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Rezension: Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft

Donnerstag, 26. August 2010-16:47 -|- Eingestellt von: |

Von Lucy Redler | SAV-​Sozialistische Alter­na­tive | - Rezen­sion des Buches von Nou­riel Rou­bini und Ste­phen Mihm | - Als Dr. Doom (Dr. Unter­gang) oder Kas­sandra wurde Nou­riel Rou­bini bezeichnet als er sehr früh und detail­liert als einer der wenigen bür­ger­li­chen Ökonomen vor der glo­balen Finanz– und Wirt­schafts­krise, die 2007 begann, warnte.

Wäh­rend andere eine Fort­set­zung des Immo­bi­li­en­booms vor­aus­sagten, sprach der Wirt­schafts­pro­fessor der Stern School of Busi­ness der New York Uni­ver­sity bereits 2006 davon, dass ein Absturz der Welt­wirt­schaft und eine tiefe Rezes– sion drohen. Und er behielt recht.

Jetzt hat Rou­bini gemeinsam mit Ste­phen Mihm, Pro­fessor für Geschichte an der Uni­ver­sity of Georgia, eine 400 Seiten umfas­sende Ana­lyse der Welt­wirt­schaft und ihrer Zukunft ver­öf­fent­licht, gespickt mit zahl­rei­chen Vor­schlägen zur Be– kämp­fung der jet­zigen und künf­tiger Krisen.

Der Anspruch von Roubini/​Mihm ist nicht weniger als einen „Bei­trag dazu“ zu leisten „wie ein Kapi­ta­lismus refor­miert werden könnte, der uns eine Krise nach der anderen beschert hat, statt beständig und ver­läss­lich zu halten, was er ver– spricht.(…) Dieses Buch zeigt nicht nur auf, wie wir in diesen Schla­massel gera– ten sind, son­dern wie wir ihm ent­kommen können – und zwar end­gültig.“ (S. 24)

Rou­bini ist ein bür­ger­li­cher Ökonom, der als Wirt­schafts­be­rater unter Bill Clinton arbei­tete und heute das Bera­tungs­un­ter­nehmen Rou­bini Global Eco­no­mics (RGE Monitor) leitet. Er berät Noten­bank­chefs und refe­riert seine Stand­punkte beim Welt­wirt­schafts­forum in Davos.

In ihrem Buch geht es Roubini/​Mihm darum, „unserer kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaft zur alten Stärke zurück zu ver­helfen.“ (S. 243)

Dabei bedient Rou­bini sich in seiner Rolle als Wirt­schafts­wis­sen­schaftler prag– matisch unter­schied­li­cher ökono­mi­scher Theo­rien und Hand­lungs­an­sätze, wenn– gleich seine Ori­en­tie­rung an John May­nard Keynes („der wich­tigste Ökonom der Welt­wirt­schafts­krise“) und Hyman Minsky („den radi­kalsten Ver­treter des Keyne­sia­nismus“) noch am deut­lichsten erscheint.

Doch weit davon ent­fernt Links­keyne­sianer zu sein, beziehen sich Roubini/​Mihm eben­falls positiv auf Joseph Schum­peter und seine Theorie der „krea­tiven Zer– stö­rung“: „Anhänger von Keynes und Schum­peter spre­chen in der Regel nicht mit­ein­ander. Das ist bedau­er­lich, denn beide Denker– und die Denk­rich­tungen für die sie stehen – können in der gegen­wär­tigen Situa­tion einen wich­tigen Bei­trag leisten.

Das heißt, dass ihre Erkennt­nise zusam­men­ge­bracht und auf die heute anste– henden Pro­bleme ange­wendet werden können. Wir sind der Ansicht, dass eine erfolg­reiche Lösung der Krise einen prag­ma­ti­schen Ansatz erfordert.

