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Tageskommentar von Egon W. Kreutzer 7.7.2010

Mittwoch, 07. Juli 2010-18:11 -|- Eingestellt von: |

Nicht Rau­cher­schutz, nein: Nicht­rau­cher­schutz | — Von Egon W. Kreutzer 7.7.10 | Egon W. Kreutzer​.de | – Am 19. Dezember 2006 schrieb ich in dem läng­li­chen Auf­satz "Rosige Zeiten" auch über den mit Macht her­auf­zie­henden Nicht­rau­cher­schutz, hier ein Auszug, dem eigent­lich nichts hinzuzufügen …

… ist, außer, dass wir Bayern uns haben dazu hin­reißen lassen, mit aller baju­wa­ri­schen Gwoid mit in dieses Horn zu stoßen, oder, wie es heute heißen müsste, den Volks­entw­scheid zur Vuvu­zela zu machen.

Aus "Rosige Zeiten", Dezember 2006

Selbst der Hang der Deut­schen, sich öffent­lich abzu­füllen, scheint nach­haltig nach­zu­lassen. Das Sta­tis­ti­sche Bun­desamt teilte mit, dass sich die Umsätze der Gast­stätten im Oktober 2006 bereits real um 1,7 Pro­zent gegen­über dem Vor­jah­res­monat zurück­ent­wi­ckelt hätten. Wenn das kein gutes Omen ist…!

Noch viel besser hätte der Erfolg im Kampf gegen fami­li­en­feind­li­ches, leber– schäd­li­ches, dumpfes Knei­pen­ho­cken aus­fallen können, wenn schon in 2006 das gene­relle Rauch­verbot beschlossen worden wäre. Jeder­mann weiß doch, dass sich die Gier nach Alkohol und die Gier nach Nikotin mit jeder Ziga­rette und jedem Bier­chen immer weiter gegen­seitig aufschaukeln.

Aber der — wie vor­er­wähnt — auch in der Gas­tro­nomie zu erken­nende Auf­schwung soll schließ­lich länger halten, und so hat der Bun­des­prä­si­dent be– schlossen, vor­sich­tiger mit der ver­füg­baren Schwung­masse umzu­gehen. Ergo ist der Nicht­rau­cher­schutz nun das geworden, was in Deutsch­land nur selten etwas wird, näm­lich Ländersache.

Wie der Bun­des­prä­si­dent meine auch ich, dass Nicht­rau­cher, wenn sie denn wirk­lich geschützt werden müssen, wenigs­tens nicht ver­fas­sungs­wid­rigen Schutz genießen sollen, denn eigent­lich ist die For­de­rung nach einem spe­zi­ellen "Nicht­rau­cher­schutz" der blanke Unfug.

"Nicht­rau­cher­schutz", das klingt, als ginge es um den Erhalt einer aus­ster­bende Art, wie den Feld­hamster, den man in deut­schen Landen, wo immer er vorgeb– lich gesichtet wurde, mit großem Ein­satz der unteren und oberen Natur­schutz– behörden vor Stra­ßenbau und Gewer­be­ge­biets­aus­wei­sung geschützt hat.

Aber Nicht­rau­cher sind doch längst überall!

Und Nicht­rau­cher sind keine Art, auch keine Rasse, noch nicht einmal eine Un-​terart. Nicht­rau­cher sind auch bloß Men­schen. Men­schen, die nicht rau­chen, so wie Vege­ta­rier Men­schen sind, die nicht Fleisch essen, oder Nicht­schwimmer Men­schen sind, die nicht schwimmen, oder Nicht­wähler sich dadurch aus­zeich– nen, dass sie nicht wählen, aber trotzdem Mensch bleiben. Was also macht aus­ge­rechnet die nicht rau­chenden Men­schen schüt­zens­wert? Haben sie nicht sowieso die bes­seren Über­le­bens­chancen und folg­lich die län­gere Ren­tenbe– zugsdauer?

