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Der Staat und die Lobby mit der gespaltenen Zunge

Montag, 13. September 2010-11:02 -|- Eingestellt von: |

Von Evelyn Hecht-​Galinski, Publi­zistin | Paläs­tina Portal | — Da sitzen also ein Prä­si­dent ohne Mandat und ein Pre­mier mit Mandat einer ras­sis­tisch fa– schis­ti­schen Regie­rung. Hatte nicht das reli­giös und spi­ri­tis­ti­sche Ober­haupt der Schas Partei Rabbi Ovadia Jacob den Paläs­ti­nen­sern die Pest und den Tod an den Hals gewünscht?

„Mögen alle Paläs­ti­nenser von unserer Welt ver­schwinden; möge sie die Pest befallen“, betete er in einem öffent­li­chen Gebet. Hatte nicht Schas Innen­minis– ter und Net­anyahus Vize Eli Jishai die so genannten Frie­dens­ge­spräche verur– teilt und zu den Äuße­rungen von Rabbi Ovadia Josef geschwiegen? Auch bei uns wird vor­nehm geschwiegen über eine „spe­zi­elle“ israe­li­sche Regie­rung. Nein, ganz im Gegen­teil, man will uns diese israe­li­sche Regie­rung als gleich­wer­tigen Partner eines demo­kra­ti­schen Staates verkaufen.

Was haben ein jüdi­scher Schas Rabbi und ein gewisser Prof. W. Ste­ge­mann, evan­ge­lisch luthe­ri­scher Theo­loge und Spe­zia­list für das Neue Tes­ta­ment gemeinsam: Das Fehlen jeg­li­cher Empa­thie für Besetzte, lei­dende Unter­drückte und Tole­ranz für Mus­lime. Besagter Ste­ge­mann schrieb näm­lich an Gabi Weber, die nach 10 Jahren das erste Mal unter schwie­rigsten Umständen nach Gaza ein­reisen durfte, um die Familie ihres Mannes wieder zu treffen und den Kin­dern zu ermög­li­chen ihre Groß­el­tern zu sehen.

Das alles nicht zu ver­gessen im besetzten Gaza. Gabi Weber war so blau­äugig und nichts Böses dabei den­kend, besagten Ste­ge­mann in ihrem Ver­teiler zu haben. Dafür bekam sie die Quit­tung – eine men­schen­ver­ach­tende Ant­wort, eis­kalt, belei­di­gend und ohne jedes Mit­ge­fühl, das in dem Satz gip­felte: „Klar, Sie sind mit einem Paläs­ti­nenser ver­hei­ratet – doch ändert dies mora­li­sche Werte (jeden­falls west­liche Werte. Was es sonst an Werten gibt, inter­es­siert mich nicht wirk­lich, denn ich bin ein über­zeugter „Westler“)? Ich denke, es ist an der Zeit, dass sich Leser dieses Pam­phletes eines Theo­lo­gie­pro­fes­sors aus Bayern, sollten sie der evan­ge­lisch luthe­ri­schen Kirche ange­hören, etwas unternehmen.

Da gibt es noch einen jüdi­schen Pro­fessor in Frank­furt näm­lich Micha Brumlik , den Gabi Weber auch mal in ihrem Ver­teiler hatte und der schon mal eine Sit­zung der so dif­fa­mierten Jüdi­schen Stimme besuchte (viel­leicht under­cover für wen auch immer). In der TAZ vom 31.08.2010 schreibt er intel­lek­tuell unter­legt mit rab­bi­ni­schen Sprü­chen und gar­niert mit Aus­sagen von anderen Pro­fes­soren und ver­sucht – end­lich kommt sein Schwei­nepföt­chen ganz raus – die EJJP (Euro­pean Jews for a Just Peace) und ver­un­glimpft deren deut­schen Ableger Jüdi­sche Stimme auf das übelste, um sie damit pseudo-​intellektuell (Broder-​like) in den Schmutz zu ziehen.

