Der Krieg gegen die Rentner ist eröffnet
Donnerstag, 01. Juli 2010-11:11 -|- Eingestellt von: Julie |
Von Jochen Hoff | Duckhome | — Jeder Krieg beginnt heute mit einer Medienkampagne. Deren erstes Ziel ist es, die Bevölkerung mit einer passenden Wahrheit, also mit einer Lüge zu versorgen.
Natürlich reicht da nicht eine Lüge, sondern es muss eine ganze Reihe von Lügen miteinander verkettet werden. Selbstverständlich ist es dazu erforderlich, das die gesamte große Lüge von vielen kleinen Lügen unterstützt wird, die zudem von unterschiedlichen Personen kommen müssen. Wichtig ist auch das irgendjemand angeblich etwas hat, was die Lüge wissenschaftlich untermauert.
Solche Kampagnen werden übrigens im englischen Sprachraum viel kritischer beobachtet, als im deutschen Sprachraum. Das liegt vor allem daran, dass es im englischen Sprachraum noch einen gewissen Ethikcodex gibt, während im deutschen Sprachraum Ethik keine Rolle mehr spielt, was vor allem daran liegt, dass deutsche Journalisten im Wesentlichen nur noch Propagandisten für das Großkapital und die damit verbundene Politik sind. Sie sind damit fast immer Teil solch schmutziger Kampagnen.
Den ersten Schlag gegen die Rentner führte der angebliche Wissenschaftler Bernd Raffelhüschen, der im Auftrag von INSM und Großkapital schon so manche nette Auftragsarbeit geliefert hat und in einigen Kreisen sogar als Mietmaul bezeichnet wird.
Messerscharf und auftragsgemäß berechnet Raffelhüschen dabei, dass die Rentengarantie, also die Vermeidung von Rentenkürzungen, den Steuerzahler bis 2017 rund 5,1 Milliarden Euro kostet. Vermutlich hat er die Daten aus dem Klo von Herrn Kannegiesser gelesen, aber es geht ihm ja auch nicht um Wahr– heit und Wissenschaft sondern um Propaganda.
Niemand kann heute sagen, wie sich die Löhne in Deutschland bis 2017 ent– wickeln. Deshalb ist das ganze Kaffeesatzleserei oder eben Auftragswissen– schaft, die man unfreundlich auch als Propagandalüge bezeichnen könnte.
Dann nimmt die FDP den Ball auf, die sich ja schon immer gerne als arbeit– nehmerfeindlicher Handlanger der Versicherungsindustrie gezeigt hat und der die Zerstörung der solidarischen Versicherungssystem ein Kernziel ist.
Berlin (dts Nachrichtenagentur) — Angesichts der Nullrunde für Rentner in diesem Jahr will die FDP die Hinzuverdienstgrenzen für die Ruheständler vollständig abschaffen.
In der "Bild-Zeitung" (Donnerstagausgabe) kündigte der stell– vertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Heinrich Kolb, an, entsprechende Änderungen noch 2010 anzuschieben.
"Das sollten wir noch in diesem Jahr in Angriff nehmen", sagte Kolb der Zeitung. Derzeit gelten für Frührentner Hinzuverdienst– grenzen von 400 Euro im Monat. Zur Begründung erklärte der FDP-Politiker: "Fast jeder zweite Arbeitnehmer geht vor 65 und mit Abschlägen in Rente. Oft müssen sie ihre Rente mit einem Job aufbessern. Die Ruheständler sollten dabei soviel verdienen können wie sie wollen." Deshalb müssten die Hinzuverdienst– grenzen künftig wegfallen.
Ja das sind wahre Menschenfreunde. Sie erlauben Opa und Oma so viel hinzu– zuverdienen wie sie auch immer wollen und können. Da ist es doch gar kein Problem wenn Raffelhüschen und die INSM die Rente kürzen. Muss Opi halt ein wenig schubbern gehen. Dass die Leute schon in die Rente geflüchtet sind, weil sie keine Arbeit mehr bekamen interessiert Heinrich Kolb doch nicht.
Der wird immer gut bezahlt und wenn nicht dann geht er halt zu Mövenpick. Die Millarden die sie den Hoteliers geschenkt haben, werden wohl noch für ein Es– sen reichen.
Den nächsten Schlag führt dann Liz Mohn und Bertelsmann über das Forsa Institut, welches praktisch von den Einnahmen durch die Mohns lebt, und eine interessante Umfrage veröffentlicht:
Berlin (dts Nachrichtenagentur) — Jeder dritte Deutsche will offenbar über das Rentenalter hinaus berufstätig sein. Das ergaben eine Forsa– und eine Cobus-Umfrage unter rund 1.000 Menschen ab 18 Jahren im Auftrag der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Demnach wollen rund vier von zehn Männern auch im Rentenalter noch arbeiten. Bei den Frauen gaben das 27 Prozent der Befragten an.