Der Fehler liegt doch schon darin, dass der Begriff "Nicht­rau­cher", ohne den kleinsten Hauch eines seman­ti­schen Zwei­fels, ein­fach als das posi­tive Gegen– stück zum "bösen Rau­cher" behan­delt wird.

Das führt dann schlimms­ten­falls dazu, dass nicht­rau­chende Vor­stands­vor­sitz– ende, nicht rau­chende Wild­diebe und nicht rau­chende Päde­rasten sich ihre Schutz­rechte nach Bun­des­land­zu­ge­hö­rig­keit, oder ihre Bun­des­land­zu­ge­hörig– keit nach Schutz­rechts­be­darf aus­wählen können, wäh­rend rau­chende Minister– prä­si­denten, rau­chende Ober­förster und rau­chende Gene­ral­vi­kare bun­des­weit voll­kommen schutzlos allem aus­ge­lie­fert bleiben, was hier­zu­lande an Gefahren frei herumläuft.

Wenn Bürger dieses Landes vor den schäd­li­chen Folgen einer gesund­heits– gefähr­denden Droge geschützt werden müssen, dann doch wohl zual­ler­erst die­je­nigen, die sie sich direkt zuführen.

Und die direkt Betrof­fenen zu schützen, wäre ganz ein­fach. Dazu brau­chen wir weder ein bun­des­ein­heit­li­ches Rauch­verbot, noch einen Fli­cken­tep­pich von Lan­des­vor­schriften — alleine diese Schein-​Alternative zeigt doch, wie ver­rückt die Dis­kus­sion im Grunde geführt wird.

Der Trick stammt vom Ver­si­che­rungs­ver­treter, der am Telefon nicht etwa fragt: "Möchten Sie, dass ich Ihnen die Vor­züge unsere Lebens­ver­si­che­rung irgend– wann einmal per­sön­lich erkläre?", son­dern seinen Gesprächs­partner mit einer Schein-​Alternative über­rum­pelt, indem er fragt: "Ich komme Sie gerne besu– chen. Ist es Ihnen am Don­nerstag oder am nächsten Montag lieber?"

So ist es, mit Hilfe des Bun­des­prä­si­denten gelungen, die Frage nach dem Sinn– gehalt eines Rauch­ver­bots voll­kommen aus­zu­blenden und sie durch die Schein– alter­na­tive: >hätten Sie lie­bert ein "ein­heit­li­ches" oder ein "län­der­spe­zi­fi­sches" Rauch­verbot< zu ersetzen — was Erfolg zeigt.

Immer mehr Bürger, selbst solche, die nie auf die Idee gekommen wären, einen Kon­flikt zwi­schen Rau­chern und Nicht­rau­chern anfa­chen zu wollen, for­dern jetzt das bun­des­ein­heit­liche Rauch­verbot, weil sie näm­lich ver­nünftig denken, den Fli­cken­tep­pich für falsch halten — und damit voll in die auf­ge­stellte Falle tappen und sich zum Für­spre­cher — der zwar bes­seren Vari­ante — einer aber den­noch grund­sätz­lich völlig fal­schen Lösung machen.

Die einzig rich­tige und erfolgs­ver­spre­chende Lösung wäre es doch, die Her­stel­lung von, und den Handel mit allen als gesund­heits­schäd­lich erkan– nten Tabak­waren (und vielem anderen) zu ver­bieten und hart zu bestrafen.

Der Rau­cher soll ruhig jeder­zeit und an jedem Ort seinem Laster frönen dürfen — falls und so lange er noch etwas zum Rau­chen hat.

Warum sollen aus­ge­rechnet die­je­nigen, deren Pro­dukte nach­weis­lich erheb– liche Gesund­heits­schäden her­vor­rufen, unge­stört weiter ihre Gifts­tengel pro­du­zieren und satte Gewinne aus der Mas­sen­sucht gene­rieren dürfen, wäh­rend jeder Rau­cher mit einem Buß­geld rechnen muss, wenn er sich am fal­schen Ort eine Ziga­rette anzündet?

