Von Arnold Schölzel | jungeWelt | – Friedensno- belpreisträger und US-Präsident Barack Obama zeigt Härte: Neue Enthüllungen über die Lage in Ländern, in denen …
… die USA gerade Krieg führen, oder über Kriegsver- brechen sollen nun durch die US-Bundespolizei, das FBI, unterbunden werden.
Das erscheint nötig, denn selbst die offiziell zugelassenen Nachrichten aus Afghanistan sind schlecht. So wurde der Juli mit mindestens 63 dort getöteten US-Soldaten für seine Streitkräfte zum verlustreichsten Monat seit Beginn des Krieges vor knapp neun Jahren.
Wie die NATO am Freitag mitteilte, kamen am Donnerstag bei zwei Explosionen im Süden des Landes drei US-Soldaten ums Leben. Die genannte Zahl von 63 Todesopfern basiert auf einer Zählung der Nachrichtenagentur AP auf der Grundlage von Militärangaben. Bisher galt der Monat Juni 2010 als der mit den höchsten Verlusten: 104 Angehörige der Besatzungstruppen in Afghanistan kamen ums Leben, darunter 60 US-Soldaten.
Obama bereitete die Jagd auf Verräter und das Ingangsetzen der Geheim- dienstmaschinerie mit einer Patriotismus-Show vor. Er erschien am Donnerstag zunächst als erster US-Präsident überhaupt in der Quasselsendung des US-Fernsehsenders ABC, »The View«, in der Mittelstandsdamen über Wichtiges im Leben reden: neue Frisuren, Kleider und Prominentenklatsch.
Obama machte mit, wurde aber auch nach einem Rückzug vom Hindukusch ge- fragt. Er antwortete u.a. wegweisend: »In Afghanistan haben wir noch viel Arbeit vor uns.« Anschließend, so berichtete Spiegel online am Freitag, versam- melte der Präsident seine wichtigsten Berater im abhörsicheren Lageraum des Weißen Hauses. Einziges Thema: Afghanistan und Pakistan.
Das wichtigste Resultat verkündete US-Verteidigungsminister Robert Gates, der von 1991 bis 1993 auch schon die CIA geleitet hat, vor der Presse: Das FBI, das auch Zivilisten vor Bundesgerichten anklagen kann, wird bei der Suche nach undichten Stellen eingeschaltet. Gates kündigte eine »aggressive« Fahndung nach Verrätern an. Einer steht offenbar fest: Laut einem Bericht des Wall Street Journal wird der 22jährige Gefreite und Mitarbeiter des US-Militärgeheimdiens- tes Bradley Manning für die jüngste Veröffentlichung von 92000 Dokumenten verantwortlich gemacht.
Er soll der Internetplattform Wikileaks auch ein Video aus dem Jahr 2007, das die Ermordung von Zivilpersonen in Bagdad durch Killer in einem US-Militärhub- schrauber zeigt, zugespielt haben soll. Es sorgte im April international für Aufse- hen. Manning muß sich wegen des Verdachts, er habe 150000 Datensätze von Computern heruntergeladen, vor Gericht verantworten.
Gates ließ offen, ob gegen den australischen Staatsbürger Julian Assange, Be- treiber von Wikileaks, oder gegen Medien, die dessen Material verwendeten, ermittelt werden soll. Der Minister: »Die Folgen auf dem Schlachtfeld durch die Herausgabe dieser Dokumente können für unsere Soldaten, unsere Verbünde- ten und unsere afghanischen Partner schwerwiegend und gefährlich sein. Sie können auch unsere Beziehungen und unseren Ruf in dieser entscheidenden Weltregion beschädigen.«
Die Einheimischen im Kriegsgebiet haben andere Sorgen: Nach einem tödlichen Verkehrsunfall mit Beteiligung von Fahrzeugen der NATO-Truppe ISAF protes- tierten am Freitag Dutzende Menschen vor der US-Botschaft in Kabul. Fernseh- bilder zeigten am Freitag mindestens ein gepanzertes Auto, das in Flammen stand. Nach Angaben eines AFP-Reporters warfen junge Männer Steine und skandierten »Tod den Ausländern«.
Quelle: jungeWelt – Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank !
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