Kost­probe: „Indem sich viele, gewiss nicht alle Mit­glieder der EJJP den Luxus leisten, den eli­mi­na­to­ri­schen Anti­se­miten hof­fähig zu reden.“ Oder: „Ein ande– res Motiv könnte darin bestehen, dass mit der Aktion der israe­li­schen Regie­rung bedeutet werden soll, dass Juden in der Dia­spora die Belange des israe­li­schen Staates und seiner Bevöl­ke­rung besser wahr­nehmen, als das die gewählten israe­li­schen Regie­rungen ver­mögen.“ Zitat Ende.

Dem ist nur hin­zu­zu­fügen: Erfreu­lich ist, dass es eine Gruppe von Juden in Europa gibt, die sich wei­gert einen Besat­zungs­staat in ihrem Namen spre­chen zu lassen und mit mensch­li­cher Größe den Blo­ckierten in Gaza helfen möchte. Dieser „Lobby“ Pro­fessor aus Frank­furt bestreitet, dass eine „unmit­tel­bare huma­ni­täre Not“ besteht. Nicht die Gruppe, also die EJJP, hält das Judentum für eine uni­ver­sa­lis­ti­sche Moral­ge­mein­schaft, son­dern beweist nur ein „jüdi­sches Mensch­lich­sein“, das der Staat Israel gegen­über den Paläs­ti­nen­sern nicht kennt.

Aber Brumlik, der Pro­fessor aus Frank­furt, hat sich die Moral oder „Unmoral“ der „jüdi­schen Lobby“ zu eigen gemacht. So schreibt er in seiner TAZ Kolumne vom 31. August 2010 Halb-​Wahr-​Unwahrheiten über die Hamas und ver­bindet diese mit seinen Schmä­hungen gegen die Jüdi­sche Stimme (EJJP).

Die Hamas würde heute übri­gens, Israel sehr wohl aner­kennen, aber nur in den Grenzen von 1967! Einen oder einen wirk­lich demo­kra­ti­schen Staat Israel für alle eth­ni­schen und reli­giösen Gruppen als gleich­be­rech­tigte Bürger – keinen explizit jüdi­schen Apart­heid­staat, denn mit sol­chen For­de­rungen werden so genannte Frie­dens– ver­hand­lungen immer im Nir­wana enden.

Ich muss Prof. Brumlik wider­spre­chen, mir sind keine Israelis = Sol­daten mit „Beiß­hem­mung“ bekannt. Sie werden immer wieder „rea­gieren“, egal wel­ches Schiff kommen wird. Wahr­schein­lich diesmal nach diesen 9 Morden nur etwas „aus­ge­klü­gelter“. Brumlik hatte (leider erfolg­reich) durch Inter­ven­tion 2003 „Bücherzensur“ — im Zusam­men­hang mit Ted Hon­de­richs Buch „Nach dem Terror“ in Deutsch­land — prak­ti­ziert und diesen als Anti­se­miten bezeichnet. Danach „durfte“ das Buch nur noch in „gekürzter“ Form neu ver­legt werden. Das ist die „fein­sin­nige“ intel­lek­tu­elle Vor­ge­hens­weise vom „Lobby-​Professor“ „ohne Beißhemmung“!

Wird nicht heute und immer wieder ver­stärkt Möl­le­mann als Anti­semit bezeich– net, nur weil er Scharon und Friedman (zu Recht) als Reprä­sen­tanten und Ver­treter der israe­li­schen Unrechts­po­litik bezeich­nete und kri­ti­sierte. Sicher­lich war Möl­le­mann ein Popu­list, der – wie in der Politik üblich – Kapital aus seinen Thesen schlagen wollte. Aber hier wird wieder ganz bewusst Anti­se­mi­tismus mit Anti­zio­nismus und Israel-​Kritik ver­wech­selt. Auch am „Fall“ Sar­razin kann man gut fest­stellen, wie unsere Medien und Politik funktionieren.