Er über­nimmt das Beste aus beiden Lagern und erkennt, dass staat­liche Kon– junk­tur­pro­gramme, Ret­tungs­ak­tionen, Unter­stüt­zung durch letzt­in­stanz­liche Kre­dit­geber und Geld­po­litik kurz­fristig sinn­voll sein können, wäh­rend anderer– seits eine lang­fris­tige Kal­ku­la­tion erfor­der­lich ist, um zum Wohl­stand zurückzu– kehren. Daher befür­worten wir in diesem Buch eine >kon­trol­lierte Zerstörung>“.(Seite 86f)

Rou­bini und Mihm erklären aus­führ­lich und in weiten Teilen anschau­lich wie Schat­ten­banken, Hedge­fonds, Carry trades in Wäh­rungen und neue Finanzin– nova­tionen funktionieren.

Aus mar­xis­ti­scher Sicht ist das inter­es­sante an diesem Buch jedoch weniger ihre Ana­lyse der Kri­sen­ur­sa­chen, die trotz detail­ge­treuer Beschrei­bung der (Nicht)-Funktionsweise der Finanz­märkte an der Ober­fläche verbleibt.

Viel­mehr ist ihre für bür­ger­liche Ökonomen erstaun­liche Ein­schät­zung der Tiefe und Bedeu­tung der jet­zigen Krise und die Per­spek­tive der Wahr­schein­lich­keit einer lang anhal­tenden ökono­mi­schen Sta­gna­tion oder auch einem erneuten Ein­tau­chen in die Rezes­sion von Bedeutung.

Im fol­genden werden kurz zen­trale Thesen zur Kri­sen­ana­lyse, der Kri­senper– spek­tive und den Lösungs­vor­schlägen Roubinis/​Mihms skizziert.

Kri­sen­ana­lyse

Laut Roubini/​Mihm haben ver­schie­dene Fak­toren zur Krise geführt:

„Die Ver­brie­fung von Sub­pri­me­kre­diten war also nur ein Faktor. Eine wich­tige Rolle spielten auch lang­fris­tige Ver­än­de­rungen der Unter­neh­mens­auf­sicht und den Mana­ger­be­zügen. Und auch der Staat trägt einen Teil der Schuld, allen voran die Geld­po­litik von Alan Green­span. Dazu kommt die jahr­zehn­te­lange Politik zur För– derung von Wohn­ei­gentum.“ (Seite 90)

An anderer Stelle schreiben Roubini/​Mihm: „In der Geschichte des Kapi­ta­lismus sind Krisen die Regel, nicht die Aus­nahme“ (S. 27). Doch wäh­rend Roubini/​Mihm viele Par­al­lelen zwi­schen der jet­zigen und frü­heren Krisen wie der bri­ti­schen South Sea Bubble im 18. Jahr­hun­dert oder der Welt­wirt­schafts­krise 1929 zie– hen, bleibt ihre Erklä­rung der Ursa­chen für die Ent­ste­hung von Spe­ku­la­tions– krisen an der Oberfläche.

Richtig ist, dass ver­schie­dene neo­li­be­rale Maß­nahmen die Krise ver­schärft ha– ben. Roubini/​Mihm dringen aber nicht zur grund­le­genden Ursache von Krisen im Kapi­ta­lismus. Laut Marx ist die Pro­fi­trate das „wirk­liche Trieb­werk des Kapi­tals“. Dass heißt: Inves­tiert wird nur dort, wo Pro­fite winken.

Die Ent­ste­hung von Spe­ku­la­ti­ons­blasen ist daher nicht Kri­sen­ur­sache, wie Roubini/​Mihm auf 400 Seiten ver­su­chen zu erklären, son­dern Aus­druck davon, dass es in der soge­nannten Real­wirt­schaft (nach einem langen Nach­kriegsauf– schwung spä­tes­tens seit den 70er Jahren) nicht mehr aus­rei­chend pro­fi­table Anla­ge­mög­lich­keiten für das über­schüs­sige Kapital gibt und Kapital statt­dessen lieber auf den Finanz­märkten ange­legt wurde wie bei­spiels­weise in der jet­zigen Krise in hypo­the­ken­be­si­cherte Wertpapieren.

Profit als Trieb­feder der Pro­duk­tion, Kon­kur­renz und der Gegen­satz zwi­schen gesell­schaft­li­cher Pro­duk­tion und pri­vater Aneig­nung führen im Kapi­ta­lismus immer wieder zu Über­ak­ku­lu­ma­tion von Kapital und zu Krisen, in denen die Pro­fi­traten ten­den­ziell sinken.

