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Grundsicherung: Berechnend

Samstag, 18. September 2010-10:23 -|- Eingestellt von: |

Von Tom Stroh­schneidre | Der Freitag | — Ob Hartz IV dem­nächst Basis­geld heißt oder nicht, ist zweit­rangig. Was wirk­lich fehlt ist Trans­pa­renz bei der Neu­be­rech­nung der Regelsätze.

Seit Tagen darf spe­ku­liert werden, ob sich das Sozi­al­mi­nis­te­rium einen neuen Namen für Hartz IV ein­fallen lässt: Wird die Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chende bald Basis­geld heißen? Oder doch eher Basis­si­che­rungs­geld? Die Frage mag aus dem Blick­winkel des Par­tei­en­be­triebs inter­es­sant sein, gibt es doch so etwas wie den Kampf um und mit Begriffen.

Hartz IV ist zum Symbol einer Sozi­al­po­litik geworden, gegen die ein­präg­same Parolen erfunden wurden. Das zum Angel­punkt der poli­ti­schen Debatte gewor– den ist. An dem sich ohne großes Reden gesell­schaft­liche Aus­gren­zung festma– chen lässt. Und das des­halb einigen Leuten unan­ge­nehm ist.

Doch was für Peter Hartz, dessen Name seit Jahren mit der Absen­kung des so– zialen Siche­rungs­ni­veaus ver­bunden ist, eine gute Nach­richt sein könne, würde Mil­lionen Betrof­fenen das Leben nicht leichter machen. So wenig Hartz IV in den ver­gan­genen Jahren irgend­etwas ver­schleiert hat (anders als zum Bei­spiel die Wort­schöp­fung Ich-​AG), so wenig würde eine Umbe­nen­nung den all­ge­meinen Unmut dämpfen. Den Begriff Basis­geld übri­gens hat Ursula von der Leyen in– zwi­schen schon demen­tieren lassen.

Wenn man schon davon reden will, dass die Namens-​Debatte einen ablenken– den Effekt habe, dann eher aus einem anderen Grund: Der­zeit wird die Neube– rech­nung der Regel­sätze, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­langt hat, vor– bereitet – hinter ver­schlos­senen Türen.

Dabei geht es hier um Ent­schei­dendes für die Betrof­fenen, näm­lich die Zusam– men­set­zung der Refe­renz­gruppe, die zur Berech­nung des künf­tigen Regelsat– zes her­an­ge­zogen wird und wie viele ein­kom­mens­schwache Haus­halte darin ein­be­zogen werden.

Es geht auch um die nötige Zeit, sich dar­über zu ver­stän­digen – als demokra– tische Öffent­lich­keit und als Par­la­ment. Denn die Defi­ni­tion einer Höhe der "mate­ri­ellen Vor­aus­set­zungen", die für die "phy­si­sche Exis­tenz und für ein Min– destmaß an Teil­habe am gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rellen und poli­ti­schen Leben uner­läss­lich sind", braucht gesell­schaft­liche Diskussion.

Ursula von der Leyen will in den kom­menden zwei Wochen erste Grund­züge für die Neu­be­rech­nung lie­fern, die Novelle wird dem Ver­nehmen nach erst Ende No– vember in der End­fas­sung vor­liegen, soll dann aber bereits wenige Tage später im Bun­destag beschlossen werden.

Was ist bisher bekannt? Das Bun­des­so­zi­al­mi­nis­te­rium wollte bisher weder die Auf­träge an das Sta­tis­ti­sche Bun­desamt bekannt geben, die als Grund­lage für eine Neu­be­wer­tung der Hartz-​IV-​Regelsätze erteilt wurden, wie sich die rhein– land-​pfälzische Sozi­al­mi­nis­terin Malu Dreyer beschwerte.

Noch bekommt das Par­la­ment Ein­sicht in die Aus­wer­tung der aktu­ellen Einkom– mens– und Ver­brauchs­stich­probe von 2008, auf deren Basis die Regel­sätze be– rechnet werden. Diese würde längst vor­liegen, ist sich die Linken-​Politiker Katja Kip­ping sicher. „Offen­sicht­lich soll die Berech­nung nach poli­ti­schem Gut­dünken mani­pu­liert werden.“

Die Befürch­tungen, die auch der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band hat, ent­zünden sich daran, dass das Minis­te­rium neben anderen offenbar ein Modell prüfen lässt, das als Refe­renz­gruppe nicht mehr wie bisher die unteren 20 Pro­zent, son­dern die unteren 15 Pro­zent der Ein­kom­mens­skala heranzieht.

Damit würden die Aus­gangs­daten aus einem gerin­geren durch­schnitt­li­chen Ein­kommen gewonnen als heute. „Statistisch-​methodisch höchst bedenk­lich“, warnt der Haupt­ge­schäfts­führer des Pari­tä­ti­schen, Ulrich Schneider.

Das Minis­te­rium dagegen meint, dies sei durch die neue Rechts­lage und die Tat– sache begründet, dass die bis­he­rige Berech­nungs­grund­lage auf Daten beruhte, die vor der Zusam­men­le­gung von Arbeits­losen– und Sozi­al­hilfe erhoben wurden.

Doch so lange das nicht trans­pa­rent ist, solange nie­mand mehr weiß, bleibt ein Ver­dacht: Soll am Ende doch ein Gesetz stehen, mit dem die Bun­des­re­gie­rung zwar auf das Karls­ruher Urteil rea­giert, dessen Tenor in dieser spe­zi­ellen Frage aber mit sta­tis­ti­scher Krea­ti­vität unterläuft?

Anders gefragt: Steht die Höhe der künf­tigen Regel­sätze längst fest – als politi– sche Zahl, der die Berech­nung nun ledig­lich zu folgen hat?

Wenn ja, dann bekommt Karls­ruhe sicher bald schon wieder etwas zu tun.

Quelle: Der Freitag – Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung. Danke !

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Kategorie » Arbeit/Gewerkschaft, BA/ArGe/Hartz IV « | Tags » , , , «

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Ein Kommentar

  1. 1

    Kommentar ohne Gravatar

    stardust 18.09.2010 um 16:22 Uhr

    es ist fest davon aus­zu­gehen, dass die erho­benen zahlen, betreffs der teue­rungs­rate und des ein­kom­mens, mani­pu­liert sein werden, haben sie doch immer schon gemacht, wohl wis­send, dass selbst in den medien, die teu­er­rungs­raten genannt wurden und werden, aber kann man(n) den medien noch trauen, wohl nicht, da sie mehr und mehr, von der politik beein­flusst werden, einmal mehr, beweist sich, dass dieser staat aus mani­pu­la­tion, fäl­schung, lug und betrug besteht, dass nicht erst bei dieser regie­rung, die es aber zu einem sport gemacht hat und es zu einer per­ver­sion gebracht hat, die in der deut­schen geschicht, seit 1945, seines glei­chen sucht, heute gilt der aus­spruch, "trau keiner sta­tistik, die du nicht selbst gefälsch hast" mehr den je, diese nicht­re­gie­rung, wirft mit zahlen um sich, die jeder sta­tis­ti­schen grund­lage wider­spre­chen und immer zum nach­teil, der betrof­fenen gruppen sind, eine reelle berech­nungs­grund­lage wäre ein waren­korb, mit preisen, die jetzt real sind, aber nein, sie nehmen den von 2008, das allein ist schon ver­werf­lich, aber die mani­pu­lierten mario­netten der finanz– und indus­trie­bosse, können nur lügen, das aber, bis sich die balken biegen, mögen diese ihnen, eines tages, auf den kopf fallen, dann aber richtig hart.