Solange er, Sar­razin, die Mus­lime kri­ti­sierte und sich am Pre­ka­riat „abar­bei­tete“, tole­rierte man seine „Mei­nungs­äu­ße­rungen“. Auch seine abstrusen Äuße­rungen über „ost­jü­di­sche Zuwan­derer“, die über eine dop­pelt so hohe Intel­li­genz ver– fügten als ara­bi­sche oder tür­ki­sche Migranten, fielen nicht auf, weil Phi­lo­se­mitis– mus gern gesehen wird und dabei „hof­fähig“ ist.

Als er sich aber an den „jüdi­schen Genen“ ver­suchte, war die Auf­re­gung groß. Da mel­deten sich die Spe­zia­listen vom Zen­tralrat der Juden, ins­be­son­dere Ste­phan Kramer (kon­ver­tiert, also „ohne jüdi­sche Gene“) zusammen mit Dieter Graumann, um Sar­razin in die Schranken zu weisen.

Kennt nicht die Halacha zwei Defi­ni­tionen des „Jude-​Seins“, ent­weder die jüdi– sche Mutter oder die Kon­ver­sion? Diese gene­ti­sche und kon­fes­sio­nelle Auffas– sung stehen im Judentum neben­ein­ander. Vor Jahren hatte mir ein befreun– deter amerikanisch-​jüdischer Pro­fessor geschrieben, dass man an Frau Knob– loch sehen kann, wie es mit der Über­hö­hung der „jüdi­schen Intel­li­genz“ steht, als Bei­spiel für Falschbehauptungen“!

Der eigent­liche Skandal sind unsere Medien und die Politik, die so einen Dem­agogen erst das Podium bieten.

Eine Talk-​Show reiht sich an die andere — aus­ge­wogen in ARD und ZDF — mit Kory­phäen wie Michel Friedman Spe­zia­list für Zwangs­pro­sti­tu­ierte („Paolo Pinkel“), ehe­ma­liger Vize des Zen­tral­rats der Juden (und laut H. M. Broder Rie­senarsch­loch — Bild­zei­tung) als Sar­razin– und Rassismuskritiker.

Und H.M. Broder (gericht­lich bestä­tigter Por­no­ver­fasser mit seiner Fäkal­sprache) als Sar­razin „Ver­steher“ mit gespal­tener Zunge, da er für sich und seine „Freun– de im Geiste“ auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung pocht – aber wenn es um Israel-​Kritik geht, diese nicht mehr gelten lassen will und jeden und alles als Anti­se­miten und gleich­set­zend Anti­zio­nisten beschimpft um damit alle Kri­tiker zu dif­fa­mieren, schmähen und ein­zu­schüch­tern. Dies macht es denen schwer mit dieser Kon– fron­ta­tion zu leben. Das ist die uns bekannte Einschüchterungstaktik. 

Broder und Friedman sind natür­lich als Ver­treter der „jüdi­schen Kom­po­nente“ geschätzt, um die Viel­fäl­tig­keit der „jüdi­schen Gene“ dar­zu­legen. Unter­stüt­zung erhält Sar­razin auch außer von Broder, Köppel (Welt­woche) und Kelek von einem Verein mes­sia­ni­schen Glau­bens in Israel und von der FPÖ mit dem Spruch „Sar­razin statt Muezzin“. So werden die Ver­kaufs­zahlen dieses Buches geför– dert!

Schuld sind auch die unsäg­li­chen Ver­qui­ckungen der Politik und der Wirt­schaft. Warum gibt sich die Bun­des­pres­se­kon­fe­renz dafür her, Sar­razin und Kelek die– ses Forum zu bieten? Reichte es nicht, dass Bro­ders Buch „"Hurra wir kapi­tulie– ren" von der Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung gekauft und ver­schenkt wurde? Das ist Ver­schwen­dung von öffent­li­chen Gel­dern und dient sicher nicht der För­de­rung von Tole­ranz und Inte­gra­tion. Ich emp­fehle statt­dessen die Ver– tei­lung des Korans und des Talmud.