In Kapitel 2 beschäf­tigen sich Roubini/​Mihm mit ver­schie­denen ökono­mi­schen Theo­rien von Adam Smith über Joseph Schum­peter, John May­nard Keynes und dem Ver­hal­tens­ökonom Robert Shiller. In diesem Ritt durch die Geschichte der Wirt­schafts­wis­sen­schaften streifen die beiden Autoren in einer ver­kürzten Zusam­men­fas­sung auch Karl Marx und wür­digen seine Erkenntnis „dass Krisen fester Bestand­teil des Kapi­ta­lismus“ sind als „immens wichtig“, kom­men­tieren ansonsten jedoch nur, dass Marx" „Vision“ sich bisher nicht bewahr­heitet habe (S. 70).

Per­spek­tive der Krise

Von grö­ßerer Bedeu­tung ist dagegen, was Roubini/​Mihm über den wei­teren Ver­lauf der Krise schreiben. In scharfem Gegen­satz zu all den selbst­er­nannten Ökonomen in bür­ger­li­chen Medien, Kon­zernen und Regie­rungen, die jetzt den Auf­schwung her­bei­reden, warnen Roubini/​Mihm deut­lich vor einer lang­ge­zoge– nen Krise:

„Leider haben Krisen die Ange­wohn­heit, an Stärke zu– und abzu– nehmen – es kommt selten vor, dass sie nur einmal zuschlagen und sich dann wieder legen. Sie haben eine gewissen Ähnlich­keit mit Wir­bel­stürmen, die sich all­mäh­lich auf­bauen, sich dann wie– der abschwä­chen, nur um dann erneut an Kraft zu gewinnen und zer­stö­re­ri­scher zu werden als je zuvor.“ (S. 142)

Und kon­kret auf die aktu­elle Lage der Welt­wirt­schaft bezogen: „Die jüngste Kri– se hat deut­lich gemacht, dass uns wohl eher ein Zeit­alter der großen Insta­bili– tät bevor­steht als ein langer Auf­schwung. Spe­ku­la­ti­ons­blasen und Ein­brüche können sich mehren, und Krisen, die nach frü­herer Über­zeu­gung nur ein– oder zweimal im Jahr­hun­dert auf­treten, könnten die Welt­wirt­schaft deut­lich öfter beu­teln.“ (S. 399)

Auch die Ret­tungs­maß­nahmen der Regie­rungen bewerten die beiden kritisch-​ambivalent: „In der Summe ver­hin­derten die Maß­nahmen ver­mut­lich, dass sich die glo­bale Rezes­sion zur neuen Welt­wirt­schafts­krise aus­wuchs. Doch ob die Medizin nicht gefähr­li­cher ist als die Krank­heit, steht auf einem anderen Blatt.“ (S. 184)

In diesem Sinne warnen Roubini/​Mihm sowohl vor der Ent­ste­hung der nächsten noch grö­ßeren Blase durch die „extrem groß­zü­gige Geld­po­litik und quan­ti­ta­tive Locke­rungen in Kom­bi­na­tion mit wach­sender Abhän­gig­keit vom Carry Trade in US-​Dollar“ als auch vor Staats­bank­rotten auf­grund hor­render Staats­ver­schul– dung, einem Zer­fall des Euros, einer mög­li­chen Wie­der­kehr der Defla­tion in Ja– pan und einem Absturz der chi­ne­si­schen Wirt­schaft. (S. 369).

Zur Frage, ob die Krise einen V-​, U– oder W-​Verlauf nehmen wird, pro­gnos­tizie– ren die beiden Ökonomen für die Indus­trie­na­tionen auf­grund ver­schie­dener Fak­toren einen U-​Verlauf mit Jahren unter­durch­schnitt­li­chen Wachs­tums, also einer Periode der lang­ge­zo­genen Stagnation.

