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China Bubble: Angst vor der nächsten Zinserhöhung

Samstag, 13. November 2010-16:50 -|- Eingestellt von: |

Von Georg Erber | Rea­ders Edi­tion 12.11.10 | — Heute ist der Shanghai Composite-​Index an der Börse um über 5% ein­ge­bro­chen. Auch in Hong Kong gaben die Kurse auf breiter Front deut­lich nach.

Die uner­wartet hohen Zahlen über die Infla­ti­ons­rate in China haben Ängste geschürt, dass die chi­ne­si­sche Zen­tral­bank dem­nächst die Zinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben wird. Das ergeb­nis­lose G20-​Treffen in Seoul dürfte auch keine opti­mis­ti­sche Stim­mung in dem noch boo­menden Land auf­kommen lassen. China ver­sucht mit immer schär­feren Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trollen, sich der Flut aus­län­di­scher Gelder zu erwehren.

Was man über­sieht ist, dass die Infla­tion ja auch eine ein­hei­mi­sche Ursache hat. Es sind die nicht bösen aus­län­di­schen Spe­ku­lanten und die Dol­lar­flut, die das Land in den nahenden Abgrund einer plat­zenden Immo­bi­li­en­blase treiben. Der grö­ßere Teil ist home made.

Ein Ban­ken­system, das mit hem­mungs­loser Kre­dit­ex­pan­sion Liqui­dität in die Hände von ein­fluss­rei­chen chi­ne­si­schen Spe­ku­lanten gegeben hat, ist mit dem blame game auf die bösen Aus­länder nicht unter Kon­trolle zu bringen. Bei der Begren­zung auch der inlän­di­schen Spe­ku­la­tion ins­be­son­dere im Immo­bi­li­enbe– reich hat die Regie­rung ver­sagt. Erst in der Summe wird das ganze Ausmaß der Fehl­ent­wick­lung deutlich.

Irra­tio­nale Über­trei­bungen allerorten

Irra­tio­nale Über­trei­bungen ent­stehen immer dann, wenn der innere Kom­pass für wirt­schaft­lich nach­hal­tige sinn­volle Inves­ti­tionen ver­loren geht. Durch die glo­bale Liqui­di­täts­schwemme der letzten andert­halb Jahre sitzen inzwi­schen welt­weit Finanz­in­ves­toren wieder auf Geld­summen, die nach einer ren­ta­blen Anlage suchen. Leider hat diese Über­schuss­li­qui­dität die Zinsen in sichere Anlagen von Schuld­ver­schrei­bungen in den Keller getrieben.

Da aber auf­grund der Unsi­cher­heit über die welt­weite Kon­junk­tur­lage – man glaubt eben den hehren Ver­spre­chungen der Poli­tiker, dass das Schlimmste bereits hinter uns liege nicht – wird Kasse gehalten oder nur in kurz­fris­tige Titel investiert.

Umge­kehrt gibt es aber eben auch Regionen, die wie China, Indien, Bra­si­lien oder Russ­land als Orte güns­tiger Lang­frist­in­ves­ti­tionen auf­grund ihrer Wachs­tums­per­spek­tiven ein­ge­schätzt werden. Dort glauben Inves­toren, eine sichere lang­fris­tige Anlage ins­be­son­dere im Bereich der Immo­bi­lien gefunden zu haben. Aller­dings klaffen bei rapide stei­genden Immo­bi­li­en­preisen die Ertrags­werte von den Anschaf­fungs­werten immer weiter aus­ein­ander – sprich man baut auf dem Irr­glauben auf, dass die Immo­bi­li­en­preise nur eine Rich­tung kennen — nach oben.

Die Story kennen wir nur allzu gut aus den USA, Spa­nien, Groß­bri­tan­nien und auch Irland. Dass man sich dabei fun­da­mental irren kann, haben dort bis zum Jah­res­ende rund sieben Mil­lionen Eigen­heim­be­sitzer durch eine Zwangs­ver­stei­ge­rung erfahren müssen. Hinzu kamen damals noch die vielen gut­gläu­bigen Käufer der toxic papers – sprich Verbriefungen.

Nun behauptet China ja immer, dass durch eine bes­sere Besi­che­rung durch höhere Eigen­ka­pi­tal­an­teile der Domi­no­ef­fekt in China ver­meidbar sei, aller­dings ändert das ja nichts an der Tat­sache, dass sich für den Fall der Immo­bi­li­en­preise gewal­tige Ver­luste auf­türmen werden.

Selbst wenn der Ban­ken­sektor zunächst durch den Eigen­ka­pi­tal­an­teil der Immo­bi­li­en­er­werber vor dem direkten Ver­mö­gens­ver­lust geschützt zu sein scheint, kann er im Insol­venz­fall auch nur eine Immo­bilie erwerben, die sich unter den dann vor­herr­schenden Markt­ver­hält­nissen ohne Ver­luste nicht ver­äu­ßern lässt.

Die insol­venten Schuldner werden auf­grund ihrer finan­zi­ellen Lage dann eben zur Liqui­die­rung ihrer sons­tigen Ver­mö­gens­werte gezwungen sein. So manch fast neuer BMW oder Mer­cedes wird dann zu Schleu­der­preisen ange­boten werden. Im Übrigen dürfte dann der pri­vate Ver­brauch in den Keller gehen. Der Über­tra­gungsweg der Krise in China wird anders laufen, aber das End­er­gebnis dürfte ähnlich dra­ma­tisch wie in den USA sein.

Ein Bau­boom, der abrupt zusam­men­bricht, Arbeits­lo­sig­keit unter Mil­lionen Wan­der­ar­bei­tern, Defla­tion im Immo­bi­li­en­markt oder Geschäfts­banken die auf Immo­bi­li­en­be­ständen sitzen, die sich nicht ohne hohe Ver­luste zu Geld machen lassen:

Was China und den anderen BRIC-​Staaten fehlt, ist ein wirk­samer Regel­mecha– nismus, der irra­tio­nale Über­trei­bungen wie zuletzt in den ent­wi­ckelten Län­dern bremsen kann. Woher sollte dies auch kommen? Ihre Lehr­meister des Kapi­ta­lismus haben ja genauso versagt.

Quelle: Rea­ders Edition

Dieser Artikel ist unter einer CC Lizenz lizenziert.

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