Nach der Lek­türe dieser Bücher – werden sie denn wirk­lich gelesen und nicht nur zitiert – kann man sicher sehen, wie es ins­ge­samt um die „so genannte“ Tole­ranz bestellt ist. Falsch­aus­sagen und Extre­misten gibt es in allen Reli­gionen, kei­nes­wegs explizit im Koran! Nicht nur, dass die SPD keinen bes­seren Finanz­se­nator unter ihren Mit­glie­dern fand – nein, sie emp­fahl diesen „Hartz IV“ Spe­zia­listen auch noch an die Bun­des­bank! Gerade Herr Gabriel und andere SPD Oberen sollten den Mund also nicht ganz so voll nehmen. Wer hat denn große Mit­schuld an diesem Desaster?

Das führt mich gleich weiter zu Wolf­gang Thierse, dem „SPD Beamten“, der leider die Chance, die er anläss­lich seines an sich zu begrü­ßenden Besu­ches bei Firas Maraghy in Berlin ver­passte. Dieser bedau­erns­werte Paläs­ti­nenser, der sich seit dem 26.07.2010 im Hun­ger­streik befindet (diesen am 4.9.2010 been– dete) und vor der israe­li­schen Bot­schaft saß , musste sich dann aber auf Druck der Bot­schaft weiter weg ent­fernen (wegen der „Würde“).

Thierse meinte nun nach dem Besuch und einem Treffen in der israe­li­schen Bot– schaft, dass es Regeln gäbe und dass er den Nah­ost­kon­flikt nicht lösen könnte. Damit akzep­tierte er unwi­der­spro­chen die israe­li­sche eth­ni­sche Säu­be­rung Jeru­sa­lems. Ruprecht Polenz der Vor­sit­zende des Aus­wär­tigen Aus­schusses der Bun­des­tages, hat sich bereit erklärt, auf Wunsch von Firas Maraghy, zusammen mit der Familie Maraghy nach Jeru­salem zu reisen, um mit hohen Beamten des israe­li­schen Innen­mi­nis­te­riums zusam­men­treffen, damit letz­tere Firas Maraghy end­lich die ihm zuste­hende Regis­trie­rung und Papiere für Frau und Tochter aus– stellen werden.

Es ist zu hoffen, dass diesen Zusagen zu trauen ist, d.h. durch die Ver­mitt­lung von Polenz Familie Maraghy auch wirk­lich die Papiere bekommt und nicht nur vage „sein Pro­blem“ gelöst wird nach diesen kör­per­li­chen Leiden des Hunger– streiks. Dieser Hun­ger­streik hat also als Ein­zel­fall und mit seiner Beharr­lich­keit und Unter­stüt­zung Erfolg gebracht ohne Ein­sicht oder mensch­liche Regung der israe­li­schen Seite, die für Maraghy nur ver­ach­tende „Worte“ wie „ideo­lo­gi­scher Kämpfer“ fand.

Club der gespaltenen Zunge

Die Politik der eth­ni­schen Säu­be­rung und des Landraubs wird nicht geän­dert. Paläs­ti­nenser sind in Jeru­salem eben nur „Ein­wohner“ im Gegen­satz zu „jüdi– schen Israelis, die „Bürger“ Jeru­sa­lems sind. Daher ist auch Israel als „jüdi­scher Staat“ für jeden paläs­ti­nen­si­schen „Mit­bürger“ inak­zep­tabel. Diese uner­träg– liche Bezeich­nung Israel als „Jüdi­scher Staat“ wird auch von den USA und Kan– zlerin Merkel benutzt.

Das sind die „Fein­heiten“, die den Paläs­ti­nen­sern einen Frie­dens­ver­trag und Paläs­ti­nen­ser­staat unter vielen anderen unan­nehm­baren Bedin­gungen zur Farce werden lassen. Wer glaubt denn noch an das Gebets­mühlen artig wieder– holten Mantra des Paläs­ti­nen­ser­staates? Ganz im Gegen­teil: Paläs­ti­nenser wer– den täg­lich von ihrem Grund und Boden ver­trieben, ent­eignet und wegen „an– geb­lich“ gesuchter und gefun­dener Ver­gehen verurteilt.

