QR Code Business Card

T®olle Idee: Reset-​Knopf für Internet-​ausschalten

Montag, 19. Juli 2010-12:21 -|- Eingestellt von: |

Von Markus | Netz​po​litik​.org | — Der Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­amter (BDK) ist bekannt für seine Troll­at­ta­cken rund um netz­po­li­ti­sche Themen wie Datenschutz.

In der Regel laufen die Troll­at­ta­cken so ab, dass man For­de­rungen stellt, die nur dadurch mediale Auf­merk­sam­keit erzielen, weil sie so voll­kommen überzo– gen sind und/​oder ein ver­meint­li­ches Tabu bre­chen. In der Regel meldet sich dann Wolf­gang Bos­bach (CDU) noch zu Wort und findet das alles prima und for­dert, dass man härter gegen XYZ durch­greifen sollte. Soweit so gut.

Ich bin mir immer unsi­cher, ob man dar­über noch berichten sollte, was der BDK wieder merk­wür­diges for­dert, weil man damit in der medialen Spi­rale mit­spielt und Auf­merk­sam­keit auf Dinge lenkt, die eigent­lich keine ver­dienen. Aber da der mediale Zug schon abge­fahren ist und Wolfang Bos­bach wahr­schein­lich im Ur– laub ist oder morgen erst im Kölner Stadt-​Anzeiger dazu Stel­lung nimmt, sei hier nochmal auf die neu­este Troll­at­tacke verwiesen:

Nichts weniger als einen Reset-​Knopf fürs Internet stellt man sich beim Bund Deut­scher Kri­mai­nal­be­amter vor, wie man der Neuen Osna­brü­cker Zei­tung ent– nehmen kann.

Für die Idee haben sie übri­gens kein Copy­right, das wurde mal schnell aus den USA kopiert, wo die Idee auch keine Mehr­heit findet und der Prä­si­dent schon dan­kend abge­lehnt hat, als der Vor­schlag kam, ihm seine Befug­nisse zu erweitern.

Die Vor­stel­lung der Polizei-​Funktionäre vom Internet ist, dass man diesen Knopf drückt, wenn irgendwas schlimmes pas­siert – und Deutsch­land dann vom Netz ist (und die Polizei dann mit ihren Fahr­zeugen zum Tatort fahren kann, um den Täter festzunehmen).

„Atta­cken auf die digi­tale Infra­struktur des Landes können sich ähnlich ver­hee­rend aus­wirken wie ato­mare Angriffe.“ Des­halb bedürfe es eines „Reset-​Knopfs für das Internet“, mit dem das Kanz­leramt Deutsch­land im Ernst­fall sofort vom Netz nehmen könne. „Nur so lässt sich eine lau­fende Attacke schnell stoppen.“ In den USA würden der­ar­tige Kom­pe­tenzen für den Prä­si­denten der­zeit im Senat beraten, betonte Jansen.

Klaus Jansen, zugleich Vor­sit­zender und Ober-​Troll des BDK erklärte weiter in der Neuen Osna­brü­cker Zei­tung seine Vor­stel­lung des größten Tat­orts der Welt:

Jansen for­derte die Bun­des­re­gie­rung auf, end­lich „Ver­kehrsre– geln“ für das Internet zu schaffen: „Inzwi­schen steht das Ge– walt­mo­nopol des Staates auf dem Spiel.“ Das Internet habe sich zum größten Tatort der Welt ent­wi­ckelt und die Bun­des­re­gie­rung ver­harre immer noch in der Zuschau­er­rolle. „Kom­pe­tenz­ge­rangel, Unver­mögen und Blau­äu­gig­keit führen zu unfass­barem Politik-​Versagen.“

Eigent­lich schade, dass der Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­amter es nötig hat, durch seine rum­trol­le­reien von sinn­vollen For­de­rungen abzu­lenken, wie z.B. die Ent– wick­lung eines neuen Berufs­bildes namens “Com­pu­ter­kri­mi­na­list”. Etwas mehr Fach­wissen können Poli­zisten in Inter­net­fragen immer gebrau­chen, wenn laut BDK nur 1% von 260.000 Poli­zisten fit fürs Internet ist.

Das muss man sich mal vor­stellen: Statt immer weiter Befug­nisse aus­zu­bauen, die man man­gels IT-​kompetenter Poli­zisten womög­lich gar nicht aus­füllen kann, brau­chen wir drin­gend mal Medienkompetenz-​Maßnahmen für Poli­zisten! Die For­de­rung findet sich in einem 15-​Punkte Papier, was man an die Bun­des­innen– minis­ter­kon­fe­renz wei­ter­ge­geben hat. Und wo sich kein Rest-​Knopf und auch kein ver­pflich­tender Aus­weis für Inter­net­zu­gang findet.

Apropos Aus­weis­pflicht im Netz:

„Was wir brau­chen, ist ein ver­läss­li­cher Iden­ti­täts­nach­weis im Netz. Wer das Internet für Käufe, Online-​Überweisungen, andere Rechts­ge­schäfte oder Behör­den­gänge nutzen will, sollte sich zuvor bei einer staat­li­chen Stelle regis­trieren lassen müssen.“

Wenn schon soviel Trans­pa­renz ver­langt wird, wo ist denn die kon­se­quente For­de­rung des Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­amter nach einer ein­deu­tigen Authen– tifi­zie­rung für Poli­zisten durch eine ein­deu­tige Iden­ti­fi­ka­ti­ons­nummer auf Mas­sen­ver­an­stal­tungen, so dass man z.B. gegen prü­gelnde Poli­zisten besser vor­gehen kann?

Quelle: Net​po​liltik​.org

Dieser Artikel ist unter einer CC Lizenz lizenziert.

Beitragsdetails

Kommentar-Autor

Kategorie » Daten, Internet/Computer, Kriminalität/Gewalt, Polizei/BKA « | Tags » , , , , , , , «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 | Beitrag drucken |
gelesen: 219 · heute: 2 · zuletzt: 16. Mai 2012

Kommentare und Pings sind geschlossen.

2 Kommentare

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    Catweazle 19.07.2010 um 14:45 Uhr

    Tja, so ein Reset-​Knopf für das Internet hat unter Fach­leuten eigent­lich einen anderen Namen –> ZENSUR! So kann man bei innen­po­li­ti­schen Pro­blemen mal schnell ne Aus­zeit nehmen. Oder glaubt jemand im Ernst daran man kann ver­hin­dern das das Internet lahm gelegt wird, indem man es lahm legt? Auch die Sache mit dem ein­deu­tigen Iden­ti­täts­nach­weis ist nur ein Zwi­schen­schritt zur totalen Über­wa­chung. Erst das Internet, dann überall. Wer dann noch Wurst und Brot im Aldi kaufen will, der muss sich erst regis­trieren und darf nur noch mit elek­tro­ni­scher Wäh­rung bezahlen. Andern­falls wär es ja kaum mög­lich die Her­kunft der Kröten festzustellen.

  2. 2

    Kommentar ohne Gravatar

    Winfried Sobottka 19.07.2010 um 01:40 Uhr

    Die sollen doch mal ein Sze­nario einer Netz­at­tacke schil­dern, das gefähr­li­cher für uns wäre als eine Bun­des­re­gie­rung, die mal kurz die ein­zige Basis freier Infor­ma­tion kalt­stellen, die die BRD blitz­schnell in ein China ver­wan­deln kann.