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Anne Will-​Nachlese: Hartz IV-​Elterngeld-​Streichung wäre verfassungswidrig

Montag, 07. Juni 2010-15:30 -|- Eingestellt von: |

Hartz4-​Plattform empört über Dis­tanz von Poli­ti­kern gegen­über den Bür­gern | Pres­se­mit­tei­lung Hartz4-​Plattform | — „Bei der gest­rigen Anne Will-​Sendung, haben die anwe­senden Poli­tiker wieder einmal ein Parade-​Beispiel dafür abge­lie­fert, wie wenig sie die Lebens­wirk­lich­keit der Menschen …

… kennen, über deren Lebens-​Schicksal sie sich Urteile und Ent­schei­dungen anmaßen,“ stellt Hartz4-​Plattform Spre­cherin, Bri­gitte Val­lenthin, empört fest.

„Nicht genug dass FDP Gene­ral­se­kretär Lindner die Spar­klausur der Regie­rung mit der Idee einer Strei­chung des Eltern­geldes für Hartz IV-​Betroffene befeuert hatte. Im Sonntag-​Abend-​Talk der ARD bla­mierte sich Manuela Schwesig (SPD) durch abgrund­tiefes Nicht­wissen auf die Frage der Mode­ra­torin zu dem Thema Hartz IV-​Elterngeld-​Streichung. Und Oskar Lafon­taine (Die Linke) blieb dazu gänz­lich stumm.“

Anne Will hatte Schwesig gefragt, ob es nicht sinn­voll sei, das Hartz IV-​Eltern-​geld von monat­lich 300,- € zu strei­chen, weil „Hartz IV-​Empfänger doch sowieso zu Hause“ wären und das Geld über­haupt nicht brauchten, um zu Hause bleiben zu können.

Die gefragte SPD-​Politikerin wich wort­reich auf die Finanz­krise aus. Und Oskar Lafon­taine, der nach Auf­fas­sung der Hartz4-​Plattform eigent­lich kom­pe­tent hätte ein­greifen müssen, hörte zu, ohne zu protestieren.

Wie groß die Dis­tanz zwi­schen Regie­renden und Regierten ist beweist das beredte Schweigen dazu, dass Hartz IV-​Betroffene in Wahr­heit von den ARGEn der Bun­des­agentur für Arbeit und den Sozi­al­be­hörden der Opti­ons­kom­munen über­wie­gend rund um die Uhr beschäf­tigt werden.

Sie müssen für 1 €-Stun­den­lohn zwangs­ar­beiten, unter Sanktions-​Androhung sinn­lose 8-​Stunden-​Bewerbungs-​Coachings auf­su­chen, Arbeit­ge­bern körbe-​weise Bewer­bungen für gar nicht vor­han­dene Arbeits­plätze schi­cken oder sich ständig zu will­kür­li­chen Mel­de­ter­minen im Amt einfinden.

Und oben­drein dürfen sie unter Straf­an­dro­hung nicht einmal die Grenzen der Stadt ver­lassen, in der sie wohnen, um bei­spiels­weise den Kin­der­arzt , der im Nach­barort wohnt. Die Tat­sa­chen: Men­schen unter dem unver­schul­deten Hartz IV-​Joch sind mit­nichten sowieso zu Hause. Sie werden viel­mehr mit sinn– und ziel­losen sog. „Maß­nahmen“, „Ver­wal­tungs­akten“ und Sozi­al­ge­richts­pro­zessen rund um die Uhr beschäftigt.

Ihnen des­halb mal eine Aus­zeit und staat­liche Unter­stüt­zung abzu­spre­chen für ein gesundes erstes Lebens­jahr ihrer Kinder, ist ver­fas­sungs­wid­rige Ungleich-​behandlung gegen­über allen anderen Fami­lien.. Hartz IV-​Betroffene erhalten gro­ßen­teils sehr wohl „Lohn“.

Nur ist dieser bei­spiels­weise bei 1 €-Job­bern, 400 €-Jobs oder Auf­sto­ckung auf Nied­rig­löhne so gering, dass er zum Leben nicht reicht. Es besteht fol­ge­richtig kein Grund, Ihnen „Lohn­er­satz­leis­tungen“ abzu­spre­chen. Fami­lien mit Hartz IV wird bereits das Kin­der­geld vor­ent­halten, das sogar jedem Best­ver­diener zuge­bil­ligt wird, der gar nicht braucht. Dabei brau­chen gerade diese Kinder am aller­nö­tigsten Hilfe, damit ihnen wieder ein gesundes Fami­li­en­leben ermög­licht wird.

„Sollte dieser Streichungs-​Skandal bei der Regie­rung durch-​gehen, so wäre drin­gend zu prüfen, ob hier nicht ein erneuter Ver­fas­sungs­bruch vor­liegt,“

meint Bri­gitte Vallenthin.