Die 600 Israelis, die eine Kam­pagne des zivilen Unge­hor­sams unter­zeich­neten, stehen mit einem Bein im Gefängnis. Sie wurden von Roni Ham­mer­mann inspi– riert, indem sie uner­laubt Palästinenser/​rinnen aus dem besetzten West­jordan– land in das „freie“ Israel zu einem Tages­aus­flug brachten.

Sie wollten das unmo­ra­li­sche Gesetz über­winden, das den Juden das Recht gibt, sich frei zu bewegen, wäh­rend die Paläs­ti­nenser in ihren Städten und Dör­fern gefangen gehalten werden. Die Bericht­er­stat­tung in den israe­li­schen Medien war weithin feind­selig. Umso größer meine Hoch­ach­tung für diese Frau– en, die in Haa­retz ein Inserat ver­öf­fent­lichten „Wir wei­gern uns zu gehorchen“.

Gerade kurz nach dem Al Quds Tag (Jeru­salem Tag) — für die Palästinenser/​in– nen ein wich­tiges Datum — muss man immer wieder an die Unter­drü­ckung ge– gen­über dem paläs­ti­nen­si­schen Volk erin­nern. Die meisten von ihnen können schon seit min­des­tens 10 Jahren die Al-​Aqusa Moschee oder andere Stätten und ihre Ver­wandten und Bekannten nicht mehr besu­chen. Jeru­salem muss wieder eine unge­teilte Stadt werden: frei zugäng­lich für alle Men­schen, ohne Mauer, ohne israe­li­sche Besat­zung, ohne Willkür, Check Points und ohne Pas– sierscheine.

Statt­dessen die trau­rige Wirk­lich­keit: Die Palästinenser/​innen werden nächste Woche wieder und noch mehr ein­ge­sperrt als schon normal. Denn wenn Israel das Jüdi­sche Neu­jahr feiert und zur Ver­söh­nung fastet (Ver­söh­nung natür­lich nur mit den eigenen Unrecht­staten) „dürfen“ die Paläs­ti­nenser „natür­lich fas– ten“ in Gaza oder überall im besetzten Land, mit Was­ser­entzug und kleinsten Rationen leben.

Die Grau­sam­keiten setzen sich fort. Hei­del­berger Cement macht mit seiner Tochter Firma Hanson im West­jor­dan­land für Israel die völ­ker­rechts­wid­rige Drecks­ar­beit, indem die Aus­beu­tung und Weg­nahme von Roh­stoffen für den Häuser– und Sied­lungsbau aus­ge­führt wird. Wo bleibt der Pro­test der deut– schen Regie­rung gegen diese Akti­vi­täten auf besetztem Land?

Pro­teste gibt es nur, gegen enga­gierte Men­schen, wie Walter Herr­mann (den ich sehr schätze und unter­stütze), eine Hexen­jagd und Jagd­kam­pagne mit dem Ziel, ihn und seine „Kölner Kla­ge­mauer“ zu ver­nichten. Gerade an dieser Klage– mauer sieht man die Wich­tig­keit der Auf­klä­rung, die durch gewisse Per­sonen und Medien bewußt mani­pu­liert und ver­fälscht wird. Im Sep­tember soll nun mit einem soge­nannten „Runden-​Tisch“, „reiner Tisch“ in Köln gemacht werden. Das läßt nichts gutes ahnen, wenn man weiß, wer die Initia­toren dieses „Tri­bu­nals“ sind.

