschiebebahnhöfen“ – arbeitsmarktpolitische Instrumente und Kurzarbeit — sowie in der von der Ministerin angestrebten Ausweitung der steuerfinanzierten Bürgerarbeit, verborgen.
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Erstellt von Sybilla am 01.06.10
Jeder darf diesen Bericht unter Hinweis auf die Autorin frei verwenden.
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Kategorie » Arbeit/Gewerkschaft « | Tags » Arbeit, Arbeitsmarkt, Arbeitsmarktdaten, Statistik, Sybilla «
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1
florian 01.06.2010 um 15:25 Uhr
sehr aufschlussreich. befinde mich im moment in einer maßnahme. wobei ich erwähnen muss, dass 2/3 der teilnehmer zum 1.8.2010 in ausbildung gehen. der durchschnitt soll bei 50 % liegen. aber von einer früheren maßnahme kann ich sagen, dass bis zu 80% der teilnehmer ihr glück in zeitarbeitsfirmen fanden.
desweiteren wissen die wenigsten, wie man menschen die alg 2 beziehen in solche maßnahmen bekommt.
man schickt ihnen eine einladung zu einem treffen, wo dann solch eine maßnahme vorgestellt wird. das ganze wird über einen bildungsgutschein finanziert. und ja, man sollte sich glücklich schätzen diesen gutschein "geschenkt" zu bekommen…
nein, in wahrheit erfährt man erst während des treffens das man ihn bekommen hat und bekommt gleichzeitig einen vertrag vorgelegt. diesen sollte man besser unterschreiben, denn sonst bekommt man eine 100%ige sperre über 3 monate. den lehrenden dozenten erzählt man dann noch das alle teinehmer mittels gutschein freiwillig dabei sein. von der unterrichts gestalltung möcht ich gar nicht schreiben… naja, vielleicht reicht es schon sich ein bild zu machen wenn ich erwähne das wir heute von 7 std effektiv 15 min gearbeitet haben. ein witz! frühstücken, film gucken und am pc rum daddeln und nicht zu vergessen, die 1 1/2 std die wir mal wieder früher gehen durften.
übrigens hat mein rausfall aus alg 2 nichts mit dieser maßnahme zu tun^^
2
Senta 01.06.2010 um 19:00 Uhr
Habe selber beim Bildungsträger gearbeitet, auf 4 Stockwerken ca. 500 Personen in sogenannten Kursen und Weiterbildungen.
Erwachsene Menschen klebten von 8.30 — 16.00 Uhr ausgeschnittene Papierblumen an Holzstängel — um sie 16.00 Uhr in der Papiertonne zu entsorgen.
Andere teilten sich jeweils zu viert einen PC Marke Mittelalter und suften im Schneckentempo nach Belieben.
Pausen wurden jeweils um 1 – 2 Stunden verlängert. Man geht gern mal früher nach Hause. Dozenten haben aufgegeben und machen auch nur auf Anwesenheit.
Bei den Abrechnungen fiel auf, dass je nach Maßnahme der Bildungsträger zwischen 740 und 1.400 Euro pro Nase kassiert.
Ach, die schwererziehbaren, arbeitslosen Jugendliche habe ich vergessen, die waren in kreativen Werkstätten untergebracht und sägten und feilten — ebenfalls für die Tonne nach Feierabend, wenn sie nicht gerade rauchend draußen standen (von 8 Stunden ca. 6).
Unser Geld geht dabei drauf, jedem 1000 Euro, GKV und die Freiheit — wäre billiger.
3
Rainer Wenk 01.06.2010 um 19:09 Uhr
3.242.000 registrierte Arbeitslose und 1.60 Millionen unterbeschäftigte Personen in Arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie 404.000 Nichtleistungsempfänger ergeben ohne große Recherche im großen Zahlenwerk des BA 5 Millionen 246.000 Arbeitslose.
S. 50 aktueller Bericht: 987.744 ALG I Empfänger + 5.038.185 erwerbsfähige ALG II Empfänger. In der Summe sind dies 6.025.929 Betroffene. Zusätzlich gibt es laut aktuellem Bericht auf Seite 19 weitere 404.000 Nichtleistungsempfänger. Jetzt sind es bereits 6.429.929 Menschen, welche von ALG I oder ALG II (sowie die Nichtleistungsempfänger) abhängig sind. Zusätzlich gibt es noch 830.000 Kurzarbeiter. Insgesamt sind dies bereits 7 Millionen 259.929 Personen.
Im Mai hatte die BA für den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt 321.000 freie Stellen zur Verfügung. Für Gesamtdeutschland hat das IAB nach aktuellen Zahlen ein Stellenangebot für den ersten Arbeitsmarkt von 659.000 freien Stellen angegeben. Quelle: http://doku.iab.de/grauepap/2010/os1001.pdf Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,403459,00.html) und später zu besetzenden Stellen bleiben ca. 435.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt, für 6,5 Millionen nach „Arbeit“ suchender Menschen!
Quelle: http://statistik.arbeitsagentur.de Entwicklung des Arbeits– und Ausbildungsmarktes im April 2010 — Seiten 6/9/17/19/51/