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Merkel’s “großer Tritt”

Montag, 27. September 2010-9:13 -|- Eingestellt von: |

Von Klaus Wall­mann sen. | RandZone-​Online | — Fünf Euro mehr sollen Hartz-​IV-​Empfänger ab Januar erhalten. Darauf hat sich die schwarz-​gelbe Koali­tion heute ver­stän­digt. Eine Ent­täu­schung für die 6,7 Mil­lionen Hartz-​IV-​Empfänger?

Wohl nur für die, die noch immer Illu­sionen über diesen Staat der Mono­pole und dessen Poli­tiker von Gnaden des Kapi­tals hegen. Ein Skandal? Wohl kaum, denn das “unab­hän­gige” Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat keine Erhö­hung ver­langt, son­dern nur eine nach­voll­zieh­bare Neu­be­rech­nung, die es nun angeb­lich gibt, und bei der eben nur diese 5 Euro rauskommen.

Merkel, See­hofer und Wes­ter­welle zeigen sich zufrieden, werden inner­lich aber wohl doch ein wenig zit­tern, wie das Volk denn nun rea­giert. Sie zit­tern nur ein biß­chen, denn ihr Respekt vor den Massen dürfte ange­sichts des bisher geringen Wider­stands gegen ihre jah­re­lange volks­feind­liche Politik ziem­lich tief gesunken sein.

Und wer sich nicht wehrt, der darf sich nicht wun­dern, daß er einen wei­teren Tritt erhält. Frau Merkel nennt das aller­dings einen “großen Schritt”. Sie ver­kauft uns die 5 Euro als “sach­ge­recht” und richtet das Augen­merk darauf, “die Dauer von Hartz IV so kurz wie mög­lich zu halten”. Dazu müßten “Anreize” für Arbeit geschaffen werden.

Das übliche Gesö­dere also, wäh­rend Mil­lionen Arbeits­losen aktuell gera­demal 700.000 Arbeits”stellen” gegen­über­stehen, von denen ein großer Teil übri­gens keine ordent­li­chen, sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tigen Voll­zeit­jobs sind.

SPD-​Parteichef Gabriel tönt wahl­kämp­fe­risch: “Die Merkel lässt sich gerade von Wes­ter­welle dazu erpressen, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu miss­achten.” Auch er lenkt von den wahren Herren im Lande ab, die einst die “Sozi­al­de­mo­kratie” zu Hartz IV preßten.

Gabriel tönt weiter, daß sich die SPD bei der Bestim­mung des Exis­tenz­mi­nimum weder von der Kas­sen­lage noch von der “Gefühls­lage Wes­ter­welles” leiten lassen will, nur — wovon hat sie sich damals leiten lassen, als sie als Regie­rungs– partei den Regel­satz fest­legte? Der ver­fas­sungs­widrig war, wie wir heute wissen. Was den betro­genen Hartz-​IV-​Empfängern aber nichts nützt. Und nun schwätzt man als “Oppo­si­tion” vom Ver­fas­sungs­bruch der Regierenden.

Auch Frau Künast ist in heller Auf­re­gung, als hätte sie nicht gewußt, wie diese “Ver­stän­di­gung” aus­gehen würde. Was pein­lich für sie wäre. “Die Kli­entel bedie– nen und der sozialen Gerech­tig­keit ins Gesicht schlagen, das ist heute Schwarz-​Gelb.” Stimmt. Und vor einigen Jahren war es Rot-​Grün. Schon alles ver­gessen, Frau Künast?

Und so geht es munter dümm­lich weiter. Herr Ernst von den “Linken” spricht von “glattem Ver­fas­sungs­bruch”, Herr Schneider vom “Wohl­fahrts­ver­band” von “sozi­al­po­li­ti­schem Skandal”, der den “begrün­dete Ver­dacht” auf­kommen ließe, daß die Arbeits­mi­nis­terin dem Druck des Wirt­schafts­flü­gels und der Haus­halts­po­liti– ker in der Koali­tion erlegen sei.

“Ver­dacht” ist köst­lich, wobei die Ver­wen­dung dieses Wortes nur ein wei­teres Mal beweist, daß der lie­bens­werte Herr Schneider den Unter­schied zwi­schen Macht­be­sitz und Regie­rung wohl nie ver­stehen wird. Wobei er aller­dings leider nicht der Ein­zige ist.

Die Sozi­al­ver­bände kün­digen wie­der­einmal “Wider­stand” an, die “Grünen” wol– len in Karls­ruhe “prüfen” lassen, und ansonsten setzt man auf den Bun­desrat, in dem Union und FDP keine eigene Mehr­heit mehr haben. Die SPD kün­digt denn auch schon mal an, dort Wider­stand zu leisten.

Am 20. Oktober soll aber erst das Bun­des­ka­bi­nett ent­scheiden, danach berät der Bun­destag, und dann erst kommt der Bun­desrat zum Zuge. Bis dahin sollten sich die 6,7 Mil­lionen Hartz-​IV-​Empfänger aber nicht in der berühmt-​berüchtigten Hän­ge­matte wälzen, son­dern selbst Wider­stand leisten. Anreize dafür gibt es inzwi­schen genug.

Der “Wider­stand” der Poli­tiker und “Wohl­fahrtler” erschöpft sich eh nur in der For­de­rung von 40 Euro mehr pro Monat, doch es muß um die voll­stän­dige Ab– schaf­fung von Hartz IV gehen. Dieses Gesetz ist des­halb volks­feind­lich, weil es Aus­wir­kungen auf breite Schichten der Bevöl­ke­rung hat, nicht nur auf die Hartz-​IV-​Empfänger.

Quelle: RandZone-​Online

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