Auch ein EU-​Kommissar, wie jetzt der bel­gi­sche Karel De Gucht wird massiv ange­griffen, wen er rich­tige Äuße­rungen macht, wie: Es sei nicht ein­fach, selbst mit gemä­ßigten Juden eine ratio­nale Dis­kus­sion über die aktu­ellen Vor­gänge im Nahen Osten zu führen. Zudem übten die jüdi­schen Inter­es­sen­ver­tre­tungen (AIPAC) in Washington einen immensen Ein­fluss aus. Es sei die best orga­ni­sier– te Lobby dort. Deren Ein­fluss auf den ame­ri­ka­ni­schen Kon­gress dürfe nicht unter­schätzt werden. Zitat Ende. Diesen Sätzen kann ich nur 100prozentig zustimmen.

Sofort dis­tan­zierte sich die EU-​Komission von „seinen per­sön­li­chen Kommen– taren“. Der Jüdisch-​Europäische Kon­gress rea­gierte bestürzt auf den „empö­renden Anti­se­mis­tismus“. Sie ver­gli­chen Sar­ra­zins „Gen-​Bemerkungen“ mit de Guchts Kom­men­taren – also Äpfel mit Birnen, da es sich bei dem einen um Fakten zu Tat­sa­chen der Politik und beim Anderen um wirre Thesen eines „geschäfts­tüch­tigen ras­sis­ti­schen Ban­kers“ han­delt. Ich ver­misse die Pro­teste gegen Äuße­rungen israe­li­scher Poli­tiker, die um vieles gefähr­li­cher und schlim– mer sind

Apropos Banker – kommen wir noch zur UBS, Sie wissen doch die Schweizer Bank, die ihre Kunden an den Staat = Finanzamt verrät, Gold­schätze gebun­kert hat, es ver­wei­gert Spen­den­gelder nach Paläs­tina über Paläs­ti­nen­si­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tionen wei­ter­zu­leiten. Die UBS will keine Geschäfte mehr mit den Paläs­ti­nen­ser­ge­bieten und der Not lei­denden Bevöl­ke­rung machen und wei­gert sich diese Trans­ak­tionen auszuführen.

Über­wei­sungen an jüdi­sche Orga­ni­sa­tionen, auch mit mili­tä­ri­schem Hin­ter­grund, können aber wei­terhin aus­ge­führt werden. Kunden aus dem ara­bi­schen Raum werden sicher über eine wei­tere Zusam­men­ar­beit mit der Groß­bank nach­denken müssen. Ich hoffe, dass auch andere Kunden, die Soli­da­rität mit dem paläs­ti­nen­si­schen Volk beweisen wollen, sich diese Gedanken machen werden.

Fazit: Der „so genannte Frie­dens­pro­zess“ wird dort fort­ge­führt, wo er begann – im Medi­en­rummel und in der „Hol­ly­wood“ Insze­nie­rung, also als große Fake Show. Wann wird sich die EU end­lich auf­raffen Israel für die ver­ur­sachten Schäden in Paläs­tina, also im besetzten Gebiet zur Ver­ant­wor­tung zu ziehen? Ein Land, das bevor­zugten Part­ner­sta­tuts in der EU besitzt, schein­heilig „mit aus­ge­streckter Hand“ behan­delt. (Ist es nicht eher die neh­mende?). Zur selben Zeit werden aber sys­te­ma­tisch euro­päi­sche Pro­jekte — also von uns bezahlt – zerstört?

Nichts und nie­mand ent­geht der kol­lek­tiven Bestra­fung der israe­li­schen Militär– ope­ra­tionen. Als Dank das Asso­zia­ti­ons­ab­kommen mit Israel! Als Beloh­nung für Miss­ach­tung des Völ­ker­rechts und Aus­sprü­chen und Taten von Rab­bi­nern, Poli­ti­kern und Dich­tern: hier ein paar Kost­proben: Golda Meir: „Wir werden den Paläs­ti­nen­sern nie ver­zeihen, dass sie uns zwingen ihre Kinder zu töten“.