„Und ehe­mals Fami­li­en­mi­nis­terin, heute Sozi­al­mi­nis­terin von der Leyen sollte end­lich Farbe bekennen, ob sie mit diesen neuerli-​chen Strangulierungs-​Plänen die große Zahl der Hartz IV-​Kinder gänz­lich ihren Fami­lien ent­ziehen will oder ob sie diesen Fami­lien eine reale Chance und die dafür nötige, indi­vi­du­elle Unter­stüt­zung geben will.“

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Wies­baden, 07. Juni 2010

Bri­gitte Vallenthin

Presse Hartz4-​Plattform — keine Armut! — kein Hunger! — kein Ver­lust von Menschenwürde!

Bür­ger­in­itia­tive für die Ein­füh­rung des Bedin­gungs­losen Grund­ein­kom­mens sowie die Infor­ma­tion und Unter­stüt­zung von Hartz IV-​Betroffenen

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5 Kommentare

  1. 1

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    Volker Wulle 07.06.2010 um 17:17 Uhr

    Der ein­ma­lige Kraftakt (Merkel) für Ein­spa­rungen ist heute beschlossen worden, da wir alle über unsere Ver­hält­nisse gelebt haben (Wes­ter­welle).
    Dumm­schwätz auf höchster Ebene.
    Das Eltern­geld für Hartz IV-​Familien ist gestri­chen, der Ren­ten­an­teil im ALG II ist gestri­chen, ältere Lang­zeit­ar­beits­lose werden nicht mehr geför­dert, beim Wohn­geld wird die Hei­zungs­zu­lage gestri­chen, und, und, und…
    Es wird sich nichts ändern. Was sich ändert, ist die bru­tale Tat­sache, dass die not­lei­dende Bevöl­ke­rung noch mehr in Not gerät.
    Nach unten scheint es keine Grenzen zu geben.
    Pflicht­leis­tungen werden in Ermes­sens­leis­tungen umge­wan­delt.
    Das ist für mich die Ver­ab­schie­dung einer sozialen Ver­ant­wor­tung, und das Grund­ge­setz fackeln wir langsam aber sicher ab.
    Geld zu Geld, Armut zu Armut. So gehört sich das.
    Wut. Ein­fach nur Wut.

  2. 2

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    angelique döring 07.06.2010 um 20:55 Uhr

    ich bin 19 jahre bin am 23.4 mama geworden
    mein lebens­partner hat einen festen job trotzdem kommen wir nicht über die runden bekommen antei­liges arbeits­lo­sen­geld von 276 euro
    ich vers­stehe das nicht deutsch­land will immer kinder haben aber für die wird alles gestri­chen
    da brau­chen die sich nicht zu wun­dern das immer weniger kinder geboren werden ich ver­steh das alles nich meine frage was meinen sie kommen die damit durch????

    oder steht es schpn frest????

  3. 3

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    Hartmut Holz 07.06.2010 um 17:33 Uhr

    Am besten ist es, wenn das Mil­li­ar­den­grab Hartz IV ganz abge­schafft
    wird. Denn nur so kann erfolg­reich gespart werden.

    Denn wird die alte Arbeits­lo­sen­hilfe wieder ein­ge­führt, dann können die Kom­munen die Kosten für die Unter­kunft, der Arbeits­losen, ein­sparen und dieses ent­lastet natür­lich die Städte.

    Dafür müsste aber wieder Wohn­geld an die betref­fenden Per­sonen
    gezahlt werden.

  4. 4

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    Jacob P. 07.06.2010 um 23:05 Uhr

    Auch wenn viele es für unso­zial halten, ich finde es ver­nünftig, dass Hartz IV-​Empfänger keinen Anspruch mehr auf Eltern­geld haben. Diese Sub­ven­tio­nie­rung bil­dungs­ferner Eltern­schaft hätte schon vor Jahren abge­schafft werden müssen.

    Hartz IV-​Empfänger haben sich gefäl­ligst einen Job zu suchen, statt Kinder in die Welt zu setzen!

    Statt bil­dungs­fernen, arbeits­losen Eltern dafür, dass sie chan­cen­lose Kinder zeugen, wei­terhin Geld in die Taschen zu stopfen, sollte das Geld lieber für eine flä­chen­de­ckende Kin­der­be­treuung, Bil­dungs­gut­scheine, Schul­bü­cher und freie Schul­mahl­zeiten aus­ge­geben werden.

    • 5

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      Julie 07.06.2010 um 08:10 Uhr

      Hallo Jacob,

      Sorry — aber ich halte Ihre Ein­stel­lung zu diesem Thema nicht für unso­zial, son­dern für gefähr­lich. Ins­be­son­dere zu Ihrer Aus­sage, dass Leis­tungs­be­zieher sich "gefäl­ligst" einen Job zu suchen hätten, würde ich mir eine sach­liche und tie­fer­ge­hende Begrün­dung wünschen.