Doch sie schließen auch andere Ent­wick­lungen nicht aus und fürchten in Kapitel 10, dass auch ein rich­tiger „Knall“ oder ein „gewal­tiges Erd­beben“ ein­treten können, wenn es nicht zu einem Abbau des US-​amerikanischen Leis­tungs­bi­lanz– defizit und dem Abbau der Über­schüsse der chi­ne­si­schen Wirt­schaft und ande– rer export­ori­en­tierter Län­dern kommt. (S. 340)

Lösungs­vor­schläge

Ihren anfäng­li­chen Anspruch, Vor­schläge zu unter­breiten, mit denen „wir dem Schla­massel ent­kommen können – und zwar end­gültig“ (s.o.) halten die beiden am Ende ihres Buchs selbst nicht auf­recht, wenn sie schreiben:

„Krisen lassen sich nicht abschaffen. Sie können aber gema­nagt und gemil­dert werden.“ (S. 367)

Roubini/​Mihm plä­dieren in ihrem Buch vor allem für mehr staat­liche Regu­lie­rung und eine stär­kere Rolle der Noten­banken. Ihre kon­kreten Vor­schläge rei­chen unter anderem von einer strengen Regu­lie­rung zur Ver­brie­fung von Wert­papie– ren und eine Reform der Deri­vate über neue Ver­gü­tungs­struk­turen für Händler und Bänker, eine Reform der Rating­agen­turen, die Tren­nung von Invest­ment– und Geschäfts­banken bis hin zur Zer­schla­gung von großen Banken und Finanz– unter­nehmen wie Goldman Sachs, Citi­group, Bank of Ame­rica, UBS und anderen.

Die Zen­tral­banken sollen ihnen zufolge eine grö­ßere Rolle zum Schutz des Finanz­sys­tems als bisher ein­nehmen. Da jedoch die glo­balen Leis­tungs­bi­lanzun– gleich­ge­wichte die lang­fris­tige Sta­bi­lität der Wirt­schaft bedrohen, sei zum einen die Stär­kung des Inter­na­tio­nalen Wäh­rungs­fonds und zum anderen die Einfüh– rung einer neuen inter­na­tio­nalen Reser­ve­wäh­rung (durch die Emis­sion interna– tio­naler, auf Son­der­zie­hungs­rechte lau­tende Anleihen) nötig. China müsse die Auf­wer­tung des Ren­minbi zulassen und die US-​Regierung Schritte ergreifen, um das Leis­tungs­bi­lanz­de­fizit abzubauen.

Mihm und Rou­bini erwi­schen sich selbst dabei, dass die von ihnen vor­ge­schlage– nen Maß­nahmen auf erheb­liche Wider­stände stoßen. Sie geben zu, das die chi– nesi­sche und US-​amerikanische Regie­rungen „leider“ nicht bereit zu sein schei– nen, „die not­wen­digen Schritte zu unter­nehmen.“ (S. 340).

Sie räumen ein, dass die Zen­tral­banken in der Ver­gan­gen­heit das genaue Ge– gen­teil von dem betrieben haben, was sie vor­schlagen, wenn sie aus­führen, dass diese nichts unter­nommen hätten, um dem Spe­ku­la­ti­ons­wahn Ein­halt zu gebieten oder dass Finanz­un­ter­nehmen sich in der Ver­gan­gen­heit der Regulie– rung wider­setzt haben, in dem sie ihren Sitz in weniger stark regu­lierte Rechts– räume ver­legt haben (S.365f).

Erin­nert sei auch daran, dass ein Oskar Lafon­taine 1999 als SPD-​Finanzminister ver­sucht hat, ähnliche Regu­lie­rungs­maß­nahmen ein­zu­führen und auf­grund von Dro­hungen von Inves­ti­ti­ons­boy­kott und Kapi­tal­flucht schließ­lich kapi­tu­liert hat.

Der Hölle ent­kommen

Das alles spricht nicht dagegen, sich mit dem Kapital anzu­legen, es spricht je– doch dafür, in dem Pro­zess die tat­säch­li­chen Kri­sen­ur­sa­chen zu über­winden. Kon­trol­lieren kann man bekannt­lich nur das, was einem gehört.