Oder Matan Vilnai, ehe­ma­liger „Kriegs-​Vize“: „Wir werden über sie, die Paläs– tinenser, eine Shoah bringen.“ Oder: Der Dichter David-​Ben-​Nachum 1950 in einem Gedicht: „In diesem Kampf darf es weder Erbarmen noch Zweifel geben.“ Aus diesem Grund zwei­felt man auch nicht beim Aus­üben von gezielten Morden, Krieg­führen, Beset­zung, Fol­te­rung und Unter­drü­ckung: Ganz ohne Selbst­zwei– fel, Zio­nismus ist unzwei­fel­haft Rassismus!

Der Nie­der­gang für die Paläs­ti­nenser wird rasant wei­ter­gehen unter Mit­hilfe eines unter USA Lohn und Israel Brot ste­henden Paläs­ti­nen­si­schen Prä­si­denten ohne Mandat, aber mit Hof­schranzen und Familie, die gut mit und von der Be– sat­zung leben. Wurden sie nicht nur unter Dro­hung der USA an den Ver­hand– lungs­tisch gezwungen? Das heißt, sonst würde der Geld­hahn zuge­dreht, und die Gehalts­zah­lungen fallen aus. Tja, wenn man auf Finanz­hilfe von 1,4 Mil­liar– den Dollar allein in diesem Jahr ange­wiesen ist!

Hatte nicht Obama in einem direkten Brief an Abbas gedroht, eine Ver­wei­ge­rung direkter Ver­hand­lungen werde Kon­se­quenzen haben. Sogar als Abbas drohte, sollte nach dem 26. Sep­tember nach Ende des Mora­to­riums wieder gebaut werden, würde er die Ver­hand­lungen abbre­chen, wurde er von Außen­mi­nis­terin Clinton in die Schranken gewiesen. Leid­tra­gende sind wie immer das gesamte paläs­ti­nen­si­sche Volk, ver­treten durch Ver­treter ohne Mandat. Aus­ge­schlossen wurde die Hamas und damit die 1,5 Mil­lionen Gefan­genen des Frei­luft­ge­fängnis– ses Gaza, die den Fehler begangen hatten demo­kra­tisch zu wählen, näm­lich die „Falschen“.

Dafür müssen sie nun elend büßen. Auf der anderen Seite ein Bibi Netan­jahu, medi­en­trächtig, der end­lich einen Frie­dens­partner hat, mit dem er einen his­to­ri­schen Kom­pro­miss abschließen will. Einen Vor­ge­schmack gab er schon, Nichts geben für einen Kom­pro­miss, wei­ter­bauen und mit gespal­tener Zunge spre­chen. Hatte nicht der Spre­cher des ehe­ma­ligen Prä­si­denten Clinton, Joe Lock­hart, Netan­jahu wäh­rend seiner ersten Amts­zeit zwi­schen 1996 – 1999 als „Lügner und Betrüger“ bezeichnet?

Nach Kon­flikten mit Clinton und später mit Obama, als er unter enormem Druck stand und nicht mehr will­kommen war in Washington, hat er wieder sein altes Spiel auf­ge­nommen, Abbas und Obama zu umschmei­cheln, lächelnd in die Kameras zu bli­cken, Kon­flikte zu ver­meiden, Ent­schei­dungen zu umgehen, Zeit zu gewinnen und ideo­lo­gi­sche Starr­heit mit einem geschmei­digen Oppor­tunis– mus zu überdecken.

Dazu als Gar­nie­rung Ägypten, Jor­da­nien und das Nahost Quar­tett unter der „Füh­rung“ des (un)ehrlichen Mak­lers USA. Das lässt nichts Gutes erahnen.

Ich schließe mit Erich Fried:

Wer herrscht hier?

frage ich

Sie fragen:

Das Volk natürlich

Ich sagte:

Natür­lich das Volk

Aber wer herrscht wirklich?

© Evelyn Hecht-​Galinski — 7.9.2010

Quelle: Paläs­tina Portal – Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung. Besten Dank !

Bild: Col­lage © Erhard Arendt

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gelesen: 271 · heute: 3 · zuletzt: 13. Mai 2012

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