Die Ver­ur­sa­cher der tabak­rauch­in­du­zierten Erkran­kungen von Rau­chern und Nicht­rau­chern sind doch primär die­je­nigen, die den Dreck her­stellen und in den Handel bringen!

Rau­cher und Nicht­rau­cher, Erwach­sene und Kinder, Männer und Frauen, Gläu– bige und Athe­isten, Beamte und Ange­stellte, Arbeits­lose und Spit­zen­ma­nager müssen vom Staat vor Gefahren geschützt werden — aber bei­leibe nicht nur die Nicht­rau­cher vor den Gefahren des Passivrauchens.

Wir haben jede Menge Fein­staub in der Luft und immer noch viel Tscher­nobyl in Pilzen und Wild­schweinen. Wir haben Ben­zol­dämpfe an den immer noch nicht mit Absaug­ein­rich­tungen aus­ge­stat­teten Zapf­säulen, wir lassen end­lose Kolon– nen von Lkws gif­tige Die­se­l­ab­gas­wolken in die Luft blasen — in den Städten direkt in die Kin­der­wägen auf dem Bür­ger­steig, wir sehen zu, wie immer mehr Flug­zeuge den Himmel zuschmieren und wun­dern uns, dass in der Nähe der Start– und Lan­de­bahnen Häuser und Pflanzen in kür­zester Zeit schwarz und schmierig werden.

Wir lassen uns gen­ma­ni­pu­lierte Lebens­mittel unter­ju­beln und sehen hilflos zu, wie trotz aller Lip­pen­be­kennt­nisse nichts getan wird, um den Kli­ma­wandel noch zu stoppen.

Aber den Schutz der Nicht­rau­cher, den müssen wir jetzt regeln. Län­der­spe­zi­fisch, wegen der Föderalismusreform.

Ein Popanz!

Man könnte glauben,
dass die da oben glauben:
Wenn sich Rau­cher und Nicht­rau­cher beharken, dann lässt sich munter drauflos regieren. Haupt­sache, die sind mit sich selbst beschäftigt.

Quelle: Egon W. Kreutzer

Die Ver­öf­fent­li­chung wurde mir von “Egon W. Kreutzer” geneh­migt. Dankeschön !

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Kategorie » Gesellschaft/Soziales, Gesundheitswesen, Politik/Wirtschaft « | Tags » , , , «

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2 Kommentare

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    PeWi 07.07.2010 um 10:46 Uhr

    Die Pro­hib­tion lässt grüßen. Übri­gens, auch Rau­cher können uralt werden und gesund bis ans Lebens­ende qualmen. Die Sta­tis­tiken sind ein­fach falsch, hoch­ge­rechnet und werden an ein bestimmtes Dogma ange­gli­chen. Ich bin Nicht­rau­cherin, nur zur Verständigung.

  2. 2

    Kommentar ohne Gravatar

    Herri 07.07.2010 um 10:32 Uhr

    der "Frei­staat" macht sich mit seiner völlig über­trie­benen Aktion gerade zur Lach­nummer des Landes. Vor­bild für Europa ?? Selbst unsere Nach­barn aus Öster­reich machen sich schon lustig über uns. War es denn nötig, mit aller Gewalt Fest­zelte und Kneipen mit ein­zu­be­ziehen ?? Ich bin selbst Nicht­rau­cher und besitze eine eigene Kneipe wovon ich meinen Lebens­un­ter­halt für meine Familie ver­diene. Meine Gäste werden bedeu­tend weniger. Im Rau­cher­raum darf nun nicht mehr geraucht werden und vor der Tür auch nicht, weil sich die Nach­barn beschweren. So wo sind jetzt die tollen Nicht­rau­cher, die Kneipen ver­wei­gert haben weil es dort nach Rauch stinkt ?? Soll ich das Kar­ten­spielen evtl. auch noch ver­bieten, weil es am Stamm­tisch zu laut ist ??? Dann kann ich gleich zusperren. Ich muss mir jetzt als Besitzer über meine Zukunft Sorgen machen.….…