Damit ist eigentlich schon alles klar. Die Rentner wollen und können arbeiten. Also soll man ihnen doch die Freiheit geben.
Das ist genau wie bei den Hartz IV-lern. Wenn die nicht arbeiten sind sie doch selber schuld. Das es keine Arbeitsplätze gibt. Das sind doch Kleinigkeiten. Müssen sie halt billig genug sein.
Aber selbst das Bundesamt für Statistik, das mit seinen seltsamen Wahrheiten die offizielle Regierungspolitik stützen soll, kommt nicht umhin Farbe zu beken– nen:
8,6 Millionen Menschen mit unerfülltem Wunsch nach (mehr) Arbeit
WIESBADEN – Im Jahr 2009 wünschten sich 8,6 Millionen Men– schen im Alter von 15 bis 74 Jahren Arbeit oder mehr Arbeits– stunden. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Basis von Ergebnissen der Arbeitskräfteerhebung mit. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 4,2 Millionen Unterbeschäftigten, 3,2 Millionen Erwerbslosen und 1,2 Millionen Personen in Stiller Re– serve.
Unterbeschäftigte sind Erwerbstätige, die den Wunsch nach zu– sätzlichen Arbeitsstunden haben und erklärten, für diese auch zur Verfügung zu stehen. In Deutschland waren 2009 immerhin 10,9% der Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 74 Jahren nach eigenen Angaben unterbeschäftigt. Teilzeitbeschäftigte äußern relativ häufiger (22,2%) den Wunsch nach zusätzlichen Arbeits– stunden als Vollzeitbeschäftigte (6,8%).
Lustig ist, dass bereits bis zum 74. Lebensjahr gerechnet wird. Damit ist das künftig geplante Renteneintrittsalter wohl enthüllt. Natürlich kann so ein Bun– desstatistiker bis 74 auf seinem Stuhl sitzen. Dem geht es wie den Politikern und Josef Ackermann. Da muss ja noch jede Menge Arbeit drin sein, weil nie welche rausgekommen ist.
Aber der 73 jährige Dachdecker der in kaltem,strömendem Regen seine Schin– deln aufs Dach nagelt und dabei seinem 72 jährigem Kollegen zujubelt, der das Plaster in der Einfahrt legt, dürfte wohl nur in den kranken Hirnen des Kapitals existieren.
In Frankreich protestieren die Menschen gegen die Verschiebung der Renten– grenze von 60 auf 62 Jahre und zwar zu recht. In Deutschland, wo es weder Gewerkschaften gibt, die die Rechte der Arbeitnehmer verteidigen, noch Ökono– men die etwas von ihre Job verstehen, wird die Rente wohl bald erst mit 74 und auch dann noch ständig gekürzt bezahlt.
Dass das Kapital keine Achtung vor der Leistung der Arbeitnehmer hat, die dem Kapital erst die Gewinne ermöglicht hat, ist klar. Dieses Kapital ist ein verbre– cherisches und vollständig verantwortungsloses Kapital. Die Politik ist nur ge– kaufter Handlanger dieses Kapitals. Fußballweltmeisterschaft und Bundespräsi– dentenwahl sind typische Ablenkungsmanöver.
Es ist nämlich völlig egal wer Fußballweltmeister wird, wenn Omi und Opi dem– nächst hungern müssen. Ob Gauck oder das Wulffilein die Interessen des Kapi– tals vertreten ist völlig gleichgültig. Beide sind Befehlsempfänger.
Es geht um die Menschen. Die Hartz IV — ler, die Rentner, die Arbeitslosen, die Arbeitnehmer, die kleinen Handwerker und Unternehmer. Sie alle sind Opfer.
Wer jetzt nicht kämpft wird bald zu schwach sein um zu kämpfen.
Quelle: Duckhome – Mit freundlicher Genehmigung. Danke, Jochen !
Bild: Von schremser Peter Ehret via Flickr Bestimmte Rechte vorbehalten
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Kategorie » Arbeit/Gewerkschaft, Gesellschaft/Soziales, Medien/Journalismus, Politik/Wirtschaft, Renten/Riesterrente « | Tags » Arbeit, Bernd Raffelhüschen, Bertelsmann, FDP, Hartz IV, INSM, kannegiesser, Medien, mohn, Rente, Springer «
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