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Hartz 4-​Tagebuch: 1 Euro-​Job gegen den Hunger

Sonntag, 22. August 2010-9:37 -|- Eingestellt von: |

Von Volker Wulle | Frei-​Blog | — Nun ist es wieder einmal soweit. Ich werde für ein paar Monate eine 1 Euro-​Tätigkeit als Büro­kraft in der Schul­bü­cherei einer Schule aus­üben. Sechs Stunden am Tag, bei einer dreißig Stunden– woche.

Nein. Die Arge hatte mich nicht dazu gezwungen, eine Aus­nahme gän­giger Praxis durch Zwang.

Mein Sach­be­ar­beiter zeigt noch durchaus mensch­liche Züge, was aller­dings nichts an dieser erbärm­li­chen Sach­lage ändert.

Leider bin ich auch hierbei nicht Herr meiner eigenen freien Ent­schei­dungen.
Die Not treibt mich dazu.

Mit diesem Zusatz­ver­dienst von 120 Euro im Monat kann ich wenigs­tens noch meine Ernäh­rung auf­recht erhalten.

Jeden­falls für ein paar Monate.

An meiner Gesamt­si­tua­tion in Hartz 4 wird sich aller­dings nichts ändern.

Und diese Situa­tion ist kaum mehr zu ertragen, da sie mich ent­wür­digt sowie mich meiner Frei­heit beraubt.

Leider sind noch immer sehr viele Men­schen der Mei­nung, dass 1 Euro-​Jobs mehr als gerecht­fer­tigt seien.

Die Argu­mente der steu­er­zah­lenden Bevöl­ke­rung, Lang­zeit­ar­beits­lose mit­finan– zieren zu müssen, zeugt von einer kurz­sich­tigen und irrigen Denkweise.

Sie finan­zieren mit ihren Steu­er­gel­dern die­je­nigen, die durch den Bil­lig­lohnbe– reich noch mehr Gewinne erzielen, ohne gerechte Arbeits­plätze zu schaffen.

Da zeigt sich der eigene Hori­zont sehr beschränkt, und eine klare Sicht­weise bezüg­lich dieser gewollten Politik mehr als vernebelt.

Es zeigt sich für mich immer wieder auf, dass klä­rende Gespräche über diese The­matik nicht erwünscht sind.

Wir wollen die Wahr­heiten nicht wissen, Tat­sa­chen, die an unserem Leben rüt­teln würden.

Wir leben in einer Kultur der Verdrängungen.

Nichts ist ein­fa­cher, als dies.

Quelle: Frei-​Blog

Dieser Artikel ist unter einer CC Lizenz lizenziert.

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Kategorie » Armut, BA/ArGe/Hartz IV, Gesellschaft/Soziales « | Tags » , , , «

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gelesen: 344 · heute: 2 · zuletzt: 16. Mai 2012

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Ein Kommentar

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    Petra 22.08.2010 um 12:22 Uhr

    Ich teile Deine Fest­stel­lungen. Mir geht es ähnlich. Weiß noch nicht, wo ich den 1€ Job ausübe, bin jedoch sehr gespannt. Habe viel gelesen und bin empört dar­über, dass die Job­be­schaf­fung den Staat (alle Steu­er­zahler, auch Hartz4 Leute zahlen indi­rekt Steuer nicht ver­gessen) sehr viel kostet und eigent­lich so gut wie keinen Zweck erfüllt, außer den ent­spre­chenden Stellen eine kos­ten­lose Arbeits­kraft zur Ver­fü­gung zu stellen. Habe mir vor­ge­nommen auch ein Online-​Tage-​Buch zu schaffen, damit gute wie schlechte Erfah­rungen zu Tage kommen.