Rou­bini und Mihm sind jedoch weit davon ent­fernt (Oskar Lafon­taine leider auch), das Pri­vat­ei­gentum an Pro­duk­ti­ons­mit­teln und die kapi­ta­lis­ti­sche Markt– wirt­schaft in Frage zu stellen und besei­tigen zu wollen.

Je weiter man jedoch auf den 400 Seiten vor­stößt, desto stärker fühlt man sich als Leserin darin bestärkt, dass nicht ein­zelne Reformen des Sys­tems nötig sind, son­dern eine sozia­lis­ti­sche Lösung der Krise, indem die Pro­duk­ti­ons­mittel ver­ge­sell­schaftet und eine demo­kra­tisch geplante Wirt­schaft an die Stelle der chao­ti­schen Markt­wirt­schaft tritt.

Roubini/​Mihm zitieren Frank Borman, Chef von Eas­tern Air­lines, der in den 80er Jahren meinte: „Kapi­ta­lismus ohne Kon­kurse ist wie Chris­tentum ohne Hölle“ (S. 211), ziehen aber nicht die Schluss­fol­ge­rung daraus, der Hölle tat­säch­lich zu entkommen.

„Kon­trol­lierte Zer­stö­rung“

Was sie unter „kon­trol­lierter Zer­stö­rung“ ver­stehen, wird deut­lich, wenn sie be– schreiben, was nach kurz­fris­tigen keyne­sia­ni­schen Maß­nahmen lang­fristig nötig ist: „Um diese Kol­la­te­ral­schäden zu ver­meiden, erscheint es sinn­voll, auf kurze Sicht dem Keynes"schen Dreh­buch zu folgen. (…) Kurz­fristig ist es besser, durch eine Locke­rung der Geld­po­litik und andere vor­beu­gende Maß­nahmen wie Kredi– te oder Kapi­tal­spritzen einen unge­ord­neten Zusam­men­bruch des Finanzssys– tems zu verhindern.

Genauso sinn­voll ist es, die gesamt­wirt­schaft­liche Nach­frage durch staat­liche Kon­junk­tur­pro­gramme und Steu­er­kür­zungen anzu­kur­beln.“ Dadurch lasse sich, so Rou­bini und Mihm das Sze­nario einer lang anhal­tenden Sta­gna­tion wie in Japan in den neun­ziger Jahren verhindern.

„Lang­fristig gesehen ist es unab­dingbar, dass insol­vente Banken, Unter­nehmen und Haus­halte in Kon­kurs gehen und von vorn an– fangen können.“ (S. 86)

Die Ver­nich­tung und Ent­wer­tung von Maschinen, Betrieben und Arbeits­kräften in der Krise ist dem kapi­ta­lis­ti­schen Pro­zess imma­nent. Rou­bini und Mihm plädie– ren im Rahmen des Sys­te­mer­halts logisch, wenn sie sich fak­tisch für Aus­gaben– kür­zungen und Ent­las­sungen aus­spre­chen, um Haus­halte zu kon­so­li­dieren und nicht pro­fit­träch­tige Betriebe pleite gehen zu lassen.

In dieser Logik schlagen sie vor, dass die Schwel­len­länder an dem markt­orien– tierten Kurs fest­halten sollen, den sie vor der Krise ein­ge­schlagen haben und die Arbeits­märkte weiter liberalisieren.

Für Irland, Groß­bri­tan­nien, Grie­chen­land, Spa­nien und Por­tugal befür­worten die Autoren „emp­find­liche Ein­schnitte, statt eine Zah­lungs­krise zu ris­kieren“ (S. 389). In Bezug auf die USA for­dern sie von der Obama-​Regierung von mas­siven Kon­junk­tur­pa­keten zum Sparen überzugehen.

Ihre Vor­schläge im Rahmen der kon­trol­lierten Zer­stö­rung laufen darauf hinaus, ent­weder die Pro­fite von Finanz­un­ter­nehmen zu beschneiden oder die Kauf­kraft der Ver­brau­cher. Im End­ef­fekt senkt beides die Pro­fit­aus­sichten des Kapi­tals und ist nicht dafür geeignet, die grund­le­gende Ursache der Krise zu lösen.

Doch auch wenn Rou­bini und Mihm die Inter­essen des Kapi­tals und nicht der Mil­lionen Lohn­ab­hän­gigen, Erwerbs­losen und Armen ver­treten, lohnt die Lek– türe ihres Buchs. Es ver­mit­telt zum einen inter­es­sante Daten und Fakten und eine für bür­ger­liche Ökonomen beacht­li­ches Ein­ge­ständnis der Schwä­chen des eigenen Systems.

Zum anderen ist es ein inter­es­santer Aus­druck der ideo­lo­gi­schen Krise der Kapi­ta­listen und wider­spie­gelt, dass ein Teil der Bour­geoisie Ant­worten auf das Ende des neo­li­be­ralen Para­digmas sucht.

„Das Ende der Welt­wirt­schaft und ihre Zukunft“ ist Rou­binis und Mihms Ver­such solche Ant­worten zu lie­fern, ohne ein neues Para­digma anzu­bieten, denn die „kon­trol­lierte Zer­stö­rung“ ist weniger ein neues Leit­bild als viel­mehr ein Pot– pourri unter­schied­li­cher Maßnahmen.

Quelle: SAV-​Sozialistische Alter­na­tive – Mit freund­li­cher Genehmigung.

Nou­riel Rou­bini, Ste­phen Mihm: Das Ende der Welt­wirt­schaft und ihre Zukunft (ori­ginal: Crisis Eco­no­mics. A Crash Course in the Future of Finance), erschienen 2010 im Campus Verlag, 470 Seiten, 25,60 Euro.

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gelesen: 690 · heute: 2 · zuletzt: 16. Mai 2012

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2 Kommentare

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    Paulus 26.08.2010 um 19:05 Uhr

    Der Bei­trag gefällt und weckt Inter­esse für das Buch. Die Eigen­tums­frage ist auch aus meiner Per­spek­tive der Schlüssel zum Ver­ständnis einer kapi­ta­lis­ti­schen Ökonomie. Doch so ein­fach wie diese Fest­stel­lung klingt, so schwer ist es eine Alter­na­tive zu ent­wi­ckeln. An die segens­rei­chen Wir­kungen einer schlichten Ver­staat­li­chung glaube ich eben auch nicht. Wenn die Allo­ka­tion der Res­sourcen im Kapi­ta­lismus "sub­op­timal" ja sogar gefähr­lich für die gesamte Mensch­heit ver­zerrt wird, wie muß dann die sozia­lis­ti­sche Alter­na­tive aussehen.

    Das läßt sich nur beant­worten, wenn a Priori die opti­male Allo­ka­tion (besser die Allo­ka­ti­ons­be­din­gungen) bekannt ist/​sind und welche Mög­lich­keiten bestehen, not­wen­dige Ver­än­de­rungen der Alloa­tion durch externe Schocks, Frik­tionen usw. zu verarbeiten.

    Fragen also, auf die in anspruchs­vollen Dis­kus­sion in sozia­lis­ti­schen Zir­keln eine Ant­wort zu geben wäre. In der Klä­rung dieser Fragen liegt für eine neue Linke eine der größten intel­lek­tu­ellen Her­aus­for­de­rungen. Eine Kritik an den Ansätzen bür­ger­li­cher Ökonomen "den Kapi­ta­lismus" ver­stehen zu wollen/​können. ist immer wieder erfri­schend zu lesen, obwohl längst klar ist, dass die ökono­mi­schen Theorien/​Erklärungsansätzen wie sie von bür­ger­li­chen Ökonomen immer wieder vor­ge­legt werden, Leich­name sind, die end­lich zu Grabe getragen werden müssen.

    Gruß
    Paulus

  2. 2

    Kommentar ohne Gravatar

    daniel 26.08.2010 um 21:34 Uhr

    ich denke auch, das die welt­wirt­schafts­krise ein­treffen wird !
    wir brau­chen glaub ich alle den knall der finanz­blase, so wie jetzt wird es nicht mehr lange gut gehen. solang immer wieder neues geld gedruckt wird in der usa so lange wird auch der ver­fall des geldes andauern. ich hoffe wir gehen in eine bes­sere zeit ohne krieg !